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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.12.2016

Düstere Romantik!

Der Sandmann. Textausgabe mit Kommentar und Materialien
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Der junge Nathanael erwischt seinen Vater eines nachts wie er mit dem angsteinflößenden Coppelius alchemistische Experimente durchführt und der Vater dabei umkommt. In dem Irrglauben Coppelius habe seine ...

Der junge Nathanael erwischt seinen Vater eines nachts wie er mit dem angsteinflößenden Coppelius alchemistische Experimente durchführt und der Vater dabei umkommt. In dem Irrglauben Coppelius habe seine Augen verbrannt, erleidet Nathanael ein Kindheitstrauma und erkrankt danach schwer, erholt sich aber wieder. Verfolgt von dem Trauma leidet er als Erwachsener immer noch unter den Geschehnissen. Im Wetterglashändler meint er Coppelius wieder zu erkennen und schreibt dies seinem Freund Lothar. Irrtümlicherweise erhält seine Frau Clara den Brief und erfährt von seiner Vermutung. Daraufhin macht sie sich Sorgen um ihn und tut seine Vermutung als Fantasie ab und kümmert sich nicht weiter darum. Gefangen von seiner Angst und dem Trauma,welches wieder die Oberhand gewinnt, verdunkelt sich Nathanaels Gemüt zusehends und er beginnt Gedichte und Texte darüber zu schreiben, das Coppelius die Beziehung zwischen ihm und Clara zerstören will und sie beide in den Abgrund stürzen wird. Er versucht nur seine Gefühle auszudrücken, erfährt allerdings nur Ablehnung von Clara, die mehr und mehr genervt von ihm ist und ihn das auch spüren lässt. Beleidigt und verletzt beginnt er Clara in einem Ansturm aus Wut zu beleidigen, bis Lothar einschreitet und es beinahe zu einem Duell kommt, welches Clara rechtzeitig beenden kann. Durch einen Brand in seiner Wohnung, zieht Nathanael in eine andere Wohnung. Von dort aus kann er Olimpia - die Tochter des Physikprofessors - beobachten und verliebt sich nach und nach in sie, bis er sie schließlich Tag für Tag besuchen kommt und mit ihr spricht. Alle um ihn herum merken , dass Olimpia ein Menschenautomat ist, also quasi wie eine Puppe, nur Nath. glaubt weiter an eine Liebe beiderseits und beschließt ihr einen Heiratsantrag zu machen. Kurz zuvor bekommt er einen Streit zwischen dem Professor und dem Wetterglashändler mit, der schließlich mit Olimpia flieht. Jetzt erkennt Nath die Wahrheit und sieht was Olimpia wirklich ist. Ihre glasigen, auf den Boden gefallenen Augen, lassen sein Trauma mit den verbrannten Augen hochkommen und er verfällt in einen Wahn. Infolgedessen stürzt er sich auf den Professor, um ihn umzubringen. Andere zerren sie auseinander und Nath kommt in ein Tollhaus. Offensichtlich genesen, kehrt er zurück und zieht mit Clara in eine andere Stadt. Beim Einkauf in der Stadt betrachten sie sie von einem Turm aus. Nath verfällt beim Anblick Claras erneut in den Wahnsinn, versucht sie hinunter zu stoßen, erblickt Coppelius unten am Fuß des Turms und springt selbst in den Tod.

Auf diese Werk bin ich durch die Schule gekommen. Anfangs war ich skeptisch, aber nach und nach gefiel mir das Buch sehr gut. Besonders gut finde ich, dass es sich um ein Werk aus der Romantik (genauer gesagt Schwarze Romantik) handelt, da es meine absolute Lieblingsepoche ist. Die wird im Wesen Nathanaels deutlich, da er sehr verträumt, realitätsfern und teilweise wahnsinnig ist. Er drückt sich in Gedichten und Geschichten aus, wird aber von Clara gar nicht verstanden, die verkörpert die wesentlichen Merkmale der Aufklärung. Teilweise kann ich Nath Verletzung durch Claras Abweisung gut verstehen, weil er - wenn auch auf verkorkste Art und Weise - seine Gefühle ihr widmet und sie sie nur zurückweist und seinen Ausdruck nicht versteht. Besonders schön finde ich auch die Gegenüberstellung und Differenz zwischen den Epochen Romantik und Aufklärung, die sich teilweise feindlich gegenüberstehen und die Aufklärung (Kaltherzigkeit) hier kritisieren (durch Nathanael). Insgesamt kann ich das Werk nur empfehlen, wenn man mal was neues ausprobieren und lesen möchte. Es ist toll - wenn auch verwirrend wegen der Liebe zu Olimpia - geschrieben und die Sprache ist auch gut verständlich.

Veröffentlicht am 19.12.2016

Erfrischend anders

Fräulein Else
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Detaillierte Beschreibung!

Die Hauptperson Else befindet sich in einem italienischen Kurort bei ihrer wohlhabenden Tante, als sie den Brief ihrer Mutter, mit der dringenden Bitte den reichen Dorsday um ...

Detaillierte Beschreibung!

