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Veröffentlicht am 23.01.2022

Wenn das Böse an die Oberfläche dringt

Sechzehn Pferde
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Alec Nichols wird zu einem grausamen Tatort gerufen. Sechzehn Pferdeköpfe wurden auf einer Farm in Ilmarsh entdeckt. Die Veterinärforensikerin Cooper Allen wird ihm für die Ermittlungen zur Seite gestellt. ...

Alec Nichols wird zu einem grausamen Tatort gerufen. Sechzehn Pferdeköpfe wurden auf einer Farm in Ilmarsh entdeckt. Die Veterinärforensikerin Cooper Allen wird ihm für die Ermittlungen zur Seite gestellt. Es bleibt jedoch nicht bei diesen Leichen(-teilen). Weitere Verbrechen an Menschen und Tieren folgen; zunächst verschwundene Leichenteile der Pferde tauchen andernorts auf. Durch die Kadaver verbreitet sich zudem eine Infektion, so dass über den Ort eine Quarantäne verhängt werden muss.

Nichols und Allen sind beides „Typen“, jeder hat mit seinen Dämonen zu kämpfen, kann sich nicht vollständig auf den aktuellen Fall fokussieren. Und jede Annährung zu einer wirklichen Zusammenarbeit als Ermittlerteam mit gegenseitigem Vertrauen mündet in einer weiteren Entfremdung, bis sogar Nichols selbst unter Verdacht steht, als sein Sohn spurlos verschwindet.

„Sechzehn Pferde“ ist ein gutes Buch mit Tiefgang, Einblick in die Abgründe menschlicher Seelen sowie der immer wiederkehrenden Frage nach Schuld und Unschuld; welche sich oft nicht klar beantworten lässt.
Greg Buchanan führt mich ohne Vorwarnung an den mutmaßlichen Ort eines Massakers, lässt mich in die Abgründe der Protagonisten blicken und deren innere Verwirrung und Verzweiflung spüren. Und doch versteht er es, mich an der Nase herumzuführen, so dass ich vom Ausgang des Buches sehr überrascht werde.
Ein guter Plot, gekonnt ausgearbeitet, welcher den Leser nicht aus seinen Fängen entlassen möchte.

Das Cover zeigt eine ländliche Idylle, vielleicht im Herbst, die eine friedliche Stimmung vorgaukelt und nichts vom Inhalt zwischen den Buchdeckeln preisgibt.


Dieses eBook habe ich im Rahmen einer jellybooks-Leseaktion vorab lesen dürfen.



Greg Buchanan, Sechzehn Pferde, Roman, eBook, Fischer E-Books, 26,00 €, ca. 448 Seiten, Erscheinungstermin 23.02.2022

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Veröffentlicht am 31.12.2021

Zahlenspiele als des Rätsels Lösung?

Thirteen
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Ein angesagter Schauspieler soll seine Ehefrau und deren Geliebten ermordet haben. Erdrückende Beweislage! Der Prozess des Jahres! Reges Medieninteresse! Du bist Eddie Flynn, ein Anwalt mit Prinzipien, ...

Ein angesagter Schauspieler soll seine Ehefrau und deren Geliebten ermordet haben. Erdrückende Beweislage! Der Prozess des Jahres! Reges Medieninteresse! Du bist Eddie Flynn, ein Anwalt mit Prinzipien, vertrittst nur Angeklagte, von deren Unschuld Du überzeugt bist. Unerwartet kommt Staranwalt Rudy Carp zu Dir und will Dich in seinem Team haben, um die Unschuld von Bobby Solomon zu beweisen und den Prozess zu gewinnen. Schließlich sagst Du zu.

