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Veröffentlicht am 03.06.2025

Kinderarmut und Selbsfindung

Der Junge in den falschen Schuhen
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Es geht um Will, dessen Familie durch einen Unfall in die Armut gerutscht ist. Aus seiner Perspektive erfahren wir von einem Kind, das nicht immer etwas zu Essen auf dem Teller hat,  keine eigenen Schulmaterialien ...


Es geht um Will, dessen Familie durch einen Unfall in die Armut gerutscht ist. Aus seiner Perspektive erfahren wir von einem Kind, das nicht immer etwas zu Essen auf dem Teller hat,  keine eigenen Schulmaterialien kaufen kann, irgendwie immer den falschen Haarschnitt hat, die falschen Schuhe, die falsche Kleidung und Opfer von Mobbing wird, obwohl er so sehr versucht, nicht aufzufallen. Will hat mir mehr als einmal das Herz gebrochen, war am Ende aber unglaublich stark, weil Moral und Anstand für ihn stets an erster Stelle standen und er ganz allein die schiefe Bahn falscher Freunde verlassen hat, was nicht einmal Erwachsenen immer gelingt.
Besonders stark fand ich den Kontrast zu seinem reichen besten Freund, der einfach nicht wusste, wie er mit Will umgehen sollte. Die Message: Kommunikation & Vertrauen sind das A und O jeder Beziehung. Will lernt, Hilfe anzunehmen.
Gerade im Schulsetting ist es nochmal ein Weckruf: Schulen können nicht davon ausgehen, dass jeder ein Smartphone hat, auf dem z. B. Quiz im Unterricht gestartet werden können, das höre ich immer öfter. Oder dass jeder die Utensilien für bestimmte Projekte zuhause hat.

Das Buch ist mMn. ab 10 J. verständlich, sollte tendenziell aber mit einem Erwachsenen reflektiert werden und wäre prima Schullektüre.
Die grafische Umsetzung ist mehr als gelungen, die Illus stammen vom Autor und verleihen den Seiten z. T. einen Graphic Novel Touch. Wow!

Ehrlich, authentisch, top gestaltet und so relevant! 5 ⭐

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Veröffentlicht am 27.05.2025

wunderschöne Gestaltung

Die Geschichtensammlerin
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Nebeneinander sind die beiden unabhängig voneinander lesbaren Bände ein einziger Traum im Bücherregal 💗

Auch hier gibt es zwei weibliche Perspektiven in zwei Zeitebenen, die atmosphärisch ineinander laufen:
Anna, ...

Nebeneinander sind die beiden unabhängig voneinander lesbaren Bände ein einziger Traum im Bücherregal 💗

Auch hier gibt es zwei weibliche Perspektiven in zwei Zeitebenen, die atmosphärisch ineinander laufen:
Anna, ein für ihre Zeit selbstbewusstes, neugieriges, liebenswertiges Bauernmädchen, das mit dem Amerikaner Harold in ihrem Dorf nach Feengeschichten forscht. Diese sind magisch, teils unheimlich, furchterregend und stets spannend. Ich hätte sogar gern mehr und längere Auszüge davon gelesen :) Realität verschwimmt mit Aberglaube und augenscheinlichen Zeugenaussagen über Generationen hinweg. Das Ende hat mir so sehr das Herz gebrochen 💔

Auf der anderen Seite steht Sarah, die einen Neuanfang in Irland sucht und dabei auf Annas Tagebuch und sich selbst stößt. Mich hat zugegebenermaßen etwas gestört, dass sie bei jedem schlechten Gefühl direkt zum Alkohol gegriffen hat, aber am Ende hat sie die Kurve bekommen. Da ihre Trennung in den USA relativ glatt verlief, habe ich mit ihr nicht ganz so mitgefiebert wie mit Anna. Dennoch war ich letztlich so stolz auf sie, dass sie ihren Weg gefunden hat.

