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Veröffentlicht am 10.11.2022

Eine Tragödie, die zu Herzen geht

Feldpost
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„Feldpost“ umfasst nur knapp 300 Seiten und Mechthild Borrmann nutzt jede einzelne davon aus. Dieses Buch ist wirklich von der ersten bis zur letzten Zeile fesselnd. Die Geschichte zieht den Leser in den ...

„Feldpost“ umfasst nur knapp 300 Seiten und Mechthild Borrmann nutzt jede einzelne davon aus. Dieses Buch ist wirklich von der ersten bis zur letzten Zeile fesselnd. Die Geschichte zieht den Leser in den Bann und lässt ihn nicht mehr los, noch lange über das letzte Wort hinaus.
Der Klappentext ist relativ wage und ich hatte eigentlich gar nicht so wirklich eine Vorstellung, worum es geht. Vermutet hatte ich eine Geschichte über die unrechtmäßige Aneignung von Besitz im zweiten Weltkrieg. Tatsächlich wird dies zwar auch thematisiert, aber im Zentrum steht eine Liebesgeschichte, die so tragisch ist, dass es einem das Herz zerreißt.
Als die Rechtsanwältin Cara zufällig auf alte Briefe stößt, beginnt sie neugierig zu recherchieren. Der überwiegende Teil der Handlung spielt dann in der Vergangenheit, als die Familie Kuhn versucht, den Krieg zu überleben. Um den Gefängnis zu entgehen, fliehen die Eltern ins Ausland. Eine Odyssee voller Gefahren und Ungewissheiten beginnt.
Sohn Albert wird ebenfalls zu einer Haftstrafe verurteilt und lebt fortan als Flüchtling im Verborgenen. Tochter Adele versucht einfach das Richtige zu tun. Für ihren Bruder, ihre Familie und die Menschen, die ihr etwas bedeuten. Obwohl sie die besten Absichten hat, löst sie eine Tragödie aus.
Dieses Buch hat mich so mitgenommen, weil die Charaktere niemals den Mut verlieren und immer Hoffnung behalten, egal, welche Widrigkeiten sich ihnen in den Weg stellen. Und trotzdem spielt das Schicksal ihnen so übel mit. Mechthild Borrmann scheut sich nicht davor, ihren Protagonisten ein Happy-End zu verwehren. Ich hatte vermutet und gehofft, wie die Geschichte enden könnte, aber am Ende ist alles anders als erwartet. Auf der letzten Seite angekommen, saß ich mit dem Buch in der Hand einen Augenblick schockiert da und musste das Gelesene kurz verarbeiten.
Ich würde „Feldpost“ gerne mit mehr als 5 Sternen bewerten und empfehle es unbedingt weiter.

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Veröffentlicht am 05.11.2022

So macht lesen Spaß

Die Töchter der Ärztin
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Nachdem mir die Reihe um die Polizeiärztin Magda Fuchs so gut gefallen hat, wollte ich Helene Sommerfelds neues Buch unbedingt lesen. Hier handelt es sich um eine Ergänzung zu ihrer erfolgreichen „Die ...

