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Veröffentlicht am 05.09.2021

Zäh, interessant, wichtig

Klara und die Sonne
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Mein erster Roman vom Literatur-Nobelpreisträger Ishiguro und es war nicht leicht. Hochgepriesen, wie auch sonst? Aber ich habe lange an dem Buch gesessen und genauso lange wiederum an der Rezension, den ...

Mein erster Roman vom Literatur-Nobelpreisträger Ishiguro und es war nicht leicht. Hochgepriesen, wie auch sonst? Aber ich habe lange an dem Buch gesessen und genauso lange wiederum an der Rezension, den die Worte wollten einfach nicht so auf den Punkt kommen, wie auch der Roman.
Inhalt

Klara ist eine künstliche Intelligenz, entwickelt, um Jugendlichen eine Gefährtin zu sein auf dem Weg ins Erwachsenwerden. Vom Schaufenster eines Spielzeuggeschäfts aus beobachtet sie genau, was draußen vor sich geht, studiert das Verhalten der Kundinnen und Kunden und hofft, bald von einem jungen Menschen als neue Freundin ausgewählt zu werden. Als sich ihr Wunsch endlich erfüllt und ein Mädchen sie mit nach Hause nimmt, muss sie jedoch bald feststellen, dass sie auf die Versprechen von Menschen nicht allzu viel geben sollte.
Das Setting, klingt doch interessant?

Man stelle sich unsere Welt vor in der Zukunft, nicht weit entfernt und Kinder werden genetisch verändert, sodass sie scheinbar perfekt sind, Unterricht gibt es daheim online, Bildung ist nur für eine gewisse Schichten erschwinglich, wie auch ein Roboterfreund. So eine hochentwickelte KI, bzw. ein KF (Künstlicher Freund), hat jedes Kind und es ist ein Freund, der das Kind jeden Tag begleitet.
So ein Roboter, der nicht ist, wie die anderen KF, wird der Erzähler der ganzen Geschichte! Aufgenommen von einem kleinen kranken Mädchen, zeigt er eine erschreckende Welt…
Die besondere Klara

Von Anfang an ist klar, das der Roboter Klara, aus der Modell B2, vierte Serie, besonders ist. Sie dient als Gefährte und wenn sie sich mit ihren anderen Roboterkollegen unterhält fällt auf, sie hat eine Neugier auf sich, ein Blick auf die Welt um sie herum, der nicht vergleichbar ist und sie lernt.
Allein der Start des Buches, im Laden, wie sie alles um sich herum beschreibt, fand ich spannend und auch später gibt es vieler solcher Szenen. Durch sie denkt der Leser nach, wie ist die Welt in der Zukunft? Wie leben die Menschen? Und man verarbeitet Klaras Perspektive Stück für Stück bis man ein volles Bild hat von der Umgebung.
Stil, Ton und Atmosphäre

Ruhig. Sehr ruhig und gelassen beginnt die Geschichte und sie bleibt es noch lange. Es ist nicht die Atmosphäre, die man von einem Science-Fiction Roman hat, wo alles sehr futuristisch und unglaublich klingt. Eher wie eine leise Erzählung einer Idee. Doch zwischendurch, ganz versteckt, kommen immer wieder Sätze, über die ich gestolpert bin, die für Aufregung und Anspannung sorgen.
Das hatte mir auch sehr geholfen am Buch dranzubleiben, denn egal wie gut es geschrieben ist, diese ruhige Art, hatte mir gerade gar nicht gepasst und diente als Einschlaflektüre, bis eben die Einschübe kamen.
Gesellschaft, Familie und tieferer Sinn

Ungern möchte ich zu viel vorweg nehmen um was das Buch sich genau dreht, auch könnte ich das nicht im Ganzen. Viel lässt sich interpretieren, bzw. fühlt man sich erinnert an heutige Zustände und genau das möchte ich dem zukünftigen Leser lassen. So viel ist von mir gesagt, es gibt eine Zwei-Klassen-Gesellschaft und wir treffen Kindern aus beiden Gesellschaften. Es werden viele Fragen aufgeworfen, wer hat es besser getroffen? Ist es das Wert? Was ist eine Familie?
Oder wie geht man am besten mit einer künstlichen Intelligenz um?
Zum Schluss

An den zukünftigen Leser, wenn dich das Thema interessiert, bleib dran. Der Anfang wird nicht einfach sein, mehr ermüdend. Aber Klara ist so ein liebenswürdiger Charakter, dass du am Ende einfach wissen möchtest, wie es mit ihr ausgeht. Auch wenn der Roman einen nicht umhaut, das Ende abrupt ist. Es wird dich zum nachdenken bringen und wenn du in die Sonne blickst, wirst du eine Weile an Klara denken müssen.

Veröffentlicht am 05.09.2021

Nicht meins!

Nox - Donner und Asche
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Wie geht ihr mit schlechten Büchern um? Schon lange habe ich keine Rezension zu einem Buch geschrieben, dass so gar nicht meins war. Und hoffe, dass die Autorin mir das nicht übel nehmen wird, wenn sie ...

Wie geht ihr mit schlechten Büchern um? Schon lange habe ich keine Rezension zu einem Buch geschrieben, dass so gar nicht meins war. Und hoffe, dass die Autorin mir das nicht übel nehmen wird, wenn sie es ließt. Aber ich ziehe es jetzt durch und versuche mich so gut, wie möglich, zu erklären! Kurzum, der Roman wird am Ende dieser Rezension in einen öffentlichen Bücherschrank gestellt und ich hoffe, dass dann ein Leser es findet, der es gefällt.

INHALT:
Annikas Leben wird auf den Kopf gestellt, als sie plötzlich von finsteren Schattenwesen verfolgt wird. So gerne sie über Fantasy-Abenteuer liest, im echten Leben möchte sie einfach nur ihre Ruhe haben und die Wesen so schnell wie möglich wieder loswerden. Blöd nur, dass sie dafür ausgerechnet mit Elias zusammenarbeiten muss, der nicht nur ziemlich viel über Magie weiß, sondern mit arroganten Sprüchen nur so um sich wirft. Mit einem Mal stolpert sie in eine völlig neue Welt – und über ein Geheimnis, das ihr Leben in Gefahr bringt.

ES HÄTTE SO GUT WERDEN KÖNNEN …
Als ich den Klappentext gelesen hatte, dachte ich bereits, dass da ein sehr jugendlicher Touch dabei ist. Aber da es “Piper Fantasy” ist und die Zielgruppe eher auf die älteren Fantasyleser bis jetzt zielte, wollte ich es lesen.
Ich lag so sehr daneben, wie noch nie. Das war in meinen Augen eine kitschige Teenie-Fantasy-Love-Story mit viel Zänkerei zwischen den Protagonisten, die sich dann doch ineinander verlieben. Schließlich ist er ja sehr heiß und ihr Charakter ist echt toll.
Als ich mit dem Buch fertig war, las ich bei einigen, dass der Roman aus “Piper Wundervoll” ist, das Fantasy-Label von Piper digital. Welches sich an Leser richtet von 16 bis 18 Jahren mit romantischen fantastischen Geschichten. Im Buch steht nichts darüber, auf dem Buch schon gar nicht. Hätte ich das bloß früher gewusst…wobei ich das Buch für noch jüngere Leser eingeschätzt habe.

DIE IDEE UND IHRE UMSETZUNG
Simple, vorausschauend und in die Weite gezogen.
Dem Mädchen offenbart sich eine neue Welt voller Magie, aber der Leser erfährt so wenig von ihr. Diese “Welt” war für mich in keiner Weise beim Lesen greifbar, sie erschien wie eine kleine Nebenhandlung, die alles ins Laufen bringen sollte. Wie übrigens viele plötzliche Geschehnisse, eben alles sehr simpel umgesetzt. Erst zum Ende hin der Geschichte deutet eine mögliche Fortsetzung an, dass das was kommen könnte – aber ich bin schon raus.

REALISMUS?
Auch in einer Fantasygeschichte gibt es Realismus. Man muss sich erklären, es “wirklich” rüber bringen. Hier jedoch hatte ich das Gefühl, dass vieles “einfach so ist”. Besonders das Verhältnis zu ihrer Familie, ihre Akzeptanz und Mitarbeit, die am Rande lief, wurde so einfach abgehackt. Ich musste oft beim Lesen stocken und denken “Das war es?”. Und bei aller Freundschaft, wie oft ihre Freundin ihr jede Ausrede am Ende glaubt, dass ist ein Naivität hoch 10. So kommen wir wieder zum Thema “simpel” zurück.

