Daphne Palasi Andreades: Brown Girls
Brown Girls hat mich auf eine Reise durch die Straßen von Queens, New York, mitgenommen – und was für eine Reise das war! Die Geschichte erzählt vom Leben einer Gruppe Mädchen, die sich zwischen der Kultur ...
Brown Girls hat mich auf eine Reise durch die Straßen von Queens, New York, mitgenommen – und was für eine Reise das war! Die Geschichte erzählt vom Leben einer Gruppe Mädchen, die sich zwischen der Kultur ihrer Migrationsfamilien und der amerikanischen Lebensweise wiederfinden. Ich fühlte mich sofort in ihre Welt hineingezogen, denn wer kennt das Gefühl nicht, zwischen verschiedenen Erwartungen zu stecken und sich irgendwie in beiden Welten fremd zu fühlen?
Die Autorin hat einen unglaublich poetischen Stil, der sich fast wie ein langer, fließender Poetry Slam liest. Die Worte sind kraftvoll, manchmal hart, und treffen direkt ins Herz. Dabei gibt es viele Momente, in denen ich dachte: „Oh ja, das kenne ich!“ Besonders die Szenen über das Erwachsenwerden und das Jonglieren mit Freundschaften und familiären Erwartungen waren so treffend. Man kann nicht anders, als sich in der einen oder anderen Episode wiederzuerkennen, besonders wenn man sich je in einer Lebensphase irgendwo zwischen jugendlicher Rebellion und den Erwartungen der Eltern gefühlt hat.
Allerdings muss ich zugeben, dass der Stil auch seine Schattenseiten hatte. Manchmal fühlte es sich an, als ob die Geschichte nicht richtig in die Tiefe gehen würde. Es bleibt viel an der Oberfläche, und einige Themen wurden so schnell angerissen, dass sie eher wie ein Best-of der „Brown Girl“-Erfahrungen wirkten, statt uns wirklich in die komplexen Gefühle und Lebenswelten eintauchen zu lassen. Ein bisschen mehr emotionale Tiefe hätte dem Buch gutgetan, um den Leser noch stärker mit den Charakteren zu verbinden.
Was mir aber besonders gefallen hat, war die Darstellung von Queens als multikulturelles Zentrum. Die unterschiedlichen kulturellen Einflüsse, die Nachbarschaften, die Musik, das Essen – all das kommt wunderbar rüber und gibt dem Buch eine lebendige Kulisse. Ich konnte die Straßen fast vor mir sehen und hörte im Kopf den Soundtrack, den die Mädchen wahrscheinlich den ganzen Tag hören.
Unterm Strich ist Brown Girls ein starkes Buch, das mit seinen poetischen, kraftvollen Worten beeindruckt, aber vielleicht ein wenig zu sehr auf den großen Themen des Lebens herumtanzt, ohne sie richtig auszuloten. Trotzdem habe ich die Reise mit diesen Mädchen genossen und gebe gerne 3 von 5 Sternen. Es war gut – mit Raum nach oben!