Profilbild von MademoiselleMeow

MademoiselleMeow

Lesejury Profi
offline

MademoiselleMeow ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit MademoiselleMeow über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.04.2026

Raus aus dem Trott des Lebens

Statt aus dem Fenster zu schauen
0

Zwischen Fantasy und Spukhaus muss es auch mal was bodenständiges sein. Ich weiß nicht genau was mich dazu bewogen hat auf das Buch zu klicken. Vielleicht das hübsche pastellige Cover, von denen es gerade ...

Zwischen Fantasy und Spukhaus muss es auch mal was bodenständiges sein. Ich weiß nicht genau was mich dazu bewogen hat auf das Buch zu klicken. Vielleicht das hübsche pastellige Cover, von denen es gerade so viele gibt. Oder der Titel, denn ich guck gern aus dem Fenster, wenn mir alles zu viel wird. Sophie wird auch gerade alles zu viel, doch sie geht noch einen Schritt weiter.

Immer den Anforderungen anderer genügen. Immer das machen, was richtig ist. Aber was will Sophie eigentlich wirklich? Vorerst aus dem Hamsterrad ausbrechen. Mit einem Klick kauft sie für 3.000 € ein heruntergekommenes Haus in Ostdeutschland, packt ihre wenigen Sachen und macht sich direkt auf den Weg zum neuen Eigenheim. Dabei stürzen sowohl positive als auch negative Überraschungen auf sie ein. Sophie beschließt erst einmal einen Schritt nach dem anderen zu tun und sich die Frage zu stellen, was im Leben wirklich zählt.

Ach, ein wundervolles Buch.

Kein klassisches Happy End, keine großen Katastrophen, keine obligatorische Romanze. Eine ungekünstelte Geschichte mit dem Motto „Nicht so viel denken. Machen!“.

Sophie ist eine sehr gelassene und spontane Protagonistin, deren innere Monologe so voller Humor und so angenehm zu lesen sind. Wahrscheinlich müsste man es öfters mal genauso machen wie sie, aber ich habe gerade am Anfang mehr als einmal die Hände über den Kopf zusammengeschlagen bei all den unbedachten Entscheidungen und deren Konsequenzen.

Aber je länger man liest, desto mehr wünscht man sich, dass Sophie nicht aufgibt und weiter den Traum vom idyllischen und einfachen Leben in der Pampa frönt, für das man selbst nicht mutig genug ist. Man nimmt sich vor, in Zukunft wieder mehr auf die kleinen Wunder des Alltags zu achten, das Handy wegzulegen und in den Himmel zu schauen.

Das Ende ist für manch einen vielleicht etwas enttäuschend, aber ein guter Spagat zwischen Herz und Hirn. Ein realistisches Ende, das man nicht von vielen Romanen kennt.

Es ist ein Buch das einen von Sommer und Freiheit träumen lässt. Eines der besten Bücher in diesem noch jungen Jahr. Vielleicht sogar des ganzen Jahres?

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 20.03.2026

Historianroman mit Science Fiction Elementen

Die Geister von La Spezia
0

𝘍𝘳𝘢𝘯𝘬𝘦𝘯𝘴𝘵𝘦𝘪𝘯 ist ja gerade wieder schwer angesagt und somit auch seine Autorin Mary Shelley. Bei 𝐃𝐢𝐞 𝐆𝐞𝐢𝐬𝐭𝐞𝐫 𝐯𝐨𝐧 𝐋𝐚 𝐒𝐩𝐞𝐳𝐢𝐚 las ich vor allem erst einmal Geister! Doch eine herkömmliche Geistergeschichte ...

𝘍𝘳𝘢𝘯𝘬𝘦𝘯𝘴𝘵𝘦𝘪𝘯 ist ja gerade wieder schwer angesagt und somit auch seine Autorin Mary Shelley. Bei 𝐃𝐢𝐞 𝐆𝐞𝐢𝐬𝐭𝐞𝐫 𝐯𝐨𝐧 𝐋𝐚 𝐒𝐩𝐞𝐳𝐢𝐚 las ich vor allem erst einmal Geister! Doch eine herkömmliche Geistergeschichte ist das hier nicht.

1822 ertrinkt Percy Shelley im Golf von La Spezia und lässt seine Frau und Anhänger verzweifelt zurück. Doch ging bei dem tragischen Unglück wirklich alles mit rechten Dingen zu? Die etwas andere Ermittlerin Pat wird beauftragt, sich die Sache genauer anzuschauen. Mit Hilfe technischer Hilfsmittel taucht sie tief in die Vergangenheit von Shelley und Co.ein. Und deckt dabei ungeahnte Schrecken auf.

Oje…
Leider habe ich bei diesem Roman nur die Hälfte verstanden. Ich habe zwischendurch immer wieder an meiner Intelligenz gezweifelt, aber wenn ich mir andere Rezensionen ansehe, stand ich damit nicht allein da.

Ich habe über 100 Seiten gebraucht, bis ich einigermaßen in die Handlung hineingefunden habe und mir die Geschichte anfing etwas Spaß zu machen. Diese ganze übersinnliche Ermittlungstechnik mit Pat wurde viel zu wenig erklärt. Kommt sie aus der Zukunft? Kann sie in der Zeit reisen? Wie genau funktionieren ihre Instrumente? Dann die Sache mit ihrem Kollegen, dessen Mist sie nun ausbaden muss. Ich habe das nur ansatzweise begriffen.

Die Geschichte um die Shelley’s und die illustre Gruppe mit denen sie sich umgaben, ist an sich sehr interessant und ich bin immer froh, wenn Filme oder Romane das Thema aufgreifen. Es geht um die vielen persönlichen Dramen dieser Menschen. Tod und Unglück spielte eine große Rolle in ihrem Leben. Also richtig schön düster, perfekter Stoff für eine Gothic Novel.

Auch die Entstehungsgeschichte von 𝘍𝘳𝘢𝘯𝘬𝘦𝘯𝘴𝘵𝘦𝘪𝘯 wird hier auf eine ganz neue, fantastische Weise integriert. Aber all das wird überschattet von dem heillosen Durcheinander dieser Zeitreisetechnik. Da wird in Erinnerungen zurück und vor und wieder zurück und noch tiefer und von einer Person zur nächsten gesprungen. Viel zu kompliziert.

Kein kompletter Flop, aber dennoch enttäuschend.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.03.2026

Hofjungfer Grace ermittelt

Lady Grace Mysteries
0

Manchmal braucht man auch als Erwachsene zwischendurch garantiert leicht zu lesende Literatur und als ich das prächtige Cover von 𝐋𝐚𝐝𝐲 𝐆𝐫𝐚𝐜𝐞 𝐌𝐲𝐬𝐭𝐞𝐫𝐢𝐞𝐬 - 𝐆𝐢𝐟𝐭𝐦𝐨𝐫𝐝 sah, dachte ich mir gleich, das ist es! ...

Manchmal braucht man auch als Erwachsene zwischendurch garantiert leicht zu lesende Literatur und als ich das prächtige Cover von 𝐋𝐚𝐝𝐲 𝐆𝐫𝐚𝐜𝐞 𝐌𝐲𝐬𝐭𝐞𝐫𝐢𝐞𝐬 - 𝐆𝐢𝐟𝐭𝐦𝐨𝐫𝐝 sah, dachte ich mir gleich, das ist es! Das brauche ich jetzt.

Der Roman ist Auftakt zu einer Reihe, in der die Hofjungfer Grace im Dienste von Elizabeth I. Abenteuer erlebt. Im ersten Teil muss die sehr junge Grace einen Ehemann wählen. Drei Kandidaten stehen zur Auswahl und auch wenn Grace als 13-jährige noch gar keine Lust auf’s heiraten hat, findet sich schnell ihren Favoriten. Doch dann wird einer der Anwärter ermordet aufgefunden. Verdächtiger Nummer 1: Grace’ Auserwählter Lord Robert. Grace glaubt jedoch an dessen Unschuld und versucht mit Hilfe ihrer Freunde den Mordfall aufzuklären.

Ich wusste, dass sich der Roman an ein jüngeres Publikum richtet, doch das Grace 𝘴𝘰 jung ist, hatte ich nicht erwartet. Entsprechend fällt die Schreibweise sehr locker und einfach aus, konnte aber auch mich mit seinem Witz und flotten Sprüchen überzeugen.

Natürlich erkennt man gleich, das bei dem Mord etwas nicht stimmen kann. Es gibt klare Verdächtige und solche, die es bestimmt nicht gewesen sind. Dennoch weiß die Geschichte mit einem geschickten Twist zu überraschen.

Ich fand es besonders schön, dass mit diesem Roman einem jüngeren Publikum die Tudorzeit näher gebracht wird. Dabei kommen zahlreiche Fremdwörter zum Einsatz, die allesamt in einem Glossar erklärt werden. Auch die Gegebenheiten und Zusammenhänge am Hof von Elisabeth I. werden in einem Abschnitt kurz erläutert.

Natürlich ist es eine zu großen Teilen fiktive Geschichte, die trotzdem vieles besser macht als beispielsweise 𝘉𝘳𝘪𝘥𝘨𝘦𝘳𝘵𝘰𝘯. Geschichte kann spannend sein und Spaß machen und durch solche Romane wird unsere Jugend vielleicht auch wieder dazu angeregt noch tiefer in die Vergangenheit einzutauchen.

Ein süßes Abenteuer mit unter 300 Seiten. Eine klare Empfehlung, besonders für die jüngere Leserschaft.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.03.2026

The other Austen Girl

Miss Austen
0

Achtung, bei der schönen Schmuckausgabe zu 𝐌𝐢𝐬𝐬 𝐀𝐮𝐬𝐭𝐞𝐧 handelt es sich diesmal nicht um einen alten Klassiker, sondern um einen teils fiktiven Roman von 2021. Trotzdem ist die Geschichte ganz im alten ...

