Mach dir selbst eine BILD
72 / 100
Ich mache keinen Hehl daraus und folge auch keinem unbedingten Dogma, jedoch empfinde ich die BLÖD mit ihren überdiemensionierten Lettern samt ihrer Konsorten als einen furchtbaren Einfluss auf ...
72 / 100
Ich mache keinen Hehl daraus und folge auch keinem unbedingten Dogma, jedoch empfinde ich die BLÖD mit ihren überdiemensionierten Lettern samt ihrer Konsorten als einen furchtbaren Einfluss auf die deutsche Medienlandschaft. Mit dem vorliegenden Buch versucht der Ex-Chefredakteur Kai Diekmann mit gewohnter, aber doch milder Offensive ein einigermaßen differenziertes Bild (!) von sich, der Zeit und der Zeitung zu zeichnen. Dabei geht er auf ausgewählte Ereignisse in seiner Laufbahn genauer ein und lässt die Lesenden an weniger bis unbekannten Hintergründen teilhaben.
Es wird direkt deutlich, dass der Autor ein Händchen fürs Schreiben hat, denn die größten Teile des Buchs sind (selbst wenn man zeitlich keine Anknüpfungspunkte mit einzelnen Themen hat) sehr fesselnd und unterhaltsam. Er schreibt über Treffen mit Spitzenpolitikern (bisweilen auch Autokraten und Despoten), persönliche Affronts und der Eskalation, die er selbst wie Barbra Streisand ausgelöst hat sowie skandalöse Verquickungen wie etwa die Causa Wulff.
Bei aller Selbstkritik und Selbstironie darf man natürlich nicht übersehen, dass das Buch kaum Stories enthält, in denen eine kritische Auseinandersetzung von Diekmann mit sich selbst notwendig gewesen wäre oder er berechtigt Ärger abbekommen hat (da dürfte es in rund 15 Jahren an der Spitze durchaus einige Situationen gegeben haben; ich erinnere nur an Oslo, die Loveparade, Peter Lustig,...).
Wenn man sich damit arrangiert, hat das Buch einen vergleichsweise hohen Mehrwert. Im Kontext kann man sich anschauen, wer danach den Posten in der Chefredaktion übernommen hat und inwieweit ein Buch aus anderen Händen aussehen und sich lesen würde… vermutlich wäre es irgendwas mit einer Wiener, nach der niemand gefragt hat – nicht wahr, Jules, du alter Stecher?