Nachdem mir die Reihe um die Polizeiärztin Magda Fuchs so gut gefallen hat, wollte ich Helene Sommerfelds neues Buch unbedingt lesen. Hier handelt es sich um eine Ergänzung zu ihrer erfolgreichen „Die Ärztin“ Trilogie, welche ich ehrlich gesagt nicht kenne, da ich selten Romane lese, die vor 1900 spielen. Vorkenntnisse sind auch nicht unbedingt erforderlich um „Die Töchter der Ärztin“ verstehen zu können, da zum einen die wesentlichen Punkte zusammengefasst werden und zum anderen die beiden Töchter Henny und Toni im Zentrum sind.
Henny steht mit beiden Beinen fest im Leben und verfolgt ehrgeizig ihre Karriere. Am Anfang der Geschichte wirkte sie sehr zugeknöpft und streng auf mich, auch im Umgang mit ihrer Tochter. Deswegen fand ich es sehr schön, ihre Entwicklung zu beobachten. Henny trifft ihren Exmann wieder. Beide scheinen auf den ersten Blick nicht zueinander zu passen, doch schnell stellt sich heraus, dass sie sich perfekt ergänzen. Je aufgeschlossener Henny wurde, desto sympathischer wurde sie mir.
Mit der jüngeren Schwester Toni ging es mir ganz anders. Sie ist so aufgeweckt und neugierig, dass man sie sehr schnell ins Herz schließt.
Toni hat keine Erinnerung an ihre Kindheit in Afrika und hat dieses Land auf einen Podest gestellt. Als sie dort ankommt, stellt sie schnell fest, dass die Realität nicht viel mit ihren Träumen gemein hat. Die Menschen begegnen ihr mit Misstrauen und das Wohl der Patienten steht nicht an erster Stelle, sondern die finanziellen Mittel.
Obwohl ich grundsätzlich alles an diesem Buch super fand, hat mir der Teil, der in Afrika spielt, besonders gut gefallen. Zur damaligen Zeit war es sehr außergewöhnlich, dass eine Frau alleine so weit reist, insbesondere, da man die Strecke mit dem Schiff zurücklegen musste und sehr lange unterwegs war.
Ich fand Toni ausgesprochen mutig. Ihre Erlebnisse in dem fernen Land waren sehr interessant, spannend und überraschend tragisch.
„Die Töchter der Ärztin – Zeit der Sehnsucht“ war für mich ein Highlight. Genau diese Art von Buch zeigt mir, warum lesen so ein wunderbares Hobby ist. Der Schreibstil war so lebendig und mitreißend, dass es mir sehr leicht fiel, mich auf die Handlung zu konzentrieren und den Alltag hinter mir zu lassen. Ich wollte den Roman gar nicht aus der Hand legen und habe gerne längere Zeit am Stück gelesen. Dieses Buch ist das, was man sich unter einem Schmöker vorstellt.

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Veröffentlicht am 05.11.2022

Extrem harte Kost

Das letzte Versprechen
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Vom Banat und den Donauschwaben hatte ich noch nie etwas gehört. Von daher fand ich Hera Linds neuen Roman „Das letzte Versprechen“ wirklich interessant und lehrreich. Egal, wie viel Zeit vergeht, man ...

Vom Banat und den Donauschwaben hatte ich noch nie etwas gehört. Von daher fand ich Hera Linds neuen Roman „Das letzte Versprechen“ wirklich interessant und lehrreich. Egal, wie viel Zeit vergeht, man darf die Vergangenheit nicht einfach vergessen.
Das Banat liegt heute in Rumänien, Serbien und Ungarn. Vor vielen Jahren siedelten sich dort Deutsche an. Nach dem Ende des zweiten Weltkriegs wurden die sogenannten Donauschwaben für die Verbrechen von Adolf Hitler bestraft, obwohl sie selbst niemals in Deutschland waren und mit dem Krieg im Grunde nichts zu tun hatten. Die Hölle, die diese Leute durchmachen mussten, übersteigt jede Vorstellung. Jahrelange Zwangsarbeit, Misshandlungen, ständiger Hunger und katastrophale hygienische Zustände sind nur einige Beispiele des Martyriums. Wie ein Mensch so etwas aushalten kann, ist unfassbar.
Gerade, weil man sich all das nicht einmal ansatzweise vorstellen kann, war es der Autorin vermutlich so wichtig, dem Leser ein detailliertes Bild zu vermitteln. Schier endlose Szenen von Gewalt reihen sich aneinander und die sehr graphische Darstellung haben „Das letzte Versprechen“ zu einer sehr harten Kost für mich gemacht.
Selbst die Kindheitserinnerungen von Amalie sind voller Schläge und Lieblosigkeit.
Das Buch beruht auf wahren Tatsachen und das Leben der Personen, die Vorbild für die Charaktere sind, war alles andere als ein Märchen.
Dieser Roman ist unfassbar düster. Selbst nach der Aussiedlung nach Deutschland reiht sich ein Schicksalsschlag an den anderen. „Das letzte Versprechen“ schlug mir sehr aufs Gemüt und war teilweise schwer auszuhalten.
Leider hat mir auch der Schreibstil nicht sonderlich zugesagt. Dies war mein erster Tatsachenroman von Hera Lind, deswegen habe ich keine Vergleichswerte. In diesem hier, ist alles sehr einfach ausgedrückt. Zunächst dachte ich, es liegt daran, dass Anna zu Beginn der Geschichte erst 5 Jahre alt ist. Aber auch die Kapitel aus der Perspektive von ihrer Mutter Amalie klingen teilweise recht kindlich. Die ständige Wiederholung von „meine liebe Oma“, „meine liebe Mama“ etc. hören sich in meinen Ohren etwas eigenartig. Auch die häufige Verniedlichung („ich grub mit meinen kleinen Händchen“ usw.) fand ich überflüssig. Diese Babysprache stand in einem extremen Gegensatz zur Brutalität der beschriebenen Szenen, dass ich es einfach deplatziert fand. Manche Sachen werden auch doppelt und dreifach in identischer Wortwahl erzählt.
Glücklicherweise musste niemand von uns erleben, was die Protagonisten durchgemacht haben, deswegen ist es unmöglich, sich in die Charaktere hineinzudenken. Am Anfang hatte ich auch mit allen sehr viel Mitgefühl. Im weiteren Verlauf fand ich manche Personen einfach nur noch schrecklich. Amalies Schwiegereltern haben alles für ihr Enkelkind getan, sind buchstäblich durch die Hölle gegangen. Und trotzdem müssen sie sich von ihrer Schwiegertochter wie der letzte Abschaum behandeln lassen. Nach allem, was Annie bereits durchgemacht hat, wird sie von ihrer Mutter immer weiter misshandelt. Zwar nicht physisch aber psychisch.
Bis auf einzelne Momente ist dieses Buch einfach nur grausam und trostlos und deswegen war ich ehrlich gesagt froh, als ich auf der letzten Seite angekommen war.

