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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.01.2026

Eher belanglos

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Es gibt Bücher, von denen ich wünschte, dass die Handlung noch weitergingen. Es gibt aber auch Bücher, bei denen ich froh bin, dass sie endlich ausgelesen sind. "Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ...


Es gibt Bücher, von denen ich wünschte, dass die Handlung noch weitergingen. Es gibt aber auch Bücher, bei denen ich froh bin, dass sie endlich ausgelesen sind. "Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel, gehört leider zu der zweiten Kategorie.
Ich habe die beiden Vorgängerbücher um die Geschichte von Evelyn und Hannah Borowski gerne gelesen und war deshalb umso mehr enttäuscht. Das, was die beiden Vorgängerbücher kennzeichnete, war die geschickte Verbindung von Familiengeschichte und Zeitgeschichte. Gerade dieser Aspekt spielt in dem neuen Buch von Alena Schröder kaum eine Rolle.
Die Handlung spielt auf zwei zeitlichen Ebenen mit unterschiedlichen Figurenkreisen, die zunächst überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Doch auch die sehr lockere Verbindung, die in den letzten Kapiteln dem Leser entdeckt werden, vermag nicht zu überzeugen.
Die erste Handlungsebene spielt zwischen den 40-60er Jahren in Güstrow und dreht sich in erster Linie um künstlerische Prozesse, genauer um die Differenz zwischen abstrakter Malerei und den Vorstellungen des sozialistischen Realismus. Die Differenz allerdings wird kaum thematisiert, ich glaube, der Begriff "sozialistischer Realismus" fällt nicht einmal. Zeitumstände wir der Nationalsozialismus und der Aufbau der DDR spielen kaum eine Rolle. In diesen Zusammenhang gehört auch der Titel des Romans. Das Bild, das gemeint ist, spielt im zweiten teil keine Rolle mehr.
Erwähnt wird das Aufhängen der Skulptur "Der Schwebende" von Ernst Barlach im Güstrower Dom 1955. Die Auseinandersetzungen darum aber spielen wieder keine Rolle. Für mich sind das verpasste Chancen.
Die zweite Handlungsebene spielt im Berlin der 2020er Jahre und thematisiert die Persönlichkeitskrise von Hannah Borowski, dein den LeserInnen bereits aus den vorangegangen Büchern bekannt ist. Zum einen geht es um die Enttäuschung über ihren leiblichen Vater. Diese Enttäuschung hat mich allerdings nur wenig berührt, weil der Vater von Anfang an negativ dargestellt wird, sodass statt "Das hätte ich nicht gedacht" nur ein "Das hat man sich ja von Anfang an denken können." Die zweite Auseinandersetzung findet mit Justus, dem unfreiwilligen Mitbewohner von Hannah statt. Justus wiederum ist so albern dargestellt, dass auch dieser Konflikt mich kaum beschäftigt hat. Auch in dem zweiten Teil spielt Zeitgeschichte kaum ein Rolle.
Insgesamt ist der Roman enttäuschend, weil einfach überflüssig.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.12.2024

Trivial

Damals waren wir frei
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Unbedingte Leseempfehlung für alle, die Herz-Schmerz-Geschichten mit Happy End lieben, in denen politisch-gesellschaftliche Prozesse zwar vorkommen, aber bloß nicht vertieft werden dürfen. Und die einen ...

