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Veröffentlicht am 20.04.2026

Wenn mich jemand fragt, wie ich mein "new adult" mag: so!

The Darlington - Logan & Rose
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Der dritte Band hat mich endgültig überzeugt, die ganze Reihe als beispielloses Highlight zu sehen. Anders als die meisten anderen new adult Reihen, die einem Freundeskreis folgen und dabei eher locker ...

Der dritte Band hat mich endgültig überzeugt, die ganze Reihe als beispielloses Highlight zu sehen. Anders als die meisten anderen new adult Reihen, die einem Freundeskreis folgen und dabei eher locker miteinander verbunden sind, folgt die "the Darlington" Reihe einem übergeordneten Plot, der im dritten Band ganz in den Fokus rückt. Der dritte Band hat mir vielleicht auch deshalb nochmal ein Ticken mehr gefallen, weil er von der Vorarbeit der ersten beiden Bände profitiert. Mit Henry und Kate haben wir das "The Darlington" lieben gelernt, mit Ethan und Grace durften wir stärker in die Familiengeschichte und den Charakter von Mr. Darlington einsteigen und bei Logan und Rose kann und darf es jetzt thematisch ganz um die von den sexuellen Übergriffen Betroffenen gehen.
Dabei ist die Erzählung für mich weitestgehend vorhersehbar gewesen, auch, dass Logan und Rose im Grunde füreinander bestimmt sind, ist ja von Anfang an deutlich. Das hat für mich den Raum geöffnet mich ganz auf das Wie einzulassen und verdammt, was habe ich mit den beiden mitgefiebert! Ich bin durch die Seiten geflogen und wollte doch jeden Moment auskosten. Laura Kneidel hat wieder die perfekte Balance zwischen Anziehung, Sensibilität und starken Charakteren geschaffen. Dass sie das kann wissen wir von den ersten beiden Büchern, es nochmal zu erleben und zu lesen ist trotzdem atemberaubend. Ich habe gelacht und geweint und wurde von der mutigen Wut inspiriert.

Zum Reihenfinale passt es für mich auch, dass alle Hauptcharaktere der Reihe eine deutliche Rolle spielen, die Brüder in Verbindung zu Logan noch mehr als Kate und Grace als Rose Freundinnen. Ich hatte an keinem Punkt den Eindruck, dass sie stören oder den Fokus unangenehm von Logan und Rose weglenken würden, was sicherlich auch daran liegt, dass das Fokusthema ihrer Liebesgeschichte eben dem übergeordneten Reihenthema entspricht.

Ich will nicht spoilern, aber die Differenziertheit mit der die Autorin das Prozessende geschrieben hat, ist beeindruckend. Ich respektiere die Entscheidungen, die sie für diese Geschichte getroffen hat, sehr. Ich glaube, in unserer Gesellschaft, wie sie nunmal ist, braucht es das, braucht es alles, was sie zu be_denken gibt. Eine Reihe zu schreiben, bei der Unterhaltung und gesellschaftliche Reflexion so gut zusammenkommen, ist eine große Leistung.

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Veröffentlicht am 14.04.2026

Was zur undefinierten Apokalypse ist denn hier los?!

Ich, die ich Männer nicht kannte
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"I who have never known men" ist eins dieser Bücher die Genre sprengen. Der Stil ist detached, philosophisch, anthropologisch, beobachtend und introspektiv. Die Erzählerin ist außergewöhnlich in ihrer ...


"I who have never known men" ist eins dieser Bücher die Genre sprengen. Der Stil ist detached, philosophisch, anthropologisch, beobachtend und introspektiv. Die Erzählerin ist außergewöhnlich in ihrer Distanz zu dem, was Kultur ausmacht und das prägt ihre Erzählstimme. Es ist, als wäre alles bis auf die Knochen und Grundfeste freigelegt. Mir hat das gut gefallen, obwohl ich den Stil als dissoziations-fördernd empfand.

Die Bilder und Assoziationen zu der Erzählung sind stark. Gleichzeitig wird uns nichts geschenkt, als Lesende müssen wir uns unser Verständnis selbst erarbeiten. Ob wir Parallelen ziehen wollen zu Platons Höhlengleichnis, ob wir Gender hinterfragen wollen, ob wir dem nachspüren möchten, was Würde ausmacht und so weiter. Das Buch liefert Themen und Ansätze zum darauf herumkauen.

Wer statt Fragen lieber Antworten möchte wird mit diesem Buch nicht glücklich werden und einige der Fragen, die uns das Buch spiegelt sind gewissermaßen brutal. Am Ende haben wir im Kern unserer Existenz mehr mit der Erzählerin gemein, als man glauben möchte. Ich finde, es lohnt sich, aber es gibt definitiv leichtere Kost.

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Veröffentlicht am 05.04.2026

Neurodivergent geschrieben

Sie wollen uns erzählen
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Ich hatte sehr hohe Erwartungen an das Buch, aufgrund der Leseprobe und des Titels.
Der Anfang und die ersten zwei Drittel bis drei Viertel waren richtig gut, danach (nachdem die Oma gefunden wurde) stieg ...

Ich hatte sehr hohe Erwartungen an das Buch, aufgrund der Leseprobe und des Titels.
Der Anfang und die ersten zwei Drittel bis drei Viertel waren richtig gut, danach (nachdem die Oma gefunden wurde) stieg die Spannung und ich hatte den Eindruck, dass damit zerfledderte, was die Erzählung so stark gemacht hat.

Es geht um Ann und ihren Sohn Oz. Beide haben ADHS und darum geht es zu Beginn auch. Ann hadert mit Neuronormativität, versucht sich innerlich, und vor allem für ihren Sohn, radikal davon abzugrenzen. Oz soll nicht denken, er wäre falsch. Gleichzeitig bleiben Ansprüche von und im Außen und letztlich die Frage nach Integration.

Dieser erste Teil hat mir, wie gesagt, sehr gefallen. Anns und Oz' Perspektiven ergänzen sich gut und gerade an ihrem Miteinander werden so viele Unterthemen differenziert beobachtet. Es gibt quasi auf jeder Seite zitierfähige Sätze und ganze Passagen, die einfach nur "Treffer versenkt" sind. Durch den Schreibstil, der einem Monolog nachempfunden ist, wird nicht über ADHS geschrieben, sondern die Wahrnehmung, Verarbeitung und Aufmerksamkeitslenkung direkt in der Erzählstimme erlebbar. Ich würde den Text selbst im Stil als neurodivergent bezeichnen. Er ist zugleich für nicht ADHSler zugänglich und für ADHSler affirmativ ohne zu pathologisieren oder die Schwierigkeiten zu verstecken. Das ist stark und ich hätte mir mehr davon gewünscht, denn viele konkret Themen werden so nur gestreift. Insbesondere, da mit dem Spannungsaufbau der Geschichte rund um die Oma, die Erzählung für mich merklich nachlässt. Es passiert deutlich mehr, aber es fühlt sich für mich in der Umsetzung weniger erzählerisch zielgerichtet an. Die Autorin bringt schon den Bogen zuende und nimmt am Schluss nochmal Bezug auf den Titel, aber die Einheit die Form und Inhalt zu Beginn waren verlor sich für mich. Auch das Potenzial des Charakters des Nachbarn der Oma wurde nicht wirklich genutzt. Insofern ist das Buch leider insgesamt hinter meinem Erwartungen zurück geblieben und nicht das Highlight geworden, auf das ich gehofft hatte.

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Veröffentlicht am 28.03.2026

Was läuft in Piesnitz?

Bevor der Himmel reißt
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Mein erstes Buch dieser Autorin und es hat mir gut gefallen.
"Bevor der Himmel reißt" hält das Verlagsprogramm-Versprechen des Arctis Verlag. Es ist ein aktuelles Jugendbuch, dass sich auf unterhaltsame ...

Mein erstes Buch dieser Autorin und es hat mir gut gefallen.
"Bevor der Himmel reißt" hält das Verlagsprogramm-Versprechen des Arctis Verlag. Es ist ein aktuelles Jugendbuch, dass sich auf unterhaltsame und nahbare Weise mit einem großen Thema auseinander setzt. Ich würde sagen, es geht um Rassismus und rassistisch motivierte Gewalt. Genauso geht es aber auch um Freundschaft, Familie, Nachbarschaft und die Frage, wie wir alle gut mit rechtem Gedankengut umgehen können.

Ich mochte Heer und Dilly. Ihre Gedanken und Gefühle werden so lebendig erzählt. Sie leben ein doch recht anderes Leben als ich und die Autorin hat es gut geschafft mir das nahe zu bringen. Piesnitz und die Menschen darin mögen erfunden sein, wie die Autorin im Nachwort schreibt, viele ihrer Erlebnisse sind es nicht.

Am Anfang haben mich die Zeitsprünge etwas irritiert, aber das hat sich schnell gelegt und Dillys E-Mails aus der Zukunft haben der Erzählung gut getan. Auch die Nebencharaktere haben die Geschichte gestützt. Ich mochte besonders, wie viel Tiefe auch sie bekommen haben.

Insgesamt würde ich die Stimmung im Buch als gedrückt beschreiben. Gleichzeitig sind da kleine und große Momente und Entwicklungen, die sehr real werden und in/neben/mit dieser Grundstimmung existieren. Auch die kleinen Zeichnungen und Chatverläufe lockern den Lesefluss ein wenig auf, zusammen mit den kurzen Kapiteln zum Ende hin, schaffen sie Raum langsamer zu lesen und das gelesene wirken zu lassen.

Ich finde, die Erzählung bleibt ein wenig offen und bietet sich mit seiner Wahrheit an ohne ein moralischer Knüppel oder ganz hoffnungslos zu sein. Sie bietet viel Anknüpfungspunkte um selber weiter zu reflektieren, ich habe zb gemerkt, dass ich über die DDR noch nie etwas zum Thema Migration gelesen oder gelernt habe und da eigentlich gerne mehr wissen möchte.

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Veröffentlicht am 25.03.2026

Ein starker Text einer starken Frau, der uns auch heute noch einiges zu sagen hat

Das Tränenhaus. Roman
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Diese Neuauflage des ursprünglich 1908 erschienen Buches ist eine große Bereicherung.

Die Ausgabe ist gut editiert, es ist sowohl eine für den modernen Sprachgebrauch lesbare, als auch eine die Mundart ...

Diese Neuauflage des ursprünglich 1908 erschienen Buches ist eine große Bereicherung.

Die Ausgabe ist gut editiert, es ist sowohl eine für den modernen Sprachgebrauch lesbare, als auch eine die Mundart und den Stil des ursprünglichen Textes erhaltene Fassung. Mit dem Schwäbisch in mancher wörtlichen Rede muss man allerdings klarkommen. Auch die langen Schachtelsätze sind heute nicht mehr in Mode. Gleichzeitig ist gerade die Adjektiv-Fülle und -Kreativität unterhaltsam bis poetisch. Die Beschreibungen und Bilder aus der Natur erweitern und spiegeln die inneren Prozesse und Zustände, ein stilistisches Mittel, was ich ausgesprochen gerne mag, wenn es, wie hier, sensibel umgesetzt wird.

Das Titelgebende "Tränenhaus" ist eine kleine "Anstalt" einer Hebamme, in der unverheiratete, schwangere Frauen unterkommen, so auch die Erzählerin. Es geht um die Rollen, als Frau, Ehefrau, Mutter und die Beziehungen in und mit diesen Rollen. Auch um das Untereinander der Frauen geht es, um Standesdünkel, das trennt, und den Wert zusammen zu halten.

Die Personen sind allesamt sehr klar charakterisiert, die Beschreibungen und Beobachtungen, auch über diese hinaus, immer sehr "voll". Diese Stil hat eine Intensität, die manchmal überzeichnet wirkt, gleichzeitig aber auch nachdrücklich Raum und Aufmerksamkeit für die Themen des Romans fordert. Dezidiert weibliche Themen, weshalb ich das besonders stark finde, damals wie heute. Denn auch, wenn sich Umstände seit der Zeit im Kaiserreich geändert haben, sind die Themen nicht nur historisch relevant. Was heißt das denn, schwanger zu sein, gebären zu wollen/sollen/müssen, den eigenen Platz als Frau zu finden, ob mit Heirat, Zusammenleben oder alleine. Gerade weil ein Kern des Buches das Erleben und Erlernen von weiblicher Solidarität in dem, was Frauen gemeinsam ist, ist, empfinde ich "das Tränenhaus" als sehr aktuell.

Ich bin froh, dass Reclam mit dieser schönen Neuauflage Aufmerksamkeit auch auf die wichtigen weiblichen Autorinnen der Vergangenheit lenkt. Ohne hätte ich diesen Text wohl nie gelesen. Denn in der Schulzeit ging es dann eben doch vielfach nur um die männlichen Autoren. Dabei steht ihnen "das Tränenhaus" in nichts nach, im Gegenteil.

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