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Veröffentlicht am 12.09.2023

Poetisch und regt zum nachdenken an!

Blautöne
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“Blautöne” von Anne Cathrine Bomann ist zweifellos ein Roman, der die Leser auf eine emotionale und reflektive Reise mitnimmt. Im Grunde ist es ein schwieriges Thema, dass die Autorin hier aufgreift. Trauer, ...

“Blautöne” von Anne Cathrine Bomann ist zweifellos ein Roman, der die Leser auf eine emotionale und reflektive Reise mitnimmt. Im Grunde ist es ein schwieriges Thema, dass die Autorin hier aufgreift. Trauer, Verlust und der Umgang damit. Bomann gelingt es, eine Atmosphäre zu schaffen, die den Leser dazu einlädt, tief in die Gedankenwelt der Charaktere einzutauchen und die Themen zugänglicher zu machen.

Bomann zeichnet ihre Figuren mit großer Empathie und Detailgenauigkeit, wodurch sie authentisch und vielschichtig wirken. Die Forschungsleiterin als Hauptfigur bietet einen guten Einblick in die Gedanken und Gefühle einer Person, die Verlust erlebt hat und sich so verloren fühlt wie die zukünftigen Konsumenten des Medikaments.

Allerdings lässt “Blautöne” in Bezug auf den Erzählfluss und Tempo einige Wünsche offen. Es braucht Zeit, die Autorin erzählt bedächtig die Ereignisse, wie den ganzen Verlauf des Medikaments von Forschung bis Zulassungsverfahren. Geduldig muss man sein. Die Handlung könnte an manchen Stellen straffer sein, um das Interesse des Lesers aufrechtzuerhalten und die Spannung zu steigern.

Aber wenn man nun ein geduldiger Leser ist und viel Wert auf Sprache legt, wird man mit dem poetischen Stil, dem ruhigen Ton und dem Detailreichtum der Autorin sehr zufrieden sein.

Insgesamt ist “Blautöne” von Anne Cathrine Bomann ein Roman, der eine beeindruckende Sensibilität und Tiefe aufweist. Die Charaktere sind mit Empathie gezeichnet, und die Handlung lädt ein, über die menschliche Psyche und die Nuancen des Lebens nachzudenken. Dennoch könnte der Erzählfluss an einigen Stellen straffer sein, um das Tempo beizubehalten. Trotz dieser Kritikpunkte bleibt “Blautöne” eine lohnenswerte Lektüre für diejenigen, die sich auf eine emotionale und intellektuelle Reise einlassen möchten.

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Veröffentlicht am 12.09.2023

Erschreckend beindruckend!

Idol in Flammen
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Idol in Flammen von Rin Usami ist zweifellos ein Werk, das mit einer unglaublichen Kreativität und einem lebendigen Geist erstrahlt. Die Autorin schafft eine faszinierende Welt, in der die Grenzen zwischen ...

Idol in Flammen von Rin Usami ist zweifellos ein Werk, das mit einer unglaublichen Kreativität und einem lebendigen Geist erstrahlt. Die Autorin schafft eine faszinierende Welt, in der die Grenzen zwischen Realität und Fantasie verschwimmen. Die Darstellung der Künstlerwelt und des Idol-Lebens ist beeindruckend detailliert und verleiht der Geschichte eine authentische Note.

Die Hauptfigur, die Protagonistin Akari, ist mit tiefer Emotionalität gestaltet und auch wenn ich am Anfang dachte, dass das Buch in eine eher andere Richtung gehen würde, war ich trotzdem begeistert. Die Leser*innen werden mühelos in Akaris Welt hineingezogen, während diese sich durch die Höhen und Tiefen ihres Lebens kämpft. Usamis Fähigkeit, die inneren Konflikte und Probleme ihres Charakters darzustellen, ist bewundernswert und sorgt dafür, dass man sich um sie sorgt.

Dabei zeigt sie den Wahnsinn, der hinter dem Fankult in Japan steckt.
Wie sehr sich die Fans hineinsteigern, wie stark ihr Denken und Handeln von dieser Art Kult eingenommen wird und was sie daraus für Gefühle ziehen, die stark an einen Suchtkranken erinnern.

