Inspirierende Gedanken zum Älterwerden
Es ist doch eigentlich schön, wenn der morgendliche Wecker keinen Druck mehr erzeugt. Unser Arbeitsleben lang haben wir das Wochenende herbeigesehnt, jetzt darf jeder Tag unbekümmert zelebriert werden. ...
Es ist doch eigentlich schön, wenn der morgendliche Wecker keinen Druck mehr erzeugt. Unser Arbeitsleben lang haben wir das Wochenende herbeigesehnt, jetzt darf jeder Tag unbekümmert zelebriert werden. Wir sind befreit von der Periode und noch entfernt von Inkontinenzbinden. Wie schaffen wir es, das Alter nicht nur als Verlust von Gesundheit, straffer Haut und Vitalität anzusehen, sondern als Befreiung mit großen Intensitäten? Die Autorin führt mich mit ihrem schwungvollen Schreibstil durch verschiedene Epochen der Kunst, auf der Suche nach der Darstellung gealterter Körper und hilft mir, das Schöne darin zu finden. Wir sollten den eigenen Körper mit Gnade betrachten, uns dessen bewusst werden, wie gut er Krankheiten pariert hat, dabei half, unsere Lebensentwürfe zu verwirklichen und uns mit anderen Menschen verbunden hat. Die dritte Lebenshälfte schenkt uns die Zeit noch einmal alles zu hinterfragen und uns von einengenden Konventionen zu befreien. Da die heteronormative Attraktivität entschwindet, sind wir von dem Ballast befreit, mithalten zu müssen und jeden hübschen Menschen als Konkurrenz zu betrachten.
Wir können Schönheit jetzt selbst definieren. Die Natur bietet ungeheure Möglichkeiten, schönes zu entdecken und hat einen beruhigenden Einfluss.
Freude in den kleinen Dingen finden. Die Himbeermarmelade auf lauwarmem Brot, die heiße Dusche, das Sonnenbad, der schmerzarme Spaziergang, die Freude am Gelingen anderer oder ein gutes Buch. Minimalismus und Müßiggang im Alter können unsere Grundstimmung verbessern.
Sicher, diese letzten Lebensjahrzehnte mögen als Fluch und Segen zugleich betrachtet werden. Der Körper wird müde, Verluste von Freunden häufen sich, der/die Lebenspartner*in wird krank, leidet und verstirbt möglicherweise und Altersarmut vermiest einem sowieso das Leben. Die eigene Gesundheit verabschiedet sich und Schmerzen machen reizbar. In der Fülle der verlustreichen Möglichkeiten ist Jammern ein gängiges Mittel, das leider nichts kompensiert. Die Autorin weiß aus eigener Erfahrung, dass die Option ist, den Spieß umzudrehen. Zu schätzen, was man hat, statt zu vermissen, was fehlt. Aus der Opferhaltung in die eigene Macht und Handlungsfähigkeit zu kommen.
Fazit: Die 1959 geborene Autorin und Juristin hat mit diesem kleinen Buch einen wichtigen Fahrplan guter Ideen zusammengestellt, wie wir unseren Lebensabend verbringen könnten, ohne zu verzweifeln. Mit ihrer klugen Lebenserfahrung und der richtigen Prise Humor hat sie definitiv mein Bewusstsein erweitert. Dieses berührende, inspirierende kleine Schmuckkästchen aus Gedanken und Einsichten ist ein echtes Geschenk an jede/n der/die den Renteneintritt gerade hinter sich gebracht hat.