Unbedingte Leseempfehlung für alle, die Herz-Schmerz-Geschichten mit Happy End lieben, in denen politisch-gesellschaftliche Prozesse zwar vorkommen, aber bloß nicht vertieft werden dürfen. Und die einen Sprachstil lieben, der die Emotionen der Handlungsfiguren möglichst detailliert vorgeben und der die Mühe des eigenen Einfühlens erspart. Die Dominanz der Wortart Adjektiv ist ein sicheres Indiz für einen trivialen Sprachstil.
Ich will nicht ungerecht sein: Es gibt vielversprechende Ansätze: das Erzählen auf zwei Zeitebenen, die Beschreibung des Doors-Konzertes zu Beginn, die Darstellung der Atmosphäre im Tanzpalast und des Falls der Berliner Mauer,die sehr authentisch wirkt.
Ärgerlich das Aufeinandertreffen von Mina und Ulli. Die Erzählerin spricht von Uli als dem „echten“ Vater. Ist Bernd etwa der „falsche“ Vater? Und dann: Mina zieht das rote Kleid ihrer Mutter an, das diese trug, als sie Ulli kennengelernt hat. Und was passiert? Richtig: Der erkennt seine Tochter, obwohl er keine Ahnung hat, das es sie überhaupt gibt. Sie fallen sich in die Arme und haben sich gleich lieb. Das ist unrealistisch und deshalb Kitsch.
Verpasste Chance:Ulli und Elli schauen sich in Westberlin den Film „Zur Sache, Schätzchen“ an. Ein Film, der ein Leben zeigt, wie es konträrer nicht zu dem Leben in Ostdeutschland sein kann. Leider erfährt der Leser/die Leserin mit keine Silbe, wie Elli auf den Film reagiert. Dabei wäre das doch spannend gewesen. Aber nein, die Erzählerin bleibt lieber bei der Gefühlsduselei.
Letztlich ist die Handlung trivial, kitschig: Ostberlinerin verliebt sich in Westberliner, der ihr über 20 Jahre der Trennung und Kontaktlosigkeit die Treue hält. Sie ist ihm letztlich auch treu und dafür dürfen sie sich nach dem Fall der Mauer endlich wiederfinden.

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  • Gefühl
Veröffentlicht am 10.11.2024

Eher enttäuschend

Reise nach Laredo
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Man kann es zunächst einmal eher philosophisch nehmen: Bücher gelten dem klassischen Humanismus als ein Weg zu einer humanen Gesellschaft. Bücher ermöglichen Bildung, gebildete Menschen aber ...

Man kann es zunächst einmal eher philosophisch nehmen: Bücher gelten dem klassischen Humanismus als ein Weg zu einer humanen Gesellschaft. Bücher ermöglichen Bildung, gebildete Menschen aber seien eher in der Lage, eine friedliche Gesellschaft zu begründen.
In Kai Meyers neuem Roman „Das Haus der Bücher und Schatten“ sind Bücher dagegen Anlass für eine ganze Reihe von Morden. Lange Zeit konzentriert sich die Suche von Cornelius Frey, Kommissar im Leipziger Graphischen Viertel, nach einem Motiv für die Morde auf Okkultismus, Antisemitismus, Nationalsozialismus und Kommunismus. Erst ganz zum Schluss gelingt es ihm, die Morde aufzuklären.
Ich sehe darin eher eine Schwäche des Romans, dass er eine Reihe von Themen anreißt, sie aber nur oberflächlich behandelt. Vor allem hat sich mir nicht erschlossen, welche besondere Rolle das historische Graphische Viertel in Leipzig spielt. Die Handlung könnte überall da verortet werden, wo Bücher produziert werden.
Mir ist der Roman streckenweise zu langatmig erzählt. Es ist schon richtig, eine bestimmte Erzählatmosphäre aufzubauen, aber es kann auch zu viel des Guten sein.
100 Seiten weniger und es wäre ein flotter Kriminalroman entstanden, der zwar keine besonders tiefgehenden Erkenntnisse vermittelt, aber doch für spannende Unterhaltung sorgt.

Veröffentlicht am 10.11.2024

Nicht ganz überzeugend

Das Haus der Bücher und Schatten
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Man kann es zunächst einmal eher philosophisch nehmen: Bücher gelten dem klassischen Humanismus als ein Weg zu einer humanen Gesellschaft. Bücher ermöglichen Bildung, gebildete Menschen aber ...

Man kann es zunächst einmal eher philosophisch nehmen: Bücher gelten dem klassischen Humanismus als ein Weg zu einer humanen Gesellschaft. Bücher ermöglichen Bildung, gebildete Menschen aber seien eher in der Lage, eine friedliche Gesellschaft zu begründen.
In Kai Meyers neuem Roman „Das Haus der Bücher und Schatten“ sind Bücher dagegen Anlass für eine ganze Reihe von Morden. Lange Zeit konzentriert sich die Suche von Cornelius Frey, Kommissar im Leipziger Graphischen Viertel, nach einem Motiv für die Morde auf Okkultismus, Antisemitismus, Nationalsozialismus und Kommunismus. Erst ganz zum Schluss gelingt es ihm, die Morde aufzuklären.
Ich sehe darin eher eine Schwäche des Romans, dass er eine Reihe von Themen anreißt, sie aber nur oberflächlich behandelt. Vor allem hat sich mir nicht erschlossen, welche besondere Rolle das historische Graphische Viertel in Leipzig spielt. Die Handlung könnte überall da verortet werden, wo Bücher produziert werden.
Mir ist der Roman streckenweise zu langatmig erzählt. Es ist schon richtig, eine bestimmte Erzählatmosphäre aufzubauen, aber es kann auch zu viel des Guten sein.
100 Seiten weniger und es wäre ein flotter Kriminalroman entstanden, der zwar keine besonders tiefgehenden Erkenntnisse vermittelt, aber doch für spannende Unterhaltung sorgt.

