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Veröffentlicht am 28.09.2016

Mordsfahrt

Schnick, schnack, tot
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Kiki ist die ungekrönte Königin der Klasse, die eine Klassenfahrt nach Vlieland unternimmt. Sie ist 17, schön, arrogant und bösartig. Mit einem Fingerschnipsen erhebt oder erniedrigt sie ihre Klassenkameraden, ...

Kiki ist die ungekrönte Königin der Klasse, die eine Klassenfahrt nach Vlieland unternimmt. Sie ist 17, schön, arrogant und bösartig. Mit einem Fingerschnipsen erhebt oder erniedrigt sie ihre Klassenkameraden, doch anscheinend hat sie es irgendwann zu weit getrieben. In der ersten Nacht auf Vlieland wird sie ermordet. Ihre Leiche wird am nächsten Tag während einer Wanderung gefunden, und eines ist klar: Jeder, wirklich jeder, der bei der Klassenfahrt dabei ist, hätte ein Motiv, ihr Schlechtes zu wünschen. Doch wer würde so weit gehen zu morden? Ein Sturm tobt über der Insel, niemand kann sie verlassen, und jedem ist klar, dass der Mörder unter ihnen ist.

Daraus hätte man wirklich was machen können. Klar, die Prämisse ist uralt: unangenehme, ermordete Person, viele Motive, abgeschnittene Insel, Sturm. Trotzdem hätte es was wirklich Cooles sein können. Man erfährt die Geschichte aus sehr kurzen Kapiteln, die jeweils aus der Sicht anderer Schüler, Lehrer, Polizisten und des Täters erzählt wird. Dadurch wird es zugegeben kurzweilig, andererseits wird dabei auch klar, dass nicht nur Kiki eine unsympathische Person war. Jeder einzelne der Erzähler ist entweder ein Arschloch, dumm, faul, steht voll neben sich, ist egoistisch oder hat einfach nichts zu sagen. Die einzige Person, die (angeblich) dem Täter auf die Spur kommt, handelt so völlig unlogisch und dumm, dass man sich fragt, was sie sich dabei denkt, falls sie sich überhaupt was dabei denkt. Und der Täter glaubt, er müsste noch einmal morden, obwohl das, was gefunden wurde, überhaupt kein Beweis ist. Im Übrigen war mir mit dem ersten Auftauchen des Mörders nach dem Mord klar, wer er sein musste, es war mehr als offensichtlich, auch wenn sich große Mühe gegeben wurde, jedem anderen ein mögliches Motiv zuzuschustern. Ich habe auch die Schüler nicht verstanden. Diejenigen, die man wirklich für 16/17jährige halten konnte, haben sich benommen, als hätte man ihnen Sexdrogen eingeflößt, bei den anderen hatte man das Gefühl, dass sie keinen Tag älter als 13 waren. Ich fand das Buch in seiner Gesamtheit unstimmig und unlogisch.

Veröffentlicht am 27.09.2016

Eine "kuhle" Story

Wir sind nicht zu fassen
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Der Chaos-Club: eine legendäre Vereinigung der Ashville High School. Geheim, aber immer präsent. Rache an fiesen Lehrern? Vogelscheißeangriff bei einem Picknick? Kühe auf dem Dach? Das sind so die Sachen, ...

Der Chaos-Club: eine legendäre Vereinigung der Ashville High School. Geheim, aber immer präsent. Rache an fiesen Lehrern? Vogelscheißeangriff bei einem Picknick? Kühe auf dem Dach? Das sind so die Sachen, welche von diesem Club inszeniert werden - und wie cool dazu! Als also Max, Elli, Malone, Wheeler und Adleta eine Nachricht vom Chaos-Club bekommen, zögern sie nicht lange, und folgen den Anweisungen. Doch sie tappen in eine Falle und werden gedemütigt. Und warum? Nach einiger Überlegung ist es klar: weil sie die langweiligen Normalos sind, jeder auf seine Weise verletzbar. Nicht gerade Loser, aber auch nicht die Topleute der Schule. Sie schwören Rache und entwickeln dabei ungeahnte Kreativität, die sie nicht nur an den Rand der Legalität bringt, sondern auch zum Überlegen: Ab wann wird aus Gerechtigkeit Rache? Und wem kann man wirklich trauen?

