Tolja ist des Lebens satt. Zu feige zum Selbstmord hat er bereits einen Killer auf sich ansetzen lassen und dafür bezahlt. Da kommt ihm Lena in die Quere, eine an sich lebenslustige Prostituierte, die ...
Tolja ist des Lebens satt. Zu feige zum Selbstmord hat er bereits einen Killer auf sich ansetzen lassen und dafür bezahlt. Da kommt ihm Lena in die Quere, eine an sich lebenslustige Prostituierte, die für kurze Zeit noch schrecklicher drauf ist als er selbst, und das Leben macht wieder Spaß. Aber wie wird man einen unbekannten Mörder los, für dessen Job man schon bezahlt hat?
Wer die slawische Mentalität liebt, ihren Mischung aus Lebenslust und Morbidität, kommt bei diesem großartigen Hörbuch voll auf seine Kosten - zumal es von Zeit zu Zeit von einer heiteren Gesangsdarbietung unterbrochen wird, die voll von jener Freude ist, wie sie bei ausgiebigen Wodka-Trinkrunden ist Osteuropa so üblich ist.
Einst lebte und arbeitet ich für einige Monate in Warschau, eine Stadt, die man man all ihrer Brutalität nur lieben oder hassen kann. Polnische Freunde waren erstaunt von meiner Begeisterung und meinten, wenn dir Warschau wirklich gefällt, dann muss du unbedingt mal nach Kiew fahren. Die Ukraine steht seitdem auf meiner Liste. Wenn dort irgendwann nicht mehr scharf geschossen wird (wollen wir es hoffen!), werde ich dorthin reisen und mich auf die Roman-Spuren des großartigen Schriftstellers Andrej Kurkow begeben.
Den Briten Colin Cottelill verschlug es nach Aufenthalten in Australien und Südostasien ins post-kommunistische Laos, das in vielem jenen von den "Segnungen" des Kapitalismus von unbeleckten Regionen Osteuropas ...
Den Briten Colin Cottelill verschlug es nach Aufenthalten in Australien und Südostasien ins post-kommunistische Laos, das in vielem jenen von den "Segnungen" des Kapitalismus von unbeleckten Regionen Osteuropas abseits der so genannten Leuchtturm-Zentren ähnelt.
Er hat sich mit den Jahren derart in Land und Leute verliebt, dass es ihm, wie er in Interviews erzählt, auf seinen wenigen Besuchen in England immer fremde vorgekommen ist. Als Westdeutscher, der nach dern Wende in die ehemalige DDR rübergemacht hat. kann ich seinen Mentalitätswandel gut verstehen. Auch ich habe durch meine innerdeutsche Emigration Erfahrungen gemacht, die ich nicht mehr missen möchte. Und deshalb bleibe ich auch hier, in der östlichen Stadt Deutschlands.
Mit seinen esoterischen Thriller war es für den Autor anfangs schwer, Herausgeber zu finden. Nach langem Suchen mithilfe eines in der englischsprachigen Welt üblichen Literaturagenten (in Deutschland kaum verbreitet) fand er schließlich einen US-amerikanischen Kleinverlag.
Mit der Zeit wurde seine Dr.-Siri-Reihe derart erfolgreich, dass sie von einem deutschen Verlag übersetzt und ins Programm genommen wurde - auch dies wohl nur, weil sie in der englischsprachigen Buchwelt bereits gut lief.
Ich selbst bin als ostdeutscher Autor mit meinem Thriller "Der Astrologe - eine gänzlich unwahre Geschichte" bei deutschen Verlagen und Literaturagenten auf größtenteils Granit gestoßen, wegen angeblichen Genre-Probleme. Dabei hat der Genre-Mix Eso-Thriller im Grunde doch schon mit der Harry-Potter-Serie angefangen.
Die Dr-Siri-Reihe besticht neben ihren grandiosen Thriller-Mix aus Esoterik und Kommunismus durch prägnante Figuren-Beschreibung, wobei bei den ersten Folgen der Reihe - wie hier mit "Dr. Siri sieht Gespenster" der Plot noch recht gut konstruiert ist, stringent und übersichtlich. Je weiter es in der Reihe geht (ich habe alle Bände gelesen!), um so verstiegener werden die Handlungs-Konstruktionen. Es scheint fast, als ob Colin Cotterill mit seinem Erfolg als Autor an sich selbst zu zweifeln beginnt und meint, immer noch "einen draufsetzen" zu müssen.
Ob Boris Johnson den Spagat zwischen Literatur und Politik gelingt, wie manchen Rezensenten es hier schreiben, darf bezweifelt werden.