Die Hauptperson Else befindet sich in einem italienischen Kurort bei ihrer wohlhabenden Tante, als sie den Brief ihrer Mutter, mit der dringenden Bitte den reichen Dorsday um 30.000 Gulden zu bitten, um den Vater vor dem Gefängnis zu retten, erhält. Gleich darauf bittet sie Dorsday ihr das Geld für ihren Vater zu leihen, woraufhin Dorsday unter der Bedingung zustimmt, Else solle sich vollkommen nackt vor ihm entblößen, damit er ihren Körper für eine Weile betrachten könnte. Die junge Else verlässt empört den Raum. In den folgenden Momenten, kann die Zerrissenheit und Unentschlossenheit Elses anhand ihrer Gedanken gut nachvollzogen werden. Einerseits möchte sie ihrem Vater unbedingt helfen und ihn nicht im Stich lassen. Andererseits möchte sie frei über ihren Körper entscheiden können und sich nicht von anderen ( dem männlichen Geschlecht - Dorsday) dominieren lassen. Hin und her gerissen und durch ständige Änderungen ihrer Entscheidungen, beschließt sie schließlich sich vor allen anderen Gästen des Hotels zu entblößen, somit auch vor Dorsday, um der Bedingung gerecht zu werden. Nachdem sie sich auszieht und von allen Seiten schockierende Blicke erhält - so auch von ihrer Tante, die sie als Schande empfindet - fällt sie in eine gespielte Ohnmacht, um der Situation zu entkommen. Daraufhin wird sie in ihr Zimmer gebracht. Dort nimmt sie die doppelte Dosis des Schlafmittels Veronal, in der Absicht ihrem Leben ein Ende zu setzen. Dann sickert sie weg. Ob sie tatsächlich stirbt bleibt offen.

Besonders toll fand ich, dass das Werk in einem inneren Monolog geschrieben ist - bis auf einige Gespräche mit anderen Gästen. Dadurch erhält man einen tiefen Einblick in die Gedankengänge von Else und bemerkt, wie sie versucht aus dem Dilemma herauszukommen, aber feststellen muss das es keinen Weg gibt, außer Selbstmord zu begehen. Besonders der Inhalt bietet sich hervorragend für einen inneren Monolog an, da dieser nie langweilig wird. Etwas nervend ist Elses ständiger Meinungswechsel und was sie als nächstes tun möchte, da der Wechsel sehr oft vorkommt und das hin und her sich oft wiederholend durch den ganzen Text zieht. Dennoch fand ich das Buch sehr erfrischend geschrieben, weil es mal etwas anderes ist.


Veröffentlicht am 18.12.2016

Legt durch Authentizität eine komplett neue Welt offen!

Im Schatten des Berges
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Dies ist der Nachfolger des Bestsellers Shantaram und obwohl ich den ersten Band nicht gelesen hatte, gefiel mir dieser ganz gut und ich hatte keine großen Verständnisprobleme. Am Anfang war es ziemlich ...

Dies ist der Nachfolger des Bestsellers Shantaram und obwohl ich den ersten Band nicht gelesen hatte, gefiel mir dieser ganz gut und ich hatte keine großen Verständnisprobleme. Am Anfang war es ziemlich schwierig mit der Menge an Personen klar zu kommen, weil das doch ganz schön viele sind und nach und nach mehr dazu kommen. Aber man gewöhnt sich daran und nach dem Anfang hatte ich zumindest keine Schwierigkeiten mehr beim Erkennen der Protagonisten. Das Buch ist ziemlich dick. Dementsprechend lang ist die Geschichte und es reihen sich viele Handlungen aneinander. Der Schreibstil ist flüssig und sehr gut zu lesen. Inhaltlich ist die Geschichte geprägt von Schmerz, Hass, Mord, Tod, Drogen, Mafiaclans, Kriminalität und Korruption. Es gibt allerdings auch schöne Momente, wie die sehr lehrreichen Seiten des Philosophen Idriss, der die Frage nach dem Sinn des Lebens in seiner Komplexität behandelt, sowie die Suche und das Finden des inneren Friedens, auch wenn ein noch so großer Sturm der Vergangenheit und der Erinnerung in einem tobt, mehrfach thematisiert. Erstaunlich ist dieses Festhalten und Klammern an den Frieden, angesichts der Tatsache, dass die Welt von Bombay und außerhalb gezeichnet ist durch Mord und Totschlag und den ganz alltäglichen Verlusten von geliebten Menschen und dem scheinbar nie endenden Schmerz dessen.

Fraglich zurückgelassen hat mich die Länge bzw. Beginn und Ende des Buches. Ich fand keinen logischen Sinn darin. Irgendwann beginnt die Geschichte irgendwo, zwei Jahre nach Shantaram und dann hört sich völlig unvermittelt auf. Auch wenn der Abschluss einleuchtend und schön geschrieben ist, fehlt mir die Begründung hinter der Entscheidung das Ende genau dort einzuleiten und nicht woanders.

Veröffentlicht am 17.12.2016

Erfrischend anders

Fräulein Else
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Die Hauptperson Else befindet sich in einem italienischen Kurort bei ihrer wohlhabenden Tante, als sie den Brief ihrer Mutter, mit der dringenden Bitte den reichen Dorsday um 30.000 Gulden zu bitten, um ...