Die Erzählung war atmosphärisch und magisch, aber nicht ganz so spannend wie der Vorgänger, bei dem es einfach mehr unerwarteten Twists gab. Die Figuren waren glaubhaft und ich habe so sehr mit ihnen gehofft und gebangt. Die Geschichten waren bis auf das physische Tagebuch nicht wirklich verwoben.
Trotzdem hatte das Verschwimmen von Realität und Fantastik wieder einen für die Autorin typischen magischen Charme. Die irische Folklore habe ich geliebt 💗

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Veröffentlicht am 19.05.2025

authentisch, emotional, ehrlich

Spinner
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Zunächst einmal liebe ich diese Mini Hardcover Ausgaben! Und auch der Inhalt des Coming of Age Romans konnte mich von der ersten bis zur letzten Seite mitreißen. Wells war 19 Jahre alt, als er ihn verfasst ...

Zunächst einmal liebe ich diese Mini Hardcover Ausgaben! Und auch der Inhalt des Coming of Age Romans konnte mich von der ersten bis zur letzten Seite mitreißen. Wells war 19 Jahre alt, als er ihn verfasst hat, weswegen wahnsinnig viel Persönliches in der Story steckt. Der Teenager kurz vor dem Erwachsenwerden, der keine Ahnung hat, was er zwischen Abitur und Studium mit sich anfangen soll, in der Uni angemeldet ist, aber irgendwie nicht hingeht, weil er eigentlich etwas anderes will, das er noch nicht wirklich greifen, aber auch nicht loslassen kann. Ich konnte mich an sehr vielen Textstellen mit dem Protagonisten identifizieren.

Auf der Flucht vor sich selbst wendet er sich von seiner Familie ab, lebt für die Außenwelt ein Leben, das nicht ansatzweise seinem Inneren entspricht, während er all seine Nächte damit verbringt, an seinem ersten Roman zu arbeiten. Hunderten, bald tausend Seiten in einem Karton, unzusammenhängende Plots und Figuren, die die Testleser ganz furchtbar finden, trzd Potenzial in ihm sehen. Er kann sich nichts mehr zu essen leisten, weil er ganz für diese Idee eines Romans lebt und sich ganz dafür aufgibt. Seinen Traum aber gab er nie auf, weshalb man auch im wirklichen Leben soo stolz darauf ist, dass er dann tatsächlich beim Diogenes Verlag unter Vertrag kam.

Auch die Nebenfiguren waren unglaublich lebensnah, der Erzählstil so authentisch, emotional und nachvollziehbar, dass es einfach next door spielen könnte. Auch Berlin wurde atmosphärisch und echt beschrieben, die Liebe ohne Happy End, die Wichtigkeit von tiefer Freundschaft und Verbundenheit in guten wie düsteren Zeiten.

Alles in allem habe ich das Buch durchweg geliebt und sehr viele tiefsinnige Zitate markiert. Wenn ich es in einem Wort beschreiben müsste, wäre es: ehrlich.

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Veröffentlicht am 12.05.2025

wundervolle Idee mit nicht ganz so tiefer Umsetzung

Feels like Butterflies
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Die Idee mit dem Schmetterlingshaus/-zoo ist richtig cute, das hätte ich fast noch gern ein bisschen mehr im Fokus gehabt.
Die Protagonistin mochte ich gern, sie wirkte bodenständig, es gab keine unnötigen ...

Die Idee mit dem Schmetterlingshaus/-zoo ist richtig cute, das hätte ich fast noch gern ein bisschen mehr im Fokus gehabt.
Die Protagonistin mochte ich gern, sie wirkte bodenständig, es gab keine unnötigen Dramen o. Ä. Gut, dass sie von Nate aus Straftäter einen volltätowierten Typen vorurteilsvoll erwartet und bekommen hat, war etwas klischeehaft, aber der Kontrast zwischen dem harte Schale weicher Kern Prota, seiner Backgroundstory und dieser cosy Zeit auf der Farm hat einfach funktioniert.

