Großartig!
In "Kramer oder das Ziel aller Wünsche" erzählt Gerhard Köpf vom pensionierten Ministerialrat Dr. Theo Kramer. Er hatte sein gesamtes Berufsleben mit mächtigen Männern zu tun und versuchte damit zu beeindrucken. ...
In "Kramer oder das Ziel aller Wünsche" erzählt Gerhard Köpf vom pensionierten Ministerialrat Dr. Theo Kramer. Er hatte sein gesamtes Berufsleben mit mächtigen Männern zu tun und versuchte damit zu beeindrucken. Leider war es ihm aber nie gelungen, eine Frau zu finden, so lebt er nun einsam und alleine bis er eines Tages völlig unerwartet ein Vermögen erbt, das ihm nun die Möglichkeit zu geben scheint, aus seinem Schattendasein herauszutreten. Als ihm auffällt, dass sein Name ein Palindrom von Remark ist, sieht er das als Wink des Schicksals und beginnt damit, sich näher mit Erich Maria Remarque zu beschäftigen, kauft dessen altes Auto und gibt sich sogar als Verwandter aus. Er ist von nun an davon besessen, das Leben des von ihm verehrten Schriftsteller zu leben - so erschafft er sich eine Ersatzwelt, in der er jemand von Bedeutung ist.
Dem Autor ist auf etwas über hundert Seiten ein großartiges Buch gelungen. Wenn nicht kleine Hinweise wie eine DVD oder ein Notebook darauf hindeuten würden, dass die Geschichte in der Jetztzeit oder der nahen Vergangenheit handelt, würde man wie selbstverständlich denken, Kramer würde in einer früheren Zeit leben, so atmosphärisch dicht, so authentisch beschreibt Köpf die Protagonisten und Begebenheiten und versetzt die Leserinnen und Leser sehr gekonnt in ein vermeintlich anderes Zeitalter.
"Kamer oder das Ziel aller Wünsche" ist ein Psychogramm und ein klug komponierter, literarisch überzeugender Roman über die Sehnsucht, mehr zu sein – und darüber, wie leicht es ist, sich selbst dabei aus den Augen zu verlieren.
Das Buch hat mich von der ersten Seite an gepackt und wird mich noch eine Weile beschäftigen - absolute Leseempfehlung!