Kann ein Lehrer eine richtig coole Geschichte über Schüler, ihr Denken, ihre Probleme, ihr Erwachsenwerden, erste Liebe, Verrat und all das schreiben, was dazu gehört? In dem Fall lautet die Antwort eindeutig ja. Ich war zuerst skeptisch, doch Dinan hat es wirklich geschafft, mit Max einen echten, authentischen Jungen zu entwerfen, mit all den Unsicherheiten und Problemen, die für einen 16jährigen dazugehören. Gleichzeitig ist er aber auch keine Heulsuse, sondern jemand, der anfängt, für sich und seine Freunde einzustehen, aufzustehen, Verantwortung zu übernehmen. Das kommt nicht auf Zeigefingermoral daher, sondern witzig, mit daneben gegangenen Streichen, die echt unter der Gürtellinie verlaufen, mit Nachdenken und dem Korrigieren von Fehlern und dem Lernen aus solchen. Ich fand die Geschichte und ihre Protagonisten echt "kuhl" und empfehlenswert.

Veröffentlicht am 25.09.2016

Magier, Morde, Geister

Tal der Seelen
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Dubric Byerly, der Kastellan von Faldorrah, hat einen neuen Fall. Oder auch viele neue Fälle. In einer nahen Provinz finden sich dutzende oder hunderte tote Tiere, mit eingeritzten Symbolen, die darauf ...

Dubric Byerly, der Kastellan von Faldorrah, hat einen neuen Fall. Oder auch viele neue Fälle. In einer nahen Provinz finden sich dutzende oder hunderte tote Tiere, mit eingeritzten Symbolen, die darauf deuten, dass ein Blutmagier am Werk ist. Byerly hat vor vielen Jahrzehnten als General Kriege gegen diese Magier geführt, doch jetzt weiß er kaum, wie er gegen sie bestehen soll. Früher hat es besonders befähigte Assassinen gegeben, Magiertöterinnen, doch die letzte von ihnen ist schon lange tot. Und so stellen sich Dubric, seine Gefährtin Maeve, seine Pagen, sein Knappe und dessen Familie wieder einmal einer Gefahr, der sie eigentlich nicht Herr werden können.

Diese Fantasy-Mystery-Reihe ist für mich eine der besten, die je geschrieben wurde. In einer halb Mittelalter-, halb magischen Welt müssen ein alter Kastellan, der noch immer ein toughes Badass ist, und seine Untergebenen, die mehr Familie und Freunde darstellen, gegen übermächtige Kräfte kämpfen, die sie tatsächlich auch nur besiegen können, wenn sie alle zusammenhalten. Und dieses Zusammenhalten ist wirklich nicht einfach. Jeder von ihnen trägt traumatische Erlebnisse aus den vorherigen Geschehnissen herum, Magie und Geister treiben böse Spiele mit ihnen und niemand ist sicher. Der Schreibstil ist außergewöhnlich gut für Fantasy, die Charaktere entwickeln sich weiter und man kämpft und flucht und leidet, verliert und gewinnt mit ihnen. Leider ist das wohl der letzte Band der Reihe, was ich extrem schade finde.

Veröffentlicht am 24.09.2016

Freunde und Feinde

Die Schwarzen Musketiere - Das Schwert der Macht
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Lukas und seine Freunde Jerome, Paulus und Giovanni haben es sich 1633 auf der Burg Lohenstein einigermaßen eingerichtet. Ein wenig Sorgen macht dem jungen Grafensohn seine Schwester Elsa, die sich mehr ...

