Profilbild von IlonaThoem

IlonaThoem

Lesejury Profi
offline

IlonaThoem ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit IlonaThoem über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.07.2026

wenn niemand so wirklich da sein will

Pause
0

Hanna bricht auf der Arbeit zusammen und strandet dann erstmal bei ihren Eltern.

Die Autorin erzählt mit einer guten Beobachtungsgabe für die Marotten der gutbürgerlichen Vorstadt, oft in einer ironischen ...

Hanna bricht auf der Arbeit zusammen und strandet dann erstmal bei ihren Eltern.

Die Autorin erzählt mit einer guten Beobachtungsgabe für die Marotten der gutbürgerlichen Vorstadt, oft in einer ironischen Überzeichnung, eine Geschichte über die Sprachlosigkeit nach Schicksalsschlägen. Was Hanna passiert ist können wir als Leser den Hinweisen im Text entnehmen, aber ausgeschrieben wird es nicht. Denn genau darum geht es. Um die Vermeidung und Überforderung von Hannas nahem Umfeld und auch von ihr selbst. Nur dass sie die Einzige ist, die das Problem nirgends mehr hinschieben kann, denn sie ist das Epizentrum.

Im Stil wird hier eher distanziert erzählt, Hannas „funktionieren“ und „keine Last sein wollen“ spiegeln sich darin. Ich bin trotzdem gut in die Geschichte rein gekommen und fand es locker zu lesen, es gibt genug emotional ansprechenden Inhalt und auch die leicht überzeichnete Darstellung bringt Witz und Schwung in die Erzählung. Allerdings, insbesondere Szenen mit nur einmal auftauchenden Nebencharakteren, werden so stark überzeichnet, dass sie teilweise ins Unangenehme kippen.

Die Entwicklung im Buch ist langsam, Hannas Weg steinig, das Ende sehr passend, aber auch nicht der große Durchbruch, den sich manch einer erhoffen mag. Mich hat in dieser Hinsicht das Realistische des Buches abgeholt. Und: Jede der Szenen im Gesundheitssystem fand ich treffend und ehrlich, was ich sehr wertschätze.

Insgesamt hat mir das Buch gut gefallen, ich finde es eine starke Auseinandersetzung mit den Folgen eines Schicksalsschlages, von dem niemand so wirklich etwas wissen will.

Spoiler: Es geht im Buch um Schwangerschaftsverlust, dies wird immer nur angedeutet, daher denke ich, dass das Buch relativ triggerarm ist.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.06.2026

ganz großes Kino

Dunbridge Academy - Whoever
0

Diese Rezension zu schreiben ohne zu spoilern war eine ganz schöne Herausforderung. Daher auch meine Warnung, dass die Content Notes hinten im Buch ebenfalls ordentlich spoilern.

In diesem Band geht es ...

Diese Rezension zu schreiben ohne zu spoilern war eine ganz schöne Herausforderung. Daher auch meine Warnung, dass die Content Notes hinten im Buch ebenfalls ordentlich spoilern.

In diesem Band geht es um Cleo und Alex. Cleo kennen wir ein bisschen schon aus Band drei der ersten Reihe, denn sie ist Colins kleine Schwester. Dieser Band ist auf jeden Fall unabhängig davon lesbar, aber Colin hat schon eine relevante Nebenrolle und für mich hat das Wissen aus der Vorreihe diesen Band deutlich bereichert. Die – nicht ganz einfache – Balance eines Spin-off hat die Autorin gut gehalten. Die Dunbridge Academy kommt mit vertrauten Strukturen, Regeln und Personen daher, es fiel mir wirklich leicht wieder dort anzukommen. Gleichzeitig ist die Freundesgruppe die jetzt im Fokus steht frisch und neu und bringt eigene Themen mit. Alex reitet und hat ein eigenes Pferd, so dass wir in diesem Band den Stall der Dunbridge Academy näher kennen lernen. Er hat einen Zwillingsbruder, was eine interessante Dynamik mit reinbringt und mit Cleo geht es erzählerisch in medias res. Vielleicht auch, weil Whoever eine second Chance Romance ist und durch die Rückblenden eh eine nicht nur zeitliche Tiefe der Erzählung entsteht. Der Spannungsaufbau hat davon auch sehr profitiert, ich habe das Buch an zwei Tagen weggelesen und wollte immer wissen, wie es weitergeht. Am Anfang ist die Frage, warum die beiden sich überhaupt getrennt haben, dann ob sie wieder zusammen kommen und an jedem Punkt, an dem es etwas ruhiger wird kommt noch ein völlig unvorhersehbares Überraschungsdrama.

