Okay, konnte mich aber nicht begeistern
Alt genugNach dem Buch "Altern" von Elke Heidenreich nun "Alt genug" von Ildikó von Kürthy.
Zwei unterschiedliche Frauen mit der gleichen gesellschaftlichen Agenda: Den Frauen im Alter Ü50 eine Stimme geben, sie ...
Nach dem Buch "Altern" von Elke Heidenreich nun "Alt genug" von Ildikó von Kürthy.
Zwei unterschiedliche Frauen mit der gleichen gesellschaftlichen Agenda: Den Frauen im Alter Ü50 eine Stimme geben, sie aus dem Schatten des Jugendwahns zurück ins Licht zu holen.
In einer Zeit, wo schon sehr junge Frauen zu Botox greifen, sich "in shape" auf Insta oder TikTok präsentieren, propagieren zeitgleich immer häufiger Frauen Ü40 ein Leben in dem älter werden mit ersten Falten und ersten grauen Haaren keine Zeichen von "vorbei" sind, sondern von Selbstbewusstsein und Stil.
Da passen solche Bücher sehr gut.
Vieles von dem was Frau von Kürthy schreibt, kann ich durchaus unterschreiben.
So finde ich z.B. Sätze wie "Meine Augen werden schlechter und der Blick schärfer" großartig.
Das mit bequemer Unterwäsche und unbequemen Wahrheiten hätte von mir oder für mich geschrieben sein können.
Was Frau von Kürthy (und Frau Heidenreich) im Prinzip sagen, bzw. schreiben, ist: Die Welt ändert sich, die Zeiten ändern sich - und wir ändern uns auch. Und das ist gut so.
Und nur weil wir nicht mehr jeden Trend mitmachen, sind wir noch lange nicht weg vom Fenster.
Es ist doch so oft nur ein "hatte ich schon, muss ich nicht mehr", wenn wir nicht mehr jeden Tanz mittanzen wollen.
Wir Frauen Ü50 sollten niemandem mehr etwas beweisen müssen. Auch uns selbst nicht.
Irgendwann im Alter Ü50 entscheidet sich jede Frau (bewusst oder unbewusst) entweder zu nicken, zu schweigen und in den Hintergrund zu treten - oder klar, deutlich und vor allem laut die eigene Position oder Meinung zu vertreten.
Ich gehöre zur zweiten Kategorie.
Die Stärke von "Altern" war in meinen Augen die Gelassenheit, mit der Elke Heidenreich ihre persönliche Nabelschau - incl. ehrlicher Selbstkritik - zu Papier gebracht hat.
In "Alt genug" scheint mir aber - bei aller Ehrlichkeit und Selbsterkenntnis - stellenweise ein wenig Arroganz mitzuschwingen.
Bei mir ist mehr als einmal der Eindruck entstanden, dass die Autorin sehr stolz auf ihre positive Einstellung zum älter werden ist, während andere quasi als "noch nicht soweit" eingestuft wurden. Wie bei Kindern, denen man sagt "Werde erstmal erwachsen, dann kannst du mitreden." Das fand ich stellenweise fast schon etwas überheblich.
Auch fand ich die Passage zum Thema Alkohol recht belehrend.
Dazu dreht sich ein größerer Teil des Buches um die Selbstzweifel, Neurosen und Psychosen der Autorin - und wie sie diese erfreulicherweise besser in den Griff bekommen hat.
Sollte es lt. Klappentext nicht um ein anderes Thema gehen?
Frau von Kürthy schreibt, dies sei ihr persönlichstes Buch und da liegt meiner Meinung nach auch die Schwäche, denn es ist mir ZU persönlich - und geht mir zu oft am erwarteten Thema vorbei.