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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.03.2026

Rundum gelungen

Solange ein Streichholz brennt
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Der Roman erzählt eine Liebesgeschichte zweier Personen, denen man eigentlich keine Chance geben würde, zueinander zu finden, zu unterschiedlich sind ihre Lebenswelten: Daniel Bohm, 35 Jahre, ...

Der Roman erzählt eine Liebesgeschichte zweier Personen, denen man eigentlich keine Chance geben würde, zueinander zu finden, zu unterschiedlich sind ihre Lebenswelten: Daniel Bohm, 35 Jahre, lebt als Obdachloser auf den Straßen Kölns, Alina ist Reporterin bei RTL Dabei gelingt es Christian Huber, diese Verbindung nicht als triviale Kitschgeschichte zu erzählen, sondern als ernst zu nehmende Charakter- und Milieustudie.
Die Handlungsweisen der Personen sind schlüssig dargestellt, da sie sich aus den Charakteren und den unterschiedlichen Lebenssituationen ergeben. Die Lebenswelten selbst sind, auch wenn sie teilweise sicherlich noch geschönt sind, in ihrer spezifischen Problematik nachvollziehbar dargestellt, sollte man doch bedenken, dass der Roman nicht den Anspruch einer Sozialreportage stellt.
Die Erzählweise des Romans ist geschickt gewählt. Die zahlreichen relativ kurzen Kapitel werden abwechselnd aus Sicht der beiden Hauptpersonen erzählt und verdeutlichen so die unterschiedlichen Lebenswelten.
Die Sprache des Romans ist angemessen gewählt, jedoch nicht ganz frei von sprachlichen Klischees, wenn es um Alinas Gefühlsdarstellung geht ("Es war das erste Mal, dass sie sich seit der Kirmes wiedersehen würden, und bei dem Gedanken kribbelte es da, wo die Rippenbögen zusammenliefen. Und dann wurde ihr flau. Für ein, zwei Herzschläge wallte Panik auf. Dan huschte ein Lächeln über ihr Gesicht, und das blieb für weitere zwei Herzschläge. Dann wurde ihr übel.")
Sehr ansprechend ist der Titel gewählt. "Solange ein Streichholz brennt" bezieht sich auf eine Art Spiel zwischen Bohm und Alina: Solange ein Streichholz zwischen den Fingern brennt, muss derjenige, der das Streichholz hält, die Wahrheit sagen. Und damit ist ein wesentlicher Kern des Romans angesprochen.
Unbedingte Leseempfehlung von mir!

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Veröffentlicht am 19.01.2026

Eher belanglos

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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Es gibt Bücher, von denen ich wünschte, dass die Handlung noch weitergingen. Es gibt aber auch Bücher, bei denen ich froh bin, dass sie endlich ausgelesen sind. "Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ...


