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Veröffentlicht am 27.09.2017

Blutiger Rachefeldzug

SOG
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Der Thriller „SOG“ ist der zweite Teil um Kommissar Huldar und die Kinderpssychologin Freyja. Den ersten Teil „DNA“ habe ich geradezu verschlungen und habe mich sehr auf die Fortsetzung gefreut. Meine ...

Der Thriller „SOG“ ist der zweite Teil um Kommissar Huldar und die Kinderpssychologin Freyja. Den ersten Teil „DNA“ habe ich geradezu verschlungen und habe mich sehr auf die Fortsetzung gefreut. Meine Erwartungen wurden voll erfüllt und ich konnte auch dieses Buch kaum aus den Händen legen.
Zum Inhalt:
Reykjavik 2004 – Ein Mädchen verschwindet.
Reykjavik 2016 – Huldar ist degradiert worden und muss sich mit dem Aufsatz eines Schülers aus eine Zeitkapsel aus dem Jahre 2004 auseinandersetzen. In diesem kündigt Pröstur an, dass im Januar 2016 Menschen getötet würden. Dabei nennt er nur deren Initialen. Wirklich ernst scheint diesen Text niemand zu nehmen. Auch Freyja, die Huldar zu Rate zieht, kann sich nicht vorstellen, dass sich Wut oder Hass über 10 Jahre nähren lässt. Sie wurde ebenfalls degradiert und arbeitet nun als einfache Kinderpsychologin und ist schon allein deswegen schlecht auf Huldar zu sprechen. Während sich Huldar und seine Kollegen auf den Prozess eines aufgeklärten Falles vorbereiten, werden zwei abgetrennte Hände gefunden. Die neue Chefin, Erla, ist mit den Ermittlungen heillos überfordert. Freyja versucht zwar, Huldar bei seinen Nachforschungen zu dem Schriftstück zu helfen, versucht aber auch ihm aus dem Weg zu gehen und schmettert seine erneuten Annäherungs-versuche sofort ab. Allmählich kommen Huldar und Freyja Pröstur auf die Spur, wobei sämtliche polizeilichen als auch psychologischen Akten über ihn verschwunden sind. Dann beginnt eine Mordserie und es ergeben sich immer neue Überlegungen und vermeintliche Spuren, die oft in eine Sackgasse führen. Immer mehr offenbart sich, dass Taten aus der Vergangenheit vertuscht werden sollen.
Rezension:
Die Stimmung in der Wache ist denkbar schlecht. Huldar wurde degradiert und nun ist Erla seine Vorgesetzte. Sie ist mir absolut unsympathisch. Sie gängelt Huldar, ist stets schlechter Laune und behandelt Verdächtige mies. Als Vorgesetzte möchte ich diese Frau nicht haben. Huldar nimmt es mit der ehelichen Treue nach wie vor nicht so genau und versucht erneut, bei Freyja zu landen. Derweil tobt um sie herum ein Mix aus Hass, Mord, Verstümmelung und Tod. Auch wenn nach dem Prolog und dem Auftauchen der Todesliste klar ist, dass es einen Zusammenhang mit den aktuellen Ereignissen gibt, nimmt die Spannung zu keiner Zeit ab. Wie schon beim ersten Fall von Huldar und Freyja „DNA“ bin ich ewig nicht auf die Spur des Täters gekommen. Erneut gelingt es der Autorin durch das Einflechten von Privatem zu den Hauptcharakteren ein ganz stimmiges Bild zu schaffen und als Leser hat man das Gefühl dabei zu sein. Die Protagonisten sind ganz „normale“ Menschen mit ihren Stärken und Schwächen und dem ein oder anderen Trauma aus der Vergangenheit. So kann sich der Leser mit ihnen besser „anfreunden“ als mit Helden, die fehlerfrei durchs Leben gehen. Der Schreibstil ist unkompliziert und kühl – was wunderbar zu einem isländischen Thriller, der Landschaft und der etwas unterkühlten Art ihrer Protagonisten passt. Yrsa Sigurðardóttir beschreibt sehr realistisch, wie die Vertuschung einer Straftat sich auf ganz viele und unterschiedliche Menschen auswirkt und deren Leben ins Chaos stürzt.
Erneut vergebe ich guten Gewissens 5 Sterne und eine klare Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 20.09.2017

Wenn die Hoffnung stirbt und alle schweigen

Ermordung des Glücks
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Nach 34 Tagen des Bangens und des Hoffens ist es traurige Gewissheit: der 11jährige Lennard Grabbe kommt nie wieder nach Hause. Er wurde tot aufgefunden und von seinem Mörder fehlt jede Spur. Ein Albtraum ...

Nach 34 Tagen des Bangens und des Hoffens ist es traurige Gewissheit: der 11jährige Lennard Grabbe kommt nie wieder nach Hause. Er wurde tot aufgefunden und von seinem Mörder fehlt jede Spur. Ein Albtraum für alle Eltern – hier aber besonders für seine Mutter Tanja, die ihr ganzes Leben nach ihrem Sohn ausgerichtet hat und der nun der Lebensinhalt entzogen wurde. Ihr ganzes Glück verschwand durch den Mord an Lennard und dieses Verbrechen zieht weite Kreise.
Wut, Verzweiflung, Bitterkeit, Selbstvorwürfe, Entfremdung der Eheleute, Geheimnisse und Hoffnungslosigkeit werden durch die eindringliche Erzählung von Friedrich Ani sofort greifbar und dringen bis zum Leser durch. Mitten in diesem Strudel an Gefühlen befindet sich Jakob Franck, der die Todesnachricht überbringt. Freiwillig hat er sich dafür gemeldet, obwohl er bereits in Pension ist – er hat sich dies zu seiner Aufgabe gemacht. Seine Aufklärungsrate während seiner Dienstzeit war sehr hoch und er kann sich nicht damit abfinden, einen Fall ungelöst zu den Akten zu legen. So unterstützt er seine „Kollegen“ und rollt sämtliche Befragungen zum Verschwinden von Lennard neu auf. Er verbeißt sich geradezu in den Fall und gibt nicht auf. Leider holt ihn seine eigene Vergangenheit ein und macht ihm die Ermittlung nicht leichter. Jakob Franck ist sympathisch und ein prima Zuhörer, doch er zieht sich bisweilen in sich zurück und wirkt dann verschlossen. Währenddessen versinken Lennards Eltern und sein Onkel in Trauer und Sprachlosigkeit. Tanja Grabbe sperrt ihre komplette Umwelt aus, zieht sich in Lennards Zimmer zurück und nicht einmal ihr geliebter Bruder Max kommt an sie ran.
Der eindringliche Schreibstil des Autors gab mir das Gefühl, mitten unter den Familienangehörigen zu sein und mitzuleiden. Zudem konnte ich mich gut in die Gedankengänge und die Hartnäckigkeit von Jakob Franck hineinversetzen. Es grenzt schon an Besessenheit, wie er die Suche nach dem Mörder vorantreibt und dabei sehr unbequem und sogar lästig wird – für seine Kollegen und die Angehörigen.
Ich habe mich etwas gewundert, dass ein Ex-Kommissar sich so intensiv in die Ermittlungen einmischen darf. Ob das rechtens ist? Im Laufe des Lesens wurde mir das zunehmend unwichtig, denn es kam immer mehr Spannung auf und schließlich haben sich die Ereignisse überschlagen, so dass gar keine Zeit mehr blieb, einen Gedanken daran zu verschwenden. Der Autor versteht es hervorragend, die Gefühle, Gedanken und Handlungen der Protagonisten zu beschreiben, so dass der Leser geradezu in die Geschichte hineingezogen wird. Er lässt einzelne Charaktere zu Wort kommen, indem er ihre Gedanken einfühlend und glaubhaft beschreibt. Die Reaktionen von Tanja Grabbe sind heftig und erzeugen eine bedrückende und düstere Stimmung, was nicht für jeden stimmen mag. Doch wer weiß schon, wie er sich verhalten würde, wenn einem das eigene Kind mit Gewalt genommen wird. Durch die Rückblicke in die Vergangenheit (13 Jahre vor dem Mord) wird die besondere Verbindung zwischen den Geschwistern Tanja und Max beleuchtet und umso trauriger stimmt das Zerbrechen dieser nach dem Tod von Lennard.
Ohne viel Action, Blut und großen Nervenkitzel zeichnet Friedrich Ani ein melancholisches, oft düsteres, aber auch einfühlsames Bild von einer Lawine an Gefühlen, die durch den Tod des Jungen ausgelöst wird. Das Ende des Falles überrascht und ist in sich schlüssig. Friedrich Ani ist es gelungen, die Dynamik, die der Verlust eines geliebten Menschen mit sich bringt, sehr anschaulich und auch spannend zu beschreiben. So ist das Buch nicht nur ein einfacher Krimi, sondern richtet den Blick auf das Umfeld und nur am Rande auf den Täter. Der Schwerpunkt hat sich somit verschoben und das mag für den einen oder anderen Leser enttäuschend sein, wenn er einen herkömmlichen Krimi erwartet hat. Mich hat das Buch begeistert und von Anfang an mitgenommen in eine Familie, die den Tod von Lennard als „Ermordung des Glücks“ empfindet und daran zu zerbrechen droht.