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Veröffentlicht am 30.10.2022

Brutales Verbrechen in einer Urlaubsidylle

Grenzfall - Der Tod in ihren Augen
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„Grenzfall – Der Tod in ihren Augen“ ist der Auftakt einer Krimireihe, die sich mit Fällen befasst, die grenzübergreifend in Deutschland und in Österreich stattfinden. Der Schreibstil von Anna Schneider ...

„Grenzfall – Der Tod in ihren Augen“ ist der Auftakt einer Krimireihe, die sich mit Fällen befasst, die grenzübergreifend in Deutschland und in Österreich stattfinden. Der Schreibstil von Anna Schneider lässt sich sehr leicht lesen und durch die kurzen Kapitel fliegt man förmlich durch die Seiten. Die junge Kommissarin Alexa war mir direkt sympathisch. Sie nimmt eine neue Stelle an und wird gleich ins kalte Wasser geworfen, als ihr die Leitung eines komplizierten Falls übertragen wird. Dabei hat sie aufgrund ihres Geschlechts und ihrer geringen Berufserfahrungen mit allerlei Diskriminierungen zu kämpfen. Mir kamen die Beschreibungen sehr authentisch vor und ich habe Alexa dafür bewundert, wie souverän sie Provokationen kontert.
Der österreichische Kollege Kammerer ist da schon weit weniger liebenswert. Er ist sehr von sich selbst eingenommen. Seine Erfahrung mit Verbrechern hat ihn desillusioniert und er geht grundsätzlich vom Allerschlechtesten aus.
Alexa und Kammerer könnten gegensätzlicher nicht sein. Trotzdem geben sie auf ihre Art ein interessantes Team ab und die Autorin schafft die Grundlage für eine intensivere Weiterentwicklung in den Folgebänden.
„Grenzfall“ spielt dort, wo andere Urlaub machen, mitten in den Bergen. Die Landschaft wird idyllisch und ansprechend beschrieben und weckte bei mir Fernweh. Die Region um Bad Tölz ist wunderschön, aber das Verbrechen, welches Anna Schneider in diese Postkartenlandschaft setzt, ist bestialisch. Durch die Brutalität wird „Grenzfall“ mir sicherlich ein wenig länger in Erinnerung bleiben.
Allgemein ist das Buch in der ersten Hälfte eher ruhig. Der Krimi ist aus Sicht der Kommissare geschrieben und der Fokus liegt auf der Polizeiarbeit und verschiedenen Verhöre.
Ab ungefähr der Mitte nimmt die Spannung mit jedem Kapitel zu. Der Fall bleibt bis zum Ende undurchsichtig, die Auflösung war tatsächlich eine Überraschung für mich, da ich mich auf einen anderen Verdächtigen eingeschossen hatte.
Der Auftakt dieser Reihe hat mir gut gefallen und ich werde auf jeden Fall auch den zweiten Band lesen.

