Profilbild von BarbaraM

BarbaraM

Lesejury Star
offline

BarbaraM ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit BarbaraM über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.05.2020

Ein berührender und tiefgründiger Roman

JuniNebel
0

„JuniNebel“ von Ute Ziskah ist 2020 im Eigenverlag herausgebracht worden und umfasst in der Taschenbuchausgabe 217 Seiten.

Bernard kehrt in seine Heimat zurück, nachdem er den Anruf bekommen hat, dass ...

„JuniNebel“ von Ute Ziskah ist 2020 im Eigenverlag herausgebracht worden und umfasst in der Taschenbuchausgabe 217 Seiten.

Bernard kehrt in seine Heimat zurück, nachdem er den Anruf bekommen hat, dass sein ihm verhasster Vater verschwunden ist. Er begibt sich auf die Suche nach seinem Vater und bemerkt, dass er dabei auch auf dem Weg zu sich selbst ist. Unterstützt wird er vor allem durch Robert, einen Gefährten seines Vaters aus dem Krieg. Er lässt in Einblick nehmen in die vergangene, schicksalshaft tragische Welt seines Vaters. Diese Vergangenheit beeinflusste das Denken und Handeln seines Vaters so maßgeblich und erklärt für Bernard einiges. Er kommt seinem Vater Stück für Stück etwas näher.

Ute Ziskah gelingt es in ihrem Roman den Leser durch ihren ruhigen, sehr sensiblen und äußerst atmosphärischen Schreibstil in den Bann zu ziehen. Der Spannungsbogen, ob Bernard denn nun seinen Vater finden würde oder nicht, war für mich durchgängig spürbar und ich fühlte ab der ersten Seite mit und konnte die Gedanken von Bernard und allen anderen gut nachvollziehen. Ute Ziskah beschäftigt sich in ihrem Roman sehr tiefgründig, aber auch behutsam und aufrichtig mit den psychischen Belastungen der Kriegsgeneration und den Folgen auf die weiteren Generationen: die falsche Interpretation der furchtbaren Einsamkeit, das Gefühl der Schuld, der Hilflosigkeit, des Nichtverstandenwerdens und auch des Nichtverstandenwerdenwollens, die Unnahbarkeit, des Verloren-Seins…

Fazit: Ein feinfühliger und sehr lesenswerter Roman, der nicht nur an der Oberfläche bleibt. Man merkt dem Buch an, dass es mit ganz viel Feingefühl und Herz verfasst wurde.
Es war für mich ein eindrückliches Erlebnis, dieses Buch zu lesen und es ruft in meinen Augen dazu auf, hinter Dinge, Beziehungen, Menschen zu sehen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.05.2020

Ein berührender, schöner und tiefgründiger Roman

Zwei Wochen im Juni
0

„Zwei Wochen im Juni“ von Anne Müller ist 2020 im Penguin Verlag herausgebracht worden und umfasst in der gebundenen Ausgabe 240 Seiten.

Die zwei unterschiedlichen Schwestern Ada und Toni treffen sich ...

„Zwei Wochen im Juni“ von Anne Müller ist 2020 im Penguin Verlag herausgebracht worden und umfasst in der gebundenen Ausgabe 240 Seiten.

Die zwei unterschiedlichen Schwestern Ada und Toni treffen sich in ihrem alten Elternhaus an der Ostsee. Die Mutter der beiden ist vor kurzem verstorben und nun wollen sie das Haus verkaufen und müssen es deshalb ausräumen. In beiden steigen dabei Erinnerungen an die Kindheit auf, die sie nochmals teilen, aufarbeiten, mit der Gegenwart vergleichen und neue Entschlüsse fassen.

Anne Müller gelingt es in ihrem Roman den Leser durch ihren flüssigen und ruhigen Schreibstil in den Bann zu ziehen. Bei mir sind die Seiten einfach nur dahingeflogen und ich habe dieses Buch in einem „Rutsch“ gelesen. Ich fühlte ab der ersten Seite sowohl was die Höhen als auch die Tiefen anbelangt mit und konnte mich gut in die beiden Protagonistinnen hineinversetzen und deren Gefühle und Gedanken nachvollziehen und teilen.
Gut gefallen hat mir auch, dass Anne Müller mithilfe von vielen Gegenstände im Haus die Erinnerungen an Geschehnisse in der Vergangenheit der beiden Schwestern festgemacht hat. Dies hat mich sehr an mich selbst erinnert, wenn mein Blick an vergangenen Dingen hängen bleibt oder ich Gerüche aufnehme, die Erinnerungen in mir aufsteigen lassen.