ZUM SCHLUSS
Nicht gerade überragend, aber vollkommen in Ordnung, empfand ich den Schreibstil der Autorin. Sie schreibt für ihre Zielgruppe, also jugendlich und flüssig zu lesen. Das Tempo steigt mit den Seiten stetig an und man kommt gut durch die Geschichte, ohne was zu verpassen.
Letztendlich war das Buch, wegen vielen unterschiedlichen Aspekten, überhaupt nicht meins. Vom Klappentext habe und Cover, habe ich mehr erwartet und zu viel erhofft.
Bei deutlich jüngeren Lesern kann ich mir gut vorstellen, dass sie sich unterhalten fühlen und viel schmunzeln müssen bei den Zickereien zwischen den Hauptpersonen und ihrer Liebesgeschichte.

Veröffentlicht am 28.07.2021

Ein kleiner Schatz!

Jeder geht für sich allein
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In einer Vorstadt von Tokio, in einem kleinen Haus, wohnt die über 70 jährige Momoko Hidaka, alleine. Das Leben ist einsam, eintönig und in dem schmalen Bändchen erinnert sie sich zurück. An die Zeit, ...

In einer Vorstadt von Tokio, in einem kleinen Haus, wohnt die über 70 jährige Momoko Hidaka, alleine. Das Leben ist einsam, eintönig und in dem schmalen Bändchen erinnert sie sich zurück. An die Zeit, als sie jung war, gerade mal 24 Jahre alt und noch Tokio kam. Aus dem Dorf in die eine Hauptstadt Japans.
Nach ihrem Umzug, lies sie ihren Dialekt zurück und redete mit allen in Hochsprache, doch jetzt kommt er wieder durch und in ihrem Monolog schlittert sie zwischen Dialekt und Hochsprache.
Mit der Stimme ihrer Großmutter, ihres verstorbenes Mannes und recht eigenwilligen Wesen um sie herum, genannt die Zotten, erleben wir einen Rückblick auf 50 Jahre voller Leben.

Gerade mal 109 Seiten hat der schmale Band von Chisako Wakatake, doch die wenigen Seiten sind stark gefüllt und packend. Wobei ich am Anfang wirklich Probleme hatte mit dem Dialekt. Es gibt einige Passagen im Buch, die sind im Dialekt verfasst, welcher deutsche Dialekt das ist kann ich euch nicht sagen. Denn da ist das Problem, ich kann kaum Dialekt sprechen, erkennen oder übersetzen. Mit etwas Hilfe hatte ich mich da durchgekämpft, aber versteht es nicht falsch. Es ist ein wunderbares Buch, sobald man den Dialekt drauf hat.
Momokos Leben ist das einer normalen Frau, einer rebellischen Frau mitunter, die was wagen wollte und raus aus dem Dorf ist. Die geheiratet hat, Kinder bekommen hat und immer eine gute Ehefrau war. Eine Frau, wie jeder sie kennt und doch wieder nicht. Sie erzählt von vielen wichtigen Punkten in ihrem Leben und gibt dabei ihre Weisheit wieder.

Einerseits hatte es der Roman einen traurigen Ton voller Wehmut und Nostalgiegefühlen. Andererseits versteht es Momoko in ihrem Monolog Witz einzubringen, wenn sie mit den Stimmen, den Zotten diskutiert und sich dabei selber aus ihrer Lethargie herauszieht.
Zum Ende hin, so viel kann ich verraten, wurde es schön. Der Roman gehört zu den Büchern, die ich ein zweites Mal lesen würde, bzw. könnte.

Es ist fast kaum zu glauben, dass es ein Debütroman ist und doch was ich verstehen kann ist, dass es zu einem Bestseller in Japan wurde. Man kann ihr Debüt nur mögen! Denn auch sprachlich ist es ein gelungenes Werk, in das man sich gut vertiefen kann. Poetisch und leicht klingt die Stimme der Protagonistin im Kopf, wie sie einem über ihr Leben erzählt.

Schlussendlich kann ich nur sagen: Was für ein beindruckender kleiner Schatz! Bitte mehr von der Autorin! Ein Buch, dass der Seele gut tut!

Veröffentlicht am 11.07.2021

Ein Geheimtipp!