Veröffentlicht am 12.09.2017

Das unheimliche, schwarze Hotel an der Rabenschlucht

Kein guter Ort
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Der deutsch-norwegische Psychologe Arne Ericson hat sich in die Einsamkeit Telemarks zurückgezogen und arbeitet in einer psychiatrischen Klinik für Suchtkranke. Während er sich trotz Unwetter in den Bergen ...

Der deutsch-norwegische Psychologe Arne Ericson hat sich in die Einsamkeit Telemarks zurückgezogen und arbeitet in einer psychiatrischen Klinik für Suchtkranke. Während er sich trotz Unwetter in den Bergen in Trance versetzt, ist Kari Bergland hinter dem Schützen her, der ihren Kollegen Magnus angeschossen hat. Dabei trifft Kari auf die zugedröhnte Janne Nygård, die Tochter ihres Chefs. Schnell sind sich Jannes Vater und Kari einig, dass sie das Mädchen zu Arne in die Therapie schicken. Janne ist alles andere als begeistert von der Idee und interessiert sich für das Bild eines schwarz-gestrichenen Hauses, das über Arnes Schreibtisch hängt. Schnell findet sie heraus, dass es sich um ein ehemaliges, nun verlassenes Hotel an der Rabenschlucht handelt, in dem eine deutsche Familie wohnte. Eines Tages wurde dort die ältere Tochter vor den Augen ihrer Schwester von einem maskierten Mann mit dem Messer schwer verletzt und in die Rabenschlucht geworfen. Der herbeieilende Vater versuchte, seine Tochter zu retten und stürzte schließlich zusammen mit ihr in die Schlucht. Fasziniert und geradezu angezogen von dem düsteren Hotel beginnen Janne und auch Arne Nachforschungen anzustellen. Beide begeben sich in große Gefahr, denn das Hotel ist wahrlich „kein guter Ort“.
Bald stellt sich für alle Beteiligten die Frage: Können Orte das Unglück anziehen? Menschen werden von unheimlichen, düsteren Orten geradezu magisch angezogen. So geht es Janne, die nicht zuletzt ein Drogenproblem und Gewaltausbrüche hat. Ihre Neugier ist eine willkommene Ablenkung vor ihren Problemen und der anstehenden Therapie bei Arne Ericson.
Das Cover ist durch die unheilvollen, schwarzen Wolken geprägt von einer schaurigen Stimmung, die nur von einem roten Farbklecks in Form eines typischen norwegischen Hauses unterbrochen wird. Sofort fällt dem Leser der ungewöhnlich gestaltete Titel auf: das Kreuz, das sich mit dem letzten Buchstaben des Wortes Ort verbindet.
Der Autor hat mit Arne Ericson einen ungewöhnlichen Psychiater geschaffen, der sich durch seine Art sehr von anderen unterscheidet: er scheint noch recht jung zu sein und er setzt sich mit den Mythen und Bräuchen der Sami auseinander. Auch wenn er ungewöhnliche Methoden anwendet, hatte ich stets das Gefühl, dass er der Ruhepol der Handlung ist. Die Ermittlerin Kari Bergland ergänzt ihn mit ihrer Willensstärke und ihrer Hartnäckigkeit ganz gelungen. Bernhard Stäber hat bereits zwei Thriller mit diesen beiden Charakteren geschrieben, die ich jedoch nicht gelesen habe. Trotzdem hatte ich zu keiner Zeit, Mühe der Handlung zu folgen. Mit den Rückblicken in Arnes Leben habe ich ihn mir gut vorstellen können. Der flüssige und fesselnde Schreibstil des Autors hat mich mitten in die Handlung gezogen und die Spannung riss nie ab. Es fiel mir schwer, das Buch zur Seite zu legen – so hat es mich in seinen Bann gezogen. Die Charaktere sind durchweg glaubwürdig und Arne und Kari sehr sympathisch. Als Drogenkonsumentin ist Janne wirklich unberechenbar und geheimnisvoll dargestellt. Und nicht zuletzt sind die Rabenschlucht und das schwarze Hotel so bildlich beschrieben, dass ich das Grauen von Janne fühlen konnte. Die Aufklärung des Falles endet mit einem lauten Knall und war so nicht vorhersehbar. Meine Frage aus meinem Leseeindruck „Kann ein deutscher Autor so schreiben wie ein skandinavischer?“ kann ich kurz und bündig mit „JA!“ beantworten. Mich hat dieser Thriller von Anfang an gepackt, fasziniert und bis zum Schluss nicht mehr losgelassen. Ich kann ihn guten Gewissens weiterempfehlen.

