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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.03.2026

absurd und einprägsam

Es war nicht anders möglich
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Nach dem Lesen kann ich meine Gefühle zu diesem Buch noch nicht so richtig einordnen. Die Stimmung ist düster und melancholisch, es wird schnell deutlich, wie sehr Protagonistin Martina leidet. Andererseits ...

Nach dem Lesen kann ich meine Gefühle zu diesem Buch noch nicht so richtig einordnen. Die Stimmung ist düster und melancholisch, es wird schnell deutlich, wie sehr Protagonistin Martina leidet. Andererseits scheint sie sich selbst auch aufgegeben zu haben, lässt sich ziellos treiben und kämpft nicht für sich. Sie ist nicht in der Lage Verantwortung für sich oder ihr Handeln zu übernehmen. Im Verlauf der Handlung wird dies immer deutlicher und diesem Zerfall durch die Perspektive der Protagonistin beizuwohnen ist für mich schwer auszuhalten gewesen.
Dabei ist M. als Erzählerin ziemlich unzuverlässig, ihre Perspektive getrübt durch Substanzkonsum, Trauer und Dissoziation, psychischen Krisen und Verzerrung der Realität. Die geschilderten Inhalte mit einer anderen Perspektive wären vermutlich noch weniger aushaltbar. Damit ist diese Erzählperspektive wirklich interessant, denn so klar ist nie, was nun M.s Wahrnehmung oder die Realität ist. Auf diese Unzuverlässigkeit und generell aber auch Absurdität der Schilderungen musste ich mich aber erst ein mal einstellen und ich bin mir noch immer nicht sicher, ob es mir schlussendlich gefallen hat. Der Erzählfluss ist aufgrund der eigenwilligen Perspektive stockend und teils unzusammenhängend - das ist im großen Gesamtbild stimmig, im direkten Lesen jedoch auch immer wieder eine Unterbrechung.
Vorrangig hatte ich während des Lesens Mitleid mit M. und ich wünschte mir, dass sie sich ein bisschen besser zusammenbekommt - andererseits war ich auch überrascht, dass sie noch so selbstständig leben kann, wie es beschrieben ist.
Insgesamt tut mir M. einfach nur leid. Sie hat keinerlei soziales Netz, das sie auffangen könnte. Sie wirkt ankerlos und damit auch in sich recht verloren.

"Es war nicht anders möglich" ist auf jeden Fall ein Buch, das sich abhebt und einige Zeit in Erinnerung bleiben wird…

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Veröffentlicht am 24.03.2026

Salto

Salto
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"Salto" von Kurt Prödel ist in der Hörbuchfassung von Lukas von Horbatschewsky gesprochen. Ich höre Hörbücher meist in einer schnelleren Geschwindigkeit, bei diesem Buch beinahe in doppelter Geschwindigkeit. ...

"Salto" von Kurt Prödel ist in der Hörbuchfassung von Lukas von Horbatschewsky gesprochen. Ich höre Hörbücher meist in einer schnelleren Geschwindigkeit, bei diesem Buch beinahe in doppelter Geschwindigkeit. Mir sind Hörbücher meist zu langsam eingesprochen. Die Stimme des Sprechers kann ich daher nur bedingt einschätzen, aber auch bei höherer Geschwindigkeit war diese noch sehr angenehm zu hören, Betonungen kamen gut heraus und auch verschiedene Charaktere waren durch eine gute modulierte Stimmführung erkennbar.
Protagonist Marko ist ein sehr nahbarer Charakter, dessen Lebensrealität von Widrigkeiten geprägt ist. Als Leser:in begleitet man Marko durch den Abschluss der Abiturphase und den Beginn des Studiums. Aufgrund fehlender Zusagen in Ungarn - eine Hürde für eine Person, die mit Armut aufwächst. Dabei schafft es Prödel hervorragend die Schwierigkeiten des Identitätfindens und der Suche nach dem eigenen Platz im Leben im Rahmen der späten Adoleszenz zu beschreiben.
Sowohl bei Marko, als auch bei seiner (Ex-)Freundin Claire kommt es im Handlungsverlauf zu medizinischen Schicksalsschlägen, so dass auch auf dieser Ebene eine Auseinandersetzung stattfindet. Die Schwierigkeiten sich im eigenen eigenenständigen Leben zu navigieren, sich Sorgen um seine Liebsten zu machen und dabei selbst Einschränkungen zu erfahren sind in diesem Coming-of-Age-Roman gut dargestellt.
Die Stimmung des Buches ist meist düster ohne dabei zu deprimierend zu sein. Schwierigkeiten gehören zum Leben dazu und werden in diesem Buch ohne Stigma geschildert.
Insgesamt habe ich eine gute Zeit mit diesem Buch gehabt, zwischendurch gab es einige inhaltliche Längen, dennoch haben mir die Aufmachung und Thematik hervorragend gefallen.

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Veröffentlicht am 15.03.2026

Vierzig Gefangene

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Das Setting dieses Buches ist wahrlich dystopisch und auch durch die Erzählperspektive ziemlich speziell: Die Erzählerin lebt ihr gesamtes Leben, an das sie sich erinnern kann auf einem Planten mit anderen ...