Lukas und seine Freunde Jerome, Paulus und Giovanni haben es sich 1633 auf der Burg Lohenstein einigermaßen eingerichtet. Ein wenig Sorgen macht dem jungen Grafensohn seine Schwester Elsa, die sich mehr und mehr in das Grimorium Nocturnum vertieft und dabei verändert. Er fürchtet, dass es einen schlechten Einfluss auf das Mädchen hat, das gerade einmal elf ist. Eines Tages kommt Senno, der Sterndeuter Wallensteins, wieder einmal vorbei und berichtet ihnen von ihrem Widersacher Waldemar von Schönborn, der immer mehr Macht bekommt und jetzt sogar im Besitz einiger Reichsinsignien ist. Wer diese Gegenstände hat, kann sogar darüber entscheiden, wer der nächste Kaiser wird. Den Jungs und Elsa ist klar, dass sie etwas tun müssen, um ihn aufzuhalten, und sie begeben sich nach Prag, wo sie nicht nur auf ihren alten Kommandanten Zoltan treffen, sondern auch auf Monster, Verrat, Intrigen und nicht zuletzt den Tod …

Wie schon im ersten Band schafft es Pötzsch genial, sowohl historisches Wissen als auch extrem gute Unterhaltung zu liefern, dabei trotz der vielen Gewalt, die leider den 30jährigen Krieg prägte, niemals seine Zielgruppe – junge Leser – aus den Augen zu verlieren. Er verbindet Fantasy mit geschichtlichen Fakten, webt einen dichten Abenteuerteppich um Freunde, die man sich selbst an die Seite wünscht, und Verräter, die man hassen muss. Er baut den pragerischen Mythos ein – den Golem – ohne ihm zu viel Raum zu widmen, und mittlerweile ist die Hauptperson, Lukas, alt genug, um eine Ahnung von Liebe zu verspüren, die zum Glück alles andere als süßlich oder nervig ist. Was soll ich sagen? Super, kann es nicht erwarten, Lukas und Co auf ihrem nächsten Abenteuer zu begleiten. Wales wird es wohl werden, denke ich. Bin dabei.

Veröffentlicht am 22.09.2016

Insel des Schreckens

Oscar Wilde & Mycroft Holmes - Folge 05
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Ein alter Bekannter - der Gefangene Pasquale (oder wie auch immer sein Name geschrieben wird) - erträgt seine Gefangenschaft in Schottland unter diesen Bedingungen nicht mehr und gibt Informationen über ...

Ein alter Bekannter - der Gefangene Pasquale (oder wie auch immer sein Name geschrieben wird) - erträgt seine Gefangenschaft in Schottland unter diesen Bedingungen nicht mehr und gibt Informationen über den Zirkel der Sieben heraus, die Holmes noch nicht besessen hat. Angeblich existiert eine Insel im Atlantik, die auf keinen Karten verzeichnet ist, die mehr über die Hintergründe des Zirkels verraten und möglicherweise auch, wie man ihm das Hinterwerk legen kann. Wilde bezweifelt den Wahrheitsgehalt dieser Aussagen, doch Mycroft Holmes will nichts unversucht lassen und rüstet eine Expedition aus. Ganz falsch können die Informationen nicht sein, denn plötzlich gibt es jede Menge Mordanschläge, von denen einige erfolgreich sind. Und auch auf dem stürmischen Meer sind sie vor Attentätern nicht gefeit, ganz zu schweigen von der Insel selbst, die eines Dr. Moreau würdig wäre - und dann gibt es noch einen neuen Feind, der bekämpft werden will.

Wie üblich ist die Leistung der Sprecher tadellos und auch die Musik, die "geklaute" (Fluch der Karibik, Phantom der Oper etc.) ist super stimmungsvoll und passt. Aber wie schon in den letzten Folgen zeichnet sich auch diese hier nicht durch übergroße Logik aus. Da wird seelenruhig zugeschaut, wie Leute von Mutanten und/oder Feinden umgebracht werden, man fragt sich, wie so ein kleines Licht wie Pasquale überhaupt über diese Informationen verfügen kann, man fragt sich, wozu man einen Ninja mitschleppt, der erst eingreift, wenn nicht nur das Kind, sondern ein ganzer Kindergarten im Brunnen liegt, man fragt sich so einiges in dieser Folge. Ich möchte schon wissen, wie das Ganze ausgeht, aber meine ursprüngliche Begeisterung für diese Hörspielserie hat merklich nachgelassen.