Ex-glückliches England
Benjamin Trotters Mutter ist gerade gestorben. Nach der Beisetzung nimmt er seinen Vater mit in seine alte Mühle in Shropshire. Auch seine Schwester und sein Bruder verbringen den Abend dort. Man schreibt ...
Benjamin Trotters Mutter ist gerade gestorben. Nach der Beisetzung nimmt er seinen Vater mit in seine alte Mühle in Shropshire. Auch seine Schwester und sein Bruder verbringen den Abend dort. Man schreibt das Jahr 2010. Über die nächsten ungefähr acht Jahre erzählen Benjamin und seine Bekannten episodenhaft von ihren Leben. Benjamin möchte seinen Roman beenden. Sophie trifft einen Mann, mit dem sie die Ehe eingeht. Doug, ein Journalist, versucht, mit seinem Schreiben am Puls der Zeit zu sein. Die Zeit fließt an ihnen vorbei und gefühlte Lage im Land verschlechtert sich zusehends.
In diesem Buch wird das Leben in der ländlichen Mitte Englands beschrieben. Beginnend im Jahr 2010, wo man glaubte, die Welt sei noch in Ordnung. Weiter über die Wahlen bis zur Brexit-Abstimmung. Und schließlich bis zum Jahr 2018, in dem wohl niemand in England mehr etwas über den Brexit hören oder lesen wollte. Die handelnden Personen leben vor sich hin. Manches, was im Land vor sich geht, ist ihnen zwar fern. Allerdings engagiert sich niemand für etwas außer seine eigene Welt. Die politischen Ereignisse sind für sie nicht so überraschend, doch ihre eigenen privaten oder beruflichen Probleme sind ihnen doch wichtiger.
Das Buch wurde im Jahr 2018 veröffentlicht. Der Autor hat sich also zeitlich relativ nah an den Ereignissen seine Gedanken gemacht. Den handelnden Personen hat der Autor vorher schon zwei weitere Romane gewidmet. Vielleicht hätte man sich ihnen näher gefühlt, wenn man das gewusst und die Bücher gelesen hätte. So wollte man mal eine andere Sicht auf den Brexit bekommen, von innen sozusagen. Doch so wie es in England schon im Jahr 2018 war, musste man feststellen, dass inzwischen soviel passiert ist, dass es einen selbst auch nicht mehr interessiert. Protagonisten, die so vor sich hinleben. Ein politisch brisantes Thema, an dem das Interesse verloren gegangen ist. Vielleicht hätte der Roman unter anderen Umständen gefesselt, aber in der heutigen Situation passte er nicht so perfekt.