Veröffentlicht am 07.09.2017

Ein feinsinniger Roman über einen liebenswerten Gentleman

Ein Gentleman in Moskau
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Das Cover des Romans „Ein Gentleman in Moskau“ sticht mit seiner Schwarz-Weiß-Fotografie und den leuchtend neon-farbenen und erhabenen Buchstaben sofort ins Auge. Die Fotografie zeigt einen eleganten Herrn ...

Das Cover des Romans „Ein Gentleman in Moskau“ sticht mit seiner Schwarz-Weiß-Fotografie und den leuchtend neon-farbenen und erhabenen Buchstaben sofort ins Auge. Die Fotografie zeigt einen eleganten Herrn dar, der sich über die Brüstung eines offenen Fensters nach draußen beugt und nach unten sieht. Außerdem fühlt sich der Schutzumschlag wie von einer gummierten Schicht umgeben an. Edel sind der graue Buchrücken und das gleichfarbige Leseband samt Bindung.
Moskau 1922:
Es ist die Zeit nach der Entmachtung des Zaren und die Zeit der Bolschewiken in Russlang. Durch ein Urteil wird der charmante Graf Alexander Iljitsch Rostov – er hat das Pech, dem Adel anzugehören - von seiner Suite im Nobelhotel Metropol in Moskau in eine Abstell-kammer des Hotels verbannt und steht fortan unter lebenslänglichem Hausarrest. Sollte er einen Fuß vor das Hotel setzen, würde er erschossen. Graf Rostov muss sich von einigen Besitztümern trennen und richtet sich in dem winzigen Raum so gut es geht ein. Dabei verliert er weder seine Würde, seinen Optimismus noch seine Contenance. Er weiß sich durchaus mit Hilfe von edler Bettwäsche und der Lieferung eines Mille Fleurs in seiner kleinen Kammer einzurichten und pflegt einen geregelten Tagesablauf, um nicht dem Wahnsinn anheim zu fallen. Zudem lässt er seinen Geist durch Moskaus Straßen treiben – im Bewusstsein, dass er sie nicht betreten kann. Etwas eigenwillig gibt er den Restaurants im Hotel Metropol ganz eigene Namen und behandelt die Angestellten mit ausgesuchter Höflichkeit.
Eines Tages trifft er auf die neunjährige Nina Kulikowa, die ein ähnliches Schicksal teilt. Sie ist seit 10 Monaten im Hotel Metropol in der Obhut einer Gouvernante und darf nicht nach draußen. So kundschaftet sie das Hotel von oben bis unten aus. Immer öfter nimmt sie den Grafen mit auf ihre Expeditionen und er erzieht sie auf ihren Wunsch hin nach dem Vorbild einer Prinzessin. Als Nina eingeschult wird, hinterlässt sie dem Grafen ihren Generalschlüssel für das Metropol – so kann er seine Exkursionen fortsetzen und hinter die Kulissen des Hotelbetriebes blicken.
Unter den Bediensteten des Hotels findet er viele Freunde und so entsteht für den Grafen eine Art Familie. Vor allem als der die Verantwortung für die 5jährige Sofia, Tochter von Nina, unerwartet und auf unabsehbare Zeit auferlegt bekommt. Auch diese Situation meistert er auf seine ruhige und besonnene Art und Weise. Russland befindet sich im Wandel, was sowohl Gutes als auch Schlechtes mit sich bringt.
Mein Lieblingszitat – von Mischka, dem Freund des Grafen: „Wer hätte damals geglaubt, als du zu Hausarrest im Metropol verurteilt wurdest, dass du eines Tages der glücklichste Mensch Russlands sein würdest.“
„Towles ist ein Meistererzähler“ steht als Zitat aus der New York Times Book Review. Mit seinem feinsinnigen und philosophischen Schreibstil ist Towles mit „Ein Gentleman in Moskau“ ein Porträt längst vergangener Zeiten heraufzubeschwören. Obwohl die Geschichte rund um den Grafen Rostov sich „nur“ im Hotel Metropol mitten in Moskau abspielt, vermittelt der Autor dem Leser sehr gelungen die politischen, gesellschaftlichen und geschichtlichen Änderungen in der Zeit nach dem Tod der Zarenfamilie, der Entmündigung des Adels und der Machtübernahme durch die Bolschwiken. Die Zeit des Umbruchs, der Veränderungen und des „Neuanfangs“ im Russland Anfang der 2012 Jahre fängt er genauso bildhaft ein wie die gesellschaftlichen und charakterlichen Unterschiede der Angestellten, der Bewohner und der Gäste im Nobelhotel ein. Neben wunderschönen Formulierungen, die den Charakter des Grafen gut zur Geltung bringen, finden sich im Roman auch kleine Anekdoten, die so manches Schmunzeln ins Gesicht des Lesers zaubern. Amor Towles ist wahrlich ein Meister der stilvollen, bildhaften und philosophischen Betrachtungen über das Leben und die Menschen. Er besitzt ein Gespür für Menschen und lässt den Spannungsbogen nie abbrechen. Kein Wunder also, dass ich oft das Gefühl hatte, dem Grafen und seinen Gefährten durch das Hotel zu folgen. Die unterschiedlichen Charaktere hat er sehr detailliert ausgearbeitet und deren Emotionen sind durchweg glaubhaft.
Mich hat der Roman von der ersten bis zur letzten Zeile begeistert!

