Cover-Bild Den Islam denken

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6,00
inkl. MwSt
  • Verlag: Reclam, Philipp
  • Genre: Sachbücher / Religion & Philosophie
  • Seitenzahl: 102
  • Ersterscheinung: 09.11.2018
  • ISBN: 9783150195482
Frank Griffel

Den Islam denken

Versuch, eine Religion zu verstehen. [Was bedeutet das alles?]
Frank Griffel, international anerkannter Islam-Experte, geht drängende Fragen direkt an. Was ist das eigentlich: »Islam« – handelt es sich um eine Religion wie das Christentum, die ähnlich von Auseinandersetzungen mit der weltlichen Macht und der Vernunft geprägt wurde? Gibt es im Islam einen Konflikt zwischen Glauben und Wissen? Hat der Islam eine Reformation versäumt und sollte sie nachholen? Wie kann man über islamistisch geprägte Anschläge anders denken, als dass es Racheakte von fanatischen Glaubenskriegern sind, die mit Ideen aus dem islamischen Mittelalter einer Gehirnwäsche unterzogen wurden? Oder haben diese Fragen letztlich nichts mit dem Islam an sich zu tun, sondern eher mit Sichtweisen des Westens?
Griffel entwickelt im Abwägen dieser Fragen ein ganz anderes Bild der Weltreligion.

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.02.2019

sehr lesenswert!

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Frank Griffels Essay über den Islam stellt einen höchst gelungenen Versuch dar, eine Religion (besser) zu verstehen.

Zum Inhalt:
Auf knapp 94 Seiten liefert der international anerkannte Islamexperte einen ...

Frank Griffels Essay über den Islam stellt einen höchst gelungenen Versuch dar, eine Religion (besser) zu verstehen.

Zum Inhalt:
Auf knapp 94 Seiten liefert der international anerkannte Islamexperte einen weit zurückreichenden Blick auf den Islam und widmet sich einigen grundlegenden Fragen: Was ist die Moderne und wie kam der Islam dazu? Gibt es einen Verfall in der islamischen Kultur? Hat der Islam einige wesentliche Entwicklungsschritte verpasst und sind Terroranschläge das Ergebnis einiger im Mittelalter hängen gebliebener Fanatiker? Was will islamischer Fundamentalismus eigentlich? Und schließlich: Was hat das Ganze mit dem Westen zu tun?

Meine Meinung:
Mit einer „Tatarendiestel‟, zäh, stachelig und gleichzeitig wunderschön, werden die muslimischen Tartarten in Tolstois „Hadschi Murat‟ verglichen und mit dieser Metapher arbeitet auch Griffel anfangs. Dadurch gelingt ihm ein interessanter und anschaulicher Einstieg, der Lust auf mehr macht. Anschließend legt er einige Thesen zur Moderne und zum Islam dar, die nach und nach deutlich machen: Wir sollten uns schleunigst mit vorschnellen Urteilen zurückhalten, was den Islam und seinen angeblichen „Verfall‟ angeht – denn ein Mangel an Fortschritt stellt nicht automatisch einen Verfall dar. Höchst interessant sind auch die Hinweise, die er unter Rückbezug auf Thomas Bauer [der in der vorliegenden Reihe ein ebenfalls sehr aufschlussreiches Buch mit dem Titel „Die Vereindeutigung der Welt‟ veröffentlicht hat] zum traditionell islamischen Umgang mit Vielfalt bzw. mit Ambiguität und Ambiguitätskrisen liefert.
Griffel schreibt gut verständlich und liefert sehr fundiertes Fachwissen, dessen Quellen teilweise beeindruckend sind – so gibt es bspw. ein wahnsinnig umfangreiches Werk eines bisher wenig beachteten islamischen Philosophen aus dem 13. Jahrhundert, das immer noch nur handschriftlich vorliegt... Letztlich kommt er nach einem aufschlussreichen Einblick in die Geschichte des Islam zu höchst aktuellen Fragen, auf die er zwar nicht immer ganz eindeutige Fragen geben kann, deren vorschneller Beantwortung er aber zumindest etwas vorbeugen kann – denn eines ist klar, wenn man dieses Buch gelesen hat: es lohnt sich, seine Perspektive auf den Islam um das von Frank Griffel dargelegte Wissen zu erweitern.

Fazit:
Bevor man sich das nächste Mal zum Islam äußert, sollte man vorher Griffels Buch gelesen haben, das einlädt, innezuhalten, ein bisschen nachzudenken, dazuzulernen und seinen Horizont zu erweitern – und das alles im Hosentaschenformat auf unter 100 Seiten!