Düstere Legenden und wahre Albträume
Schon in meiner Kindheit habe ich es geliebt mich zu gruseln und genug Stoff dazu boten mir Sagen mit ihrem eher ländlichen Charakter und wo auch immer ein Fünkchen Wahrheit drinsteckte.
Ganz ähnlich handhabt ...
Schon in meiner Kindheit habe ich es geliebt mich zu gruseln und genug Stoff dazu boten mir Sagen mit ihrem eher ländlichen Charakter und wo auch immer ein Fünkchen Wahrheit drinsteckte.
Ganz ähnlich handhabt es Josefine Lyda in ihrer Novelle 𝐖𝐚𝐬 𝐢𝐦 𝐃𝐮𝐧𝐤𝐞𝐥𝐧 𝐒𝐜𝐡𝐚𝐭𝐭𝐞𝐧 𝐰𝐢𝐫𝐟𝐭.
Die Geschichte spielt in Tegel Anfangs des 19. Jahrhundert und beginnt direkt mit einer Beerdigung. Der alte Müller ist gestorben und mit seinem Tod entbrennt ein Zwist zwischen den Brüdern. Während Jakob in der Mühle körperlich schuftet, ist Benjamin für den Papierkram zuständig und hat damit die lukrativere Position.
Stress und Sticheleien setzen Benjamin zu, nicht mal im Schlaf findet er Ruhe. Vermeintlich träumend sucht er die Dicke Marie auf, ein sagenumwobener Baum, von dem man sich besonders Nachts fernhalten sollte. Da erscheint ihm die schöne Magdalena, bevor ihn etwas angreift.
Am nächsten morgen ist Jakob verschwunden und Benjamin scheint vom Pech verfolgt.
Was geschah in jener Nacht an der Dicken Marie? Was ist Traum und was Wirklichkeit?
Die Autorin greift hier die Legende des Nachtmahrs auf, einem Dämon, der sich von seinem Opfer nährt und ihm Albträume beschert. Das hat zuletzt schon T. Kingfisher mit „Was die Nacht verschweigt“ versucht und mich damit nicht ganz überzeugt. Das hier allerdings schon.
Die Geschichte hat eine ganz unheilvolle Atmosphäre, ist schlicht und fängt den Charakter jener Zeit auf dem Land gut ein. Auch wenn wir Tegel heute eher mit dem Flughafen verbinden, gibt es mit der Dicken Marie einen realen Bezug und der Baum existiert auch heute noch.
Sympathische Figuren sucht macht hier allerdings vergebens. Alle sind irgendwie hinterhältig, unfreundlich und gemein. Ausgenommen die arme Hausmagd. Das bereitet allerdings auch den Weg für eine wünschenswerte Charakterentwicklung.
Loben möchte ich auch die wirklich hübsche Gestaltung des Büchleins, mit Gemälden, Zeichnungen und passend gestalteten Layout, die die Stimmung der Geschichte perfekt einfangen.
„Was im Dunkeln Schatten wirft“ ist die perfekte, kleine Schauergeschichte. Am besten für kühle Herbstabende bei Kerzenschein.