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Veröffentlicht am 15.06.2025

Ein intensiver Kurzroman über Geister, Gewalt – und das Unaussprechliche

Mutterasche
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Clarissa Kühnberger gelingt mit „Mutterasche“ eine dichte, atmosphärisch sehr gelungene Mischung aus Haunted-House-Horror und psychologischem Familiendrama. Die Ausgangslage wirkt vertraut: Gail, ihr Mann ...

Clarissa Kühnberger gelingt mit „Mutterasche“ eine dichte, atmosphärisch sehr gelungene Mischung aus Haunted-House-Horror und psychologischem Familiendrama. Die Ausgangslage wirkt vertraut: Gail, ihr Mann Matt und die beiden Töchter ziehen in ein frisch renoviertes Haus in einer Kleinstadt. Doch was als Neuanfang gedacht ist, entwickelt sich für Gail schnell zum Albtraum.
Inhaltlich verwebt die Geschichte geschickt übernatürliche Spukelemente – flackerndes Licht, unerklärliche Geräusche, Aschehaufen – mit einer viel realeren, beklemmenden Komponente: häuslicher Gewalt. Zunehmend wird deutlich, dass das wahre Grauen in der Beziehung zwischen Gail und ihrem Mann liegt. Die Grenze zwischen äußeren und inneren Bedrohungen verschwimmt.
Stilistisch ist das Buch direkt, gut lesbar und auf den Punkt. Die Kapitel sind kurz, was dem Tempo zugutekommt. Die Angst schleicht sich langsam ein, wird aber glaubwürdig aufgebaut. Besonders die Szenen im Halbdunkel, auf dem Dachboden oder im Flur erzeugen eine starke visuelle Sogwirkung – ohne sich in Klischees zu verlieren.
Kritisch anzumerken ist, dass die Überlagerung von Spuk und Missbrauch nicht immer ganz ausgewogen wirkt. Der übernatürliche Plot verliert im Mittelteil etwas an Präsenz, weil das toxische Beziehungsgeflecht zwischen Gail und Matt zunehmend dominiert.
Fazit: Ein starker, bitterer Kurzroman über Trauma, Isolation und das Unausgesprochene – verpackt in ein schauriges Geisterhaus-Setting.
Von mir 4,5 von 5 Sternen.

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Veröffentlicht am 15.06.2025

Emotional, spannend und wunderschön geschrieben

Roter Stern - Nebel und Asche
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Roter Stern überzeugt mit einer emotionalen Geschichte, starken Figuren und einem Schreibstil, der unter die Haut geht.

Ich bin ohne Vorwissen in „Roter Stern“ eingestiegen – Band 1 kenne ich (noch) ...

Roter Stern überzeugt mit einer emotionalen Geschichte, starken Figuren und einem Schreibstil, der unter die Haut geht.

Ich bin ohne Vorwissen in „Roter Stern“ eingestiegen – Band 1 kenne ich (noch) nicht –, wurde aber sofort abgeholt. Schon auf den ersten Seiten hat mich der schöne, flüssige Schreibstil der Autorin begeistert.
Ihre Sprache hat etwas Berührendes: Sie zieht einen direkt in die Welt hinein und macht neugierig auf mehr. Dass ich den ersten Teil nicht gelesen habe, bereue ich fast – so sehr hat mich dieser Band überzeugt. Die Handlung ist gut nachvollziehbar, emotional und lebendig erzählt. Besonders gelungen finde ich, wie die Eifersucht von Rey eingefangen wird – dieser Spannungsbogen zwischen ihr und Will macht einfach Lust, weiterzulesen. Ich bin gespannt, wie sich Reys und Wills Beziehung zwischen all den Unwegbarkeiten und dem Druck des Regimes weiterentwickelt – da scheint sich Größeres anzubahnen.
Auch die anderen Figuren sind gut ausgearbeitet, jede mit eigenem Charakter und glaubwürdiger Dynamik. Die Interaktionen wirken echt und gut beobachtet. Ein weiterer Pluspunkt: die angenehme Kapitellänge. Auch wenn man nur wenig Zeit hat, lassen sich einzelne Passagen gut zwischendurch lesen – ohne den roten Faden zu verlieren. Einziger kleiner Wermutstropfen: die Umgebung hätte stellenweise noch etwas ausführlicher beschrieben sein können. 
Trotzdem: Ein emotional packender Band mit viel Tiefgang und einem wunderbaren Stil. Ich bin gespannt, wie es weitergeht – und werde definitiv noch Band 1 nachholen.

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