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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.02.2026

Ganz nett, wenn man nicht zu genau hinschaut

Starminster - Stadt in den Wolken
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Die Idee ist toll, wer hat nicht vom Fliegen geträumt - und eine geheime Stadt im Himmel?! Auch die Gestaltung des Buches macht Lust zu lesen, das Cover wirkt warm und magisch.

Die Gefühle von Astrid, ...

Die Idee ist toll, wer hat nicht vom Fliegen geträumt - und eine geheime Stadt im Himmel?! Auch die Gestaltung des Buches macht Lust zu lesen, das Cover wirkt warm und magisch.

Die Gefühle von Astrid, der jungen Hauptperson, sind durchgehend so nachvollziehbar und echt geschrieben. Ich habe sie schnell ins Herz geschlossen. Auch ihre Starminster-Freundin bekommt schnell Kontur und Persönlichkeit. Leider sind die Reaktionen der meisten anderen Charaktere für mich nicht nachvollziehbar, ich war beim Lesen oftmals irritiert oder vor den Kopf gestoßen, insbesondere bei den Aktionen der Erwachsenen. Aus meiner Sicht folgenreiche Ereignisse haben dann doch kaum Auswirkungen, während andererseits unglaubwürdige Domino-Ketten starten. Auf mich wirkte es alles ziemlich hingeschustert. Und so ist der Plot das Schwächste an diesem Buch. Eine kindgerechte Vereinfachung geht auch ohne solche Mängel.

Toll waren die oftmals atmosphärischen Beschreibungen, egal ob Rhabarber Schuppen, Luxusbadezimmer, Himmelsseilbrücken oder Kathedrale. Die Orte werden lebendig und Astrid's Gefühle und Sehnsüchte dadurch noch greifbarer.

Auch die vielen kleinen Anregungen die eigene Werte zu schulen haben mir sehr gefallen. Astrid ist eine aufmerksame Hauptperson, ihre Beobachtungen zu Diskrepanzen und Missständen bereichern das Buch ohne zu dominant zu sein. Auch Astrid's anpackende, eigenverantwortliche Art hat mir gut gefallen.

Ich würde das Buch eher in der jüngeren Selbstleser oder älteren Vorleseecke verorten, wo die Mängel am Plot vielleicht noch eher hinter den positiven Aspekten zurück treten können.

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Zurück im Museum of broken hearts

Where I Owned My Voice
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Auch im zweiten Band steht eine Protagonistin mit chronischer Erkrankung im Mittelpunkt, Toni hat Endometriose. Ich mochte sehr wie dieser Aspekt eingebunden und dargestellt wurde, allerdings stoße ich ...

Auch im zweiten Band steht eine Protagonistin mit chronischer Erkrankung im Mittelpunkt, Toni hat Endometriose. Ich mochte sehr wie dieser Aspekt eingebunden und dargestellt wurde, allerdings stoße ich da auch gleich an etwas, was ich an der Erzählung nicht so gut fand. Denn für mich war das Buch ein wenig überladen mit Themen (ich empfehle auch die Content Note zu beachten), sodass jedes einzelne eher Szenenweise auftauchte, manches eher im Vorbeigehen behandelt wurde und sich in den ersten zwei Dritteln alles ein wenig stückhaft anfühlte. Diese Szenen haben mich einzeln aber sehr berührt, sie sind authentisch und mit emotionalem Feingefühl geschrieben. Dazu gibt es immer wieder eingestreute Überlegungen zu den gesellschaftlichen Kontexten.
Im Grunde ist die Erzählung hier vielleicht zu lebensnah - da haben Menschen eben viele Probleme und Themen auf einmal und ihre Freunde genauso - und am Ende kommt es trotzdem alles in einem persönlichen Entwicklungsschritt zusammen. Hinter der ganzen Erzählung steht ein wohlwollender Blick auf Menschen, ein differenziertes Ausloten von Grenzen und eine mutmachende Darstellung von Freund- und Partnerschaft.

