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Veröffentlicht am 18.07.2020

Liebe in Zeiten des Krieges

Eine Liebe zwischen den Fronten
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"Eine Liebe zwischen den Fronten" ist der erste Roman, den ich von Maria W. Peters gelesen habe - und er gefällt mir sehr gut! Ich lese meist Romane, die im 20. Jahrhundert spielen und muss zugeben, dass ...

"Eine Liebe zwischen den Fronten" ist der erste Roman, den ich von Maria W. Peters gelesen habe - und er gefällt mir sehr gut! Ich lese meist Romane, die im 20. Jahrhundert spielen und muss zugeben, dass ich vergleichsweise wenig über den Deutsch-Französischen Krieg weiß bzw. wusste. Von daher war es für mich spannend, in diese Epoche und in diesen Konflikt tiefer einzutauchen.

Der historische Roman von Maria W. Peters handelt zum einen – und das ist natürlich der Hauptstrang – von Paul, einem Preußen und Madeleine, einer Französin. Gerade als Paul Madeleine einen Heiratsantrag machen will, zerstört die Nachricht über den anbrechenden Krieg die Idylle. Paul und Madeleine werden getrennt, versuchen, die Hoffnung auf ein Wiedersehen und ein Ende des Krieges nicht aufzugeben, während beide von Elend umgeben sind. Die Geschwister Karim und Djamila aus Algerien spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, ebenso wie Madeleines Bruder Clément. Es sei nicht zu viel verraten, aber alle Charaktere müssen sich mit ihren Werten und den Rollen, die sie in diesem Krieg spielen, auseinandersetzen, manche gehen dabei radikaler vor als andere, jeder aber stellt sich schlussendlich die Frage, was ihm wichtig ist und wofür es sich lohnt, zu (über)leben. Ich denke, jede der Figuren findet auch eine Antwort.

Mir hat bereits der Anfang der Geschichte zugesagt, ich wurde schnell von den Eindrücken, Beschreibungen und Gefühlen in den Bann gezogen. Besonders Paul und Madeleine sind mir ans Herz gewachsen. Schwierigkeiten hatte ich erst mit den anderen Handlungssträngen. Mein Verhältnis zu Romanen, in denen mehr als zwei Handlungsstränge dargestellt werden, ist gespalten. Manchmal verleihen sie dem Buch Tiefe, manchmal verwirren sie nur die Leser und die Geschichte bleibt oberflächlich. Gerade Djamila und Karim passten für mich am Anfang nicht richtig in die Geschichte – für mich war der Bruch von der Liebesgeschichte um Paul und Madeleine zu schroff und plötzlich. Allerdings muss ich zugeben, dass Djamila schon bald zu einem meiner Lieblingscharaktere wurde und ich im Laufe der Geschichte mehr Gefallen an den anderen Handlungen gefunden habe. Mir war klar, dass die Schicksale der Figuren miteinander zusammenhängen, fand aber das Ende, in dem dieses Zusammenspiel besonders deutlich wird, weitaus eindrucksvoller und schöner, als ich es mir vorgestellt habe.

Der Schreibstil war klar und trotzdem poetisch, er passte zur Geschichte. Mir sind ein paar Rechtschreib- bzw. Zeichensetzungsfehler aufgefallen, die aber vielleicht noch korrigiert werden (?).

Insgesamt bin ich dankbar, „Eine Liebe zwischen den Fronten“ gelesen zu haben. Der Roman ist gefühlvoll und romantisch, ohne kitschig zu sein. Er führt die Grauen des Krieges und die Folgen für die Menschen, die von diesem betroffen sind, schonungslos vor Augen, ohne sinnlos brutal zu werden oder zu beschönigen. Wirklich toll!

  • Cover
  • Geschichte
  • Thema
  • Erzählstil
  • Figuren
Veröffentlicht am 13.05.2020

Poetisch und düster

Die letzten Zeilen der Nacht
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Zum Inhalt des Buches ist nicht mehr viel hinzuzufügen. Letztendlich handelt die Geschichte von einem Mädchen (oder einer jungen Frau), das mit seinen Eltern an einen neuen Ort zieht und sich dort - so ...

Zum Inhalt des Buches ist nicht mehr viel hinzuzufügen. Letztendlich handelt die Geschichte von einem Mädchen (oder einer jungen Frau), das mit seinen Eltern an einen neuen Ort zieht und sich dort - so weit es geht- zurechtfinden muss. So ist zumindest die Ausgangslage. Wirklich glücklich scheint Saiza aber, trotz neuer Bekanntschaften, nur zu sein, wenn sie schreibt. Da sie jedoch in einer Welt lebt, in der das Schreiben Männersache ist, versucht sie, ihre Leidenschaft geheim zu halten.
Dann trifft Saiza auf den Spinnengott und viel mehr lässt sich über den Inhalt nicht schreiben, ohne zu viel zu verraten.
Ich kann mir vorstellen, dass die Geschichte einigen Lesern zu düster ist. Die Beziehung zwischen Saiza und dem Spinnengott ist sehr komplex und für die beiden selbst zum Teil verwirrend. Dennoch passt das Buch in den Bereich Romantasy. Wer sich aber eine glückliche, "farbenfrohe" Geschichte wünscht, sollte von diesem Roman die Finger lassen.
Mich persönlich hat die Geschichte um Saiza und den Spinnengott absolut fasziniert. Das liegt nicht nur an der unglaublich interessanten Beziehung zwischen den beiden Charakteren, sondern auch an der poetischen Sprache. Die Gedichte, die in der Geschichte vorkommen, sind wunderschön. Ich habe beim Lesen ein Wirrwarr an Gefühlen durchlebt: von Hoffnung, Hoffnungslosigkeit, Freude und Verachtung war alles vorhanden. Nicht zuletzt sind andere (Rand-)Themen, mit dem sich der Roman beschäftigt, schon fast auf philosophische Art und Weise faszinierend: die Liebe zwischen Vater und Tochter, Furcht und Abhängigkeit und nicht zuletzt der Preis des Ruhms...Für mich eine klare Leseempfehlung!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere