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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.10.2025

Wer nicht sucht, findet manchmal trotzdem

Mr. Parnassus’ Heim für magisch Begabte
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Ich hatte bezüglich des Titels eigentlich so eine Art Harry Potter für Arme erwartet, allerdings etwas völlig Anderes erhalten. Nämlich die Geschichte eines Mannes, Linus, der in seiner Wohlfühlblase derart ...

Ich hatte bezüglich des Titels eigentlich so eine Art Harry Potter für Arme erwartet, allerdings etwas völlig Anderes erhalten. Nämlich die Geschichte eines Mannes, Linus, der in seiner Wohlfühlblase derart festhängt, dass er sich darin nicht mal mehr wohlfühlt. Es ist eher das Vertraute, das ihm Sicherheit gibt und die möchte er nicht aufgeben, egal, was passiert.

Aber dann passiert etwas, nämlich Arthur Parnassus und seine Horde von magisch Ausgestossenen (Denn das ist die passendere Bezeichnung, finde ich). Linus soll dieses Waisenhaus im Auftrag der Regierung überprüfen und melden, wenn er der Ansicht ist, die Kinder werden dort nicht adäquat betreut. Und darauf hat er so überhaup keine Lust. Denn wer will schon Regen und Eintönigkeit gegen Sonne, Meer und eine Insel tauschen, auf der das Heim zu finden ist? Ziemlich viele, aber nicht Linus Baker.

Es ist herzerwärmend als Leser zu verfolgen, wie sich aus Abneigung, Angst und Misstrauen, etwas Wunderbares wie Freundschaft, Liebe und Zuversicht entwickelt. Und es zeigt uns mal wieder, dass wir in erster Linie unbekannte Dinge oder Menschen ablehnen, weil wir Angst davor haben, was uns erwartet. Das Gefühl, nicht die Kontrolle darüber zu haben, die uns im Alltag nur allzu vertraut ist. Aber Linus lässt sich darauf ein und findet alles, was er sich insgeheim schon immer in seinem Leben gewünscht hat.

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Jenseits meiner Komfortzone

Der stille Freund
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Ferdinand von Schirach. Dieser Name sagte mir lediglich etwas im Zusammenhang mit dem "Fall Collini". Die Verfilmung mit Elyas M’Barek hatte mir damals sehr gut gefallen.

Jemand wie ich, der in erster ...

Ferdinand von Schirach. Dieser Name sagte mir lediglich etwas im Zusammenhang mit dem "Fall Collini". Die Verfilmung mit Elyas M’Barek hatte mir damals sehr gut gefallen.

Jemand wie ich, der in erster Linie Unterhaltungsliteratur liest, muss sich bewusst sein, dass er bei "Der stille Freund" seine literarische Komfortzone verlässt. Das muss per se nichts Schlechtes sein, allerdings muss man sich an ungewohnte Dinge erst einmal gewöhnen und somit wären wir beim Kernproblem. Kurzgeschichten, mal kürzer, mal länger, sind eigentlich nicht mein Ding. Ich finde, eine Geschichte kann sich schwer entwickeln, wenn sie nur wenigen Seiten Zeit dafür hat. Sei es hier ein Musikgenie auf Selbstfindungstrip oder ein illiegaler Messerkampf im Dunklen, der von zwei Männern beobachtet wird. Muss man als Leser darin immer einen tieferen Sinn erkennen? Hab ich meistens leider nicht. Aber ist wohl auch eine Sache der Interpretation. Der Schreibstil war verständlich, inhaltlich, wie gesagt, zwischen interessant und banal.

Und der titelgebende stille Freund ist unser aller Gewissen. Ob das allerdings immer still und ein Freund ist, wage ich zu bezweifeln.

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Opa sieht nicht gut aus

Der mexikanische Fluch
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Mit dem Lesen dieses Buches habe ich bis zum Herbst gewartet. Die Atmo sollte passen, nicht nur im Roman, sondern auch in der realen Welt. Und nicht nur in diesem Bereich hat mich der mexikanische Fluch ...

Mit dem Lesen dieses Buches habe ich bis zum Herbst gewartet. Die Atmo sollte passen, nicht nur im Roman, sondern auch in der realen Welt. Und nicht nur in diesem Bereich hat mich der mexikanische Fluch nicht enttäuscht.

