Was die Armen wirklich brauchen
Dazu, wie man Armut bekämpfen oder zumindest dem Armen am besten helfen kann, gibt es zahlreiche unterschiedliche und einander oft widersprechende Ansichten. Meist fußen diese jedoch hauptsächlich in den ...
Dazu, wie man Armut bekämpfen oder zumindest dem Armen am besten helfen kann, gibt es zahlreiche unterschiedliche und einander oft widersprechende Ansichten. Meist fußen diese jedoch hauptsächlich in den jeweiligen Menschen- und Weltbildern ihrer Vertreter und beruhen nicht auf wissenschaftlichen Fakten.
Abhijit Banerjee und Esther Duflo zeigen hier, dass es entgegen manch landläufiger Meinung sehr wohl möglich ist, die wissenschaftliche Methode auch auf dieses Thema anzuwenden. Sie beschreiben eine Vielzahl an Studien, die in verschiedenen „armen“ Ländern durchgeführt wurden und beispielsweise untersuchten, ob Dinge wie Moskitonetze oder Desinfektionsmittel besser gratis oder zu einem subventionierten Preis angeboten werden sollten, woran es wirklich liegt, dass staatliche Gesundheits- oder Bildungseinrichtungen oft relativ wenig bewirken oder ob Mikrokredite das Leben der Armen tatsächlich so sehr verbessern wie von den Mikrofinanzinstituten behauptet. Häufig wurde dabei streng wissenschaftlich vorgegangen, indem etwa in vergleichbaren Dörfern jeweils unterschiedliche Interventionen gesetzt und deren jeweilige Einflüsse auf eine bestimmte Variable ausgewertet wurden.
Daneben lassen die Autoren auch persönliche Erlebnisse aus Begegnungen mit Menschen einfließen, die von weniger als 99 Cent am Tag leben müssen.
Immer wieder zeigt sich dabei, dass viele Annahmen, die über die Lebensumstände oder die Mentalität der Armen kursieren, nicht der Realität entsprechen. Die Autoren rufen daher einerseits dazu auf, Verständnis dafür zu haben, dass Arme sich beispielsweise um vieles selbst kümmern müss(t)en, was für Bewohner reicher Länder selbstverständlich ist, wie Zugang zu sauberem Trinkwasser, Finanzdienstleistungen oder Informationen etc. Andererseits sollten sie aber auch nicht idealisiert (und beispielsweise als geborene Unternehmer bezeichnet) werden.
Weiters wird unter anderem betont, dass es nicht nötig (und oft nicht machbar ist), gleich alles umzukrempeln und zu perfektionieren (zum Beispiel das ganze politische System zu reformieren), um Verbesserungen zu erzielen.
Insgesamt verdeutlicht dieses Buch, dass es für den Umgang mit Armut keine Patentlösungen gibt und regt auch zum Nachdenken darüber an, welche Vorurteile gegenüber armen Menschen und armen Ländern kursieren.
Die Lektüre ist daher Großteils sehr interessant. Dennoch gibt es auch Längen: Die Aneinanderreihung einer Information an die andere ist bisweilen etwas ermüdend und manche Aussagen werden mehrmals wiederholt.