Ich mochte unsere beiden Hauptpersonen, einzeln und zusammen. Die Dynamik hat mich amüsiert und berührt. Die Autorin hat hier eine schöne Spielart von grumpy x sunshine geschaffen, die wertvollen Tiefgang hat.

Der Flair von Kiel kommt im Buch so schön durch, ich habe es genossen! Strand im Winter, Regen und Wind, mal was bodenständiges halt. Ein bisschen Heimat für Nordlichter.

Auch, wenn es heißt, dass die Bände unabhängig lesbar sind, würde ich das nicht empfehlen. Dazu wird doch das Vorwissen aus dem ersten Band zum grundsätzlichen Setting vorausgesetzt und Junas weitere Geschichte relativ detailliert eingebunden.

Ich tat mich manchmal mit dem Satzbau im Schreibstil etwas schwer, ich musste beim Lesen aufpassen, dass ich auch wirklich lese und nicht "falsch vorhersage". Aber ich habe mich mit der Zeit dran gewöhnt.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Eine tiefe Auseinandersetzung mit Trauer

Wache halten
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Der englische Originaltitel "breath" übers. Atme, passt sehr gut, aber auch der deutsche Titel fängt eine wichtige Facette der Erzählung ein.
Lyrisch, poetisch, bruchstückhaft folgt die Erzählungen dem ...

Der englische Originaltitel "breath" übers. Atme, passt sehr gut, aber auch der deutsche Titel fängt eine wichtige Facette der Erzählung ein.
Lyrisch, poetisch, bruchstückhaft folgt die Erzählungen dem Sterben des Ehemannes der Protagonistin, die, zumindest überwiegend, unsere Erzählerin ist. Eine unzuverlässige wohlgemerkt, es ist nie ganz klar, was faktisch passiert und was Ausdruck ihrer inneren Erfahrung ist. Zumal die Erzählperspektive wechselt und wir als Lesende zwischendurch mit du angesprochen und in die Position der Protagonistin gezogen werden.
Das ganze ist nicht leicht zu lesen und mir ein Urteil zu bilden ist schwer. Aber, das Buch hat mich emotional sehr mitgenommen und hat eine poetische klare Kraft die gerade in seiner Verworrenheit liegt.

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Veröffentlicht am 31.01.2026

Lesefreude

The Darlington - Ethan & Grace
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Im Februar erscheint der dritte und letzte Band der "the Darlington" Reihe und das war endlich genug um meine Procrastination Band zwei zu lesen zu überwinden.

Ich hatte ziemlich Sorge, dass ich enttäuscht ...

Im Februar erscheint der dritte und letzte Band der "the Darlington" Reihe und das war endlich genug um meine Procrastination Band zwei zu lesen zu überwinden.

Ich hatte ziemlich Sorge, dass ich enttäuscht sein würde, dass ich es unrealistisch finden könnte, dass sich ausgerechnet Kates Freundinnen jetzt in die anderen Darlington Brüder verlieben sollen. Band eins war so sensibel und gut mit dem Thema Obdachlosigkeit umgegangen, dass ich Sorge hatte danach wirkt alles platt.

Ja, was soll ich sagen, absolut unnötige Sorgen waren das. Schon sehr schnell hätte ich mir vor Wut in den Hintern beißen können, dass ich dieses Buch so lange vor mir her geschoben habe...

Band zwei ist einfach genauso gut wie Band eins und trotzdem ganz anders. Der crime-Aspekt passt perfekt. Er macht die Geschichte spannend und unterscheidet sie von Anfang an vom ersten Band. Ethan und Grace kennen wir ein bisschen natürlich schon, aber Grace bekommt durch die Trauer um ihre ermordete Schwester und ihren Ehrgeiz das aufzuklären Kontur und Ethan ist vielleicht auch nicht nur der Arsch, als den wir ihn bisher geschildert bekommen haben. Wieder schafft die Autorin es sensible Themen mit emotionaler Authentizität zu schreiben, die weder zu schwer noch verharmlosend wirkt. Auch die Mischung der Themen funktioniert super, Banter, Neckereien, gefühlvolle und spannende Situationen wechseln sich ab, wobei es auch einiges an (für unsere Charaktere) sehr befriedigendem Spice gibt.
Henry und Kate aus Band eins tauchen natürlich auch auf, sind aber sehr angenehm als Nebencharaktere gestaltet. Die Geschichte um Mr. Darlington scheint der (zeitliche) rote Faden der Reihe zu sein und mir gefällt sehr, wie bereichernd die verschiedenen - und neuen - Perspektiven darauf, hier durch Ethan's POV, sind.

Ich bin nach dem Überwinden des Buch-aufschlagens regelrecht durch die Geschichte geflogen, mit viel Freude, Genuss und Dauergrinsen.

Und was mir in Bezug auf den Trilogie Abschluss nicht wieder passieren wird? Genau, diese unnötigen Sorgen. Diese Autorin weiß, was sie tut!

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Nur um den Jungen ging's eigentlich nicht...

Der Junge, der zu viel fühlte
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Immer wieder hochgelobt, in der Auseinandersetzung mit einer wichtigen Theorie zu Autismus, kam dieses Buch mit Vorfreude auf meine "Ausleihen wenn verfügbar" Bibliotheksliste. Jetzt habe ich es fertig ...

Immer wieder hochgelobt, in der Auseinandersetzung mit einer wichtigen Theorie zu Autismus, kam dieses Buch mit Vorfreude auf meine "Ausleihen wenn verfügbar" Bibliotheksliste. Jetzt habe ich es fertig gelesen und uff.

Hinweis bevor ich einsteige: ich spreche hier über das Buch und seine Sprache etc. Ich spreche nicht über die wissenschaftliche Arbeit zur "intensiven Welt" Theorie!

Ich denke, mein Hauptkritikpunkt an dieser journalistischen Biographie (?) ist, dass es den Fokus des Titels nicht einhält. "Der Junge der zu viel fühlte" - der Autist Kai - kommt im Buch kaum zu Wort, wird von außen beschrieben und interpretiert und ist insgesamt eher Objekt und stilistisches Mittel in Funktion für die Biografie seines Vaters, des Hirnforschers Henry Markram. Auf dessen Leben und wissenschaftlicher Karriere liegt der dramatische Fokus. Henry, der geniale, neugierige, und dann auch tragische, dadurch aber getriebenen und erfolgreiche Held. Henry, der das alles nur für seinen Sohn tut, der egoistisch selbstlose. Henry, der am Ende als quasi geheilter, nie autistisch gewordener Autist gefeiert wird, der den Weg zum Genie anderen Eltern autistischer Kinder erklärt. Es wird mehrfach gesagt, wie wertschätzend Henry doch Autist innen gegenüber ist, wie sehr es ihm um die autistische Innensicht geht.
Gleichzeitig geht es erzählerisch im Buch eben nicht darum. Die Sprache zu Kai, behinderten Kindern (und Menschen) und zu Autismus ist negativ aufgeladen, immer wieder abwertend und bedient bekannte Narrative. Zb wird Autismus als Epidemie bezeichnet und in diesem Zuge mit der Cholera verglichen. Es gibt einen Absatz über das Leid der (pflegenden) Eltern von Autist innen der stark an die autismSpeaks Kampagne "I am autism" erinnert. Ein Biologismus und Verhinderungs- und Heilungssuche ziehen sich durch. "Autistische Ratten", erzeugt durch Medikamente in der Schwangerschaft werden als Erfolg gefeiert statt hinterfragt. Limitationen benennen und auf Gegenpositionen oder Kritik sinnvoll eingehen, das passiert im Buch nicht.

Ich bleibe eher abgestoßen zurück. Die Vorfreude hat sich nicht eingelöst. Ich kann dieses Buch nicht empfehlen.

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