Gefährdete Leben
Der Roman handelt von Hedda Möller, die 1933 auf der Hamburger Reeperbahn im Varieté „Alkazar“ arbeitet, wo sie als Seilartistin über einem Becken mit Kaimanen auftritt. Der Besitzer Arthur Wittkowski, ...
Der Roman handelt von Hedda Möller, die 1933 auf der Hamburger Reeperbahn im Varieté „Alkazar“ arbeitet, wo sie als Seilartistin über einem Becken mit Kaimanen auftritt. Der Besitzer Arthur Wittkowski, früher selbst Hafenarbeiter, hält mit seinem Etablissement viele Menschen über Wasser, die in den Krisenjahren sonst arbeitslos wären. Doch mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten verändert sich die Atmosphäre: Immer häufiger wird geflüstert, wer plötzlich verschwunden ist, und schließlich wird auch Arthur enteignet. Für Hedda und ihren körperlich behinderten Bruder Pauli hat das dramatische Folgen. Hedda versucht verzweifelt, Pauli vor den Zugriffen der Behörden zu schützen, während sich zugleich das Netz der nationalsozialistischen Rassenpolitik um sie und ihre Freundin Leni immer enger zieht. Wer als politisch verdächtig gilt, nicht den rassistischen Vorstellungen entspricht oder am Rand der Gesellschaft lebt, gerät schnell ins Visier von Denunziation, Verhaftung oder Zwangssterilisation.
Parallel verfolgt der Roman auch das Schicksal von Heddas Bruder Jaan, der hofft, als Harpunenschmied auf einem Walfänger anzuheuern und so Hamburg zu verlassen. Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt – aus der Ichsicht von Hedda und Jaan sowie von einem auktorialen Erzähler. So entsteht ein vielstimmiges Bild des Lebens einfacher Menschen in den frühen 1930er Jahren, geprägt von Armut, Angst und den neuen Machthabern in Uniform.
Besonders eindrucksvoll fand ich die Verbindung zwischen der schillernden Welt der Reeperbahn und dem rauen Alltag des Hamburger Hafen- und Arbeitermilieus. Der Roman zeichnet ein dichtes Panorama dieser Zeit, in dem reale historische Bezüge und fiktive Figuren eng miteinander verwoben sind. Ein umfangreiches Namensregister im Anhang hilft dabei, die vielen Figuren und ihre Beziehungen zueinander im Blick zu behalten.