Was letzteres betrifft, so wird er vielfach als Trottel angesehen, ...
Ob Boris Johnson den Spagat zwischen Literatur und Politik gelingt, wie manchen Rezensenten es hier schreiben, darf bezweifelt werden.
Was letzteres betrifft, so wird er vielfach als Trottel angesehen, der mit Fake-News das Vereinigte Königreich ruiniert und nebenbei fast die gesamte Europäische Gemeinschaft.
Das Erstere stimmt auf jeden Fall: Mit "72 Jungfrauen" hat der in New York mit türkischem Urgroßvater geborenen Brite Alexander Boris de Pfeffel Johnson ein Meisterwerk der Literatur hingelegt, spannend und unterhaltsam, ein mit großartigem Sinn für Humor und Satire geschriebener Thriller.
Manche sagen, mit diesem Roman hätte er insgeheim das Drehbuch für seinen eigenen Aufstieg ins höchste Amt des United Kingdom geschrieben. Dies mag bezweifelt werden.
Doch eines spürt man bei der Lektüre dieses Thriller deutlich: Der Mann hat ein Gespür für das Menschlich-Allzumenschliche der ganz normalen Leute, seien sie nun Polizisten oder Geheimdienstmitarbeiter seines eigenen Landes oder Islamisten aus Fernost, die gekommen sind, um als Selbstmordattentäter einerseits möglichst viel Ungläubige in den Tod zu reißen. und andererseits durch ihren "Heldentod" das zu erreichen, was im Grunde ihr Herzenswunsch ist: mit 72 Jungfrauen an der Seite ins jenseitige Sexparadies einzutauchen.
(Der Rezensent verzichtet, auf die in der Presse skandalisierten Ausschweifungen des Thrillerautors in dessen Etablissement Downing Street No. 10 einzugehen.)
Im Corona-Lockdown vor einem Jahr unterstütze ich meine lokale Buchhandlung, die auch ein Antiquariat beinhaltet, indem ich für 20 Euro Thriller bestellte. Die Auswahl überließ ich der Buchhändlerin. Neben ...
Im Corona-Lockdown vor einem Jahr unterstütze ich meine lokale Buchhandlung, die auch ein Antiquariat beinhaltet, indem ich für 20 Euro Thriller bestellte. Die Auswahl überließ ich der Buchhändlerin. Neben einigen belanglosen Krimis des üblichen Handwerks war EVIL unter der Auswahl.
Das Vorwort von Stephen King ist absolut lesenswert, denn es führt nicht nur in die Geschichte ein, sondern beschreibt Werk und Leben des relativ unbekannten US-amerikanischen Autors Jack Ketchum.
Stephen King ist, wie man aus Interviews, YouTube-Filmen und vor allem seiner großartigen Schriftsteller-Autobiografie "Das Leben und das Schreiben " weiß, trotz seines grandiosen Bestseller-Erfolgs ein bescheidener Mann geblieben, der angehende Schriftsteller-Kollegen nicht wegbeißt, sondern sie fördert und ihnen Mut macht. Im Vorwort zu EVIL stellt er vollkommen uneitel fest, dass schriftstellerischer Erfolg letztendlich Glückssache ist und dass es viele großartige Autoren gibt, die unerkannt bleiben und niemals zum Ruhm und Erfolg kommen.
Jack Ketchums Roman ist aus der Perspektive eines Heranwachsenen geschrieben, der Stück für Stück zum Mitwisser und gewissermaßen auch Mittäter in einem grausamen Missbrauchs-Drama wird. Wir können nicht anders, als uns mit dem jugendlichen Helden zu identifizieren und in seiner Haus in das grausame Verbrechen hineingezogen zu werden.
Der grandiose Suspense, mit dem Jack Ketchum die Handlung vorantreibt, zwingt uns Leser, Seite um Seite zu verschlingen, obwohl wir zunehmend angeekelt sind vom Voyeurismus des Helden, der zugleich auch unser eigener Voyeurismus ist. Quasi angeekelt von uns als Leser können wir das Buch nicht aus der Hand legen.
EVIL beruht auf wahren Tatsachen. Das Böse tritt hier nicht in Form irgendeines dieser perversen männlichen Triebtäter auf, die heutzutage fast zum Standard von Thriller sind, sondern in Gestalt einer überforderten Mutter, die aus übersteigertem Kontrollzwang heraus immer grausamer wird. Aufgrund der großartigen Charakterzeichnung jenseits aller Schwarz-Weiß-Malerei können und müssen wir Leser uns auch mit ihr identifizieren.