Auf den ersten Blick denkt man, dass es ein furchtbar übertriebenes Bild ist und wenn man über die ganze Vermarktung und Manipulation der Fans liest, kann man sich schwer vorstellen, dass das zieht. Aber ja, genauso läuft es ab und die Autorin schreibt erschreckend ehrlich über die gefährliche Idol-Industrie.

Einige Schwachpunkte hat der schmale Band aber, die mich beim ersten Mal lesen gestört haben, nämlich die Zeitsprünge, die ich nicht gleich sah, und ein paar Szenen, die mit nur der Hälfte an Worten ebenso gut gewesen wären.

Trotz dieser Kritikpunkte sollte nicht übersehen werden, wie “Idol in Flammen” als Gesamtwerk beeindruckt. Die Kreativität der Autorin, ihre Fähigkeit, lebendige Szenen zu erschaffen, Mitgefühl und Angst gleichzeitig auszulösen und die authentische Darstellung der Idol-Welt sind bemerkenswert.

Insgesamt ist “Idol in Flammen” von Rin Usami eine empfehlenswerte Lektüre für Fans von Geschichten über Popkultur, Japan, Idol-Welt und aktuelle Geschehnisse. Während es einige Schwächen in der Erzählweise aufweist, überwiegt die lebendige Darstellung der Idol-Kultur, was aktuell ein wichtiges Thema ist, da sich neben J-Pop auch K-Pop bei uns in Deutschland immer mehr Beliebtheit erfreut und ein sehr ähnliches Konzept fährt.

Kurzum, ein junges und aktuelles Thema, das kritisch und auf brillante Weise von der Autorin beleuchtet wird und von vielen gelesen werden sollte!

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Veröffentlicht am 03.08.2023

Wunderbar leichter Regency Liebesroman!

Eine Lady hat die Wahl
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Und auch dieser Regency-Romance Roman von Irwin kommt mit einer wunderbaren Leichtigkeit daher, die sich einfach so weglesen lässt!

Für mich war auch der zweite Roman von Irwin ein Glücksgriff, auch wenn ...

Und auch dieser Regency-Romance Roman von Irwin kommt mit einer wunderbaren Leichtigkeit daher, die sich einfach so weglesen lässt!

Für mich war auch der zweite Roman von Irwin ein Glücksgriff, auch wenn der große Funke, wie bei ihrem Debütroman, nicht ganz da war, so ist es immer noch eine charmante Liebesgeschichte.
Auch hier entführt uns die Autorin in die vergangene Zeit von Lord & Ladys, opulenten Bällen, schicken Salons und funkelnder Romantik. Und trotz der Eleganz, Förmlichkeit und engen gesellschaftlichen Regeln des Zeitalters, gelingt es der Autorin, die Charaktere lebendig zu gestalten.

Wir folgen der frisch verwitweten und hinreißenden Lady Emily, die nach einer eher lieblosen Ehe, sich selbst erstmal neu finden muss. Und das mit kleinen Abenteuern und Eskapaden und womöglich einer neuen Liebe. Und die junge Witwe hat nicht gerade wenig Verehrer. Gleich zwei junge Gentlemans wollen ihr den Hof machen und die Entscheidung ist wirklich nicht leicht. Es versteht sich von selbst, dass man gleich mit der sympathischen Lady mitfiebert und lacht.

Dabei verwebt Irwin geschickt Themen wie Selbstentdeckung, familiäre Verpflichtungen und die Bedeutung wahrer Liebe, egal wo sie hinfällt, in die Handlung mit rein. Es gelingt ihr, wie bei ihrem Debütroman, einen modernen Ton in das historische Setting einzubringen, ohne dass es verkehrt rüberkommt. Sie schreibt einfach fesselnd, einnehmend und ich bin ein Fan ihrer lebendigen Dialoge. Darin sieht man so viel Witz und der Schlagabtausch mit Lady Emily ist charmant. Außerdem spiegeln die vielen Dialoge gut die sozialen Normen und Etikette der Zeit wider, was die Authentizität des historischen Settings unterstreicht.

