Was zur undefinierten Apokalypse ist denn hier los?!
Ich, die ich Männer nicht kannte
"I who have never known men" ist eins dieser Bücher die Genre sprengen. Der Stil ist detached, philosophisch, anthropologisch, beobachtend und introspektiv. Die Erzählerin ist außergewöhnlich in ihrer ...
"I who have never known men" ist eins dieser Bücher die Genre sprengen. Der Stil ist detached, philosophisch, anthropologisch, beobachtend und introspektiv. Die Erzählerin ist außergewöhnlich in ihrer Distanz zu dem, was Kultur ausmacht und das prägt ihre Erzählstimme. Es ist, als wäre alles bis auf die Knochen und Grundfeste freigelegt. Mir hat das gut gefallen, obwohl ich den Stil als dissoziations-fördernd empfand.
Die Bilder und Assoziationen zu der Erzählung sind stark. Gleichzeitig wird uns nichts geschenkt, als Lesende müssen wir uns unser Verständnis selbst erarbeiten. Ob wir Parallelen ziehen wollen zu Platons Höhlengleichnis, ob wir Gender hinterfragen wollen, ob wir dem nachspüren möchten, was Würde ausmacht und so weiter. Das Buch liefert Themen und Ansätze zum darauf herumkauen.
Wer statt Fragen lieber Antworten möchte wird mit diesem Buch nicht glücklich werden und einige der Fragen, die uns das Buch spiegelt sind gewissermaßen brutal. Am Ende haben wir im Kern unserer Existenz mehr mit der Erzählerin gemein, als man glauben möchte. Ich finde, es lohnt sich, aber es gibt definitiv leichtere Kost.