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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.06.2025

Starker Roman

Play Boy
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„Heten, die ihre Sexualität ein Stück weit in Frage stellten, dann aber gleich wieder aufgaben.“ – Wer bei diesem Satz zusammenzuckt, ist bei Play Boy von Constance Debré genau richtig. Denn dieser Roman ...

„Heten, die ihre Sexualität ein Stück weit in Frage stellten, dann aber gleich wieder aufgaben.“ – Wer bei diesem Satz zusammenzuckt, ist bei Play Boy von Constance Debré genau richtig. Denn dieser Roman ist kein netter Selbstfindungstrip, sondern ein Tritt in den Hintern der Heteronormativität, der Menschen in ein vorgegebenes Muster stopft.

Debrés Protagonistin sagt diesem Leben radikal Adieu – nach einem unscheinbaren Kuss mit einer anderen Frau, der sich anfühlt wie eine Sprengladung unter ihrem bisherigen Dasein. Sie verlässt alles, nicht aus Trotz, sondern weil sie zum ersten Mal ehrlich leben will. Und Debré erzählt diese Demontage mit einer Sprache, die Klartext spricht: direkt, unverschnörkelt, oft rotzig. Kein Kitsch, kein Erklärbär, kein Mitleidsbonus – sondern eine Frau, die sich Schicht für Schicht von der Lüge befreit, jemand zu sein, der sie nie war.

Die Autorin liefert mit Play Boy keine gefällige Erzählung über das Coming-Out einer Mutter in der Midlife-Crisis. Sie schreibt ein Manifest. Eine Abrissbirne gegen Rollenbilder, gegen den Zwang zur Häuslichkeit, gegen das vermeintliche Glück im Normativen.Debrés Antwort ist brutal und konsequent: Wer sich seinen Körper zurückholt, holt sich auch sein Leben zurück.

Fazit: Was bleibt, ist eine Geschichte über Selbstermächtigung – roh, wütend, traurig, ehrlich. Und eine klare Botschaft: Wer das System nicht mehr bedienen will, muss bereit sein, es zu verlassen. Ohne Netz. Ohne Applaus. Aber mit verdammt viel Haltung.

10/10

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Veröffentlicht am 06.06.2025

Tolles Buch

Die Eisbären im Land der Schneefelsen
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Wer bei Bruno Mattis Buch epische Schlachten und magische Artefakte erwartet, liegt daneben – und wird positiv überrascht. Statt klischeebeladener Fantasy liefert er eine moderne Tierfabel mit Tiefgang, ...

Wer bei Bruno Mattis Buch epische Schlachten und magische Artefakte erwartet, liegt daneben – und wird positiv überrascht. Statt klischeebeladener Fantasy liefert er eine moderne Tierfabel mit Tiefgang, eine Parabel über Schuld, Verantwortung und Selbstvergebung. Im Zentrum: Hadon, ein junger Eisbär mit schwerem Gepäck. Auserwählt, aber gebrochen. Held, aber keiner, der sich so fühlt.

Was das Buch auszeichnet, ist seine emotionale Ehrlichkeit. Hadon stolpert, versagt, zieht sich zurück – bis er sich mühsam wieder aufrichtet. Seine Geschichte ist keine Heldenreise im klassischen Sinne, sondern ein psychologischer Heilungsprozess. Schwer, dunkel, intensiv. Bruno Matti spart nicht mit schwierigen Themen wie Depression, Schuld oder Suizidgedanken – und genau das macht die Geschichte so berührend.

Trotz sprechender Bären und Prophezeiungen fühlt sich der Roman eher wie eine Parabel an als wie klassische Fantasy. Und das ist sein Vorteil: Es geht nicht nur um äußere Abenteuer, sondern um inneres Überleben. Einige Nebenfiguren bleiben dabei eher blass, aber Hadon allein trägt die Geschichte mit seiner zerrissenen, glaubwürdigen Persönlichkeit.

Ein echtes Highlight ist der begleitende Soundtrack. Über QR-Codes eingebunden, sorgt die Musik für eine zweite emotionale Ebene – subtil, atmosphärisch und erstaunlich wirksam. Kein billiger Gimmick, sondern echtes Storytelling mit Tonspur.

Fazit: Ein ungewöhnlicher Roman, der in Erinnerung bleibt – leise, schwer, schön. Für alle, die sich auf eine tiefere, ruhigere, musikalisch begleitete Reise einlassen wollen, ist „Die Eisbären im Land der Schneefelsen“ definitiv einen Blick wert.

9/10 (Buchwertung 8/10 +1 für den Soundtrack)

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Veröffentlicht am 01.06.2025

Toller Thriller

Der Virus
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In „Der Virus“, dem fünften Band der Sara-Konrad-Reihe, bringt Marley Alexis Owen frischen Wind ins Thriller-Genre – nicht mit mehr Gewalt oder höherem Bodycount, sondern mit einer Protagonistin, die nahbar, ...

In „Der Virus“, dem fünften Band der Sara-Konrad-Reihe, bringt Marley Alexis Owen frischen Wind ins Thriller-Genre – nicht mit mehr Gewalt oder höherem Bodycount, sondern mit einer Protagonistin, die nahbar, glaubwürdig und verdammt spannend ist. Sara Konrad, Ex-Scharfschützin und Mitglied der geheimen „Sisterhood“, stolpert nicht durch die Handlung wie eine Kampfmaschine, sondern bewegt sich reflektiert, verletzlich und entschlossen durch eine Welt, die irgendwo zwischen digitaler Bedrohung und Dschungelüberleben liegt.

