Zauberhaft
Ganz offensichtlich ist die Fotografin für diesen herrlichen Bildband in England verliebt. Vielleicht nicht in das ganze Land, aber auf jeden Fall in die Orte, die sie dem Betrachter zeigt. Und dafür hat ...
Ganz offensichtlich ist die Fotografin für diesen herrlichen Bildband in England verliebt. Vielleicht nicht in das ganze Land, aber auf jeden Fall in die Orte, die sie dem Betrachter zeigt. Und dafür hat sie wohl auch allen Grund. Bisher kannte ich nur Bildbände eines anderen Verlages, der die vielen großen Gärten mit den zugehörigen Herrenhäusern zeigen. Hier nun sieht man viel Landleben, also kleine Städte und uralte Dörfer, weniger aber die prachtvollen Schlösser und Herrenhäuser. Und man bestaunt Orte in London, die man vielleicht als gehetzter Tourist übersehen würde.
Wenn man also jemanden nach England locken wollte, der sich für die typische städtische und dörfliche Architektur der Vergangenheit interessiert, dann wäre dieser Bildband ein unübertreffbares Mittel dafür. Beim Anblick des Fotos des angeblich schönsten Dorfes Englands musste ich irgendwie an den "kleinen Lord" denken, wie er mit seinem Großvater durch dessen verfallende Pächtersiedlung ritt. Nicht dass hier etwas verfallen wirken würde, aber nachdenken darf man bei manchen Bildern nicht, denn bei allem Malerischen, das man hier scheinbar sieht, möchte ich nicht wissen, wie diese alten Gebäude innen aussehen. Aber das ist nicht Thema dieses Bandes. Hier geht es um äußere Schönheit – wie immer man das definiert.
Als touristischer Ideengeber für Menschen, die schöne Winkel in England kennenlernen möchte und die entsprechende Zeit und Muße besitzen, ist dieser Bildband geradezu ideal. Man muss ähnlich ticken wie die hervorragende Fotografin, die ein Auge für solche Lichtblicke an den einzelnen Orten hat.
Was ich übrigens immer wieder in England bewundere, ist der Umgang der Inselbewohner mit Pflanzen. Viele der Häuser sind auf eine Weise begrünt, die man bei uns nicht kennt. Nicht umsonst ist die englische Gartenkunst weltberühmt.
Natürlich findet man auch einige Texte zu den Bildern, die jedoch nicht von der Fotografin stammen, die aber das Ganze noch einmal sparsam umschreiben.
Im Übrigen wünsche ich dem Verlag bei seinem Neustart viel Erfolg, denn er scheint mir in die alten Tugenden seiner Gründer zurückgefunden zu haben. Dieser zauberhafte Bildband spricht jedenfalls dafür.