Mercuria
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Es war das Cover, was mir gleich aufgefallen ist. Es sprach mich sofort an und der Name “Mercuria” hatte auch einen gewissen Reiz, sodass ich es mir genauer ansehen wollte. Als ich mir dann die Leseprobe ...

Es war das Cover, was mir gleich aufgefallen ist. Es sprach mich sofort an und der Name “Mercuria” hatte auch einen gewissen Reiz, sodass ich es mir genauer ansehen wollte. Als ich mir dann die Leseprobe ansah, wusste ich, dass wird ein gutes Buch.
Seit einer Weile hatte ich schon keinen “richtigen” historischen Roman in der Hand, wenn man eben von Regency Romance absieht und das Zeitalter der Kurtisanen, der Renaissance klang vielversprechend.

Wir schreiben das Jahr 1566 und sind in Rom. Der junge Michelangelo, nicht der Künstler, sondern ein Novellant für Klatsch und Tratsch, begegnet durch eine lustige Begebenheit, Mercuria. Eine ehemalige und sehr angesehene Kurtisane. Er wird einer ihrer Schützlinge, zieht auf ihr Anwesen und lernt Leute kennen, darunter Gennaro, dem er eines Nachts bei Ausgrabungen hilft. Dabei finden die Beiden eine Leiche, deren Geschichte eng mit der Vergangenheit von Mercuria zusammenhängt…

Im Grunde hatte Michelangelo die Chance ein ganz großer Nachrichtenschreiber zu werden, wie sein verstorbener Onkel, nur ist er leider bei Klatschnachrichten geblieben und als Mercuria ihn findet, sieht sie in ihm Potenzial. An sich fand ich zu Beginn der Geschichte, war er eher ein Charakter zum Zweck, der alles am Laufen hielt. Wirklich interessant war Mercuria und ihre Vergangenheit. Das hatte mich gleich gepackt!
Durch Michelangelos Untersuchungen zum Mord und durch seine weiteren Aufträge, wendet er sich oftmals an Mercuria, die dann in Erinnerungen aus der Vergangenheit zurückfällt. Diese Szenen im Buch hatten mir besonders gut gefallen. Wie war es damals als Kurtisane? Wie ist sie in das Geschäft eingestiegen? Was hat diese Frau erlebt?
Ihr Erzählungen nehmen einen guten Teil des Buches ein und der Rest sind die Ermittlungen. Auch wenn Michelangelo zunächst nicht der interessanteste Charakter im Roman war, so gefielen mir die Szenen mit ihm mit der Zeit immer mehr. Der Autor baut nämlich langsam die Spannung auf, lässt Geheimnisse Stück für Stück raus und lässt es am Ende gut knallen!

Der Roman ist eine Mischung aus Kriminalfall, Schatzsuche, historischer Vergangenheit und einer Mischung aus verschiedener Charaktere und deren Leben. Man merkt schnell, dass der Autor sich intensiv mit dem Zeitalter beschäftigt hat und die damaligen politischen Ereignisse, Machtkämpfe und dergleichen bilden einen spannenden Hintergrund für die Auflösung der Fälle. Lebendig erzählt er das Geschehen und auch wenn ich ein paar Kapitel zunächst gebraucht hatte um reinzukommen (viele Namen, Ereignisse), so hing ich am Ende förmlich an den Seiten.

Als ich mit dem Buch anfing, hatte ich nicht daran geglaubt, dass es mich so faszinieren würde bis zum Schluss. Sein Schreibstil ist angenehm fließend zu lesen und wortreich, ohne überladend zu sein. Es ist schade zu sehen, dass es in den vielen Neuerscheinungen gerade untergeht und wenn ihr Lust habt auf ein opulentes Abenteuer im Rom der Renaissance, lege ich es euch ans Herz!

Veröffentlicht am 08.07.2021

Alles drin! Von Crime, Cyberthriller bis zu Gesellschaftsroman!

Die zweite Schwester
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Bei Kriminalromanen haben ich einen sehr eigenwilligen Geschmack, würde ich sagen. Es ist selten klassisch oder Mainstream und so bin ich auf den Krimi von Chan Ho-Kei gestoßen.
Bei dem Buch handelt es ...

Bei Kriminalromanen haben ich einen sehr eigenwilligen Geschmack, würde ich sagen. Es ist selten klassisch oder Mainstream und so bin ich auf den Krimi von Chan Ho-Kei gestoßen.
Bei dem Buch handelt es sich um einen Mix aus Detektivstory, Cyberthriller und Gesellschaftsroman.

Der chinesische Autor erzählt zunächst die Geschichte einer Familie, die vom Unglück gezeichnet ist und deren Kinder, zwei Töchter, früh zu Vollwaisen werden. Dabei gibt es viele Andeutungen zu Problemen in der Gesellschaft und das behält der Autor auch im Laufe des Buches bei. Was bedeutet, dass man schnell einen Blick für das derzeitige Hong Kong bekommt, wo der Roman spielt.
An der Stelle haben wir den Gesellschaftsroman über China und weiter geht es mit dem detektivischen Teil: Siu-Man beginnt Selbstmord zu Beginn des Buches und ihre Schwester Nga-Yee ist sich sicher, dass mehr hinter der Sache steckt und möchte Ermittlungen in die Wege leiten.
Ohne Beweise natürlich schwer, daher engagiert sie den Hacker N. So kommen wir zum Cyberthriller und einem sehr eigenwilligen “Helden”. Ein exzentrischer Einsiedler, der nur einen Fall annimmt, wenn er interessant genug ist. Und siehe da, er nimmt ihn an… und es stellt sich die Frage, was ist an einem vermutlichen Selbstmord so interessant?

Der Roman ist mit seinen fast 600 Seiten wahrlich nicht schlank und als ich es in den Händen hielt, hatte mich die Wucht zunächst auf Abstand gehalten. Als ich jedoch die ersten paar Kapitel gelesen hatte, war ich so tief in der Geschichte drinnen, dass die Seiten sich von selbst haben blättern lassen. Und auch wenn ich es mal zur Seite gelegt hatte, so musste ich immer wieder an die Charaktere denken. Ich wollte wissen, was das Geheimnis ist.
Der Clou an der Sache ist, immer wenn ich dachte “Ich weiß es, es ist so offensichtlich was hier passiert.”, kam eine Wendung. Immer wieder. Und wieder.
Daher packt einen das Buch, trotz vielen Seiten, unaufhörlich und kaum hat man sich versehen, ist man am Ende und hofft, dass der Autor doch bitte ein weiteres Buch über dieses Traumpaar schreibt.

Sprachlich gesehen ist der Kriminalroman hier ein Volltreffer (Übersetzerin: Sabine Längsfeld), da es leicht zu lesen ist, trotz allem ein gewisses Niveau zeigt und die Exkurse in die Cyberkriminalität waren interessant. Wobei ich da nicht immer sehr aufmerksam mitgelesen hatte. An sich waren sie sehr zugänglich geschrieben, der Autor gab sich viel Mühe, bzw. Ermittler N gab sich viel Mühe der unbedarften Nga-Yee, die Dinge zu erklären, die er tut. Mich interessierte das jedoch nur bis zu einen gewissen Grad. Womöglich könnte ich den Buch einen Punkt abziehen, weil die Erklärungen teilweise tief, aber das kann jemand anderen erst recht gefallen.

Neben der wendungsreichen Geschichte, waren die Charaktere ebenso aufregend, besonders unser zynischer Ermittler N. Ich konnte ihn mir schon nach wenigen Beschreibungen und Dialogen ganz genau vorstellen.
Der Autor zeichnet seine Figuren nämlich sehr treffend, sodass sich bei mir schnell ein Kopfkino abspielte. Es tauchen noch zahlreiche weitere Personen im Laufe der Handlung auf, die ebenso gut dargestellt werden und mit jeder Seite fühlt sich die Tragweite von Siu-Mans Selbstmord oder Mord?

Der Kriminalroman von Ho-Kei kommt auf jeden Fall zu meinen TOP 10 Büchern aus dem Jahr 2021 und ich freue mich schon auf weitere Bücher von ihm. Seinen anderen Roman “Das Auge von Hong Kong” habe ich schon bestellt!

Eine aufregende Detektivgeschichte mit modernen Hacker-Szenario aus dem lebendigen und dich besiedelten Hongkong. Ein eigenbrötlerischer Ermittler mit unglaublichen Fähigkeiten und eine Frau, die mit Technik wenig am Hut, aber das Herz am rechten Fleck und ihn ergänzt!
Gemixt wird alles mit einer guten Portion kritischen Gesellschaftsblick auf Hongkong, modernen Themen, Problemen und Ironie! Ein richtiger Genuss!