Dann bricht alles zusammen. Das Filmstudio entzieht dem Schauspieler die Unterstützung, entlässt den Anwalt, dieser wiederum lässt den Angeklagten „fallen“ und Du stehst plötzlich allein da und der Prozess läuft…

„TH1RT3EN“ ist ein großartiger Thriller. Ein Serienkiller, der eine Jury vor Gericht unterwandert. Ein Serienkiller, der vor gar nichts zurück schreckt, um sein gesetztes Ziel zu erreichen. Ein Serienkiller, der sich seiner absolut sicher ist. Und genau das ist der erste Fehler…

Ein Anwalt, der sich unermüdlich einsetzt und alles in eine Waagschale wirft, um seinen Mandanten zu einem Freispruch zu führen. Flynn ist nicht völlig auf sich selbst gestellt und erhält darüber hinaus auch Unterstützung von unerwarteter Stelle. Anfangs kann er nur mit kleinen Nadelstichen die scheinbar unüberwindbare Indizienfront der Anklage ins Schwanken bringen. Um eine Jury positiv zu stimmen, viel zu wenig. Unermüdlich ermittelt Flynn parallel zum Prozess weiter, geht weit über seine Grenzen, um einen Anfangsverdacht zu erhärten und ein Werkzeug zu erlangen, welches Solomon die Freiheit wiederschenken könnte.

Steve Cavanagh zieht mich von Anfang an in den Bann dieses Thrillers und lässt mich nicht mehr los. Es ist ein dickes Buch, welches ich am Liebsten in einem Zug verschlingen würde. Der Autor spielt mit mir, die Handlung wandert zwischen dem Prozess und der Biografie des Serientäters hin und her. Es eröffnet sich eine unfassbare Gewaltbereitschaft und fantasievolle Mordlust. Aber die Brutalität, die zum Tragen kommt, betreibt keine Effekthascherei, sondern passt in den Kontext und vertieft die Spannung. Und so sehr ich versucht habe, jedes Indiz, jeden Hinweis, jedes Wort aufzusaugen, um den Täter zweifelsfrei zu überführen, werde ich im furiosen Finale überrumpelt.

Das Cover des Thrillers ist schlicht, aber doch auffällig in Schwarz-Weiß-Rot gehalten, so dass ich es in einer Buchhandlung in die Hand nehmen und den Klappentext lesen würde. Der Titel ist ein Eyecatcher und lenkt den zweiten Blick auf eine Geschworenenbank mit einem hervorgehobenen Sitzplatz. Sehr gut.

Für mich eine absolute Lese-Empfehlung für Thriller-Fans!



Steve Cavanagh, TH1RT3EN, Paperback, Goldmann Verlag, 13,00 €, 544 Seiten, Erscheinungstermin 10.01.2022

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Veröffentlicht am 27.12.2021

Schwerer, schöner Weg

Im Winter Schnee, nachts Sterne. Geschichte einer Heimkehr
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In diesem Buch begleite ich Enaiatollah Akbari auf einem Stück seiner Lebensreise. Dies ist die zweite Publikation des Autorenduos. „Im Meer schwimmen Krokodile“ – welches ich (noch) nicht gelesen habe ...

In diesem Buch begleite ich Enaiatollah Akbari auf einem Stück seiner Lebensreise. Dies ist die zweite Publikation des Autorenduos. „Im Meer schwimmen Krokodile“ – welches ich (noch) nicht gelesen habe – handelte von der Flucht des Kindes. „Im Winter Schnee, nachts Sterne“ begleitet den jungen Mann auf der Suche nach seiner Familie und dem Wunsch nach Heimkehr.

Dabei werde ich als Leserin an die Hand genommen, in den Lebenslauf mit einbezogen, indem mir ein kurzer Blick auf den bisherigen Weg Akbaris ermöglicht wird und ich problemlos den Fortgang der Ereignisse nachvollziehen kann. Es erfolgt auch ein kurzer Abriss der wendungsvollen Historie Afghanistans, was meinen Horizont erweitert und mich die Probleme in diesem Land mehr nachvollziehen lässt, als es in den täglichen Nachrichten vermittelt wird.