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Veröffentlicht am 23.10.2022

Pure Magie

Die Wintergarten-Frauen. Der Traum beginnt
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Dieses Buch ist pure Magie. „Die Wintergarten Frauen“ ist bildgewaltig, aufregend und voller pulsierender Energie. Der Auftakt von Charlotte Roths neuer historischer Romantrilogie war für mich einfach ...

Dieses Buch ist pure Magie. „Die Wintergarten Frauen“ ist bildgewaltig, aufregend und voller pulsierender Energie. Der Auftakt von Charlotte Roths neuer historischer Romantrilogie war für mich einfach grandios.
Die 20-jährige Nina wächst behütet und geliebt in der Uckermark auf. Von Kindheit an ist sie ein Freigeist, der vom Theater besessen ist. Ihr Bruder Carlos ermöglicht ihr einen Umzug nach Berlin. Allein in der Metropole stellt Nina schnell fest, dass es in der Realität sehr viel schwerer ist, ihren Traum zu leben, als sie es sich in der Geborgenheit ihres Dachbodens ausgemalt hat. Auf ihrem Weg zum Ziel trifft sie auf viele außergewöhnliche Personen.
Was mir an Nina sehr gefallen hat, war ihre unerschütterliche Energie und ihr Glaube an sich selbst. Sie hat keine Ausbildung und im Grunde von nichts eine Ahnung. Sie ist sehr isoliert aufgewachsen und hatte außer ihrer Familie keine sozialen Kontakte. Trotzdem weiß sie, dass sie Talent hat und zu Größerem bestimmt ist.
Ihr offen zur Schau getragenes Selbstbewusstsein verschafft ihrer Sympathie keinen Dämpfer. Sie ist eine gutherzige, junge Frau, die man einfach mögen muss. Sie hat kaum Geld und das Wenige, was sie hat, teilt sie noch mit anderen.
Manchmal wirkt Nina fast wie ein Kind und an anderen Stellen scheint sie so viel weiser, als ihre 20 Jahre. Ich fand sie auf jeden Fall toll und habe ihr von allem das Beste gewünscht.
Die Charaktere in diesem Buch sind ein kunterbuntes Sammelsurium. Da ist zum Beispiel Jenny, die ihren Körper bis zum Rand des Unmöglichen verbiegen kann, Sonja, die in sekundenschnelle beeindruckende Skizzen malen kann, Darius mit seinen zahlreichen Katzen und viele andere. Alle haben eins gemeinsam, obwohl sie bettelarm sind, sind sie immer füreinander da und lassen niemanden im Stich. Die Wohn- und Arbeitssituationen waren in den 20er Jahren katastrophal, Geld entwertete sich schneller, als man schauen kann und doch ist „Die Wintergarten Frauen“ vor allem ein positiver Roman. Perfekt geeignet für eine Flucht, in eine Welt voller Zauber. Ich habe mich perfekt unterhalten gefühlt.
Die Dialoge sind oft in blumiger Sprache und insbesondere Jenny liebt es, eigene Worte zu kreieren, was dem Buch einen ganz besonderen Charme verleiht und mir viel Freude bereitet hat.
Dies ist der Auftakt einer Trilogie und so nimmt sich die Autorin Zeit, das Thema Varieté einzuführen. Der Wintergarten spielt hier eigentlich nur eine Nebenrolle, wird aber vermutlich im nächsten Band mehr Raum einnehmen. Mir gefällt, dass das Ende an sich rund ist und man nicht mit einem extremen Cliffhanger zurückgelassen wird. Im Grunde kann man das Buch sogar als Einzelband lesen. Der Wunsch nach mehr ist trotzdem riesengroß bei mir, denn hier ist noch so viel Potenzial, so viele Geschichten, die erzählt werden wollen und ich kann es kaum erwarten, die Reise der Protagonisten weiter zu verfolgen.

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