Der Autor überschätzt sich leider selbst
Mit "Die Waffen-SS - Hitlers überschätzte Prätorianer" legt Klaus-Jürgen Bremm eine sachliche Ausarbeitun vor, die laut Klappentext als „Entzauberung eines Mythos“ verstanden werden will. Tatsächlich setzt ...
Mit "Die Waffen-SS - Hitlers überschätzte Prätorianer" legt Klaus-Jürgen Bremm eine sachliche Ausarbeitun vor, die laut Klappentext als „Entzauberung eines Mythos“ verstanden werden will. Tatsächlich setzt der Autor ein deutliches Zeichen gegen die Glorifizierung der Waffen-SS und bemüht sich, mit den überlieferten Heldennarrativen aufzuräumen. Seine Sprache ist über weite Strecken verbindlich, der Stil flüssig und gut lesbar. Besonders der Blick auf das Wirken ehemaliger Waffen-SS-Angehöriger im Nachkriegsdeutschland ist aufschlussreich und verdeutlicht, wie weitreichend Einflussnahmen auch nach 1945 noch möglich waren. Das beigefügte Bild- und Kartenmaterial unterstützt die Darstellung, bleibt qualitativ jedoch eher durchschnittlich.
Im weiteren Verlauf verliert Bremm jedoch zunehmend die notwendige Distanz. Seine Ausführungen werden spürbar wertender, teilweise provokativ im Ton. Seine zunehmende Schärfe gegenüber Personengruppen außerhalb der Waffen-SS wirkt stellenweise respektlos und unangemessen verallgemeinernd.
Problematisch ist zudem, dass Bremm der Leserschaft wenig Raum für eigene Urteilsbildung lässt. Seine Argumentation gerät mitunter unpräzise und verliert an sachlicher Ausgewogenheit. Für fachfremde Leserinnen und Leser fehlt es stellenweise an kontextueller Tiefe und differenzierter Einordnung; gleichzeitig setzt der Autor an anderen Stellen ein Vorwissen voraus, das nicht alle mitbringen dürften.
Nach dem Lesen des Buches bleibt der Eindruck eines ambitionierten Werkes mit berechtigtem Anliegen, das jedoch durch mangelnde Neutralität, argumentative Zuspitzungen und Schwächen in der Analyse deutlich an Überzeugungskraft einbüßt. Der Autor überschätzt sich leider selbst. Es gibt Sachbücher zu dieser Thematik, deutlich überzeugender und ausgewogener verfasst sind.