Der Plot? Hochaktuell. Ein Virus legt eine Firma lahm, Saras Schwager wird verdächtigt, kurz darauf verschwindet er. Was als Cybercrime beginnt, führt bis nach Kambodscha – mit allem, was dazugehört: moralische Grauzonen, digitale Abgründe, körperliche Erschöpfung. Owen verzichtet auf Tech-Blabla und macht den digitalen Angriff real – mit echten Konsequenzen und drängenden Fragen: Wem gehört das Netz? Und wie schützt man die eigene Wahrheit, wenn Code zur Waffe wird?

Sara ist dabei keine Actionheldin in Glitzeroptik, sondern eine Figur mit Brüchen. Sie denkt nach, sie zweifelt, sie fühlt – und genau deshalb funktioniert sie. Owen zeigt, dass Frauenfiguren im Thriller nicht durch Männerbrillen inszeniert werden müssen. Kein Abziehbild, keine „female Bond“-Nummer – sondern eine komplexe Hauptfigur, die Haltung zeigt.

Was das Buch zusätzlich trägt: starke Schauplätze, ein präziser Stil, Themen mit Relevanz – von digitaler Ethik bis globaler Verantwortung. Dazu Antagonisten, die mehr sind als nur Feindbilder. Und ein Setting, das sich glaubhaft vom Serverraum bis in den Dschungel weitet.

Fazit: Wer keine Lust auf austauschbare Supercops hat, aber auf spannende, kluge, gesellschaftlich relevante Thriller steht – könnte hier fündig werden. Sara Konrad ist eine Heldin, die bleibt. Und „Der Virus“ zeigt, dass Thriller mehr können als Adrenalin.

9/10

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Veröffentlicht am 30.05.2025

Starker Auftakt

Commissario Gaetano und der lügende Fisch
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Was wie ein launiger Italien-Krimi aussieht, entpuppt sich als düsterer, kluger Auftakt für eine neue Reihe: „Commissario Gaetano und der lügende Fisch“ von Fabio Nola ist alles – außer bequem.

Schon ...

Was wie ein launiger Italien-Krimi aussieht, entpuppt sich als düsterer, kluger Auftakt für eine neue Reihe: „Commissario Gaetano und der lügende Fisch“ von Fabio Nola ist alles – außer bequem.

Schon der Einstieg lässt keine Zweifel: Ein Mann wird enthauptet, mitten im Centro Storico von Neapel, zur Hoch-Zeit des San-Gennaro-Festes. Was wie ein Ritual wirkt, wird zur Tür in einem vielschichtigen Fall – voller Wendungen, Abgründe und gesellschaftlicher Fragen. Mafia? Eifersucht? Fanatismus? Alles denkbar.

Commissario Gaetano selbst ist eine Zumutung: cholerisch, zynisch, alkoholabhängig und gegenüber seinen Kolleg:innen ist er grob, herablassend, manchmal schlicht gemein. Aber glaubwürdig bis ins Mark. Nola verzichtet auf falsche Heldenmythen. Gaetano darf unsympathisch sein, solange er echt ist – und genau das ist er. Ein Ermittler, der mit sich selbst im Clinch liegt, der scheitert, aufsteht, weitermacht. Kein Genie, kein Held – einfach ein Mensch in einer kaputten Welt.

Und Neapel? Keine Postkarte. Die Stadt lebt, flucht, verdirbt, betört – und ist immer präsent. Die Hitze, die Gerüche, die engen Gassen, die Korruption – all das wird zum Klangteppich des Romans. Nola kennt seine Stadt – und zeigt sie ohne Zuckerguss.

Der Fall selbst ist hart, aber nie Selbstzweck. Die Gewalt dient nicht dem Schock, sondern treibt die Fragen voran: Was ist Schuld? Was treibt Menschen an? Die Ermittlungen verlaufen in Wellen, nie geradlinig, nie vorhersehbar. Und auch das ist Teil der Spannung.

Fazit: Kein Wohlfühlkrimi, sondern ein literarisch anspruchsvoller, psychologisch dichter Krimi mit bissiger Hauptfigur, glaubhaftem Setting und erzählerischer Substanz. Wer Lust hat auf einen düsteren Neapel-Krimi mit Tiefe statt Klischees – hier entlang.

9/10

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Veröffentlicht am 28.05.2025

Einmalig

IMITATHYOS
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IMITATHYOS: Das unendliche Alphabet von Matthias A. K. Zimmermann ist kein Roman wie jeder andere. Hier geht es nicht nur um eine Geschichte, sondern um ein Konzept – um eine Welt, in der Buchstaben nicht ...

IMITATHYOS: Das unendliche Alphabet von Matthias A. K. Zimmermann ist kein Roman wie jeder andere. Hier geht es nicht nur um eine Geschichte, sondern um ein Konzept – um eine Welt, in der Buchstaben nicht mehr harmlos sind, sondern Realität formen, beeinflussen und gefährden. Eine junge Schriftstellerin landet auf einer künstlich geschaffenen Luxusinsel, doch was wie ein stylisches Zukunftsresort beginnt, wird schnell zum sprachphilosophischen Albtraum. Die Sprache selbst beginnt zu kippen, wird unberechenbar – und genau das ist der Reiz dieses Buches.

Zimmermann mixt Utopie, Technik, Mythologie und Identitätsfragen zu einem Text, der sich traut, anders zu sein. Keine literarischen Konventionen, keine sicheren Pfade – dafür Ideenreichtum, Tiefgang und eine klare Haltung. Wer Popkultur kennt, erkennt Anklänge an Matrix, Westworld oder Borges, aber das Buch steht absolut für sich.

Fazit: Es fordert volle Aufmerksamkeit, aber schenkt im Gegenzug eine Erfahrung, die bleibt. Für alle, die Bücher lieben, die etwas Frisches lesen möchten – das hier ist einer dieser seltenen Volltreffer.

10/10

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