Achtung, bei der schönen Schmuckausgabe zu 𝐌𝐢𝐬𝐬 𝐀𝐮𝐬𝐭𝐞𝐧 handelt es sich diesmal nicht um einen alten Klassiker, sondern um einen teils fiktiven Roman von 2021. Trotzdem ist die Geschichte ganz im alten Stil, aber sehr viel einfacher geschrieben als die Romane der allseits bekannten Autorin Jane Austen. Die spielt hier natürlich eine Rolle. Hauptprotagonistin ist allerdings ihre Schwester Cassandra und die hat eine wichtige Mission zu erfüllen.

1840: Cassandra Austen sieht dem Ende ihres Lebens entgegen. Doch eine Sache gibt es noch zu erledigen. Als der Hausstand der befreundeten Fowles aufgelöst wird, drohen private Korrespondenzen in Umlauf zu geraten. Cassandra ist es als Hüterin des Erbes ihrer Schwester wichtig, dass diese Briefe nicht in die Hände der neugierigen Verwandtschaft geraten. Cassandra reißt nach Kintbury und damit auch in die eigene Vergangenheit.

Ich habe das Buch so so gern gelesen!
Es fängt die Essenz eines Jane Austen Romans perfekt ein und macht dabei doch vieles anders.
Zwar gibt es am Ende, ganz typisch, ein glückliches Paar das zueinander findet, aber der Hauptaugenmerk liegt ganz woanders.

Sowohl Jane als auch Cassandra heirateten nie, wenngleich beide mal kurz davor waren. Wie die beiden wirklich zur Ehe standen, können wir nur spekulieren. Dieser Roman widmet sich vor allem Cassandras Einstellung dazu, welche ihren Verlobten durch Gelbfieber verlor. Wir erleben ihre Zerrissenheit. Die Vorfreude auf Ehe und Kinder, einen eigenen Haushalt. Aber auch die drohende Entfernung zur geliebten Familie und die gar nicht romantischen Seiten einer Beziehung.

Wir lernen die Austens als fröhliche Familie kennen, die aber auch Rückschläge verkraften muss. Dabei sticht besonders Cassandra als Fels in der Brandung hervor. Trotz vieler Zweifel, war diese letztlich sehr zufrieden mit ihrem unverheirateten Dasein. Glück kann man auch weitab von Ehe und Kindern finden. Sehr inspirierend, auch noch in der heutigen Zeit.

Ich kann mir gut vorstellen, dass die echte Cassandra genauso gewesen ist. Eine großartige Schwester und Romanheldin.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.03.2026

Augen auf beim Grundstückskauf

Das Hotel
0

𝐃𝐚𝐬 𝐇𝐨𝐭𝐞𝐥 schwirrte immer wieder durch meinen Feed und auch wenn die meisten Rezensionen nicht allzu begeistert klangen, fand ich die Idee zu diesem nicht mal 200 Seiten schmalen Roman unheimlich interessant.

Hier ...

𝐃𝐚𝐬 𝐇𝐨𝐭𝐞𝐥 schwirrte immer wieder durch meinen Feed und auch wenn die meisten Rezensionen nicht allzu begeistert klangen, fand ich die Idee zu diesem nicht mal 200 Seiten schmalen Roman unheimlich interessant.

Hier geht es um ein Hotel, welches auf verfluchtem Boden errichtet wurde und somit von bösen Mächten heimgesucht wird. Die Geschichte des klassischen Spukhotels ist das hier allerdings auch nicht.

Zunächst erläutert der Prolog einem in Kurzfassung den Werdegang des Hotels. Danach geht es in Kapiteln weiter, die in einem Zeitraum von mindestens über 100 Jahren linear fortgeführt werden.

Im ersten Kapitel erfahren wir, warum das Grundstück verflucht sein könnte. Im letzten, wie das Hotel sein Ende fand. Dazwischen kommen Personen zu Wort, die vorübergehend mit dem Hotel zu tun hatten, dort arbeiteten oder übernachteten. Manche Personen tauchen später noch einmal auf oder sind miteinander verwandt. Auch der „Präsenz“ des Hotels ist ein Kapitel zugedacht.

Der Roman enthält einige skurrile Horror-Elemente, die ich richtig schön unheimlich fand. Trotzdem bleibt vieles rätselhaft, die Geschichte wird nicht vollends aufgeklärt und lässt viel Spielraum für Interpretationen. Ein bisschen wie bei „The Autopsy of Jane Doe“ oder „The Blair Witch Project“ und das Ende erinnert auch sehr an den Film.
Einerseits möchte man mehr wissen, man möchte klare Antworten. Aber gerade dieses Unerklärbare macht bei Horror doch diesen besonderen Thrill aus.

„Das Hotel“ weicht von der Norm ab und ich verstehe, warum viele nichts damit anfangen können. Aber es liest sich gut und man ist schnell damit durch. Für mich war es eine gelungene Abwechslung von all den stereotypischen Spukhaus Geschichten die ich sonst lese.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere