Von Warren Buffett lernen? Geht nur bedingt für kleines Geld
Wenn man sich die Mythen anhört, die über Warren Buffett gestrickt werden, dann helfen die vier Bände dieser Reihe sie zu entlarven. Der Grundmythos liest sich so: Man müsse nur die Regeln von Graham kennen, ...
Wenn man sich die Mythen anhört, die über Warren Buffett gestrickt werden, dann helfen die vier Bände dieser Reihe sie zu entlarven. Der Grundmythos liest sich so: Man müsse nur die Regeln von Graham kennen, sie strikt anwenden, und dann kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Wahr ist, dass Buffett mit ein paar Tausend Dollar angefangen hat. Schon im ersten Band kann man an seinen Geschäften genau verfolgen, was er wirklich gemacht hat. Statt sein Kapital zu diversifizieren, wie man das Kleinanlegern predigt, hat er stets alles auf eine Karte gesetzt und ganze Gesellschaften übernommen.
Mehrheitsbeteiligungen, die teilweise heute noch zu Berkshire gehören haben für einen stetigen Kapitalfluss gesorgt, mit dem immer neue Investments finanziert wurden, die wiederum ihren Gewinn an Berkshire abführen mussten. Dieses Spiel, oft genug erfolgreich wiederholt, führt zu einer rasanten Vermehrung des Ausgangskapitals. Natürlich darf dabei nicht viel schief gehen, vor allem nicht am Anfang. Und dass genau das nicht passierte, liegt am Genie von Buffett. Zusammen mit Munger hatte er ein untrügliches analytisches Geschick für ein erfolgreiches Einsteigen zu einem günstigen Zeitpunkt. Worin dieses analytische Vermögen besteht, wird in wenigstens zwei Kapiteln in diesem Band etwas deutlicher. Aber so ganz lässt sich Buffett nie in die Karten schauen.
Zwei Mal allerdings, bei GEICO und bei Salomon stand Berkshire am Rande eines riesigen Verlustes, der letztlich abgewandt wurde. Vielleicht war das Glück, vielleicht lag es auch an Buffetts Geschick.
Finanzjournalisten und andere selbsternannte Experten erklären Kleinanlegern gerne, dass sie genau das Gegenteil von Buffett machen sollen, nämlich ihr Risiko verteilen und einen langen Atem haben. Abgesehen vom Letzterem ist Buffett so nie vorgegangen. Und er wäre anders auch nicht so reich geworden. Kleinanleger sind in der Regel unterkapitalisiert und mehr oder weniger unwissend. Nur wenn man ausreichend Kapital in ein Investment steckt, das erfolgreich ist, weil man es vorher richtig verstanden hat, kann man eine hohe Rendite erreichen. Ständiger Kapitalfluss über Dividenden sichert dann die Wiederholung dieses Prozesses. Da Berkshire über einige Versicherungsgesellschaften verfügt, fließt auch außerhalb der Dividenden-Zeit reichlich Kapital über die Versicherungsprämien.
Und schließlich hatten sich Buffett und Munger irgendwann einen Namen gemacht, der sie zu weiteren Möglichkeiten führte, die sie reichlich nutzten. Auch das ist ein Prinzip, das sich für Kleinanleger nicht eröffnet, denn dazu sind sie zu unbedeutend.
Hinter dem stets freundlichen Buffett verbirgt sich ein knallharter Geschäftsmann mit ebenso knallharten Vorstellungen. Wer sich mit seinen Investments beschäftigt – und dazu sind diese Bücher eine einzigartige Quelle – kann sich diesem Eindruck nicht mehr entziehen. Lernen kann man von Buffett nicht viel, es sei denn man will genau so vorgehen wie er. Aber dazu muss man auch seine Fähigkeiten besitzen, von denen nicht alle übertragbar sind, weil sie zu seiner Persönlichkeit gehören.
Dieses Buch ist wie schon der erste Band ein Augenöffner, weil es offenbart, dass Buffett nicht wiederholbar ist. Und im Übrigen ist Buffett nicht der einzige erfolgreiche Investor, der selten sein Kapital diversifiziert hat, besonders nicht am Anfang. Die erste Million ist die schwerste, dann hat man genügend Kapital, um in verschiedene Projekte zu investieren. Am Kapitalmarkt besteht nur der, der genau weiß, was er tut.
In diesem Band werden folgende Investments sehr ausführlich erklärt: GEICO, The Buffalo Evening News, Nebraska Furniture Mart, Capital Cities, ABC, Disney, Scott Fetzer, Fechheimer Brothers, Salomon Brothers, Coca Cola, Borsheims, Gilette, Procter & Gamble, Duracell.