Magische Kleinstadt, düstere Geheimnisse und eine Prise Humor
Inhalt:
Es geschah exakt einen Tag, nachdem Robbie Carpenter offiziell als vermisst gemeldet wurde. Am Samstag, bevor der Unterricht an der Silver Shore High School wieder beginnen sollte. Die Schüler ...
Inhalt:
Es geschah exakt einen Tag, nachdem Robbie Carpenter offiziell als vermisst gemeldet wurde. Am Samstag, bevor der Unterricht an der Silver Shore High School wieder beginnen sollte. Die Schüler feierten ausgelassen auf einer Strandparty.
Auch Charlie Hudson war unter den Feiernden. Doch im Gegensatz zu ihren MitschülerInnen starrte sie nur still in das Lagerfeuer. Ihre Gedanken kreisten um ihre verstorbene Zwillingsschwester, die an diesem Tag eigentlich an ihrer Seite hätte sein sollen. Dennoch war Charlie dankbar, ihre Freundinnen bei sich zu haben.
Und dann ertönte plötzlich ein Schrei …
Eine Gruppe Jugendlicher stürmte panisch zum Lagerfeuer. Sie berichteten aufgebracht von ihrem Fund: In einer nahegelegenen Esche hatten sie ein Paar Schuhe entdeckt und es bestand kein Zweifel, wem diese gehörten: Robbie Carpenter.
Dieses Ereignis sollte jedoch erst der Anfang sein. Von diesem Tag an würde sich für Charlie alles ändern. Kurz nach diesem schockierenden Fund taucht ein mysteriöser Neuankömmling an der Schule auf.
Elias ist smart, gutaussehend und besitzt dieses verdammt charmante, schiefe Lächeln und plötzlich steht er im Zentrum von Charlies Leben.
Als Charlie und ihre Freundin beschließen, im Wald Nachforschungen zu Robbies Verschwinden anzustellen, wird alles immer rätselhafter. Unerwartet bietet Elias seine Hilfe an.
Doch irgendetwas stimmt nicht mit ihm. Etwas an Elias verursacht ein Störgefühl, wirkt beinahe unheimlich. Seine Haut fühlt sich bei flüchtigen Berührungen ungewöhnlich heiß an, er kennt Charlies Namen, ohne dass sie sich ihn ihm je vorgestellt hätte, und immer wieder taucht er scheinbar aus dem Nichts auf, nur um genauso plötzlich wieder zu verschwinden.
Dann häufen sich weitere Vermisstenfälle.
Charlie beschließt, Elias zu folgen, um herauszufinden, ob er ein dunkles Geheimnis verbirgt und macht dabei eine erschreckende Entdeckung …
Meinung:
Durch Zufall bin ich auf „Soul of Shadow“ aufmerksam geworden. Nachdem ich den Klappentext gelesen hatte, wollte ich sofort mehr über die Geschichte erfahren. Eine verschlafene Kleinstadt, ein geheimnisvoller, attraktiver Fremder, eine Welt voller Magie, ein Highschool-Setting und dazu noch der Vergleich mit The Vampire Diaries, einer Serie, die ich vor Jahren mit großer Begeisterung verfolgt hatte. Das klang genau nach meinem Geschmack.
Während des Lesens hatte ich tatsächlich immer wieder The Vampire Diaries im Hinterkopf. Auch wenn Emma Noyes hier eine ganz eigene Geschichte erzählt, lassen sich gewisse Parallelen erkennen: eine Protagonistin, die mit ihrer Freundesgruppe, inklusive ihres Bruders, in einer geheimnisvollen Kleinstadt lebt, mysteriöse Ereignisse rund um verschwundene Schüler und ein charismatischer Neuankömmling, der stellenweise stark an Damon Salvatore erinnert.
Auch in Bezug auf die Atmosphäre gibt es Ähnlichkeiten. Die Autorin streut immer wieder kleinere Horrorelemente ein: blutrünstige Wesen, die Menschen angreifen, vermeintlich niedliche Kreaturen, die plötzlich ihre gefährliche Seite zeigen. Nichts ist so harmlos, wie es zunächst scheint. Dennoch wird es nie wirklich beängstigend, da humorvolle Dialoge und lockere Sprüche der Figuren die düsteren Momente immer wieder auflockern können.
Besonders hervorheben möchte ich das Worldbuilding. Bereits der Klappentext deutet an, dass nordische Mythologie eine wichtige Rolle spielt und genau das setzt Emma Noyes sehr gelungen um. Wer sich heute mit nordischer Mythologie und Heldensage auseinandersetzt, findet sich hier auf seinem Feld wieder. Ihre Welt ist voller Wesen, die durch die germanische und nordische Volksmythologie geistern.
So begegnet man unter anderem goldenen Hirschen, einem seltsam anmutenden, geigespielenden Wesen oder geheimnisvollen Waldfrauen. Gleichzeitig lauert überall Gefahr, denn selbst die unscheinbarsten Begegnungen können tödlich enden.
Allerdings sind während des Lesens auch einige Fragen aufgekommen, die bislang unbeantwortet bleiben. Gerade das Zusammenspiel von realer und fantastischer Welt wirft interessante Fragen auf: Was passiert mit Menschen, die diese Kreaturen sehen oder von ihnen verletzt werden? Und was nehmen diejenigen wahr, die diese Welt nicht erkennen können?
Da es sich um den Auftakt einer Trilogie handelt, hoffe ich, dass diese offenen Punkte in den Folgebänden noch geklärt werden.
Anfangs war ich etwas skeptisch gegenüber der Mischung aus Horror und Humor. Doch im Verlauf der Geschichte hat mich genau dieser Mix immer mehr überzeugt. Besonders die Dialoge zwischen den Wikingerfiguren Björn und Vidar haben mich oft zum Schmunzeln gebracht. Auch der kleine Vätte war einfach nur liebenswert.
Die Geschichte lebt von einem schnellen Wechsel zwischen Spannung und Leichtigkeit. Actionreiche Szenen sorgen immer wieder für Tempo, während humorvolle Momente gezielt eingebaut werden und die Atmosphäre auflockern. Dadurch entsteht ein unterhaltsamer Lesefluss, auch wenn einige Reaktionen der Protagonistin recht spontan wirken und nicht immer ganz vorhersehbar und nachvollziehbar sind.
Insgesamt sollte man sich bewusst sein, dass „Soul of Shadow“ kein klassischer Horrorroman ist. Stattdessen erwartet einen eine unterhaltsame Mischung aus Spannung, Fantasy, Humor und leichten Gruselelementen.
Fazit:
„Soul of Shadow“ überzeugt vor allem durch sein kreatives Worldbuilding, die gelungene Verbindung aus nordischer Mythologie und moderner Fantasy sowie durch eine angenehme Mischung aus Spannung und Humor. Auch wenn einige Fragen offen bleiben und nicht jede Szene vollkommen ausgearbeitet wirkt, macht das Buch neugierig auf die Fortsetzung.
Wer Geschichten im Stil von The Vampire Diaries mag und Freude an magischen Welten mit einer Prise Humor hat, wird hier gut unterhalten.