Die Geschichte war gar nicht mal so spooky, wie ich gedacht habe. Denn Moreno-Garcia ist die oben schon genannte Atmophäre sehr wichtig. Und die gelingt ihr brilliant. Ich war auf diesem Berg, ich war in diesem Haus, streifte mit der Protagonistin Noemi umher und war genauso ratlos, was in High Place vor sich geht. Denn die Bewohner scheinen nicht nur sehr viel Wert auf Ruhe (als Wellnesshotel würde ich aber trotzdem nur 1 Stern vergeben), sondern auch auf den (finanziellen) Fortbestand ihrer Familie zu legen. Denn die zwischenzeitlich verblasste Silberdynastie soll wieder eine wortwörtlich glänzende Zukunft erhalten. Und eine Frau aus einem betuchten Hause, Catalina, kam da gerade recht. Dumm nur, wenn die ihrer Cousine Noemi schreibt, dass sie dann doch etwas Hilfe benötigt, denn sie steht offentlich vor einer großen Depression und auch köperlich geht es ihr nicht gut. Die Familie Doyle, in die sie eingeheiratet hat, ist aber nicht sehr motiviert, an diesem Zustand etwas zu ändern. Am liebsten haben sie sie schlafend.......und ruhig.

Noemi, ein Partywirbelwind der mexikanischen Gesellschaft, lässt dies selbstverständlich nicht auf sich beruhen, obwohl die Doyles am Anfang alles daran setzen, sie so schnell wieder möglich wieder loszuwerden. Aber da haben sie die Rechnung ohne Noemi gemacht, denn die ist viel zu neugierig und stößt bald auf ein dunkles Familiengeheimnis.

Schauerroman trifft es wohl am besten, denn Horror ist dies nicht und ein wenig mehr als Grusel dann doch. Da es sich im Buch viel um Pilze, Schimmel und andere Widerwärtigkeiten dreht (das Familienoberhaupt vegetiert, optisch verbesserungswürdig, meist im Bett vor sich hin), kann das dem einen oder anderen Leser etwas auf den Magen schlagen, gerade, wenn man dazu neigt, Gelesenes intensiv zu visualisieren.

"Der mexikanische Fluch" ist das perfekte Buch für die trübe Herbstzeit. Nebelschwaden, Friedhöfe, gruselige Häuser, perfekt detailliert beschrieben, lassen das richtige Feeling aufkommen. Leider hat mich das Ende nicht überzeugt. Ich habe ständig auf den Plottwist gewartet, der sich soooo angeboten hat. Kam leider nicht. Trotzdem sehr empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 28.10.2025

Thriller wie ein ZDF Fernsehfilm

Dunkle Geheimnisse
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Also grundsätzlich gebührt einem Autor / einer Autorin Respekt und Hochachtung. Denn ein Buch zu schreiben und dies dann auch zu veröffentlichen kostet viel Zeit, Kreativität und Energie. Talent darf und ...

Also grundsätzlich gebührt einem Autor / einer Autorin Respekt und Hochachtung. Denn ein Buch zu schreiben und dies dann auch zu veröffentlichen kostet viel Zeit, Kreativität und Energie. Talent darf und sollte nie verschwendet werden.

Das Erste, was mir durch den Kopf ging, war "Wow, das Teil ist mal eine Ansage". 657 Seiten müssen erstmal gelesen werden. Aber damit hatte ich keine Probleme. Das Buch liest sich zügig und flüssig. Das liegt aber auch daran, dass die Story und die Figuren nicht übermäßig komplex sind. Denn wir haben hier sehr viele Stereotypen. Die gutgläubige Lehrerin, die sich in einen sexy Vater einer ihrer Schülerinnen verliebt und dann der Exfreund, der plötzlich wieder auf der Matte steht. Ersterer ist Personenschützer und Mann Nr. 2 Geheimagent. Mhmm, ist klar. Bis Seite 200 wird kennengelernt und ordentlich geknattert. Dass sich beide Männer, als sie voneinander erfahren, nicht gerade wohlgesonnen sind, dürfte klar sein. Da wird sich um die Sicherheit der Angebeteten so viel Gedanken gemacht, dass sie permament überwacht und ausspioniert wird. Da hat Tom als Geheimagent natürlich die besseren Karten, quasi Infraktrukturvorteile und so lustige Gadegts wie schießende Kugelschreiber oder Drähte, die sich aus Uhren ziehen lassen. Da hat doch sicher Q seit den 1960ern das Patent drauf, oder?

Als dann Charlotte nach dem Leben getrachtet wird, ihr Vater verschwindet und so langsam die sorgsam aufgebaute Fassade der Vorzeigefamilie Spencer bröckelt, läuft unser ungleiches, testosterongesteuertes Duo zu neuen Höhen auf. Hier wird zwischen Schutz und Ermittlungen hin- und hergependelt, Charlotte ist nur noch ein Spielball und so fühlt man sich als Leser leider öfter auch. Die Geschichte hätte man locker auch auf 300 Seiten erzählen können, denn viele Szenarien hat man schon in unzähligen Filmen und Serien gesehen. Die Akteure handeln alle wie vermutet, einzig der Täter bleibt im Dunklen. Ich wusste bis zur Enthüllung jedenfalls nicht, wer sich dahinter verbirgt. Wenn man es aber dann weiß und auch das Motiv kennt, naja, das wirkt dann ziemlich konstruiert. Aber überraschend war es allemal.

"Dunkle Geheimnisse" hätte mich wesentlich besser unterhalten, wenn er nicht so unsagbar lang wäre. Komplexen Geschichten tut das gut, hier hat man das Gefühl, der 90 Minuten Tatort wäre zu einer 10-teiligen Serie ausgebaut worden.

Ich fühlte mich zwar unterhalten, aber diesen Roman werde ich leider keine 10 Minuten im Kopf behalten. Und das finde ich sehr schade, denn wie gesagt, würde ich diesen Roman sehr gerne wertschätzen wollen.

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Veröffentlicht am 28.10.2025

Analoger Roadtrip für Schulkinder

Heldentage
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Dass ich sicherlich nicht mehr in die Zielgruppe für dieses Buch falle, war klar. Denn Martin Schäuble schreibt sehr gute Bücher für den Schulunterricht. Und dort reiht sich "Heldentage" nahtlos ein.

Wir ...

Dass ich sicherlich nicht mehr in die Zielgruppe für dieses Buch falle, war klar. Denn Martin Schäuble schreibt sehr gute Bücher für den Schulunterricht. Und dort reiht sich "Heldentage" nahtlos ein.

Wir begleiten Nilo, Faris und Mayla, drei Teenager, die aus der Jugendpsychatrie abhauen. Nilo ist handysüchtig (kann man eigentlich die halbe Menschheit einliefern), Faris, mit demselben Problem und Mayla, die sowas wie Familie, Sicherheit und Strukturen überhaupt nicht kennt. Während ihrer Reise lernen sie sich nicht nur gegenseitig kennen, sondern sich selbst auch ein bisschen besser.

Die Abenteuer, die unsere Ausreißer erleben, halten sich in Grenzen. Das ist nichts Wildes, bleibt stets gesittet und dementsprechend harmlos. Was völlig okay ist, denn ausgebüxte Psychiatriepatienten, die auch noch straffällig werden, würden kein sonderlich positives Verhalten für die Jugendlichen darstellen, die diesen Roman lesen.

Was mich eher gestört hat, ist die fehlende Liebe zum Detail. Die Charaktere bleiben eindimensional, die Beschreibung der Umgebung ist sehr rudimentär. Somit fand ich es schwer, die Personen greifen zu können. Bei einem Buch, das ziemlich dünn ist und dann noch Buchstaben in der Größe von Brasilien hat, wäre mehr möglich gewesen. Aber für die Zielgruppe ist das vielleicht nicht von entscheidender Wichtigkeit.

Sprachlich kann man von "authentisch" sprechen oder auch von "sehr begrenzt". Dass sich Fünfzehnjährige nicht in Form eines Sonnets von Shakespeare unterhalten, ist klar. Aber diese Einfachheit hat mich mit der Zeit etwas ermüdet.

Wenn ich diesen Roman nur für mich bewertet hätte, dann würde ich 3 Sterne vergeben. In Anbetracht dessen, dass es sich hier um ein Buch für Kinder ab 12 Jahren handelt, hat Martin Schäuble sein Soll vollkommen erfüllt und bekommt einen Stern mehr. Heldentage überlasse ich aber dann doch lieber den Avengers. Die kennen sich mit sowas aus.

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