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Books_of_Tigerlily

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.09.2021

Für Fans der Spiegelreisenden genau richtig

Die Stadt ohne Wind
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Seitdem mich die Spiegelreisende letztes Jahr so begeistert und durch die Pandemie begleitet hat, gehört der Insel Verlag zu meinen absoluten Lieblingsverlagen! Und so habe ich erneut ein wahres Kleinod ...

Seitdem mich die Spiegelreisende letztes Jahr so begeistert und durch die Pandemie begleitet hat, gehört der Insel Verlag zu meinen absoluten Lieblingsverlagen! Und so habe ich erneut ein wahres Kleinod für mich entdeckt, das ebenfalls aus der Feder einer französischen Autorin stammt.

Und es lassen sich viele Parallelen zur Spiegelreisenden-Saga ziehen. Auch in "Die Stadt ohne Wind" begleiten wir eine junge Heldin mit starkem, eigenwilligen Charakter, die einem schnell ans Herz wächst und die von einem Abenteuer ins nächste stolpert. Arka hat dabei ebenfalls Geheimnisse und Fähigkeiten, die sie zunächst einmal verbergen muss. Ihr gegenübergestellt ist der griesgrämige und verschrobene Lastyanax, ein ebenso liebevoller Charakter. Beide ergänzen sich gegenseitig perfekt und liefern unglaublich witzige, humorvolle Dialoge und Situationskomik. Das Buch macht bereits aufgrund diesen Aspekts Spaß zu lesen.

Auf ihrer Reise gelangt sie nach Hyperborea und ich muss sagen, hier eröffnet die Autorin wirklich ganz neue Fantasywelten mit einmaligen Ideen und voller Einfallsreichtum. Hier erlebt man gemeinsam mit Arka nie vorher gelesenes Worldbuilding, das einen total fasziniert und sich selbst nach Hyperborea wünschen lässt. Dabei ist die Stadt liebevoll detailreich beschrieben und witzig skurril, sodass man sich köstlich amüsieren kann. Arkas Abenteuer und wie sie von einer Aufgabe ins nächste Abenteuer stolpert, haben auch ganz starke Harry Potter Vibes in mir ausgelöst.

Und auch die Handlung mit mysteriösen Mordfällen, geheimnisvollen Herrschern und Intrigen ist ungemein spannend und lässt einen das Buch kaum aus der Hand legen. Vor allem das wirklich unvorhergesehene Finale ließ mich an den Seiten kleben und mit unseren Helden mitleiden und -fiebern. Das Buch liefert dabei einen guten Abschluss, lässt aber viel Raum für eine Fortsetzung. Im französischen gibt es Band 2 bereits und ich hoffe hier auf eine schnelle Übersetzung!

in grandioses Buch, das einfach nur Spaß macht und sich in meine Lieblinge im Regal einreiht. Wenn ihr ein außergewöhnliches Fantasyabenteuer abseits des Mainstreams sucht, seid ihr hier genau richtig!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.09.2021

Emotional, grandios!

Von hier bis zum Anfang
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Bei "Von hier bis zum Anfang" war ich mir lange unsicher, ob mich das Buch wirklich anspricht, neugierig war ich aber enorm. Habe gefühlt quasi jede Rezension verschlungen in der Hoffnung, dass ich mich ...

Bei "Von hier bis zum Anfang" war ich mir lange unsicher, ob mich das Buch wirklich anspricht, neugierig war ich aber enorm. Habe gefühlt quasi jede Rezension verschlungen in der Hoffnung, dass ich mich hierdurch entscheiden könnte, ob es vielleicht etwas für mich ist oder nicht. Nachdem ich im Urlaub die endlich die Flusskrebse gelesen hatte, wollte ich unbedingt etwas ähnliches lesen. Dann hat es mich Woche übermannt und ich musste sofort los in die Buchhandlung! So ging es mir schon lange nicht mehr und an einem Wochenende habe ich das Buch verschlungen.

Dieses Buch stürzt dich bereits ab der ersten Seite in ein tiefes emotionales Loch. Es berührt unfassbar, trifft genau den richtigen Ton und lässt den Leser gemeinsam mit den Protagonisten alle Höhen und Tiefen menschlichen Lebens durchleben.

Dabei werden hier viele zwischenmenschliche Grautöne aufgeworfen. Was ist Gut, was Böse und wer verdient eine zweite Chance? Wie selbstbestimmt sind wir? Paradebeispiele sind Walk und Duchess, beide Ergebnisse ihrer Umwelt, die sich selbst reflektieren müssen und entscheiden, welches Potential sie entfalten wollen. Vor allem Duchess Schicksal ist dabei sehr berührend, sie lässt tief in die kindliche Seele blicken und man leidet schon arg mit ihr mit, wenn sie wieder von einem Schicksalsschlag getroffen wird. Manchmal kann man es kaum fassen, was sie alles ertragen muss.

Und so hofft und bangt man mit den Charakteren, ob nicht doch alles gut geht. Gegen Ende wurde ich wirklich einige Male sehr von den Wendungen überrascht, die so unvorhersehbar wie das Leben selbst waren. Und wie auch im echten Leben müssen sich Duchess und Walk der Frage stellen, ob es wirklich Gerechtigkeit gibt oder nicht. Das Buch wirft hier so viele Fragen zu den unterschiedlichsten Themen des modernen Amerikas auf und ist somit auch ein tolles Gesellschaftsportrait.

Ich habe seit langem bei kaum einem Buch (außer dem Flusskrebsen, of course) so viel Tränchen verdrücken müssen wie hier. Eine emotionale Wucht, ein Buch das richtig umhaut und tief bewegt. Ich liebe es!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.09.2021

Mal andere Rollen

The promises we made. Als wir uns wieder trafen
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Seit langem habe ich mich mal wieder an einen richtigen Liebesroman getraut, hat mich doch der Klappentext wider erwarten richtig angesprochen. Und ich bin nach dem Lesen mit gemischten Gefühlen zurückgeblieben.

Die ...

Seit langem habe ich mich mal wieder an einen richtigen Liebesroman getraut, hat mich doch der Klappentext wider erwarten richtig angesprochen. Und ich bin nach dem Lesen mit gemischten Gefühlen zurückgeblieben.

Die Autorin ist ja bekannt für ihre berührenden Storys und diese steht ihren anderen Büchern eigentlich auch in nichts nach. Die Handlung hat mich angesprochen, da hier mal die Rollen vertauscht sind, normalerweise wird ja eine Lady in Nöten von einem toughen Mann beschützt, hier ist mal die Frau der Bodyguard. Dieser Ausgestaltung konnte ich richtig viel abgewinnen, auch die vermeintlich schwierige Vorgeschichte der beiden macht wahnsinnig neugierig.

Und so entspricht die Handlung auch im Großen und Ganzen dem, was man so erwarten darf. Es kommt knisternde Spannung auf, die Autorin trifft zwischen den Charakteren auf jeden Fall den richtigen Nerv. Der Schreibstil passt und ist gefühlvoll.

Allerdings hätte es insgesamt für mich einfach einen Tick "Mehr" sein dürfen. Vielleicht lag es an meiner Erwartungshaltung, aber ich finde aus der Grundidee hätte man noch ein wenig mehr herauskitzeln können als dann tatsächlich geschehen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.09.2021

sprengt Genregrenzen

Der Tod und das dunkle Meer
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Endlich erscheint der neue Roman von Stuart Turton auf deutsch, denn sicherlich habe ich kaum einer Übersetzung so entgegengefiebert dieses Jahr wie dieser hier! Mich konnte "Die sieben Tode der Evelyn ...

Endlich erscheint der neue Roman von Stuart Turton auf deutsch, denn sicherlich habe ich kaum einer Übersetzung so entgegengefiebert dieses Jahr wie dieser hier! Mich konnte "Die sieben Tode der Evelyn Hardcastle" so unglaublich fesseln und begeistern, dass ich spürte, dass mich auch hier wieder etwas total neues erwarten würde.

Gemeinsam mit den Passagieren begibt man sich auf eine gefährliche Überfahrt nach Amsterdam, wobei sich die Besatzung des Schiffes nicht nur den Gefahren des Meeres stellen muss. Schon bei Auslaufen wird klar, dass es hier nicht mit rechten Dingen zuzugehen scheint und sich die Passagiere noch ganz anderen Dingen stellen müssen.

Dabei wird die Handlung durch unterschiedliche Sichtweisen vorangetrieben, sodass auch dieser Aspekt dazu führt, dass sich der Leser ständig neu orientieren muss und nach möglichen Hinweisen Ausschau hält. Die Charaktere sind dabei allesamt sehr vielschichtig gestaltet, wachsen einem aber allesamt sehr schnell ans Herz. Vor allem Arent und Sara habe ich sehr gerne mitverfolgt, sind sie doch persönlich scheinbar noch betroffener als alle anderen. Die Handlung ist rasant, obwohl hier auch viel zwischenmenschliches passiert und auch viel kommuniziert wird. Dies erinnert stark an den Erstling des Autors, bei dem man als Leser auch wahnsinnig aufpassen musste, um ja auch alle Hinweise mitzubekommen und zu verfolgen.

