Die drei Naturen des Menschen
Carel van Schaik und Kai Michel beschreiben hier, wie die Natur (oder besser die Naturen) des Menschen beschaffen sind und woran es liegt, dass die heutige Welt „nicht so zu sein scheint, wie sie sein ...
Carel van Schaik und Kai Michel beschreiben hier, wie die Natur (oder besser die Naturen) des Menschen beschaffen sind und woran es liegt, dass die heutige Welt „nicht so zu sein scheint, wie sie sein sollte“. Mit ähnlichen Themen haben die beiden sich bereits in ihren früheren Werken „Das Tagebuch der Menschheit“ und „Die Wahrheit über Eva“ befasst, weshalb mir ein Großteil des Inhalts im Wesentlichen schon bekannt war.
Sie identifizieren drei Naturen: Unsere erste Natur, die genetisch im Erbgut verankert ist und sich vor allem während der langen Zeit herausgebildet hat, als die Menschen in kleinen Gruppen als Jäger und Sammler lebten, und die bei allen Menschen gleich ist. Die zweite Natur der kulturell erworbenen Fähigkeiten, Überzeugungen und Einstellungen, die daher je nach Zeitraum und Ort stark variieren kann. Und schließlich die dritte Natur, die Vernunftsnatur.
Danach untersuchen sie verschiedene Lebensbereiche wie Religion, das Verhältnis der Geschlechter, Familie, Sex oder Arbeit und loten aus, wie die verschiedenen Naturen dabei zusammen bzw oft auch gegeneinander spielen.
Viele der hier präsentierten Gedanken sind aufschlussreich und ließen mich manche Dinge in einem anderen Licht sehen.
Ich habe allerdings den Eindruck, dass die Autoren das Leben der Menschen vor der Erfindung der Landwirtschaft zu idyllisch sehen bzw frage mich, auf welcher Basis die Beschreibung früherer Lebens- und Verhaltensweisen beruht.
Ebenfalls fragwürdig ist, ob die hier immer wieder durchklingenden (im weiteren Sinne) „kommunistischen“ Ansichten überhaupt mit irgendeiner Natur des Menschen harmonieren. Nicht nur, dass kommunistisch regierte Länder meist wenig zum Glück ihrer Untertanen beitragen, auch „privat“ organisierte Kommunen waren bisher selten besonders erfolgreich.
Von vage und allgemein gehaltenen „zwölf Prinzipien“ abgesehen haben die Autoren außerdem keine konkreten Lösungen für die von ihnen festgestellten Probleme zu bieten, was sie aber immerhin zugeben.
Dennoch finde ich den Ansatz mit den „drei Naturen“ interessant. Auch wenn manche Schlussfolgerungen vielleicht zu weit gehen und/ oder unlogisch sind, sollte dieser Grundgedanke doch weiterverfolgt werden.