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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.01.2018

Warum mussten es 500 Seiten sein für diese Geschichte?

Ein letzter Tanz in Havanna
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Ich will nicht sagen, dass das Buch schlecht war… es war nur irgendwie viel zu lang. Diese Familiengeschichte zwischen Großbritannien und Kuba hatte viele kleine Verstrickungen und erzählte in Rückblenden ...

Ich will nicht sagen, dass das Buch schlecht war… es war nur irgendwie viel zu lang. Diese Familiengeschichte zwischen Großbritannien und Kuba hatte viele kleine Verstrickungen und erzählte in Rückblenden auch die Geschichte von Elisa, die als junges Mädchen von Havanna nach Bristol gekommen war, und ihrer unglücklichen Liebe zu dem Revolutionär Duardo. Aber ich denke, man hätte diesen Roman um 200 Seiten kürzen können und hätte trotzdem die Handlung noch gut untergebracht. Dann wäre es vielleicht auch eher ein Lesegenuss gewesen. So muss ich zugeben, dass ich einige Passagen nur quergelesen habe (ohne Wichtiges zu verpassen!).

Auch mit einigen Charakteren habe ich mich schwer getan, allen voran Duardo. Der stolze Kubaner konnte ihr auch nach Jahrzehnten nicht verzeihen, dass sie damals nach England gegangen ist. Sie erklärte ihm, man habe ihr gesagt, er sei bei Kämpfen ums Leben gekommen. Damit habe sie nichts mehr in Kuba gehalten. Duardo aber hat ihr vorgeworfen, sie habe nur nicht genug versucht herauszufinden, ob er nicht doch noch lebt, und ihn einfach „fallenlassen“. Also mal ehrlich! Was ist denn das für ein affektierter A… ? Selbst als er rausfand, das seine Mutter der treibende Keil war damals, hat er seiner Mami natürlich verziehen. Elisa war immer noch die Böse, weil sie ihn ja im Stich gelassen hat. Und Elisa liebt ihn natürlich trotz dieser Zurückweisungen auch nach 50 Jahren noch. Das empfand ich als vollkommen unrealistisch.

Es ist sicherlich eine nette Lektüre, dieses Buch, wenn man mal abtauchen will in ein anderes Land (wobei auch die Handlung in Bristol einen relativ großen Teil einnimmt). Aber wie gesagt – es hat bei mir keine Begeisterungsstürme ausgelöst und war für mich auch teilweise nicht ganz nachvollziehbar.

Veröffentlicht am 25.01.2018

Rosamunde Pilcher mit Mord

Je tiefer man gräbt
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Eigentlich hatte ich mir unter „Je tiefer man gräbt“ eine andere Art von Krimi vorgestellt. Der Titel ließ wenig Gutes erahnen und so erwartete ich eine Story, die eher in die düstere Richtung geht. Wahrscheinlich ...

Eigentlich hatte ich mir unter „Je tiefer man gräbt“ eine andere Art von Krimi vorgestellt. Der Titel ließ wenig Gutes erahnen und so erwartete ich eine Story, die eher in die düstere Richtung geht. Wahrscheinlich hätte ich den Klappentext besser lesen sollen, denn dieser weist darauf hin, dass man als Leser hier auch eine gehörige Portion Landschaft und Cornwall-Feeling bekommt.
Und so hatte ich dann beim Lesen auch den Eindruck, ich sei in ein Rosamunde-Pilcher-Buch gestolpert, nur dass hier auch noch Mord geboten wird. Das soll auch gar nicht abwertend klingen, denn schließlich hat Frau Pilcher nicht umsonst eine riesige Fan-Gemeinde.

Und ich fand die Geschichte und ihre Hauptfigur Margaret „Mags“ Blake sehr sympathisch. Sie entwickelte sich zu einer CosyCrime-Story, die gut zur Abendlektüre geeignet ist, wenn man nicht zuviel Blut und Action haben will. Und Entspannen am Wochenende mit diesem Buch ist auf jeden Fall auch gut machbar. Dann aber auch die Scones und den Tee nicht vergessen, um das Ganze standesgemäß zu zelebrieren!

Gestört hat mich jedoch am Ende ein wenig, dass das Motiv für den zweiten Mord in diesem Buch meines Erachtens nur unzureichend erläutert wird. Es machte den Eindruck, als bräuchte man nach der Hälfte der Geschichte noch einen Toten um die Spannung zu halten. Am Ende wurde für mich jedoch nicht wirklich deutlich, weshalb die Person das Zeitliche segnen musste. Und leider beschränkte sich die im Klappentext angekündigte „Ermittlerarbeit“ von Mags darauf, immer zufällig zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein, um den nächsten Schritt im Krimi hautnah mitzuerleben.

Auch wenn ich mich mit dem Buch sehr wohl gefühlt habe, kann ich daher nur 3 Sterne vergeben. Aber ich werde gern auch das nächste Buch von Mary Ann Fox (im übrigen, wie so oft, das Pseudonym einer deutschen Autorin) ausprobieren – schließlich kann man sich mit jedem Buch steigern und wenn sie das tut, wird mir der nächste Roman sicher gut gefallen!

Veröffentlicht am 21.01.2018

Der tägliche Kampf ums Überleben nach dem Krieg

Tausend Teufel
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Es ist kalt in diesem Februar des Jahres 1947 in Dresden. Temperaturen im zweistelligen Minusbereich und kaum Kohlen oder Holz zum Heizen. Nur eiskaltes Wasser. Und wenn man Glück hat, ab und zu ein paar ...

Es ist kalt in diesem Februar des Jahres 1947 in Dresden. Temperaturen im zweistelligen Minusbereich und kaum Kohlen oder Holz zum Heizen. Nur eiskaltes Wasser. Und wenn man Glück hat, ab und zu ein paar Kartoffeln oder mit Eichelschrot gestrecktes Brot. Man kann sich heutzutage nicht mehr vorstellen, welche Entbehrungen die Leute damals auf sich nehmen mussten. Und während ich in meinem kuschlig warmen Wohnzimmer saß und dieses Buch gelesen habe, regte sich das schlechte Gewissen, als ich nach einem guten 12-Uhr-Mittagessen schon um 16 Uhr ein Stück Apfelkuchen und einen frisch gebrühten Kaffee genießen konnte.

Oft habe ich mich während dieser Lektüre gefragt, ob das was der Autor hier beschreibt, wirklich sein kann: dass jemand kilometerweite Fußmärsche bei Minusgraden unternimmt, obwohl er den ganzen Tag nichts gegessen hat. Und am Vortag so gut wie nichts. Würde ich das überhaupt schaffen, ohne entkräftet hinzufallen? Es ging damals wohl, weil es gehen musste. Und wie schon bei „Der Angstmann“ hat mich neben dem gut und undurchsichtig aufgebauten Kriminalfall vor allem das zeitgeschichtliche Bild meiner Stadt gefesselt. Der Leser bekommt einen Eindruck von dem täglichen Kampf ums Überleben in einer geschundenen, zerrissenen Stadt.

Während sich noch ein paar eingefleischte Alt-Nazis unter den Bewohnern befinden, beherrschen die Offiziere der sowjetischen Besatzer die Stadt. Keiner weiß mehr, wem er trauen kann. Und sowieso ist sich in diesem eiskalten Winter jeder zwangsläufig selbst der Nächste. Das ist ein Minenfeld, das für einen guten Kriminalroman wie geschaffen ist. Und den hat Frank Goldammer zweifelsfrei geschaffen. Auch wenn mir sein Oberkommissar Heller ein kleinwenig zu viel Gutmensch ist. Dass jemand vor dem hier geschilderten Hintergrund so hochmoralisch bleiben kann wie Heller, kann ich mir fast nicht vorstellen. Mir fehlen an ihm noch ein paar Ecken und Kanten. Aber die können ja noch kommen in den nächsten Bänden – und auf die freu ich mich jetzt schon! (Band 3 ist zum Glück schon für Juni 2018 angekündigt).

Veröffentlicht am 16.01.2018

Von einer, die Träume stiehlt und einem, der Hoffnung sucht

Träume, die ich uns stehle
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Zunächst eine Warnung an alle Leser von Jojo Moyes, Viola Shipman, Lori Nelson Spielman oder Sofie Cramer: dies ist nicht das Buch, das ihr erwartet! Auch wenn die Aufmachung eine gefühlvolle und – nach ...

Zunächst eine Warnung an alle Leser von Jojo Moyes, Viola Shipman, Lori Nelson Spielman oder Sofie Cramer: dies ist nicht das Buch, das ihr erwartet! Auch wenn die Aufmachung eine gefühlvolle und – nach dem Cover zu urteilen – auch hoffnungsvolle Geschichte nahelegt, werdet ihr vielleicht enttäuscht sein. Denn schon nach wenigen Seiten dieses Buches ist klar: das hier wird kein Spaziergang und ja, das Sprichwort stimmt: das Leben ist kein Ponyhof.

Auf der einen Seite wird die Geschichte aus Laras Sicht erzählt: Lara, die nach einem Unfall im Krankenhaus ist und sich an nichts erinnern kann. Die von Beklemmungen gequält wird und von Worten, die sie nicht zurückhalten kann. Die von ihren Mitmenschen als ein wenig gaga wahrgenommen wird. Der Leser erlebt das zunächst als verwirrendes Sammelsurium aus Fakten, Träumen, Erinnerungen und… vielleicht Wahnvorstellungen?

Auf der anderen Seite ist da Thomas. Still ans Bett gefesselt, piepsen um ihn herum Maschinen, die er kaum wahrnimmt, wabern Erinnerungsfetzen durch seinen müden Geist und trudeln scheinbar zusammenhanglos vorbei. Wohin soll das führen? habe ich mich nach einem Viertel des Buches gefragt und wusste immer noch nicht, was ich davon halten sollte.
Ich gebe zu, ich habe ein gutes Stück des Buches gebraucht, um mich an den Schreibstil zu gewöhnen und mit Lara und der Geschichte warm zu werden.
Dann entfaltet die Geschichte ihren Reiz und zeigt, wie sich zwei Menschen mit tragischem Hintergrund gegenseitig helfen können, wieder „ganz“ zu werden.

Mit der Bewertung des Romans tue ich mich sehr schwer, weil man sich wirklich auf die Geschichte einlassen muss. Gelingt einem das nicht, wird man den Roman verwirrt beiseite legen. Siegt die Neugier, wird man mit einer interessanten Geschichte im Kontext psychischer Krankheiten belohnt. Da ich persönlich mich recht schwer getan habe, Zugang zu den Charakteren und der Handlung zu finden, waren es für mich „nur“ 3 Sterne. Was aber nicht heißen soll, dass das Buch nicht gut ist. Es ist nur einfach nicht ganz MEIN Buch gewesen.

Veröffentlicht am 11.01.2018

Feuer und Flamme

Zorn - Lodernder Hass
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Zorn und Schröder sind wie ein Paar alte Latschen. Die passen einfach zusammen. Und sie müssen gar nicht mehr drüber reden. Jede Stänkerei ist im Grunde ein Freundschaftbekenntnis und man hat jedes Mal ...

Zorn und Schröder sind wie ein Paar alte Latschen. Die passen einfach zusammen. Und sie müssen gar nicht mehr drüber reden. Jede Stänkerei ist im Grunde ein Freundschaftbekenntnis und man hat jedes Mal ein Lächeln auf den Lippen, wenn man die Büro- oder Privatszenen mit den beiden liest. Zumindest mir geht es so.

Der siebte Fall für Zorn & Schröder (bzw. Schröder und Zorn, denn der kleine Dicke ist ja jetzt Chef des großen Grantlers Zorn) geizt nicht mit Blut und heftigen Szenen. Wenn ich die „Kollateralschäden“ mit einrechne, dürfte die Zahl der Toten in diesem Band zweistellig sein. Halle an der Saale ist eben ein gefährliches Pflaster…

Die beiden Hauptdarsteller bleiben sich auch in diesem Krimi treu: der eine grummelt, der andere menschelt und beweist dennoch eine feine Nase für die kriminalistischen Zusammenhänge. Während Zorn noch in Selbstmitleid versinkt, weil er bei einem dienstlichen Unfall mehrere Finger eingebüßt hat, stellt sich Schröder undercover in einer Psychotherapiegruppe seiner traumatischen Vergangenheit. Auch wenn ihm das fast zum Verhängnis wird. Auch wenn Titel und Klappentext vermuten lassen, dass es hauptsächlich um den jugendlichen Pyromanen Ignaz geht, ist die Geschichte weitaus vielschichtiger – es ist also mehr als nur Feuer & Flamme, was hier eine Rolle spielt.

Ich freu mich auf jeden neuen Fall von Zorn & Schröder – und wurde auch diesmal von der Spannung her nicht enttäuscht. Der Krimi entwickelt sich schnell und trotzdem logisch. Am Ende gab es eine für mich unerwartete Überraschung – der Fall blieb für mich bis zum Schluss rätelhaft und undurchsichtig. So muss das sein bei einem Krimi. Nur die doch teilweise recht heftigen Details finde ich manchmal etwas zuviel des Guten (bzw. Schlechten).

Ich bin schon gespannt, was Band 8 bringt!