Veröffentlicht am 29.08.2017

Ein ungewöhnlicher, sehr anschaulicher Reise- und Geschichtsführer durch Italien

Sehnsucht Italien
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Die akustische Reise „Sehnsucht Italien“ führt den Hörer von Venetien im Norden über Florenz, Rom und Neapel bis weit in den Süden auf die Insel Sizilien, begleitet von Hintergrundgeräuschen, Musik oder ...

Die akustische Reise „Sehnsucht Italien“ führt den Hörer von Venetien im Norden über Florenz, Rom und Neapel bis weit in den Süden auf die Insel Sizilien, begleitet von Hintergrundgeräuschen, Musik oder den Stimmen von Italiener/innen, garniert mit Kochrezepten und kleinen Anekdoten. Abseits der Tourismusströme kann man sowohl in die italienische Kultur als auch die kulinarischen Genüsse den herrlichen Landes eintauchen. Die ganz unterschiedliche Gestaltung der Geschichten und Stimmen machen das Hören sehr abwechslungsreich und besonders interessant. Der Hörer sollte die Reise allerdings in kleinen Abschnitten genießen, um sich die Landschaft, die Menschen, die Städte und Dörfer und auch die Gerüche vergegenwärtigen zu können. Zudem schweifen die Gedanken sonst gerne ab und man überhört die eine oder andere Begebenheit. Durch „Sehnsucht Italien“ werden vergangene Epochen lebendig, Geschichte neu entdeckt und das dolce vita kommt auch nicht zu kurz.
Ich bin begeistert von dem ausführlichen Bericht über das „Casa Verdi“ – die Idee, einen Altersruhesitz für Künstler (Sänger/innen, Musiker/innen, Komponisten) zu schaffen, finde ich wunderbar. So bleibt nicht nur das Andenken an Verdi erhalten, sondern die „pensionierten“ Künstler/innen können ihren Erfahrungsschatz auch an die Studierenden weitergeben. Bei der Reportage über Friaul und Piemont ist mir das Wasser im Munde zusammengelaufen, als ich von den vielen Leckereien und nicht zuletzt vom Wein hörte.
Mit den Geschichten um Don Camillo und Peppone von Guareschi bin ich aufgewachsen. Als Kind habe ich diese alten Schwarzweißfilme gerne gesehen und über die ständigen Streitereien zwischen den beiden Italienern herzhaft gelacht - ist mir doch durch meine italienische Verwandtschaft das Temperament der Südländer wohl bekannt.
Ich möchte nicht alle Geschichten und Stationen vorwegnehmen und schließe nun mit meiner Meinung zum Hörbuch ab.
Das Hörbuch „Sehnsucht Italien“ ist mein erster akustischer Reise- und Geschichtsführer überhaupt und hat mir sehr gut gefallen. Ich bin überrascht, dass es möglich ist, nur durch das Hören einen Eindruck von einem „fremden“ Land zu bekommen. Gut, ich war schon in Venedig und Florenz, in Südtirol habe ich bereits als Kind so manchen Berg erklommen und ich bin im Lago Maggiore geschwommen und habe den Gardasee entdeckt – doch das sind nur Bruchstücke dieses wunderbaren, abwechslungsreichen Landes. Mit geschlossenen Augen habe ich den teils spannenden und mir völlig unbekannten Themen gelauscht. Die kleine Broschüre und die Landkarte runden den Hörgenuss wunderbar ab. Die nummerierte Landkarte hilft, die Orientierung nicht zu verlieren und sich in den Regionen zurechtzufinden. Zum Schluss ist sie da: die Sehnsucht nach Italien!