Der Roman basiert auf wahren Begebenheiten, die geschilderten Grausamkeiten haben sich tatsächlich ereignet. Die Kunst Jack Ketchums besteht darin, dass er nicht von einer höheren Warte herab voller Verachtung auf die Handelnden schaut, sonder sich mitten unter sie begibt. So gelingt es ihm, seinen Lesern zu vermitteln, dass in jedem von uns ein potentieller Täter bzw zumindest teilnahmsloser Beobachter von Verbrechen steckt, dass wir alle zu derartigem fähig sind.
Ewig im Erinnerung geblieben ist mir der rostige Nagel in der Dachboden-Stube, an den Stephen King, ein ewig und drei Tage erfolgloser Schriftsteller die Absagen von Literaturagenten spießte. Es war ein ...
Ewig im Erinnerung geblieben ist mir der rostige Nagel in der Dachboden-Stube, an den Stephen King, ein ewig und drei Tage erfolgloser Schriftsteller die Absagen von Literaturagenten spießte. Es war ein großer Nagel, der viele Schreiben aufnehmen musste.
Heutzutage trudeln E-Mail-Absagen im Stil von "Vielen Dank für Ihr Schreiben und die Vorstellung Ihres Buchprojekts, das wir mit viel Interesse geprüft haben. Im Rahmen der Tätigkeit unserer Agentur sehen wir aber leider keine Möglichkeit der erfolgreichen Vertretung für Ihr Werk." ein, bei mir und vielen anderen deutschsprachigen , die sich um eine Literaturagentur bemühen - wobei es hierzulande kaum Literaturagenten gibt, die ansprechbar sind. Zu sehr ist die deutsche Verlagsbranche durch Fusionen konzentriert, setzt man gerade in Corona-Zeiten auf bewährte Stammautoren und Übersetzungen von Erfolgsliteratur aus dem viel größeren englischsprachigen Buchmarkt.
Vollkommen uneitel und ehrlich beschreibt Stephen King dann jene Zeit, nachdem sich ein Literaturagent seiner erbarmt hatte und gleich noch Kontakte zur Filmbranche vermittelte, woraufhin die Tantiemen nur so sprudelten. Die Folge: ein Abgleiten in Alkohol und Kokain und andere Drogen, um das fieberhafte Schreiben zu unterstützen, bis hin zum körperlichen und psychischen Absturz.
Bei den anonymen Alkoholikern ist Stephen King seitdem gut aufgehoben - nicht nur, um seine Sucht unter Kontrolle zu halten, sondern auch als Inspirationsquelle für die schrägen Typen am Rande der Gesellschaft, die er in seinen Romanen. Der grandiose Anfang von "Mr. Mercedes", in dem eine Ansammlung von Obdachlosen im kalten Morgengrauen stundenlang vor einer Suppenküche warte, nur um dass von einem Mercedesfahrer brutal überrollt zu werden. sei hier als Beispiel genannt.
So offen, wie Stephen King bei der Schilderung seiner eignen Biografie ist, so sehr misstraue ich seinen geschilderten literarischen Techniken. Er gilt als einer der wenigen Protagonisten des so genannten "entdeckenden Schreibens", einer Technik, bei welcher der Autor kaum weiß, was als nächstes in seinem Roman passiert, und sich ganz dem Schreibfluss hingibt.
Dies mag auf jene seiner voluminösen Werke zutreffen, die er als etablierter Erfolgsschriftsteller verfasste, oft weit über Tausend Seiten dick, weitschweifig und stellenweise langweilig. Da hatte er schon eine Fangemeinde - auch aufgrund der erfolgreichen Romanverfilmungen - die alles und jedes verschlingen, was der Bestsellerautor auf den markt wirft.
Jedoch wird Stephen King so nicht angefangen haben. Er studierte Literatur, war Englischlehrer, ist seit seinen jungen Jahren mit einer Literatin verheiratet, die seine beste Kritikerin ist und seine Werke stets wachsam begleitete. Doch was er in "Das Leben und das Schreiben" vollkommen verschweigt (anders kann ich es nicht ausdrücken) ist das überaus notwendige Überarbeiten.
Von Hemingway ist der Spruch "Die erste Entwurf ist immer Mist!" überliefert. Die große Frage, sie sich bei Stephen Kings Roman stellt: Wie hat der Bestsellerautor seine eigenen Werke überarbeitet,welche Techniken hat er dabei angewendet, welche Lektoren unterstützten ihn dabei?