Ein intensiver Kurzroman über Geister, Gewalt – und das Unaussprechliche
MutterascheClarissa Kühnberger gelingt mit „Mutterasche“ eine dichte, atmosphärisch sehr gelungene Mischung aus Haunted-House-Horror und psychologischem Familiendrama. Die Ausgangslage wirkt vertraut: Gail, ihr Mann ...
Clarissa Kühnberger gelingt mit „Mutterasche“ eine dichte, atmosphärisch sehr gelungene Mischung aus Haunted-House-Horror und psychologischem Familiendrama. Die Ausgangslage wirkt vertraut: Gail, ihr Mann Matt und die beiden Töchter ziehen in ein frisch renoviertes Haus in einer Kleinstadt. Doch was als Neuanfang gedacht ist, entwickelt sich für Gail schnell zum Albtraum.
Inhaltlich verwebt die Geschichte geschickt übernatürliche Spukelemente – flackerndes Licht, unerklärliche Geräusche, Aschehaufen – mit einer viel realeren, beklemmenden Komponente: häuslicher Gewalt. Zunehmend wird deutlich, dass das wahre Grauen in der Beziehung zwischen Gail und ihrem Mann liegt. Die Grenze zwischen äußeren und inneren Bedrohungen verschwimmt.
Stilistisch ist das Buch direkt, gut lesbar und auf den Punkt. Die Kapitel sind kurz, was dem Tempo zugutekommt. Die Angst schleicht sich langsam ein, wird aber glaubwürdig aufgebaut. Besonders die Szenen im Halbdunkel, auf dem Dachboden oder im Flur erzeugen eine starke visuelle Sogwirkung – ohne sich in Klischees zu verlieren.
Kritisch anzumerken ist, dass die Überlagerung von Spuk und Missbrauch nicht immer ganz ausgewogen wirkt. Der übernatürliche Plot verliert im Mittelteil etwas an Präsenz, weil das toxische Beziehungsgeflecht zwischen Gail und Matt zunehmend dominiert.
Fazit: Ein starker, bitterer Kurzroman über Trauma, Isolation und das Unausgesprochene – verpackt in ein schauriges Geisterhaus-Setting.
Von mir 4,5 von 5 Sternen.