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Veröffentlicht am 25.04.2020

Nie wieder Brathähnchen

Mordseeluft
1

Caro Falk lebt mit ihrem Sohn Justus in Trennung von ihrem untreuen Ehemann Nils bei einer Freundin. Da sie kein abgeschlossenes Studium hat und während der Beziehung keiner Arbeit nachgehen musste fühlt ...

Caro Falk lebt mit ihrem Sohn Justus in Trennung von ihrem untreuen Ehemann Nils bei einer Freundin. Da sie kein abgeschlossenes Studium hat und während der Beziehung keiner Arbeit nachgehen musste fühlt sie sich etwas verloren und beschließt mit ihrem Sohn eine Mutter-Kind-Kur auf Borkum, einer Insel in der Nordsee, zu machen.

Bereits auf der Fähre zur Insel lernt sie eine junge Frau mit Narben an den Handgelenken kennen, welche sich im Kurhotel dann als eine der Putzkräfte, Lara Buschhenke, entpuppt. Auf der Insel lebt auch der Schwiegervater von Caro, Hinnerk, zu dem sie einen tollen Kontakt pflegt und welcher auch nicht so gut auf seinen Sohn zu sprechen ist. Bei diesem kann sie während der Kur ihre Hündin Aila lassen und verspricht Hinnerk diese jeden Tag für einen längeren Spaziergang abzuholen.

Beim ersten Treffen mit dem Kurleiter, Herrn Dr. Schäfer, hinterlässt dieser keinen guten ersten Eindruck, da dieser die Putzkraft Lara herabwürdigend behandelt. Auch am nächsten Tag, bei der Erstuntersuchung hat Caro kein gutes Gefühl und meint, dass der Arzt sich an sie heranmacht. Als sie mit den anderen Bewohnern der Klinik spricht, wird ihr klar, dass Herr Dr. Schäfer anscheinend nichts anbrennen lässt.

Beim ersten Spaziergang lässt Caro am Strand Aila von der Leine, diese läuft zur Strandsauna und verhält sich komplett unnatürlich. Sie springt, bellt und kratzt an der Tür. Caro möchte zuerst nicht nachsehen, aber nachdem Aila sich nicht beruhigt, geht Caro in die Sauna und findet am Boden eine, an ein Brathuhn erinnernde, Leiche. Da es in der Sauna stark nach Alkohol riecht und der Tote, Dr. Schäfer, anscheinend eine Herzkrankheit hatte, wird der Tod von der Polizei als Unfall abgetan.

Caro kommt das ganze jedoch komisch vor, da Herr Schäfer gesund aussah und niemand etwas von einer Krankheit wusste. Als dann auch noch die Ehefrau von Dr. Schäfer auftaucht, welche anscheinend von seinen Affären Bescheid wusste, kann Caro nicht mehr stillsitzen und beginnt zu ermitteln.

Hinnerk stellt ihr Jan Ackermann vor, ein Mann über den auf der Insel diverse Geschichten über Kampfeinsätze, Fallschirmsprünge, usw. beim Militär kursieren. Gemeinsam machen sich die beiden auf die Suche nach dem Mörder.

Wenn du wissen willst, was weiter passiert, dann musst du das Buch lesen.

Meine Meinung dazu:
„Mordseeluft“ ist das erste Buch von Emmi Johannsen. Es handelt sich um einen Krimi, welchen man mit einem Augenzwinkern liest. Es kommen immer wieder witzige Stellen vor und man muss einfach mitlachen. Somit muss ich gleich sagen, dass wenn man dieses Buch lesen möchte, man sich auf keinen extrem brutalen, blutrünstigen Krimi einstellen darf. Es ist deshalb jedoch auf keinen Fall langweilig. Von der ersten Seite an liest es sich ohne Probleme und man möchte schnell erfahren, was alles hinter diesem Frauenheld-Mord steckt.

Das Cover ist witzig gestaltet mit einer Möwe die einen gelben Fischerregenhut trägt, aber meiner Meinung nach sehen die meisten "Nordseekrimis" auf den ersten Blick gleich bzw. sehr ähnlich aus und bis jetzt hatten mich solche Bücher nicht angesprochen. Aber wenn man ein Genre noch nie gelesen hat, sollte man nicht darüber urteilen und ich muss sagen, ich wurde positiv überrascht.

Anfangs war ich kein Freund der Hauptperson, Caro Falk, da es für mich schon fast nach „armen Frauenopfer“ klang. „Alle sind böse, alles geht schief, sie kann nichts allein, …“. Aber im Laufe der Zeit, wenn dann die Ermittlungen voranschreiten wird sie zum Glück endlich aktiver, kommt aus sich raus und wurde mir dann auch sofort sympathisch. Ihr Mann Nils ist jedoch die ganze Zeit ein Kotzbrocken, aber ich denke so denkt jede betrogene Frau über ihren Ex und man kann dies absolut nachempfinden. Ihr Sohn ist eher eine Nebenfigur, aber er dürfte ein sehr lieber, eigenständiger Junge sein, da er sich sofort mit den anderen Kindern anfreundet und seine Mutter dadurch mehr Zeit für ihre Nachforschungen hat. Hinnerk, der Schwiegervater ist einem von Anfang an sympathisch. Er hilft Caro bei allem und lässt seine Verbindungen auf der Insel spielen. Jan Ackermann wird von Caro als Macho abgestempelt, aber ich fand ihn von Anfang an nett und hilfsbereit. Da sich bis zum Schluss keine Romanze zwischen den beiden gebildet hat, nehme ich an, dass sich dies die Autorin für den zweiten Teil aufgehoben hat, weil man kann eindeutig erkennen, dass es zwischen den beiden gefunkt hat. Was mich bis zuletzt störte ist, dass man nichts Weiteres von Jan Ackermann erfährt – stimmen die Geschichten über ihn? Wer war die wichtige Frau in seinem Leben und was ist mit ihr passiert? Aber ich möchte hier natürlich nicht zu viel vorweg verraten.

Man stellt sich wie bei jedem Krimi nach jeder Seite, jedem Kapitel die Frage, wer nun wirklich der Mörder ist. Ich muss ehrlich zugeben, dass ich fast bis zuletzt im Dunkeln tappte. Es gab einige Verdächtige, aber ein paar davon konnte man mit der Zeit auch ausschließen. Und wieder andere hatte man sofort wieder vergessen, da etwas neues Aufregendes geschah.

So richtig spannend waren dann die letzten 2-3 Kapitel, da hier am Meisten in relativ kurzer Zeit geschah. Mir war das Buch dann leider fast etwas zu schnell vorbei und ich freue mich schon auf den zweiten Teil.

  • Cover
  • Geschichte
  • Erzählstil
  • Atmosphäre
  • Spannung