Fazit: Ein schöner, authentischer, feinfühliger und sehr lesenswerter Roman, der nicht nur an der Oberfläche bleibt und sich mit dem Thema „Abschiednehmen“ wunderschön auseinandersetzt. Man merkt dem Buch an, dass es mit ganz viel Herzblut verfasst wurde.
Es war für mich ein schönes Erlebnis, dieses Buch zu lesen und in die Welt von Ada und Toni einzutauchen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.05.2020

Ein wunderbares Buch über die Geschichte Tibets und zweier tibetischer Freunde

Der Kaufmann und der Rinpoche
0

„Der Kaufmann und der Rinpoche: Leben, Sterben und Dazwischen“ von Aljoscha Long und Ronald Schweppe verfasst ist 2020 im Diederichs Verlag erschienen und umfasst in der gebundenen Ausgabe 240 Seiten. ...

„Der Kaufmann und der Rinpoche: Leben, Sterben und Dazwischen“ von Aljoscha Long und Ronald Schweppe verfasst ist 2020 im Diederichs Verlag erschienen und umfasst in der gebundenen Ausgabe 240 Seiten.

Gleich zu Beginn möchte ich anmerken, dass es sich hier um ein wirklich sehr lesenswertes, tiefsinniges und berührendes Buch handelt, das ich schon jetzt zu meinen persönlichen Highlights 2020 wähle.

Dorjee Wanchuck und Sonam Tsering sind seit Kindesbeinen an wirkliche Freunde. Zwar haben sie sich immer einmal wieder aus den Augen verloren, aber niemals aus dem Herzen. Dorjee und Sonam sind ganz unterschiedliche Wege in ihrem Leben gegangen. Dorjee strebte nach Macht und Geld und wurde letztendlich ein wohlhabender tibetischer Kaufmann und Sonam entschied sich für den Weg eines tibetischen, buddhistischen Mönches und ein Leben im Kloster. Als der Kaufmann im Sterben liegt, bittet er seinen Freund um die Lesung des Tibetischen Totenbuches, den Bardo Thödol. Sonam erfüllt seinem Freund diesen letzten Wunsch und begleitet ihn auf seinem Weg durch die Zwischenwelt, den Bardo. Auch hier erweisen sich beide als tief verbundene Freunde. Eingebettet ist diese wunderbare Freundschaftsgeschichte in die historische Geschichte Tibets.

Aljoscha Long und Ronald Schweppe haben in ihrem Buch einen tollen Schreibstil gefunden: flüssig, locker, leicht, unterhaltsam, tiefsinnig, berührend… Ach, ich mag gar nicht aufhören, davon zu schwärmen, denn der Schreibstil hat mir einfach so sehr zugesagt und ich habe die ganze Geschichte einfach sehr genossen. Die Autoren haben es von der ersten Seite an geschafft, dass ich das Buch eigentlich nicht mehr aus der Hand legen wollte, ich war einfach so sehr in der Welt von Sonam und Dorjee gefangen und es hat mich wirklich tief berührt. Ich habe mitgefiebert, mitgelacht und mitgeweint und ich konnte mich wunderbar in die beiden gegnsätzlichen Protagonisten hineinversetzen.
Man merkt, dass Aljoscha Long und Ronald Schweppe viel Herzblut in ihr Buch gesteckt haben und jedes Wort sehr bewusst und voller Gefühl und dem nötigen Wissen geschrieben haben.
Ich habe durch dieses Buch viel über den Buddhismus erfahren und auch über die Geschichte Tibets. Dies hat mich sehr bereichert und dieses Buch wird sicherlich noch lange in mir nachwirken.

Fazit: Ich empfehle dieses Buch sehr gerne weiter. Es hat mich wunderbar unterhalten, hat mich schmunzeln lassen, nachdenklich gestimmt und ich weiß nun ein bisschen mehr über die Grundgedanken des Buddhismus und die Geschichte Tibets.
Ein toller Roman, ein wunderbares Leseerlebnis. Vielen lieben Dank hierfür!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.05.2020

Hier wird Abenteuerlust geweckt

Das Museum der Welt
0

„Das Museum der Welt“ von Christopher Kloeble ist 2020 im dtv-Verlag erschienen. Der Roman umfasst in der gebundenen Ausgabe 528 Seiten.

Bartholomäus, ein zwölfjähriger indischer Waisenjunge, begleitet ...

„Das Museum der Welt“ von Christopher Kloeble ist 2020 im dtv-Verlag erschienen. Der Roman umfasst in der gebundenen Ausgabe 528 Seiten.

Bartholomäus, ein zwölfjähriger indischer Waisenjunge, begleitet die drei Brüder Schlagintweit auf ihrer Expedition durch das koloniale Indien und den Himalaya. Dies ist vor allem dem Umstand zu verdanken, dass er ein Sprachtalent ist und als Übersetzer von den Brüdern „engagiert“ wird. Die Expedition findet im Jahr 1854 statt und wird von Alexander Humboldt unterstützt. Bartholomäus, der äußerst wissbegierig und talentiert ist, zeigt die Expedition aus ausschließlich seiner kindlichen Sicht auf und hat es sich zum Ziel gesetzt, das erste Museum Indiens zu gründen.

Christopher Kloeble gelingt es in seinem Roman den Leser durch seinen feinfühligen, luftigen und humorvollen Schreibstil in den Bann zu ziehen.
Sehr genossen habe ich es, so viele unterschiedliche Eigenschaften der Menschheit in einem Buch vorzufinden – von Liebe bis zum Hass, von Weiß bis Schwarz und dazwischen alle Grau-Schattierungen, - von westlicher Überheblichkeit, der Arroganz der Mächtigen im eigenen Land, von der Suche nach der Identität und Heimat, von Liebe, kindlicher Naivität, Neugierde, Forscherdrang…
Das war für mich absolut faszinierend, ebenso wie die Tatsache, dass es die Brüder Schlagintweit und ihre Expedition tatsächlich gegeben hat, der Junge Bartholomäus jedoch eine erfundene Gestalt von Christopher Kloeble ist. Christopher Kloeble verknüpft in seinem Buch absolut gekonnt wahre Begebenheiten und fiktive Elemente.

Fazit: Ein tiefgründiger und lesenswerter Abenteuerroman.
Es war für mich ein schönes Erlebnis, dieses Buch zu lesen und in die Welt von Bartholomäus einzutauchen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.05.2020

Immer wieder eine großartige Überraschung!

Wenn man vom Teufel spricht
0

„Wenn man vom Teufel spricht“ von Heinz Rudolf Kunze ist 2020 im adeo-Verlag erschienen und umfasst in der gebundenen Ausgabe 320 Seiten.

Heinz Rudolf Kunze veröffentlicht in seinem Buch 200 seiner ganz ...

„Wenn man vom Teufel spricht“ von Heinz Rudolf Kunze ist 2020 im adeo-Verlag erschienen und umfasst in der gebundenen Ausgabe 320 Seiten.

Heinz Rudolf Kunze veröffentlicht in seinem Buch 200 seiner ganz mannigfaltigen Texte, die nach ihrem Entstehungsdatum geordnet sind. Er schreibt über das Alltagsleben, über die Liebe, über das politische Weltgeschehen, über das Alter und das Altern. Er klagt mit seinen Texten an, bewundert und liebt, distanziert sich, albert herum, ironisiert, politisiert, überrascht, stimmt nachdenklich, freut sich, schaut zurück, verbindet sich und zeigt seine persönlichen Gedanken, Stimmungen und Haltungen auf.

Ich mag dieses Buch sehr, aber es an einem Stück zu lesen fällt mir schwer und ich denke, dass dies auch kein Muss ist.
Ich blättere gerne vor und zurück und bleibe an einer Geschichte hängen oder an einem Gedicht, einem Anstoß und das gefällt mir sehr gut. Mit manchen Texten kann ich mehr anfangen, mit anderen weniger. Manche regen mich zum Nachdenken an, zu manchen finde ich erst einmal keinen Zugang. Und genau das macht es für mich so reizvoll.
Für mich ist dieses Buch eine schöne Überraschungskiste und ich habe es immer wieder in der Hand.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere