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Veröffentlicht am 08.05.2026

Wenn Mutterschaft keine einfache Antwort kennt

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
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Zwischen Meereslicht, Ferienhaus und flirrendem Urlaubsgefühl legt sich in diesem Roman von Anfang an etwas Unruhiges über die Seiten. Es ist diese Art von Helligkeit, die nicht wärmt, sondern alles gnadenlos ...

Zwischen Meereslicht, Ferienhaus und flirrendem Urlaubsgefühl legt sich in diesem Roman von Anfang an etwas Unruhiges über die Seiten. Es ist diese Art von Helligkeit, die nicht wärmt, sondern alles gnadenlos sichtbar macht. Linn reist mit dem Wunsch an, bald schwanger zu sein, und gleichzeitig mit einer Angst, die sich kaum greifen lässt. Der eigene Körper wird hier nicht romantisiert, sondern als Ort von Sehnsucht, Kontrolle, Zweifel und Erwartung gezeigt.

Mich hat besonders berührt, wie Dita Zipfel diese Spannung zwischen Linn und Eva erzählt. Da ist Neid, Abwehr, Faszination und irgendwann etwas, das weicher wird. Eva steht scheinbar auf der anderen Seite, als Mutter, als Frau mit Kind, mit Alltag, mit Geduld und müden Händen voller Sand. Doch je näher sich die beiden kommen, desto mehr bröckeln diese einfachen Bilder.

Der Roman fühlt sich stellenweise zart an und im nächsten Moment wieder scharfkantig. Genau das mochte ich. Es geht nicht nur um Kinderwunsch, sondern auch darum, wem Frauenkörper gehören, welche Rollen Frauen erfüllen sollen und wie still man manchmal gegen das eigene Leben ankämpft. Nicht alles ist bequem, manches ist schräg, manches verstört, aber gerade dadurch bleibt die Geschichte hängen.

Für mich ist Es ist hell und draußen dreht sich die Welt kein Roman zum gemütlichen Weglesen, sondern einer, der unter der Haut weiterarbeitet. Wütend, klug, seltsam schön und mit einer weiblichen Verbundenheit, die nicht laut sein muss, um kraftvoll zu sein.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Mondstaub, Menschheitsträume und ganz großes Staunen

Auf dem Weg zum Mond
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Manchmal reicht schon ein Blick zum Mond und plötzlich fühlt man sich wieder wie ein kleiner Junge, der viel zu lange aus dem Fenster starrt und sich fragt, was da oben eigentlich los ist. Genau dieses ...

Manchmal reicht schon ein Blick zum Mond und plötzlich fühlt man sich wieder wie ein kleiner Junge, der viel zu lange aus dem Fenster starrt und sich fragt, was da oben eigentlich los ist. Genau dieses Gefühl packt Auf dem Weg zum Mond ziemlich gekonnt am Schlafanzipfel.

Das Buch nimmt einen mit von den legendären Apollo-Missionen bis zum heutigen Artemis-Programm und macht dabei klar: Der Mond ist nicht nur romantische Deko am Nachthimmel. Der alte Kerl wird wieder richtig spannend. Und zwar so spannend, dass man beim Lesen fast erwartet, gleich selbst einen Helm aufgesetzt zu bekommen.

Besonders stark ist, dass hier nicht nur von Raketen, Technik und großen Plänen erzählt wird. Es geht auch um die Menschen dahinter. Um Astronauten, Kosmonauten, Wissenschaftler und diese ziemlich verrückte Frage: Wie bereitet man sich auf ein Leben an einem Ort vor, an dem schon der Gang zur Haustür eher nach Überlebenskurs klingt?

Die Testanlagen auf der Erde fand ich dabei besonders faszinierend. Da wird plötzlich greifbar, wie viel Planung, Mut und Wahnsinn in solchen Missionen steckt. Man liest nicht nur über den Mond, man spürt ein bisschen, wie gewaltig dieser nächste Schritt ist.

Dazu passt die typische National-Geographic-Wucht natürlich perfekt. Informativ, bildstark, neugierig machend und nie so trocken, dass man heimlich nach Kaffee Nummer drei greifen muss. Dieses Buch hat dieses schöne Gefühl von: Komm, wir gucken mal, wie Zukunft eigentlich aussieht.

Für Raumfahrt-Fans sowieso ein Treffer. Für neugierige Menschen aber genauso. Auf dem Weg zum Mond ist ein Sachbuch mit Staub an den Stiefeln, Sternen in den Augen und ordentlich Herz für das große Abenteuer Menschheit.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Mit Stiften nach Japan geträumt

Japan - Das große Ausmalbuch nach Zahlen
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Schon beim ersten Durchblättern hatte dieses Ausmalbuch diesen kleinen Zauber von Kofferpacken im Kopf. Japan liegt plötzlich nicht mehr nur irgendwo weit weg, sondern direkt auf dem Tisch, zwischen Stiften, ...

Schon beim ersten Durchblättern hatte dieses Ausmalbuch diesen kleinen Zauber von Kofferpacken im Kopf. Japan liegt plötzlich nicht mehr nur irgendwo weit weg, sondern direkt auf dem Tisch, zwischen Stiften, neugierigen Blicken und diesem leisen: Welche Seite machen wir zuerst?

Zusammen mit meiner Tochter wurde daraus kein stilles Nebenbei, sondern ein richtig schöner Buddyread Moment. Wir haben abwechselnd geblättert, Motive bestaunt und uns gegenseitig kleine Favoriten zugeschoben. Bei einer Seite meinte sie sofort: Die ist meine. Und zack, hatte Töchterchen die Stifte in der Hand und war verschwunden in Farben, Zahlen und völliger Konzentration.

Besonders schön finde ich, dass man nicht perfekt zeichnen können muss. Die Nummerierung nimmt den Druck raus, aber nicht die Freude. Nach und nach entstehen kleine Kunstwerke, fast wie Mini Reisen durch Japan. Mal ruhig, mal farbenfroh, mal so detailreich, dass man automatisch langsamer wird.

Das große Format, das feste Papier und die Möglichkeit, einzelne Seiten herauszutrennen, machen das Buch für mich deutlich wertiger als ein normales Ausmalbuch. Es ist kreativ, entspannend und gleichzeitig ein wunderschöner gemeinsamer Moment gewesen. Für uns ganz klar ein kleines Reiseglück mit Stiften.

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Veröffentlicht am 08.05.2026

Wenn Herz und Schicksal miteinander ringen

Legend of the White Snake
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Manchmal kommt ein Buch daher, sieht hübsch aus, flüstert „chinesische Legende, queere Fantasy, Slowburn“ und zack, sitzt man da mit Tee, Herzklopfen und der leisen Angst, dass gleich jemand emotional ...

Manchmal kommt ein Buch daher, sieht hübsch aus, flüstert „chinesische Legende, queere Fantasy, Slowburn“ und zack, sitzt man da mit Tee, Herzklopfen und der leisen Angst, dass gleich jemand emotional ruiniert wird. Legend of the White Snake hat genau diesen Zauber.

Prinz Xian sucht die weiße Schlange, um seine Mutter zu retten. Klingt erstmal nach klassischer Held zieht los, findet Heilmittel, alle klatschen höflich. Nur leider stellt sich das Herz mal wieder quer, dieses kleine Biest. Denn in Changle trifft Xian auf Zhen, geheimnisvoller Stallbursche, eindeutig zu interessant für den inneren Frieden und natürlich mit mehr Geheimnissen als gut für alle Beteiligten ist.

Die Geschichte lebt sehr von dieser zarten Spannung zwischen Pflicht und Gefühl. Xian will seine Mutter retten, aber je näher er Zhen kommt, desto mehr merkt man: Hier wird nicht nur eine Schlange gesucht, hier wird ordentlich am Herzen gezerrt. Und zwar nicht zimperlich.

Besonders schön ist die Atmosphäre. Das Buch fühlt sich märchenhaft, weich und gleichzeitig schicksalsschwer an. Diese Mischung aus Legende, Romantik und Fantasy hat etwas sehr Eigenes. Man spürt die asiatische Vorlage, ohne dass es trocken oder überladen wirkt.

Ganz perfekt war es für mich nicht. An manchen Stellen hätte ich mir noch mehr Tiefe gewünscht, mehr Raum zum Atmen, mehr Schmerz, mehr Nachhall. Gerade weil die Figuren so viel Potenzial haben, wollte mein innerer Drama-Goblin manchmal rufen: Komm schon, mach mich noch ein bisschen kaputter.

Trotzdem bleibt Legend of the White Snake ein wunderschönes, emotionales und sehr charmantes Fantasybuch über Liebe, Vertrauen, Opfer und die Frage, ob man sein Herz verraten kann, ohne sich selbst zu verlieren.

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Veröffentlicht am 07.05.2026

Wenn eine Kleinstadt ein ganzes Land erzählt

Sanditz
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Manche Bücher liest man nicht einfach weg, sie legen sich wie feiner Staub auf die Gedanken und bleiben dort erst einmal liegen.

Sanditz ist so ein Roman. Eine Kleinstadt am Rand, aber eigentlich mitten ...

Manche Bücher liest man nicht einfach weg, sie legen sich wie feiner Staub auf die Gedanken und bleiben dort erst einmal liegen.

Sanditz ist so ein Roman. Eine Kleinstadt am Rand, aber eigentlich mitten in allem, was dieses Land geprägt, zerrissen und verändert hat. Lukas Rietzschel erzählt nicht laut, nicht reißerisch, sondern mit einem genauen Blick für Menschen, die oft übersehen werden. Für Familien, die sich durch Umbrüche kämpfen. Für Hoffnungen, die groß beginnen und irgendwann müde in der Ecke sitzen. Für diese leisen Brüche, die niemand sieht, die aber ein ganzes Leben verschieben können.

Besonders berührt hat mich, wie viele Stimmen hier Platz bekommen. Alte Geschichten, neue Verletzungen, Wendezeit, Corona, Ukraine, Freundschaft, Familie, Zugehörigkeit und diese ständige Sehnsucht nach Freiheit. Das ist viel, manchmal fast zu viel, und genau deshalb braucht das Buch Aufmerksamkeit. Sanditz ist kein Roman zum Nebenbei-Lesen. Er fordert Geduld, aber er gibt auch viel zurück.

Die Sprache ist warm, beobachtend und oft schmerzhaft nah. Nicht jede Figur hat mich gleich stark erreicht, manche Wege wirken sperriger als andere, doch das Gesamtbild hat Kraft. Am Ende bleibt ein Roman, der nicht beschönigt, nicht erklärt wie ein Schulbuch, sondern fühlen lässt, wie Geschichte in Menschen weiterlebt.

Für mich ein eindrucksvolles, kluges und emotional nachhallendes Buch.

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