Inmitten von Spannung, Drama und Neckereien verbirgt sich eine gefühlvolle und verletzliche Geschichte von junger Liebe und dem gemeinsamen Umgang mit Herausforderungen, die mich sehr berührt hat. Die Autorin erzählt hier sensible Themen mit viel Umsicht und Verständnis und Hoffnung die die Verzweiflung nicht negiert. Es kommt alles wirklich gelungen zusammen in diesem Band und ich glaube, er profitiert sehr von der Eingebundenheit in diese Serie.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.05.2026

nope

Der letzte Sommer vor dem Rest unseres Lebens
0

Diese Erzählung ist eher leise, zaghaft, langsam und, sorry, langweilig.

Mina und Caplan kennen sich schon seit der Grundschule und sind beste Freunde, obwohl sie ganz unterschiedlich sind. Jetzt machen ...

Diese Erzählung ist eher leise, zaghaft, langsam und, sorry, langweilig.

Mina und Caplan kennen sich schon seit der Grundschule und sind beste Freunde, obwohl sie ganz unterschiedlich sind. Jetzt machen sie ihren Highschool-Abschluss und Dinge verändern sich, auch zwischen ihnen. Ich mochte Mina und Caplan. Ich war neugierig auf ihre Beziehung. Aber trotz gefühlter tausend Rückblenden hatte ich bis zum Schluss das Gefühl als Leser emotional außen vor zu bleiben und ihrer Beziehung wie das dritte Rad am Wagen zu zusehen. Die Beziehung der beiden wirkt echt und authentisch. Nur eben auch unzugänglich. Was vermutlich deep wirken soll, kam bei mir hauptsächlich emotional distanziert an. Und das trotz einiger wirklich gelungener Szene. Die für mich von der Charakter- und Plotentwicklung zu sehr in der Luft hingen. Ich hatte immer wieder schlicht keine Lust weiterzulesen…

Auch sprachlich-stilistisch hat das Buch mich leider nicht überzeugt. Ich hatte immer wieder Schwierigkeiten mir zu merken, aus wessen Perspektive das jeweilige Kapitel gerade geschrieben war, weil sich dies nicht genug auf die Erzählweise ausgewirkt hat. Genauso habe ich mich in aneinandergereihter wörtlicher Rede verloren. Dass man dem Text deutlich anmerkt, dass es sich um eine Übersetzung handelt, hat auch nicht geholfen.

Am Stärksten fand ich noch die Darstellung der sich entwickelnden Freundschaft zwischen Mina und Hollie und die Auseinandersetzung mit sexualisierter Gewalt, vielleicht wäre ein Fokus auf diese Themen für die Erzählung besser gewesen und hätte statt einzelner guter Szenen ein konsistenteres Ergebnis geliefert.

So ist mein Eindruck aber, dass es sich nicht lohnt „Der letzte Sommer vor dem Rest unseres Lebens“ zu lesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.05.2026

Geniale AuDHS Rep

Violet – Die Wasserhexe und der Totengott
0

Eine AuDHS Hexe im Burnout, Berlin überrannt von Zombies und ein depressiver Todesgott? Was für eine Mischung!

Dieses Buch lebt von seinem Humor und seinen Charakteren. Die Darstellung von Violet, der ...

Eine AuDHS Hexe im Burnout, Berlin überrannt von Zombies und ein depressiver Todesgott? Was für eine Mischung!

Dieses Buch lebt von seinem Humor und seinen Charakteren. Die Darstellung von Violet, der Hexe, ist so unfassbar gut. Auch, wenn ich den ADHS Part nicht aus eigener Erfahrung nachfühlen kann, die Autismus Aspekte und allem voran der Burnout sind so treffend und in Nuancen, die ich niemals selber hätte formulieren können, authentisch, das hat mich immer wieder kalt erwischt. Gleichzeitig ist das ganze so gut erklärt, dass ich denke, auch Lesende ganz ohne entsprechende eigene Erfahrungen sollten sich gut einfühlen können. Die Fantasywelt, insbesondere natürlich Violets Erleben ihrer eigenen Magie, verstärkt diese Charakterisierung und Darstellung von Violets Sein. Zusammen mit dem zweiten Hauptcharakter und der Interaktion zwischen den Beiden, hat mich das sehr berührt. Für mich war diese Repräsentation ein großes Geschenk.

Der Plot muss zeitweise hinter der intensiven Charakterisierung zurück stecken und ist ein wenig uneben gepaced. Er nimmt erst im letzten Drittel so richtig Fahrt auf. Die Fantasywelt ist leicht chaotisch und voller Möglichkeiten und das macht ihre Faszination aus. Ich hatte bezogen auf die Zombies wirklich bis zuletzt keine Ahnung, wie das alles ausgehen würde und war dann überrascht, dass es sich um einen Reihenauftakt statt einen Einzelband handelt. Dazu passt die Gestaltung des Plots auch besser und für die folgenden Bände haben wir noch jede Menge Fragen und Aufgaben über, das wird toll!

Die Sprache im Buch ist recht jung, gleichzeitig ist Violet kein Teenager mehr und das wird auch deutlich. Mit dem Satzbau hatte ich teilweise Schwierigkeiten, insbesondere, wenn Personalpronomen für mich „in der Luft hingen“ und ich der Logik der Sätze nicht ganz folgen konnte. Das ist sehr authentisch ADHSig, ich fand‘s mitunter trotzdem anstrengend zu lesen. Der Humor im Buch ist grandios, da ist Situationskomik, manchmal bis hin zum Slapstick, viel Neckerei und Satire. Das hat mir richtig Spaß gemacht und Schwung ins Lesen gebracht. Viele der Nebencharaktere haben bisher ungenutztes Potential und ich gehe davon aus, dass sie die nächsten Bände noch mehr bereichern werden.

Alles in allem hat die Erzählung ihre Schwächen, aber auch ganz klare Stärken, die es für mich sehr lohnenswert gemacht haben.

Besonders gefallen hat mir die detaillierte Einordnung dessen, was wir erwarten können, bevor die eigentliche Erzählung beginnt. So schön klar und hilfreich um mich zu entscheiden, ob dieses Buch (gerade) für mich passt – das hätte ich gerne in jedem Buch!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.05.2026

Einmal Herzschmerz

Last Kiss of Summer
2

Cape Cod hat die perfekten Sommervibes und ein heimeliges Kleinstadtfeeling. Mir fiel es leicht mit Sera an diesen Ort zurück zu kommen und gleich mitten im Geschehen zu sein. Die meisten Charaktere kennen ...

Cape Cod hat die perfekten Sommervibes und ein heimeliges Kleinstadtfeeling. Mir fiel es leicht mit Sera an diesen Ort zurück zu kommen und gleich mitten im Geschehen zu sein. Die meisten Charaktere kennen sich und die Autorin schafft es, uns als Lesenden das Gefühl zu geben, auch wir würden alle(s) schon ewig kennen. Das liegt auch an Seras Erzählstimme, die ab und zu von Lukes Perspektive abgewechselt wird. Sera ist eine sehr offene und emotionale Erzählerin und ich hatte sie schon nach wenigen Seiten sehr gern. Sie erzählt freimütig von ihrer Freude und Sehnsucht nach Leben in diesem Sommer und von der schwierigen Zeit, die sie in den zwei Jahren davor mit ihrer Herzerkrankung hatte. Das Buch schafft es bis zum Ende diese Mischung aus Hoffnung, Leichtigkeit, Angst und Schwere zum Besten der Erzählung auszutarieren. Es fühlt sich durchgängig einfach stimmig an. Die Darstellung von Seras Krankheit hat mir gut gefallen, Leben und der Horizont des Sterbens werden in vielen Kleinigkeiten authentisch reflektiert. Ich mag besonders, wie viel Raum Sera als Charakter für die Zwischentöne bekommt. Sowohl darin, was sie als Person ausmacht, als auch darin, wie sich die Krankheit auf ihr Leben aus(ge)wirkt (hat). Gleichzeitig ist dieses Buch so eine emotionale Wucht, dass es sich ein bisschen Kitsch und „Schicksal“ erlauben kann ohne dadurch billig zu wirken. Das Gute ist ein bisschen zu gut und das Schlimme ein bisschen zu schlimm, aber irgendwie passt das zum Buch.

Ich habe es geliebt mit Sera (und Luke) die vielen kleinen Ausflüge und Momente zu erleben und habe mit den beiden mitgefiebert, ob sie das zwischen sich klären können. Die Kulisse von Cape Cod, mit der kleinen Innenstadt, dem geheimen Strand, dem Kunst Camp und den Veranstaltungen war perfekt. Mir hat gefallen wie nerdig Sera und Luke sind und welche Rolle Kunst in ihren Leben spielt, ohne, dass dahinter andere Teenager-Dinge zurücktreten mussten. Die Nebencharaktere bleiben zwar deutlich Nebencharaktere, sind aber alle greifbar und bereichern die Geschichte. Seras Familie und beste Freundin kamen mir trotzdem etwas zu kurz in der Ausgestaltung der Auswirkungen von Seras Erkrankung auf sie.

Der Schreibstil liest sich so sommerlich leicht, ich fand es war fast wie einer guten Freundin zuzuhören und brauchte wenig Konzentration, mehr emotionale Kapazität. Dadurch eignet sich das Buch auch gut für Zwischendurch, aber Achtung, einmal angefangen, wollte ich es gar nicht mehr aus der Hand legen und habe es recht schnell durchgelesen!

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl