Musikzirkel
In den 1730er Jahren beginnt die Tochter von Johann Sebastian Bach aus ihrem Leben zu berichten. Catharina Dorothea ist da noch in ihren Zwanzigern. Ihr Vater hat ein zweites Mal geheiratet und er und ...
In den 1730er Jahren beginnt die Tochter von Johann Sebastian Bach aus ihrem Leben zu berichten. Catharina Dorothea ist da noch in ihren Zwanzigern. Ihr Vater hat ein zweites Mal geheiratet und er und Anna Magdalena haben auch schon Nachwuchs bekommen. Viel wird musiziert im Haushalt und das Tagesgeschehen wird diskutiert. Da die Luise Gottsched, die Frau eines Professors, in ihrer aller Leben. Luise ist ausgesprochen intelligent und vielseitig interessiert. Sie hat Stücke geschrieben, Übersetzungen ausgeführt. Nur ihr Mann belächelt ihre Fähigkeiten eher und setzt sie auch als Assistentin ein. Doch natürlich ist Luise eine Bereicherung für den kleinen Kreis, der sich in Leipzig gebildet hat.
Aus der Erinnerung und auch mit Hilfe von Luises Aufzeichnungen entfaltet Dorothea ihren Bericht. Es wird Hausmusik gespielt. Man bereitet sich auf Auftritte vor. Und Dorothea tritt manchmal als Assistentin ihres Vaters auf. Doch auch Luises pfiffige Ideen bereichern Bachs Werk. Dorothea merkt schnell, dass sich Luise fast an jede Situation anpassen kann und mit ihrem Witz jedes Gespräch erfreut. Einzig ihr Mann weiß anscheinend nicht, was für einen Schatz er hat. Er findet seine eigenen Gedanken herausragend und merkt nicht, wenn er doch ein wenig belächelt wird.
Ein historischer Roman, der sich zwar dichterische Freiheiten nimmt, aber auch die Zeit der Aufklärung lebendig darstellt. Unter Überschriften gestellt entfalten sich tagebuchartige Aufzeichnungen. Gleichzeitig bezieht sich Dorothea auch auf Entdeckungen aus Luises Aufzeichnungen. Man fühlt sich fast so als ob man dabei wäre. Wörtliche Rede wechselt mit Beschreibungen ab. Nach Artikeln im Internet über die Familie Bach ist von Dorothea nicht viel mehr bekannt als ihr Geburts- und Todestag. Das gibt der Autorin natürlich eine große Leerstelle, die sie mit viel Akribie und leichten Worten füllt. Zwar ist das Ganze manchmal etwas sehr ausführlich und ausschweifend, so dass man irgendwann kaum noch anders kann als nicht mehr jedes Wort zu lesen, weil man sonst einfach nicht weiterkommt. Knapp sechshundert Seiten, relativ klein gedruckt, vereinzelt Fußnoten, das ist einfach viel. Dennoch passt das Buch gut zum Jahr mit Bach, dessen Todestag sich im Jahr 2025 zum 275. Mal jährt.