"Ich wurde zermürbt. Man zweifelt. Viele geben dann auf."
Monatelang traf sich der Autor vor Gericht mit den Anwälten seines ehemaligen Arbeitgebers. Seine nach eigener Einschätzung ungerechtfertigte Entlassung traf ihn bereits hart. Das Verfahren jedoch raubte ...
Monatelang traf sich der Autor vor Gericht mit den Anwälten seines ehemaligen Arbeitgebers. Seine nach eigener Einschätzung ungerechtfertigte Entlassung traf ihn bereits hart. Das Verfahren jedoch raubte ihm zusätzliche Kräfte. So jedenfalls liest sich das Geschehen in seinem Buch, dessen Titel ich übrigens nicht verstanden habe.
Nachdem das Verfahren vor dem Arbeitsgericht mit einem Vergleich endete, war der Autor frei für einen Neuanfang. Doch den suchte er nicht. Stattdessen kam er auf eine Idee, die wohl nicht jeder an seiner Stelle gehabt hätte: Er wollte sich einen ungefähr 50 Jahre alten Fiat 500 in Kalabrien kaufen und dann mit dem Ding nach Stuttgart fahren. Ohne Kenntnisse der Landessprache, der Gepflogenheiten und der simplen Technik des Autos. Und deshalb mit der Aussicht auf zahlreiche Werkstattbesuche.
Nebenbei kam er natürlich noch bei einigen der vielen italienischen Sehenswürdigkeiten vorbei. Dieser Teil seiner Reise spielt aber in seinem Buch keine Rolle. Vielmehr strotzt der ganze Text nur so von Selbstbespiegelungen. Klar wird das bereits auf den ersten paar Seiten, auf denen man den beruflichen Werdegang des Autors in groben Zügen kennenlernt. Bis man dann zu seiner Entlassung kommt, hat man schon einigen Text hinter sich, der nicht wirklich interessant ist.
Eigentlich interessiert man sich doch als Leser für die Reise, wobei auch der Anlass eingeschlossen sein kann. Aber die Ausführlichkeit, mit der dann die eigenen Befindlichkeiten ausgebreitet werden, verblüfft schon etwas. Um ehrlich zu sein: Ich lese solche Reisebeschreibungen vor allem, um die Psychologie der Reisenden zu verstehen. Warum macht man so etwas? In diesem Fall geht es nicht um die Reise, sondern um einen temporär radikalen Bruch, um eine Beschäftigung mit ganz anderen Sachen als Marketing, dem Berufsfeld des Autors. Das vermeintliche Abenteuer sollte ihn von seinem gar schrecklichen Leidensdruck erlösen. Und das hat offenbar geklappt. Also war die ganze Idee für ihn eine Erlösung.
Für mich hingegen kam die Erlösung erst am Ende des Buches. Die ganze Zeit dreht sich alles um ihn und seinen Fiat, dessen Fahrverhalten, die Reparaturen und das Beschaffen von Ersatzteilen. Vermutlich war das Aufschreiben dieses Textes Teil seiner persönlichen Therapie. Dass man daran für relativ viel Geld als Leser teilnehmen kann ohne einen wirklichen Mehrwert daraus zu ziehen, wird nicht jedem gefallen. Das Buch ist also ein reichlich spezieller Reisebericht, in dem das bereiste Land kaum eine Rolle spielt.
Am Ende gibt es noch einen Nervenkitzel, der in der Frage mündet, ob der Autor in einem 17 km langen Tunnel durch die Alpen mit seinem schrottreifen Auto nicht doch noch liegenbleibt. Man weiß nicht, ob man den Mut für diese Tunnelfahrt bewundern soll oder sich besser seinen Teil denkt und schweigt.
Nicht unabsichtlich habe ich die drei Sätze aus dem Buch als Überschrift gewählt. Mich fasziniert das moderne Jammern einer gepamperten Generation, die offenbar nicht mehr weiß, was wirklicher Stress ist. Es gibt genug Gegenden in dieser Welt, die den Blickwinkel des Autors sicher nachhaltig verändert hätten. Vielleicht hätte er dorthin fahren sollen. Das wäre mit Sicherheit lehrreicher gewesen als sein eher komisches und harmloses Abenteuer.
Dieses Buch spricht zunächst an und enttäuscht dann. Jedenfalls erging es mir so.