Das Leben eines Flüchtlings ist schwere Kost, was die Bereitschaft voraussetzt, sich dieser zu stellen, hinzusehen und emotional mitzuerleben. Den Autoren gelingt es ungeachtet aller Realität auf angenehme Weise, die Last des Gelesenen zu erleichtern, indem auch wunderschöne Bilder gezeichnet werden, Raum zum Wegträumen bleibt und ein feiner, augenzwinkender Humor ein Lächeln schenkt.

Ich habe Enaiatollah auf seinem wechselvollen Weg sehr gerne begleitet, habe mit ihm geweint, gelacht und von Herzen gefreut. Die Geschichte Akbaris ist für mich ein wertvolles Zeitzeugnis, welches eine ungefähre Ahnung vermittelt, was es bedeutet, in diesen Tagen Flüchtling zu sein, ein Status, welcher den gesamten Lebensweg überschatten wird. Die Schönheit der Sprache, welche einfache Worte wählt, lädt m. E. dazu ein, dass jede*r dieses Buch im wahrsten Wortsinn erleben könnte.

Das verlockende, schön gestaltete Cover bildet für mich treffend die Handlung des Geschriebenen ab, lädt es doch schon zum Träumen ein, obwohl ein langer Weg sich erahnen lässt.

„Im Winter Schnee, nachts Sterne“ ist ein Buch, welches evtl. sogar dazu geeignet wäre, als Schullektüre junge Menschen an ein aktuelles Thema heranzuführen.

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Veröffentlicht am 17.12.2021

Was kann "Freundschaft" aushalten?

Was wir verschweigen
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Ein „typisch finnisches“ Saufgelage, welches schon Tage andauert. Unvermittelt steht ein Mann auf, holt sich in der Küche ein Messer und ersticht einen der anderen Gäste. Der Fall scheint klar, der Täter, ...

Ein „typisch finnisches“ Saufgelage, welches schon Tage andauert. Unvermittelt steht ein Mann auf, holt sich in der Küche ein Messer und ersticht einen der anderen Gäste. Der Fall scheint klar, der Täter, Antti Mielonen, wird blutüberströmt im Wald gefunden. Der Fall kann schnell abgeschlossen, der Täter seiner gerechten Strafe zugeführt werden. Eigentlich.

In der Tatnacht herrschen apokalyptische Verhältnisse, was die Spurensuche und -sicherung erheblich erschwert. Des Weiteren ist der Tatort kontaminiert durch die anwesenden Mitfeiernden, deren Aussagen im Alkoholnebel wenig detailliert erfolgen.

Jari Pavoliita, Interimsleiter der Abteilung, beauftragt seine Kollegen Henrik Oksman und Linda Toivonen den Tatort aufzusuchen und vor Ort die Ermittlungsarbeiten zu koordinieren.

„Was wir verschweigen“ ist ein „anderer“ Kriminalroman. Selbstverständlich gibt es auch klassische Ermittlungsarbeit, aber der Fokus liegt primär auf der gemeinsamen Vergangenheit von Antti und Jari, welche von Kindesbeinen an beste Freunde sind, die sich jedoch aufgrund unterschiedlicher sozialer Schichten und Lebensläufen über die Jahre aus den Augen verloren haben. In dem Moment, wo Jari gewahr wird, wer da inhaftiert wurde, beginnt eine Veränderung. Jari verschweigt nicht nur seine Befangenheit, sondern zweifelt die scheinbar eindeutigen Indizien an und fordert überdies weitere, neutrale, ergebnisoffene Ermittlungen, zumal die Tatwaffe nicht gefunden wurde. Ungeachtet daraus entstehender großer Irritation stellt Oksman im Hintergrund eigene Nachforschungen an, welche einen neuen Blick auf das Ganze eröffnen.