Trotz seiner Vergangenheit blieben beide für mich leider etwas zu oberflächlich - mir hat stellenweise dieses Deepe gefehlt, die Emotionen, die einen von Anfang bis Ende gefangen nehmen, die ein Romance Buch zu etwas Besonderem machen und einem unter die Haut gehen. Zwar ist der Schreibstil locker und flüssig und es gab keine Längen, aber richtig tief berührt haben mich Plot und Figuren letztlich leider nicht.

Als Trevor später dazu kam, hat die Autorin bewiesen, dass sie diese dramatische Tiefe wirklich schreiben könnte, weshalb die Folgebänder durchaus spannend sein könnten. Die anderen Nebenfiguren konnte ich nicht so gut unterscheiden, weil sie etwas schablonenhaft angelegt waren.

Aber: Wer eine solide, sanfte Geschichte sucht, um sich zu entspannend, zurückzulehnen, ohne emotional komplett durch den Fleischwolf gedreht zu werden, sondern einfach so ein bisschen in einer cosy Romance versinken möchte, ist hier goldrichtig :)

3.5 ⭐

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Veröffentlicht am 12.05.2025

Klassiker-Highlight

A Dowry of Blood: Begehren. Obsession. Macht.
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Allein schon das Cover von Dracula aus weiblicher Perspektive ist ein wahres Highlight! Dabei geht es nicht um die Originalstory von Stoker, sondern um das Wandeln seiner Bräute.
Verfasst ist der Roman ...

Allein schon das Cover von Dracula aus weiblicher Perspektive ist ein wahres Highlight! Dabei geht es nicht um die Originalstory von Stoker, sondern um das Wandeln seiner Bräute.
Verfasst ist der Roman aus Perspektive von Constanta, und zwar wird Dracula niemals namentlich genannt, um ihm die Macht zu entziehen. Stattdessen handelt es sich um eine Art Briefroman, adressiert an "Du", ein bisschen wie die Netflix Serie "You".
Dadurch wurde es unglaublich emotional, denn Constanta arbeitet über Jahrhunderte hinweg die psych. G3walt ihres Liebhabers auf, Gaslighting bis hin zu dem Moment, in dem sie nicht mehr weiß, wer sie ohne ihn überhaupt ist. Auch die zweite Frau, Magdalena, verliert an Lebensfreude, welkt und wird melancholisch. Nur Alexi begehrt von Anfang an gegen Dracula auf, hat aber keine Chance. Dracula ist so ein Peitsche und Zucker Typ, richtig schlimme Red Flag. Es ist psychologisch gesehen so so großartig ausgearbeitet, wie die 3 von ihm abhängig werden, durch ihn leben und sich erst nach so vielen Leben von ihm befreien können. Dabei glaubt er wirklich, sie auf seine grausame Weise zu lieben.
Constanta, Alexi und Magdalena zeigen auf 3 differenzierte Weisen Opfer psych. G3walt.

Das Setting erstreckt sich wie die Dekaden über verschiedene Länder & Städte, was historisch betrachtet unglaublich spannend ist.
Der Schreibstil gleicht einem Klassiker, es ist nicht modernisiert und könnte neben Stoker in der Buchhandlung stehen, wow! Die Zitate sind richtig deep, emotional und treffen ins Schwarze.

Die Handlung steht nicht im Fokus, es geht im Psychologie und Charakterentwicklung, hat mich aber dennoch von Anfang bis Ende so gefesselt! Ich hatte Tränen in den Augen, als Constanta sich endlich von ihrem Täter befreien konnte, und die letzten Kapitel haben es abgerundet, ihren Weg in die Selbstbestimmung gezeigt.

Aus feministischer Perspektive ist es ein wahnsinnig starker Titel, der definitiv zum Nachdenken anregt. Ich würde blind jedes weitere Buch der Autorin lesen und freue mich auf den Carmilla Retell im Herbst.
Für mich war der Roman wirklich außergewöhnlich!⭐5

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