Dabei kann Stuart Turton ganz in Agatha Christie Manier die Spannung lange auf einem hohen Level halten und die Geschehnisse so verzwickt gestalten, dass ich wirklich bis zur Auflösung nicht wusste, wer denn nun dahinterstecken würde. Er legt falsche Fährten und viele Finten, offenbart das Offensichtliche und übergeht es dann so geschickt, dass man es als Leser nur im Nachgang mitbekommt. Ganz großes Unterhaltungskino, die der Autor hier auspackt. Ich hatte bei vielen Stellen eine wohlige Gänsehaut, da es er Autor schafft, eine wahnsinnige Atmosphäre zu gestalten, als wäre man als Leser selbst an Bord. Er spielt hier mit realen und mystischen Elementen, sodass auch Genregrenzen ineinanderfließen. "Der dunkle Tod und das Meer" lässt sich nicht in ein starres Genre quetschen, denn das Buch bietet so viel mehr als reinen Historienroman oder Thriller.

Stuart Turton hat eine ganz eigene Art zu schreiben, die einfach nur wahnsinnigen Spaß macht und jedes Mal aufs neue ein wirkliches Leseerlebnis ist. Was für ein wilder Ritt, der trotz der 600 Seiten viel zu schnell vorbei war und der mich mit einer großen Leseflaute zurücklässt!

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Veröffentlicht am 17.08.2021

Harlem der Sechziger

Harlem Shuffle
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Ich denke, viele werden den neuen Roman von Colson Whitehead ebenso sehnsüchtig erwartet haben wie ich, konnten seine bisherigen Werke doch so unglaublich begeistern. In seinem neuesten Werk „Harlem Shuffle“ ...

Ich denke, viele werden den neuen Roman von Colson Whitehead ebenso sehnsüchtig erwartet haben wie ich, konnten seine bisherigen Werke doch so unglaublich begeistern. In seinem neuesten Werk „Harlem Shuffle“ nimmt er sich dem berühmt-berüchtigten Harlem der sechziger Jahre an.

Colson Whitehead entführt den Leser nach Harlem, indem er den Möbelladenbetreiber Ray Carney in den Fokus seiner Erzählung rückt. Durch seine Augen entfaltet sich das soziale Gefüge Harlems mit all seinen Sehnsüchten und Hoffnungen der sechziger, aber auch mit all seinen Problemen und Abgründen.

Dabei ist unser Protagonist Ray eigentlich ein bodenständiger Familienvater, der versucht Fuß in der Gesellschaft zu fassen und den amerikanischen Traum zu leben und sich hochzuarbeiten. Dabei gelingt es ihm nicht immer, sauber zu bleiben, doch er ist kein waschechter Gangster. Vielmehr stolpert er immer wieder durch Familienverflechtungen und eigentlich gute Absichten in krumme Dinger hinein und nimmt den Profit daraus gerne mit. Er ist ganz Kind seiner Umwelt, einer Welt voller Grauzonen und Verbiegungen der Legalitätsgrenzen. Genau dieses Spannungsfeld zwischen Gut und Böse, zwischen Manhattan und Harlem, zwischen arm und reich füllt Ray gut aus und hält dem Leser hier den Spiegel vor. Wie würde man an seiner Stelle selbst handeln? Wie weit würde man für die Familie gehen?

Harlem ist dabei in der Erzählung quasi wie ein eigener Charakter, dem viel Zeit eingeräumt wird und der dem Buch einen ganz eigenen Charme verleiht. Man kann die Straßen Harlems förmlich riechen und schmecken. Allein dieser Aspekt macht den Roman bereits großartig und richtig viel Spaß beim Lesen.

Dabei baut der Autor subtile Spannung auf. Dabei wird vieles nicht linear erzählt, sondern ergibt sich aus gut aufgebauten Charaktereinsichten und Rückblicken. Das hält den Leser bei der Stange und ist herrlich erfrischend. Whiteheads Stil und Sprachgebrauch sprechen für sich, ich denke über seine Qualitäten brauche ich nicht viele Worte zu verlieren. Auch Harlem Shuffle reiht sich ein in die Qualität, die Whitehead immer liefert und die ein großartiges Leseerlebnis verspricht.

Ein guter Auftakt in die zweites Hälfte dieses Lesejahres, gehört für mich auf jede Leseliste 2021!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere