DDR-Nostalgie
Ein rätselhafter Titel, dessen Bedeutung sich mir nicht erschloss und auf dessen Erklärung im Text ich lange Zeit gewartet habe, bis sich des Rätsels Lösung endlich auf S. 277 offen tat. Doch bis dahin ...
Ein rätselhafter Titel, dessen Bedeutung sich mir nicht erschloss und auf dessen Erklärung im Text ich lange Zeit gewartet habe, bis sich des Rätsels Lösung endlich auf S. 277 offen tat. Doch bis dahin vorzudringen, war gar nicht so einfach angesichts der vom Autor gewählten formalen Erzählweise. Es ist einfach sagenhaft, was der Autor an Informationen in einen einzigen Satz packt, der dadurch sehr verschachtelt wird. Solche Schachtelsätze reihen sich endlos aneinander. Manchmal wird eine Seite mit nur einem Satz gefüllt. Absätze sind eher selten. In meinen Augen ist das hohe Erzählkunst. Inhaltlich kommt der Ich-Erzähler Richard Sparka vom Hölzchen aufs Stöckchen. Die Rahmengeschichte ist in der Gegenwart in Ost-Berlin angelegt, als Richard über die Trennung von seiner Lebensgefährtin nicht hinweg kommt, mit seinem gesamten vermeintlich unglücklichen Leben hadert und regelmäßig zum Therapeuten geht. Dabei blickt er immer wieder auf seine Kindheit, Jugend und sein junges Erwachsenenleben bis zum Mauerfall zurück. Der Leser erhält ein umfassendes Bild über die Besonderheiten in der DDR; für Zeitgenossen eine schöne Gelegenheit, in nostalgischen Erinnerungen zu schwelgen. Obwohl Richard es zu nichts gebracht hat, weil er ein begonnenes Mathematik-Studium abgebrochen hat, ist er ein durchweg sympathischer Protagonist. Herrlich sind die vielen Ausflüge in die Mathematik, die für Leser mit nicht entsprechender Begabung allerdings nur schwer zu verstehen sind. Nicht minder interessant sind die vielen Anekdoten rund um Richards weit verzweigte Familie.
Auf jeden Fall kein Nullachtfünfzehnbuch und deshalb empfehlenswert.