Wo Fußball mehr ist als 90 Minuten
Ein Stadion ist nie nur Beton, Rasen und Tribüne. Es ist Erinnerungsspeicher, Hoffnungsmaschine und manchmal auch Beichtstuhl. „Stadion“ von Sjoerd Mossou versteht das vom ersten Bild an. Kein trockenes ...
Ein Stadion ist nie nur Beton, Rasen und Tribüne. Es ist Erinnerungsspeicher, Hoffnungsmaschine und manchmal auch Beichtstuhl. „Stadion“ von Sjoerd Mossou versteht das vom ersten Bild an. Kein trockenes Abhaken berühmter Arenen, sondern eine Liebeserklärung an Orte, an denen 90 Minuten reichen, um das Leben zu vergessen.
Zwischen Anfield und Camp Nou stehen hier plötzlich windschiefe Plätze im Nirgendwo, einsame Tore im Nebel, Tribünen, die mehr Geschichte atmen als so mancher Trophäenschrank. Genau das macht diesen Bildband so stark: Die großen Tempel werden nicht größer gemacht, als sie sind, und die kleinen Plätze nicht romantisiert, sondern ernst genommen. Jeder Ort bekommt Würde.
Beim Blättern passiert etwas Merkwürdiges. Der Körper sitzt auf dem Sofa, der Kopf steht auf kaltem Beton, riecht Bratwurst, hört das dumpfe Echo eines Balles gegen die Bande. Manche Fotos sind so still, dass sie lauter sind als jedes Torjubel-Archiv. Andere schreien förmlich nach Flutlicht, Gesang und Chaos. Und irgendwo dazwischen sitzt man selbst und denkt an verpasste Auswärtsspiele, an Regen, an Euphorie, an Niederlagen, die trotzdem glücklich gemacht haben.
„Stadion“ ist kein Buch für Statistiken oder Taktiktafeln. Es ist ein Buch für Herz, Bauch und dieses Ziehen in der Brust, wenn man weiß: Genau da will man jetzt sein. Ein Bildband, der Fernweh auslöst und gleichzeitig Heimweh nach einem Ort, an dem man vielleicht nie war. Fast perfekt – nur weil man irgendwann umblättern muss.