Ein Buch, das im Grunde ein Podcast ist
Im Grunde beinhaltet das Buch ein langes Gespräch zwischen den nicht-autistischen Claus Dick und dem autistischen Andreas Croonenbroeck, der als Gründer des "Autismus verstehen" Magazin eine gewisse Bekanntheit ...
Im Grunde beinhaltet das Buch ein langes Gespräch zwischen den nicht-autistischen Claus Dick und dem autistischen Andreas Croonenbroeck, der als Gründer des "Autismus verstehen" Magazin eine gewisse Bekanntheit hat. Sie gehen mit dem Autismus-Fokus lebensgeschichtlich chronologisch durch die Erfahrungen in Kindergarten, Schule, Berufsleben und sprechen am Ende über die späte Diagnose. Das ganze las sich für mich leicht, auch die graphische Gestaltung, mit den seitlich gegliederten und durch kursive Schrift differenzierten Redebeiträgen sowie den kleinen Definitions- oder Hintergrundseinschüben am Rand, war klar und aufgeräumt. Ich würde das Buch als niedrigschwellig beschreiben, Vorwissen wird nicht vorausgesetzt. Es eignet sich meiner Meinung nach auch gut bei Interesse am Thema ohne tief einsteigen zu wollen. Dabei geht es eben viel um die Erfahrungen von Andreas, andere autistische Perspektiven, wie zb nicht-sprechender oder früh diagnostizierter Autistinnen bekommen keine differenzierte Aufmerksamkeit. Schön ist, dass durch das Gesprächsformat mögliche Reaktionen nicht-autistischer Lesenden gezielt aufgegriffen werden, da Claus diese aus seiner Perspektive formuliert. Ich denke, das kann maßgeblich dazu beitragen ansonsten häufige Abwehrreflexe zu umgehen. Auch, wenn das Buch mMn keine große Tiefe aufweist oder sehr persönlich wird, sind die Schilderungen dazu, was Autismus heißen kann nicht unbedingt oberflächlich. Sie fokussieren die Innenperspektive und bringen komplexe Sachverhalte auf dieser Erfahrungsebene recht klar zum Ausdruck. Ich fand durchaus das relevante Punkte abgedeckt wurden und zt auch mit einer hilfreichen Deutlichkeit, die bei komplex-umfassender Darstellung gern mal verloren geht.
Ein übergeordneter Blick auf Inklusion und Behinderung oder auch psysystem Kritik findet sich nicht, lediglich vor ABA und Co wird am Ende gewarnt. Das Buch hat wirklich keinen anklagenden, wütenden Ton.