Es gibt Bücher, von denen ich wünschte, dass die Handlung noch weitergingen. Es gibt aber auch Bücher, bei denen ich froh bin, dass sie endlich ausgelesen sind. "Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel, gehört leider zu der zweiten Kategorie.
Ich habe die beiden Vorgängerbücher um die Geschichte von Evelyn und Hannah Borowski gerne gelesen und war deshalb umso mehr enttäuscht. Das, was die beiden Vorgängerbücher kennzeichnete, war die geschickte Verbindung von Familiengeschichte und Zeitgeschichte. Gerade dieser Aspekt spielt in dem neuen Buch von Alena Schröder kaum eine Rolle.
Die Handlung spielt auf zwei zeitlichen Ebenen mit unterschiedlichen Figurenkreisen, die zunächst überhaupt nichts miteinander zu tun haben. Doch auch die sehr lockere Verbindung, die in den letzten Kapiteln dem Leser entdeckt werden, vermag nicht zu überzeugen.
Die erste Handlungsebene spielt zwischen den 40-60er Jahren in Güstrow und dreht sich in erster Linie um künstlerische Prozesse, genauer um die Differenz zwischen abstrakter Malerei und den Vorstellungen des sozialistischen Realismus. Die Differenz allerdings wird kaum thematisiert, ich glaube, der Begriff "sozialistischer Realismus" fällt nicht einmal. Zeitumstände wir der Nationalsozialismus und der Aufbau der DDR spielen kaum eine Rolle. In diesen Zusammenhang gehört auch der Titel des Romans. Das Bild, das gemeint ist, spielt im zweiten teil keine Rolle mehr.
Erwähnt wird das Aufhängen der Skulptur "Der Schwebende" von Ernst Barlach im Güstrower Dom 1955. Die Auseinandersetzungen darum aber spielen wieder keine Rolle. Für mich sind das verpasste Chancen.
Die zweite Handlungsebene spielt im Berlin der 2020er Jahre und thematisiert die Persönlichkeitskrise von Hannah Borowski, dein den LeserInnen bereits aus den vorangegangen Büchern bekannt ist. Zum einen geht es um die Enttäuschung über ihren leiblichen Vater. Diese Enttäuschung hat mich allerdings nur wenig berührt, weil der Vater von Anfang an negativ dargestellt wird, sodass statt "Das hätte ich nicht gedacht" nur ein "Das hat man sich ja von Anfang an denken können." Die zweite Auseinandersetzung findet mit Justus, dem unfreiwilligen Mitbewohner von Hannah statt. Justus wiederum ist so albern dargestellt, dass auch dieser Konflikt mich kaum beschäftigt hat. Auch in dem zweiten Teil spielt Zeitgeschichte kaum ein Rolle.
Insgesamt ist der Roman enttäuschend, weil einfach überflüssig.

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Veröffentlicht am 28.12.2024

Trivial

Damals waren wir frei
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Unbedingte Leseempfehlung für alle, die Herz-Schmerz-Geschichten mit Happy End lieben, in denen politisch-gesellschaftliche Prozesse zwar vorkommen, aber bloß nicht vertieft werden dürfen. Und die einen ...

Unbedingte Leseempfehlung für alle, die Herz-Schmerz-Geschichten mit Happy End lieben, in denen politisch-gesellschaftliche Prozesse zwar vorkommen, aber bloß nicht vertieft werden dürfen. Und die einen Sprachstil lieben, der die Emotionen der Handlungsfiguren möglichst detailliert vorgeben und der die Mühe des eigenen Einfühlens erspart. Die Dominanz der Wortart Adjektiv ist ein sicheres Indiz für einen trivialen Sprachstil.
Ich will nicht ungerecht sein: Es gibt vielversprechende Ansätze: das Erzählen auf zwei Zeitebenen, die Beschreibung des Doors-Konzertes zu Beginn, die Darstellung der Atmosphäre im Tanzpalast und des Falls der Berliner Mauer,die sehr authentisch wirkt.
Ärgerlich das Aufeinandertreffen von Mina und Ulli. Die Erzählerin spricht von Uli als dem „echten“ Vater. Ist Bernd etwa der „falsche“ Vater? Und dann: Mina zieht das rote Kleid ihrer Mutter an, das diese trug, als sie Ulli kennengelernt hat. Und was passiert? Richtig: Der erkennt seine Tochter, obwohl er keine Ahnung hat, das es sie überhaupt gibt. Sie fallen sich in die Arme und haben sich gleich lieb. Das ist unrealistisch und deshalb Kitsch.
Verpasste Chance:Ulli und Elli schauen sich in Westberlin den Film „Zur Sache, Schätzchen“ an. Ein Film, der ein Leben zeigt, wie es konträrer nicht zu dem Leben in Ostdeutschland sein kann. Leider erfährt der Leser/die Leserin mit keine Silbe, wie Elli auf den Film reagiert. Dabei wäre das doch spannend gewesen. Aber nein, die Erzählerin bleibt lieber bei der Gefühlsduselei.
Letztlich ist die Handlung trivial, kitschig: Ostberlinerin verliebt sich in Westberliner, der ihr über 20 Jahre der Trennung und Kontaktlosigkeit die Treue hält. Sie ist ihm letztlich auch treu und dafür dürfen sie sich nach dem Fall der Mauer endlich wiederfinden.

