Cover-Bild Der Westen im Niedergang
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28,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Westend
  • Themenbereich: Gesellschaft und Sozialwissenschaften - Soziologie und Anthropologie
  • Genre: Sachbücher / Politik, Gesellschaft & Wirtschaft
  • Seitenzahl: 352
  • Ersterscheinung: 14.10.2024
  • ISBN: 9783864894695
Emmanuel Todd

Der Westen im Niedergang

Ökonomie, Kultur und Religion im freien Fall
Tabea A. Rotter (Übersetzer)

Der prominente französische Historiker Emmanuel Todd sagte bereits 1976 das Ende der Sowjetunion voraus. In seinem neuen Buch wagt er wieder den Blick in die Zukunft: Er prognostiziert den endgültigen Niedergang der westlichen Welt. Im Kern verrottet, aber nach außen expandierend steht der Westen einem Russland gegenüber, das sich stabilisiert hat und nunmehr konservativ auf die Länder der restlichen Welt wirkt, die den USA und ihren Verbündeten nicht in ihre Kriege folgen wollen. Deren Niederlage in der Ukraine ist bereits nahezu Fakt, sagt Todd. Schlussendlich ist es deshalb unvermeidlich, dass es zu einem Einfrieren des Konfliktes zwischen der Europäischen Union und Russland kommt. Ein Europa befreit von US-amerikanischem Einfluss könnte das Ergebnis sein. Deutschland kommt dabei eine Schlüsselrolle zu, und diese Rolle sollte es selbstbewusst einnehmen - das ist Todds Appell in diesem Buch.
Exklusiv: Mit neuem Vor- und Nachwort des Autors speziell für die deutsche Ausgabe!

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Lesejury-Facts

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 21.10.2025

Ist der Niedergang noch aufhaltbar?

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Glaubt man dem Autor, dann nicht. Aber solche Prozesse verlaufen nicht linear, weil einfach zu viele nicht beherrsch- oder nicht vorhersehbare Faktoren ihn beeinflussen. Dass der Westen sich aber im Niedergang ...

Glaubt man dem Autor, dann nicht. Aber solche Prozesse verlaufen nicht linear, weil einfach zu viele nicht beherrsch- oder nicht vorhersehbare Faktoren ihn beeinflussen. Dass der Westen sich aber im Niedergang befindet, dürfte außer Zweifel stehen. Man kann ihn am Krieg Russlands gegen die Ukraine und den abenteuerlichen Reaktionen des Westens darauf sehen und verstehen. Das sieht auch der Autor so und beginnt seinen Text damit.

Darauf zu setzen, dass Russland den Krieg verlieren wird, war von Anfang an irrwitzig. Eine nüchterne und realistische Analyse des Geschehens hätte den Verantwortlichen im Westen sagen müssen, dass ein Sieg der Ukraine sehr unwahrscheinlich ist. Und man hätte erkennen können, dass es nicht die Absicht Russlands war und ist, die gesamte Ukraine zu übernehmen. Allein die geringe Truppenstärke Russlands zu Beginn dieses Krieges und die Art und Weise wie er geführt wurde, gaben genügend Aufschluss über die wirklichen Kriegsziele Russlands. Darauf geht auch der Autor zunächst ein.

Er beschreibt dort die "zehn Überraschungen des Krieges". Menschen, deren Intellekt noch nicht von der andauernden Kriegspropaganda geschädigt ist, dürften nicht besonders schockiert gewesen sein von diesen Überraschungen. Für viele Leute aus dem verblendeten europäischen Establishment allerdings waren sie es mit Sicherheit. Sie glauben vermutlich bis heute an ihre von der Realität längst widerlegten Narrative. Die Folgen dieser Dummheit sind bereits jetzt erheblich. Der Autor nennt das den assistierten Suizid Europas.

Am Ende seines Buches befasst sich Todd dann übrigens mit der Frage, "warum sich der Rest der Welt für Russland entschieden hat", obwohl die herrschende Propaganda in Deutschland etwas ganz anderes suggeriert. Dazwischen geht der Autor auf die einzelnen Regionen Europas und ihre unterschiedlichen Gesellschaften ein und beschreibt deren Niedergang und dessen Ursachen (aus der Sicht von Todd). Danach folgen mehrere Kapitel zu den USA, wo ganz ähnliche Prozesse ablaufen.

Die Mittelschicht in allen westlichen Ländern unterliegt einer zunehmenden Erosion, der Kitt zwischen den verschiedenen Teilen der Bevölkerung bricht, weil eine völlig von der Gesellschaft losgelöste Elite das Ruder übernommen hat und diese Prozesse wissentlich fördert. Vielleicht ist es noch nicht zu spät, denn der überzeugende Sieg Trumps in den USA (egal, was man darüber denkt) ist ein Ausfluss des Protestes gegen eine Clique, die offenbar völlig den Verstand verloren hat, was man unter anderem daran sieht, dass plötzlich ein Atomkrieg bedacht wird.

Insgesamt ist dieses Buch in mancher Hinsicht erleuchtend, wenn man es denn durchhält. Man muss nicht allen Argumenten seines Autors folgen, dennoch enthält es zahlreiche Fakten, die man nicht so schnell woanders finden kann. Beispielsweise über Osteuropa oder gar über die Ukraine und ihre innere multiple Zerrissenheit.

Leider schreibt Todd nicht wirklich gut. Seine Gedankenführung ist mitunter sprunghaft. Sein Stil wirkt verschnörkelt und unnötig kompliziert. Und dann ist da noch die gelegentliche Selbstbeweihräucherung, die vielleicht in einem kleinen Zirkel durchgehen kann, nicht aber bei einem Buch für eine breitere Öffentlichkeit. Das alles wird aber dennoch durch den Inhalt aufgewogen, der je nach Vorkenntnissen durchaus erhellend sein kann.

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