Veröffentlicht am 13.01.2024

Zu stoisch

Das späte Leben
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Von Platon ist der Satz überliefert: Philosophieren heißt sterben lernen. Dem Menschen ist eigen, dass er sich seiner eigenen Sterblichkeit bewusst ist. Allerdings weiß er in der Regel den größten Teil ...


Von Platon ist der Satz überliefert: Philosophieren heißt sterben lernen. Dem Menschen ist eigen, dass er sich seiner eigenen Sterblichkeit bewusst ist. Allerdings weiß er in der Regel den größten Teil seines Lebens nicht, wann ihn der Tod ereilen wird. In der Bibel heißt es dazu: Denn ihr kennt weder Tag noch Stunde. Und das ist in der Regel auch gut so.
Anders ist die Situation, wenn wir von einem Arzt eine Diagnose gestellt bekommen, nach der das Ende des Lebens relativ präzise absehbar ist. Und dies ist die Ausgangssituation des neuen Romans von Bernhard Schlink: Martin, der Protagonist des Romans, ein emeritierter Professor des Rechts, erfährt, dass er wegen Bauchspeicheldrüsenkrebses nur noch zwölf Wochen zu leben hat. Martin ist mit einer wesentlich jüngeren Frau verheiratet und hat einen sechsjährigen Sohn. Wie soll er auf diese Nachricht reagieren?
Martin entwickelt eine absolut stoische Haltung zu dem Wissen um den Zeitpunkt und die Art seines Todes. Weniger im Sinne von Epikur, der eine Auseinandersetzung mit dem Tod ablehnt („Er geht uns nichts an.“), sondern eher im Sinne Senecas, der eine ruhige, gelassene, rationale Haltung zum Tod empfiehlt. Und genau diese Haltung nimmt Martin ein. Er malt sich ganz rational aus, wie sein körperlicher Zerfallsprozess mit den Schmerzen verlaufen wird und trifft entsprechende Vorsorgemaßnahme (Platz in einem Hospiz). Er lässt kaum eine Gefühlsregung zu. Auch nicht gegenüber dem Abschiednehmen von seinem Sohn und seiner Frau. Er will seinem Sohn etwas hinterlassen und legt mit ihm einen Kompost an (wie sinnträchtig!) und schreibt ihm Briefe, die er später lesen soll, in denen er eine eher triviale Lebensphilosophie darlegt.
Die Entdeckung, dass seine Frau ihn schon seit längerem betrügt, wirft ihn auch nicht aus der Bahn. Er weiß nun, dass es für seine Frau ein Weiterleben nach seinem Tod geben wird.
Kurz vor Ende seines Lebens unternimmt er noch eine Reise mit Frau und Sohn an die Ostsee, damit endet der Roman. Der Sterbeprozess selbst wird nicht mehr dargestellt.
Entsprechend Martins Grundeinstellung ist die Sprache des Romans schlicht und rational. Von dem Verlauf der Krankheit erfährt der Leser, dass Martin Schmerzen hat und dass er häufig müde ist..
All dies macht den Protagonisten und damit den Roman eher uninteressant. Es gibt keine komplexe Gefühlswelt, mit der sich Martin auseinandersetzen müsste. Es geschieht nicht Unvorhersehbares, die Nebenfiguren bleiben blass, die Dialoge mit ihnen sind eher hölzern.
Beim Lesen war mir, als müsste ich Martin einmal kräftig schütteln und ihm zurufen: „Nun lass doch einmal deine Trauer raus, deine Ängste, deinen Zorn“ -aber vermutlich wäre das auch wirkungslos an ihm abgeprallt.

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