Geheimnisvolle Wege, philosophische Gedanken
Silvain Tesson ist für mich durch sein Buch “In den Wäldern Sibiriens” kein unbekannter. Darin lebt er weit abgeschieden von der Zivilisation 6 Monate in einer einfachen Blockhütte ohne jeglichen Komfort ...
Silvain Tesson ist für mich durch sein Buch “In den Wäldern Sibiriens” kein unbekannter. Darin lebt er weit abgeschieden von der Zivilisation 6 Monate in einer einfachen Blockhütte ohne jeglichen Komfort zusammen mit zwei Hunden. Man kann also sagen, er ist ein Mann der Extreme. Er sucht die Einsamkeit ohne sich jetzt von den Menschen abzuwenden. Er liebt die Ruhe und die Einfachheit die in unserer Welt der Hektik, Eile und Bequemlichkeit nicht immer leicht zu finden sind.
In “Auf versunkenen Wegen” macht er sich auf, um das ursprüngliche Frankreich zu erkunden. Auf geheimnisvollen Pfaden durchstreift er sein Heimatland von der Provence im Süden bis zum entlegensten Zipfel der Normandie im Norden. Nicht immer gelingt es ihm, dem Pfad zu folgen. Private Grundstücke, Verbotsschilder, Straßen oder Sperrzonen behindern sein Fortkommen auf Wegen, denen Mensch und Tier zu früheren Zeiten wie selbstverständlich gefolgt sind. Aber wie kam es zu diesem Unterfangen? Tesson hatte einen schweren Unfall, der ihn beinahe das Leben gekostet hätte und an dessen Folgen er lange Zeit zu kämpfen hatte. Anstatt seine Genesung in einem Reha-Zentrum voranzutreiben, beschloss er sich über längst vergessene Wege und Pfade zurück ins Leben zu arbeiten.
Seine Tagbucheinträge sind gespickt mit Eindrücken von Land und Leuten, seinen eigenen Gedanken und Philosophien. Es ist sehr gut zu lesen, doch hatte ich mir irgendwie doch etwas anderes vorgestellt. Einzelne Passagen der Region und der Wege kann man sich zwar gut vorstellen, doch ist der Bericht eher tiefsinnig und es geht einfach um ihn selber. Er macht keinen Hehl daraus, dass er vor dem Unfall dem Alkohol nicht abgeneigt war und so manchen Rausch zu verbuchen hatte. Was auch zu seinem Unfall führte. In seiner Wanderung verarbeitet er einige persönliche Dramen.
Mein Fazit:
Das Buch ist kein Reisebericht und natürlich auch kein Wanderführer. Tesson erzählt zwar von seinen Eindrücken über Land und Leute, doch mehr erfährt man was ihn antreibt, welche Gedanken ihn beschäftigen, während er durch Frankreich streift. Ein mitunter recht philosophisches Buch mit wunderschönen Fotos vorne und hinten in der Klappe. Es beweist, dass man auch bei uns noch abgeschiedene Orte und Ruhe finden kann. Das es Möglichkeiten und Wege gibt, mit viel Willen und Hartnäckigkeit zu genesen.