Das Buch öffnet sich mir nicht leicht, die ersten Kapitel erscheinen mir sperrig. Je tiefer das Buch in die gemeinsame Vergangenheit von Jari und Antti eindringt, desto interessanter wird die Handlung, wobei die eigentliche kriminalistische Arbeit in den Hintergrund rückt, um zum Ende hin wieder an Bedeutung zu gewinnen.
„Was wir verschweigen“ erhält in diesem Roman mehrfache Bedeutung. Zum einen haben die Protagonisten allesamt Geheimnisse, deren Ursprung sich höchstens erahnen lässt, zum anderen hält Jari die Jugendfreundschaft so lange wie möglich geheim.
Das Cover passt sehr gut zum Inhalt, bildet es doch die düstere, unwirtliche Stimmung ab, welche in der Tatnacht und im inneren der Protagonisten herrscht. Der blaue Schnitt veredelt das „einfache“ Taschenbuch.

Nach dem für mich etwas holprigen Einstieg hat mich dieser Kriminalroman gut unterhalten. Der Handlung liegt ein ausgefeilter Plot zugrunde, welcher sich erst nach und nach zögernd zu erkennen gibt. So fesselt mich der Fortgang der Entwicklungen und auch die Ermittlungsarbeit erhält letztlich noch eine Spannung erzeugende Tiefe.

Dieser Kriminalroman bewirbt sich als Auftakt einer insgesamt sechsteiligen Serie. Es gibt einige Cliffhanger, deren Fortgang mich interessieren würde, der Hauptdarsteller ist für mich jedoch „verbrannt“, so dass es spannend sein dürfte zu erfahren, wie der Autor die Reihe fortsetzt.


Arttu Tuominen, Was wir verschweigen, Kriminalroman, flexibler Einband, Lübbe Verlag, 16,00 €, 416 Seiten, Erscheinungstermin 26.11.2021

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Veröffentlicht am 16.11.2021

Aktuelle Themen schön verpackt

Miss Veronica und das Wunder der Pinguine
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Veronica McCreedy, 86, eine etwas verschrobene Dame in gut situierten Verhältnissen und einem Tür-Tick verbringt ihr Leben an der schottischen Küste mit Spaziergängen und immer wieder gerne einer guten ...

Veronica McCreedy, 86, eine etwas verschrobene Dame in gut situierten Verhältnissen und einem Tür-Tick verbringt ihr Leben an der schottischen Küste mit Spaziergängen und immer wieder gerne einer guten Tasse Tee. Angespornt durch eine Dokumentationsserie im Fernsehen beschließt sie, in die Antarktis zu reisen, um sich einen Eindruck vom dortigen Pinguin-Forschungsprojekt zu verschaffen, dem sie ihr Vermögen zu hinterlassen gedenkt.

Mit sturem Durchsetzungsvermögen, Ignoranz, selektiver Schwerhörigkeit, bester Polar-Ausstattung sowie ihrem Lieblingstee ausgerüstet, erreicht sie die Forschungsstation, wo sie von dem Forscher-Trio mit zwiegespaltenen Gefühlen empfangen wird. Ihr erster Marsch zur Kolonie der Adeliepinguine bestärkt sie in ihrer Entscheidung; die kleinen Frackträger erobern ihr Herz im Sturm, ungeachtet von Massen unappetitlichen Guanos und „unfreundlichen“ Pinguinen.

„Miss Veronica und das Wunder der Pinguine“ ist ein wunderbares Buch, dessen Inhalt m. E. sehr gut vom Cover transportiert wird. Dabei ist es keinesfalls ein oberflächliches Märchen, sondern bietet einen zum Teil unerwarteten Tiefgang, nimmt mich emotional auf einer Berg- und Talfahrt mit. Und wer mag, kann auch für sich selbst noch etwas „mitnehmen“.


Dieses eBook habe ich im Rahmen des Angebots von PenguinRandomhouse-Testleser vorab lesen dürfen.


Hazel Prior, Miss Veronica und das Wunder der Pinguine, Roman, eBook, Goldmann Verlag, 9,99 €, 464 Seiten in der Print-Ausgabe, Erscheinungstermin 15.11.2021

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