Die Hauptperson Else befindet sich in einem italienischen Kurort bei ihrer wohlhabenden Tante, als sie den Brief ihrer Mutter, mit der dringenden Bitte den reichen Dorsday um 30.000 Gulden zu bitten, um den Vater vor dem Gefängnis zu retten, erhält. Gleich darauf bittet sie Dorsday ihr das Geld für ihren Vater zu leihen, woraufhin Dorsday unter der Bedingung zustimmt, Else solle sich vollkommen nackt vor ihm entblößen, damit er ihren Körper für eine Weile betrachten könnte. Die junge Else verlässt empört den Raum. In den folgenden Momenten, kann die Zerrissenheit und Unentschlossenheit Elses anhand ihrer Gedanken gut nachvollzogen werden. Einerseits möchte sie ihrem Vater unbedingt helfen und ihn nicht im Stich lassen. Andererseits möchte sie frei über ihren Körper entscheiden können und sich nicht von anderen ( dem männlichen Geschlecht - Dorsday) dominieren lassen. Hin und her gerissen und durch ständige Änderungen ihrer Entscheidungen, beschließt sie schließlich sich vor allen anderen Gästen des Hotels zu entblößen, somit auch vor Dorsday, um der Bedingung gerecht zu werden. Nachdem sie sich auszieht und von allen Seiten schockierende Blicke erhält - so auch von ihrer Tante, die sie als Schande empfindet - fällt sie in eine gespielte Ohnmacht, um der Situation zu entkommen. Daraufhin wird sie in ihr Zimmer gebracht. Dort nimmt sie die doppelte Dosis des Schlafmittels Veronal, in der Absicht ihrem Leben ein Ende zu setzen. Dann sickert sie weg. Ob sie tatsächlich stirbt bleibt offen.

Besonders toll fand ich, dass das Werk in einem inneren Monolog geschrieben ist - bis auf einige Gespräche mit anderen Gästen. Dadurch erhält man einen tiefen Einblick in die Gedankengänge von Else und bemerkt, wie sie versucht aus dem Dilemma herauszukommen, aber feststellen muss das es keinen Weg gibt, außer Selbstmord zu begehen. Besonders der Inhalt bietet sich hervorragend für einen inneren Monolog an, da dieser nie langweilig wird. Etwas nervend ist Elses ständiger Meinungswechsel und was sie als nächstes tun möchte, da der Wechsel sehr oft vorkommt und das hin und her sich oft wiederholend durch den ganzen Text zieht. Dennoch fand ich das Buch sehr erfrischend geschrieben, weil es mal etwas anderes ist.

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Veröffentlicht am 17.12.2016

Überraschende Wendung

Die Schatten von London
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Rory (Aurora) zieht mit ihren Eltern nach England, dort besucht sie das Internat Wexford in London. Sie lebt sich schnell ein, freundet sich mit ihrer Zimmergenossin an und ein Junge verdreht ihr den Kopf. ...

Rory (Aurora) zieht mit ihren Eltern nach England, dort besucht sie das Internat Wexford in London. Sie lebt sich schnell ein, freundet sich mit ihrer Zimmergenossin an und ein Junge verdreht ihr den Kopf. Fast zeitgleich beginnen grauenhafte Morde in London, die den Morden von Jack-the-Ripper sehr ähnlich sind. Weshalb auch viele von einem Nachahmer ausgehen und die Medien verrückt spielen und der Hype ganz London überschwemmt. Das schreckliche daran ist, dass niemand den Täter gesehen hat und selbst die Kameras niemanden aufnehmen. Es scheint als sei der Täter unsichtbar. Ungewollt trifft Rory auf ihn, ohne jedoch zu wissen das er der Täter ist. Aber warum kann nur sie ihn sehen? Als plötzlich dann noch eine Spezialeinheit der Polizei auftaucht und sich ihrer annimmt, ist Rory stark verunsichert. Was geht hier vor und was hat sie mit den Morden zu tun?

Gekauft habe ich mir dieses Buch, weil es sich um ein Internat in London handelt und ich Geschichten rund um London gerne mag. Zudem machten die Ripper-Morde den Klappentext auch noch sehr spannend. Der Anfang des Buches ist wie aus dem alltäglichen Leben eines Mädchens geschrieben. Schulstress, Jungs, erste Liebe. Nichts besonderes. Die Morde werden von Rory auch erst an den Rand gerückt. Doch nachdem in ihrer unmittelbaren Nähe jemand ermordet wird und sie einen Mann gesehen hat, den sonst keiner gesehen hat, zweifelt sie langsam an sich. Als die Polizei sie dann befragt und eine Spezialeinheit kommt, verändert sich die Geschichte plötzlich und entwickelt sich ganz anders als ich zuerst gedacht habe und nimmt Fahrt auf und die Spannung steigt. Vor allem als sie dann hinter dem Mörder her sind, wird es richtig spannend. Das Buch nimmt ab dem Drittel eine spannende und sehr überraschende Wendung ein, mit der man angesichts des Anfangs nie gerechnet hätte.