Besondere Begegnungen
Die Geschichte erzählt von den bleiernen Jahren in Italien. Terroristen und andere gefährliche Straftäter werden in einem Hochsicherheitstrakt auf einer Insel gefangen gehalten.
Was macht dieses Buch ...
Die Geschichte erzählt von den bleiernen Jahren in Italien. Terroristen und andere gefährliche Straftäter werden in einem Hochsicherheitstrakt auf einer Insel gefangen gehalten.
Was macht dieses Buch so besonders?
Hier beruht der Fokus auf die Angehörigen und Gefängniswärter, deren Schicksal meist untergeht, da sich die Öffentlichkeit überwiegend für die Straftäter interessiert. Hier kommen Gefängniswärter oft an ihre Grenzen und machen Dinge, mit denen ihr Gewissen einfach nicht fertig wird.
Wir lernen 1979 Luisa und Paolo kennen. Luisas Mann sitzt wegen Mord im Gefängnis. Paolas Sohn hat sich dem Terrorismus verschrieben und brutale Morde begangen. Sie lernen sich auf der Überfahrt zur Insel kennen und müssen wegen eines Unwetters die Nacht dort verbringen. Sie erzählen sich aus ihrem Leben und was die Straftaten ihrer Angehörigen mit ihnen gemacht haben. Wir lernen einen ganz besonderen Gefängniswärter kennen; und ja, es entsteht so etwas wie eine Freundschaft zwischen den dreien.
Paolo sucht die Schuld bei sich und schwelgt in Erinnerungen, in denen er zu seinem Sohn ein sehr gutes Verhältnis hatte. Was hat er bei seinem Sohn übersehen? Hätte er es verhindern können? Seine geliebte Frau war nur einmal im Gefängnis mit dabei. Sie wurde krank und starb. Paolo hofft, seinem Sohn wieder näherzukommen. Egal was er verbrochen hat; er ist sein Sohn und braucht ihn.
Luisa musste schon bald nach der Hochzeit erkennen, dass ihr Mann eine sehr brutale Seite hat. Die Bergbäuerin bringt sich und ihre fünf Kinder allein durch. Die Besuche im Gefängnis zählen für sie zum Pflichtprogramm und eigentlich ist sie sogar froh darüber, ihr Leben ohne ihren Mann verbringen zu können.
Die Figuren wirken authentisch und haben mein Herz berührt. Der Schreibstil liest sich wie Butter und ich bin förmlich durch die Seiten gerutscht. Die Straftäter blieben mir fremd; aber ihre Angehörigen kamen mir mit jeder Seite näher.
Ich durfte drei wundervolle Menschen kennenlernen. Sie haben mir von ihrem Leben erzählt und ich konnte ihre Sorgen und Nöte verstehen. Besonders der Gefängniswärter Nitti ist ein Mensch, mit dem Herz am rechten Fleck. Der sensible Mann wollte nicht bei diesen Schwerverbrechern arbeiten und hat erkannt, dass Luisa und Paolo - so wie er selbst - Opfer der Umstände sind. Auch als Leser schaut man über den Tellerrand und denkt viel über das Gelesene nach.
Das Ende hat mich meinen E-Book-Reader zufrieden zur Seite legen lassen. Ich war richtig glücklich darüber.
Eine klare Empfehlung. Danke, Francesca Melandri. Das war bestimmt nicht mein letztes Buch von Ihnen.