"Man steckt es nicht einfach so weg, wenn man (es) mit brutalen Taten … zu tun hat"
Der Polizeidienst in der gehobenen Laufbahn ist vermutlich kein Beitrag zur körperlichen und mentalen Gesundheit. Und wenn man dann auch noch in Mordkommissionen arbeitet oder sie gar leitet, dann erst ...
Der Polizeidienst in der gehobenen Laufbahn ist vermutlich kein Beitrag zur körperlichen und mentalen Gesundheit. Und wenn man dann auch noch in Mordkommissionen arbeitet oder sie gar leitet, dann erst recht nicht.
Neben den kurzen Beschreibungen seiner schlimmsten Fälle kann man aus diesem Buch des Ersten Kriminalhauptkommissars Klaus-Peter Lipphaus genau das auch herauslesen. Es sind auf der einen Seite die Brutalität vieler Fälle und das Leiden der Opfer und ihrer Hinterbliebenen, und auf der anderen Seite der Druck und Dauerstress, die diesem und vermutlich vielen anderen Polizeibeamten das Leben nicht leicht machen. Von ihren Familien ganz zu schweigen.
Lipphaus schildert in seinem Buch sowohl seinen beruflichen Werdegang als auch zahlreiche seiner Fälle. Wenn man es nicht auch so schon wusste, dann kann man es hier lernen: Mit den Fiktionen von Kriminalromanen hat die Wirklichkeit nicht viel zu tun. Polizisten treffen weniger auf superintelligenten Psychopathen, sondern mehr auf minderbemittelten Impuls-Täter, deren Mordmotive man aus einer vernunftorientierten Perspektive nicht verstehen kann. Es sind eben meistens niedere Beweggründe wie Gier oder Rache, manchmal auch Angst vor der Entdeckung anderer Straftaten oder ein ungezügelter Trieb.
Der Autor ist kein talentierter Schriftsteller, sondern eher ein nüchterner Betrachter, der sachlich über sein Berufsleben berichtet. Das Buch ist sehr authentisch, enthält aber nicht viel Überraschendes.