Wenn Familien schweigen, wird es gefährlich
Manchmal steigt man in einen Zug und merkt erst unterwegs, dass man nicht nur Richtung Budapest fährt, sondern mitten rein in den alten Familienkeller, in dem seit Jahren keiner mehr gelüftet hat. King ...
Manchmal steigt man in einen Zug und merkt erst unterwegs, dass man nicht nur Richtung Budapest fährt, sondern mitten rein in den alten Familienkeller, in dem seit Jahren keiner mehr gelüftet hat. King Cobra ist genau so ein Buch. Es riecht nach Schnaps, Staub, alten Wunden und diesem unangenehmen Schweigen, das in Familien gern mal als Tradition verkauft wird.
Lazi kommt nach Ungarn zurück, auf der Suche nach dem Gewehr des Großvaters. Klingt erstmal nach Roadtrip mit leicht gefährlichem Gepäck, wird aber schnell zu etwas viel Größerem. Da geht es um Gewalt, Herkunft, Körper, Scham und die Frage, was eigentlich passiert, wenn man nicht mehr brav stillhält. Und ja, zwischendurch dachte ich schon: Junge, dieses Buch nimmt aber keine Abkürzung zum Wohlfühlregal.
Was mir richtig gefallen hat, ist diese Mischung aus Wut und Zärtlichkeit. Darida schreibt nicht glattgebügelt, sondern rau, bildhaft und manchmal mit einem Humor, der genau dann reinknallt, wenn man kurz Luft holen will. Diese unberechenbaren Tanten, die Schnäpse, die Dorfstimmung, das hat Leben. Nicht immer bequem, aber verdammt lebendig.
King Cobra ist kein Buch, das man einfach wegliest und dann hübsch ins Regal stellt. Es kriecht nach, zischt ein bisschen im Kopf herum und zwingt einen, hinzuschauen. Für mich ein starkes, mutiges Debüt mit Ecken, Giftzähnen und Herz.