Besonders in diesem Roman von ihr sind bei mir die Nebencharaktere besser hängen geblieben nach dem Lesen. Und gerne hätte ich an dieser Stelle mehr gelesen, aber vielleicht erwartet uns ein Folgeroman, der meine Neugier befriedigt?

Wie oben angesprochen, hatte dieser Roman von ihr nicht denselben Funken, den ich gespürt habe, als ich ihr erstes Buch gelesen hatte. Trotzdem ist es eine wohlig-warme Liebesgeschichte mit vielen Szenen zum Schmunzeln und einer kleinen Achterbahnfahrt der Gefühle!

P.S.: Einen Teil davon habe ich als Hörbuch angehört und kann dieses auch sehr empfehlen!

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Veröffentlicht am 20.07.2023

Fesselnde Dystopie

Institut für gute Mütter
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Der Roman “Institut für gute Mütter” zeigt eine beklemmende Version, vor der man Angst hat, sie wird real.

Die Dystopie von Jessamine Chen ist ein Szenario, das beängstigend realistisch wirkt.
Wir haben ...

Der Roman “Institut für gute Mütter” zeigt eine beklemmende Version, vor der man Angst hat, sie wird real.

Die Dystopie von Jessamine Chen ist ein Szenario, das beängstigend realistisch wirkt.
Wir haben hier als Protagonistin eine überforderte Mutter, Frida. Nach einem wirklich schlechten Tag, begeht Frida einen unheimlich großen Fehler. Sie lässt ihre kleine Tochter kurz zu Hause und aus “kurz” werden über zwei Stunden … Die Polizei wartet auf sie. Frida wird für ein Jahr verurteilt, eine Schule für Mütter zu besuchen mit Regeln, die man sich gar nicht vorstellen kann und sehr fraglichen Ansätzen.
Es hat gut 130 Seiten gebraucht, bis wir zu dem spannenden Punkt, dem Institut kommen. Davor war es eine Anreihung von Frust, Entsetzen und Wut über das, was mit der Protagonistin passiert und bangen, dass es besser wird.

Chens' Beschreibungen sind oft ausführlich und realistisch, was es leicht macht, sich in diese düstere Zukunft hineinzuversetzen. Denn düster ist dieses Institut allemal. Die Vorstellung einer Welt, in der Mütter in eine Schule geschickt werden, um zu lernen, was es bedeutet, eine "gute Mutter" zu sein, ist erschreckend und regt zum Nachdenken an. In ihrem Roman wird die Gesellschaft hier durchdrungen von rigiden Normen und Erwartungen, die die Individualität und die Freiheit der Frauen einschränken.

Das Institut setzt auf eine strenge Erziehungsmethode, die schwer die Psyche der vielen Frauen angreift. Es sind um die 200 Mütter mit unterschiedlichen und ähnlichen Vergehen, von Verletzung der Aufsichtspflicht bis hin zu Gewalt. Alle müssen den 1 jährigen Kurs durchhalten, um ihr Kind wiederzubekommen. Die Protagonistin ist mitreißend und ihre inneren Kämpfe machen sie zu einem glaubwürdigen Charakter. Ich konnte mich leicht in ihre Emotionen hineinversetzen und mit ihnen mitfühlen, während sie versuchten, in dieser unterdrückenden Umgebung ihren eigenen Weg zu finden, aber ich hätte gerne mehr über die anderen Frauen erfahren.

Auf dem Buchumschlag wird der Roman von Chen mit “Der Report der Magd” verglichen und ich finde, es geht stark in diese Richtung. Teilweise fühlte ich mich daran erinnert (in dystopischer Hinsicht) und andererseits fand ich die Handlung, oder besser gesagt, die Hintergründe, viel zu flach. Ich hätte mir gewünscht, dass bestimmte Aspekte der Handlung und der Schule noch weiter vertieft worden wären, um das volle Potenzial auszuschöpfen. Auch fehlte mir der typische große "Knall", den man aus dystopischen Romanen so kennt.

Gerne hätte ich von diesem Buch eine Fortsetzung gehabt, ähnlich wie “Die Zeuginnen” von Atwood, um alles, was passiert ist, nochmal abzurunden und damit besser abschließen zu können.
Außerdem war das Tempo des Romans nicht so ganz einfach für mich. An einigen Stellen fühlte ich mich durch die Beschleunigung der Ereignisse überrumpelt (als wäre das Gesehen nicht so wichtig), während an anderen Stellen die Geschichte etwas ins Stocken geriet und mehr Spannung hätte aufbauen können.

Trotz der Kritikpunkte ist "Institut für gute Mütter" immer noch ein bemerkenswerter Roman, der wichtige gesellschaftliche Themen anspricht und den Leser zum Nachdenken anregt. Die Botschaft über die Bedeutung von Selbstbestimmung, Individualität und über das “Sein der Mutterschaft” bleibt nach der Lektüre noch lange im Gedächtnis.
Ein Roman für Fans von Atwood und Co., die sich gerne mit tiefgründigen Botschaften auseinandersetzen!

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Veröffentlicht am 06.07.2023

Was am Ende bleibt ...

Was die Nacht an den Tag bringt
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Wer auf der Suche nach einem Sommerroman ist, der nicht nach einer umfassenden harmonischen Happy-End Geschichte schreit, wird mit dem Debütroman von Annette Hohberg, denke ich mal, zufrieden sein.

Ihr ...

Wer auf der Suche nach einem Sommerroman ist, der nicht nach einer umfassenden harmonischen Happy-End Geschichte schreit, wird mit dem Debütroman von Annette Hohberg, denke ich mal, zufrieden sein.

Ihr bekommt hier einerseits einen atmosphärischen Roman rund um Bali. Die Autorin beschreibt so eindrucksvoll ohne viel zu romantischen Blick die Ortschaften, das Lebensgefühl und die Eindrücke, sodass man sich wieder ans Meer wünscht und gerne tiefer eintauchen würde in die fremde Kultur.

Der andere Punkt des Romans ist die Handlung rund um Georg, Chiara und Elisabeth, die sich hauptsächlich auf Bali abspielt. Es geht in erster Linie um die beiden Frauen, die sich nie begegnen sollen. Beide lieben denselben Mann und als Chiara auf Elizabeth trifft, weiß sie nicht, wie sehr diese Frau sie zerstören kann.

Es ist ein Buch, das man jetzt nicht gerade schnell mal durchgelesen hat.
Die Autorin beschreibt viel, das muss man mögen, sei es das Inselparadies oder die Handlung. Die Charaktere reden viel miteinander, denken viel und das alles gibt dem Buch sein gemächliches Tempo. So kommen wir Stück für Stück zum Ende und für mich hat sich, im Nachhinein, besonders der Anfang gezogen.
Auch wenn der Roman mit einem spannenden Schlag beginnt, war der weitere Anlauf schwer und ich kam erst nach ein paar Kapitel gut in die Geschichte rein. Ich denke, an ein paar Stellen hätte man die Gefühlswelt oder die Beschreibungen kürzen können, irgendwas, damit ich besser reingekommen wäre.

Aber trotzdem war ich irgendwann gefangen in den Verstrickungen von Elisabeth und Chiara und wollte unbedingt das Ende wissen. Es wurde immer intensiver und spannend bis zum großen Knall.
Am besten gefiel mir die Handlung selbst und wie die Hauptpersonen mit dem allem umgegangen sind und was sie daraus gemacht haben. Im Grunde sind es nämlich zwei starke Frauen, die hier aufeinandertreffen und jede auf ihre Art ist verletzt. Es ist ein vielschichtiger Roman und erst am Ende habe ich gemerkt, dass es um viel mehr geht, wie Träume, Familie und die Suche nach einer Identität.

Ein interessanter Sommerroman mit einem wunderschönen Cover, das einerseits gut zu der Atmosphäre passt und andererseits nicht zeigt, wie aufwühlend es in dem Roman werden kann.

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