Er kam, ging und niemand starb
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Es gibt Bücher, bei denen ich mich frage, was die schriftstellende Person dazu bewog, ihr Buch zu verfassen. Kurt Molzer kam rund 30 Jahre nach den geschilderten Erlebnissen auf die Idee, ebenjene ...
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Es gibt Bücher, bei denen ich mich frage, was die schriftstellende Person dazu bewog, ihr Buch zu verfassen. Kurt Molzer kam rund 30 Jahre nach den geschilderten Erlebnissen auf die Idee, ebenjene zu Papier zu bringen. Dass eventuell das Kapital seit Anbeginn der Zeit auch für ihn der Hauptbeweggrund zu sein scheint, sei im Rahmen des boulevardesken Journalismus’ geschenkt. Auch dass es zu einem gewissen Teil Voraussetzung ist, persönlich eine Poöffnung zu sein, wenn man für die Regenbogenpresse… „arbeitet“ – ebenfalls geschenkt.
Nun weiß ich gar nicht so recht, was ich mir von diesem Buch erhofft habe. Eine retrospektiv kritische Auseinandersetzung mit dem Springer-Verlag? Dafür ist das Buch (abgesehen von seinem passend reißerischen Titel) allenfalls bedingt geeignet. Sicher, man erfährt nette Details aus der Wendezeit und dem Versuch, in einer ostdeutschen Stadt eine Redaktion einer westdeutschen Zeitung aufzubauen. Aber so schnell, wie die Ausführungen beginnen, so schnell enden sie auch wieder und der Ausflug ist doch relativ zeitnah beendet.
Nicht die Substanz, die ich mir gewünscht habe – schade, etwas mehr Selbstreflexion wäre schön und sinnhaft gewesen. Denn Geschichten aus der guten, alten, verrückten Zeit gibt es in der Form bereits im Überfluss.