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Veröffentlicht am 10.11.2024

Eher enttäuschend

Reise nach Laredo
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Man kann es zunächst einmal eher philosophisch nehmen: Bücher gelten dem klassischen Humanismus als ein Weg zu einer humanen Gesellschaft. Bücher ermöglichen Bildung, gebildete Menschen aber ...

Man kann es zunächst einmal eher philosophisch nehmen: Bücher gelten dem klassischen Humanismus als ein Weg zu einer humanen Gesellschaft. Bücher ermöglichen Bildung, gebildete Menschen aber seien eher in der Lage, eine friedliche Gesellschaft zu begründen.
In Kai Meyers neuem Roman „Das Haus der Bücher und Schatten“ sind Bücher dagegen Anlass für eine ganze Reihe von Morden. Lange Zeit konzentriert sich die Suche von Cornelius Frey, Kommissar im Leipziger Graphischen Viertel, nach einem Motiv für die Morde auf Okkultismus, Antisemitismus, Nationalsozialismus und Kommunismus. Erst ganz zum Schluss gelingt es ihm, die Morde aufzuklären.
Ich sehe darin eher eine Schwäche des Romans, dass er eine Reihe von Themen anreißt, sie aber nur oberflächlich behandelt. Vor allem hat sich mir nicht erschlossen, welche besondere Rolle das historische Graphische Viertel in Leipzig spielt. Die Handlung könnte überall da verortet werden, wo Bücher produziert werden.
Mir ist der Roman streckenweise zu langatmig erzählt. Es ist schon richtig, eine bestimmte Erzählatmosphäre aufzubauen, aber es kann auch zu viel des Guten sein.
100 Seiten weniger und es wäre ein flotter Kriminalroman entstanden, der zwar keine besonders tiefgehenden Erkenntnisse vermittelt, aber doch für spannende Unterhaltung sorgt.

Veröffentlicht am 10.11.2024

Nicht ganz überzeugend

Das Haus der Bücher und Schatten
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Man kann es zunächst einmal eher philosophisch nehmen: Bücher gelten dem klassischen Humanismus als ein Weg zu einer humanen Gesellschaft. Bücher ermöglichen Bildung, gebildete Menschen aber ...

Man kann es zunächst einmal eher philosophisch nehmen: Bücher gelten dem klassischen Humanismus als ein Weg zu einer humanen Gesellschaft. Bücher ermöglichen Bildung, gebildete Menschen aber seien eher in der Lage, eine friedliche Gesellschaft zu begründen.
In Kai Meyers neuem Roman „Das Haus der Bücher und Schatten“ sind Bücher dagegen Anlass für eine ganze Reihe von Morden. Lange Zeit konzentriert sich die Suche von Cornelius Frey, Kommissar im Leipziger Graphischen Viertel, nach einem Motiv für die Morde auf Okkultismus, Antisemitismus, Nationalsozialismus und Kommunismus. Erst ganz zum Schluss gelingt es ihm, die Morde aufzuklären.
Ich sehe darin eher eine Schwäche des Romans, dass er eine Reihe von Themen anreißt, sie aber nur oberflächlich behandelt. Vor allem hat sich mir nicht erschlossen, welche besondere Rolle das historische Graphische Viertel in Leipzig spielt. Die Handlung könnte überall da verortet werden, wo Bücher produziert werden.
Mir ist der Roman streckenweise zu langatmig erzählt. Es ist schon richtig, eine bestimmte Erzählatmosphäre aufzubauen, aber es kann auch zu viel des Guten sein.
100 Seiten weniger und es wäre ein flotter Kriminalroman entstanden, der zwar keine besonders tiefgehenden Erkenntnisse vermittelt, aber doch für spannende Unterhaltung sorgt.