Das Setting dieses Buches ist wahrlich dystopisch und auch durch die Erzählperspektive ziemlich speziell: Die Erzählerin lebt ihr gesamtes Leben, an das sie sich erinnern kann auf einem Planten mit anderen Frauen, zunächst eingesperrt in einem Käfig. Die Geschichte wird rückblickend erzählt, die Erzählerin schaut auf ihr Leben zurück und berichtet von ihren Erlebnissen.
Die Story bleibt ruhig, die Handlung zieht sich gemächlich, ohne nennenswerte Spannungsspitzen. Das passt zum Gesamtbild, hatte für mich dadurch aber auch einige Längen und Wiederholungen.
Autorin Jacqueline Harpman schrieb dieses Buch bereits 1995 und unter dieser Gegebenheit sollte es auch gelesen werden: Es finden sich viele analytische und gesellschaftskritische Elemente. Es geht vor allem auch um eine Auseinandersetzung mit dem Sinn und Zweck der Gesellschaft, auf einer übergeordneten Ebene auch um den Sinn des Lebens und der Frage nach Freiheit. Hier stößt Harpman viele Fragen an und lässt den Großteil davon unbeantwortet.
Insgesamt ist "Ich, die ich Männer nicht kannte" ein sehr leiser und nachdenklicher Roman, der existenzielle Fragen in dystopischen Setting aufwirft.

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Veröffentlicht am 05.03.2026

ohne Titel

Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel
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"Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" von Alena Schröder ist in der Hörbuchfassung von Julia Nachtmann gesprochen. Ich höre Hörbücher meist in einer schnelleren Geschwindigkeit, bei diesem Buch ...

"Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" von Alena Schröder ist in der Hörbuchfassung von Julia Nachtmann gesprochen. Ich höre Hörbücher meist in einer schnelleren Geschwindigkeit, bei diesem Buch beinahe in doppelter Geschwindigkeit. Mir sind Hörbücher meist zu langsam eingesprochen. Die Stimme der Sprecherin kann ich daher nur bedingt einschätzen, aber auch bei höherer Geschwindigkeit war diese noch sehr angenehm zu hören, Betonungen kamen gut heraus und auch verschiedene Charaktere waren durch eine gute modulierte Stimmführung erkennbar. Vor allem der Einsatz von Dialekten wirkte authentisch und konnte die Charaktere dadurch noch einmal realer erscheinen lassen.
Die Bücher von Autorin Alena Schröder lese ich immer gern. Dieses Buch reiht sich in die vorangegangenen Bücher ›Junge Frau, am Fenster stehend, Abendlicht, blaues Kleid‹ und ›Bei euch ist es immer so unheimlich still‹ ein, weswegen es für einen großen Zusammenhang sinnvoll ist diese Bücher auch gelesen zu haben. Inhaltlich ist jedes Buch in sich jedoch eine geschlossene Geschichte und kann alleinstehend gelesen werden. In diesem Buch werden zwei Geschichten in unterschiedlichen Zeitebenen parallel erzählt. Der Wechsel zwischen den Protagonistinnen hat mir gut gefallen und auch die Zusammenführung beider Handlungsstränge ist auf einer übergeordneten Ebene gut gelungen.
Gefallen haben mir ebenso Sprache und Schreibstil. Die Darstellung zweier unterschiedlicher und doch Gemeinsamkeiten habender Charaktere ist hervorragend gelungen - ebenso die Entwicklung beider. Für mich waren beide Erzählstränge gleichermaßen fesselnd. Schröder schafft es in einer ruhigen Atmosphäre dicht und zu erzählen und Emotionen zart herauszuarbeiten.
"Mein ganzes Leben, Öl auf Leinwand, ohne Titel" kann ich, genauso wie die zwei zugehörigen Bücher, nur empfehlen!

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Veröffentlicht am 25.02.2026

Therapie und Übertragung

Happiness Forever
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"Happiness Forever" ist ein Roman von Adelaide Faith. Am Klappentext hat mich der Humor interessiert, auch die Grundstory über die Obsession mit der Therapeutin klang sehr interessant. Übersetzt wurde ...

"Happiness Forever" ist ein Roman von Adelaide Faith. Am Klappentext hat mich der Humor interessiert, auch die Grundstory über die Obsession mit der Therapeutin klang sehr interessant. Übersetzt wurde das Buch durch Henriette Zeltner-Shane.
Vorneweg muss ich sagen, dass ich den Humor, den der Klappentext einbringt im restlichen Buch weniger ausgeprägt erlebt habe. Das fand ich etwas schade. Dennoch war der Stil angenehm zu lesen. Die Story dreht sich um die Obsession von Protagonistin Sylvie mit ihrer Therapeutin. Von Beginn an scheint dieses Ungleichgewicht merkwürdig an. Sylvie selbst ist eine Person, die nicht gut in ihrem Leben angekommen ist. Durch viele skizzierte Therapiesitzungen werden vergangene, missbräuchliche Erfahrungen beschrieben. Spannend fand ich, dass die Obsession der Therapeutin kommuniziert wird, diese das sehr entspannt nimmt und mit Übertragung argumentiert, Durch diese Einordnung entstand für mich keine sonderliche Dynamik in dieser Beziehung, Sylvies Empfindungen liefen in luftleeren Raum. Interessanter fand ich dafür die Entwicklung der Freundschaft zu Chloe, wenngleich viele vage Stellen in den Beschreibungen zu finden sind.
Insgesamt hat mich dieses Buch eher verwundert als begeistert. Die eigenliche Handlung kann dem Teaser des Klappentextes nicht ganz gerecht werden. Dennoch ist die ruhige und durchaus besonnene Handlung gut zu verfolgen - ich hätte mir mehr Charakterentwicklung gewünscht, denn Weiterentwicklung sieht man bei Sylvie eher nicht.

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