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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.09.2019

Die erste Hälfte war am besten

Perfectly Broken (Bedford-Reihe 1)
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Nachdem ihr Freund bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist, steht Brooke völlig neben sich. Ein Umzug in das beschauliche Städtchen Bedford soll ihr bei einem Neustart helfen.
Ein neuer Job, eine ...

Nachdem ihr Freund bei einem Verkehrsunfall ums Leben gekommen ist, steht Brooke völlig neben sich. Ein Umzug in das beschauliche Städtchen Bedford soll ihr bei einem Neustart helfen.
Ein neuer Job, eine neue Wohnung – es scheint, als würde es tatsächlich aufwärts gehen mit Brookes Gemütsverfassung. Vor allem ihr Nachbar trägt dazu bei. Aus Loyalität gegenüber ihrem verstorbenen Freund erlaubt Brooke es sich nicht, einen Mann kennenzulernen.
Trotzdem verbringt sie jeden Abend zu Hause und unterhält sich mit Chase durch die Wand. Diese Idee fand ich sehr süß und gelungen, vorallem als Chase dann auch noch begann, kitschige Liebesromane vorzulesen.
Brooke war mir zunächst sympathisch und ich fand ihr Zögern, sich auf einen neuen Mann einzulassen durchaus realistisch.
Ihre Freundin und Chefin Molly ist ein wenig durchgeknallt, lockert allerdings die Atmosphäre des Buches auf.
Allgemein hat der Roman einige humorvolle Momente. Mein persönliches Highlight war der Spitzname „Eselchen“, den Chase für Brooke gewählt hat. Darüber konnte ich bis zum Schluss immer wieder lachen.
Die ganze erste Hälfte hat mir sehr gut gefallen, da einfach alles sehr stimmig war.
Leider nahm meine Begeisterung für „Perfectly broken“ nach einer Weile immer mehr ab. Es gab einen Plottwist, den ich kürzlich sehr ähnlich in einem anderen Roman gelesen hatte und den ich deswegen wenig originell fand.
Zudem halte ich es für höchst unwahrscheinlich, dass zwei Menschen, die in dieser Konstellation zueinander stehen, zufällig aufeinander treffen.
Brooke hat die Angewohnheit, wenn ihr selbst die Worte fehlen, einfach nachzuplappern, was ihr Gegenüber gesagt hat. Je häufiger dies vorkam, desto nerviger wirkte es auf mich.
Generell werden die Dialoge im Verlauf der Geschichte immer hölzener.
So kam es, dass meine Meinung von „Perfectly broken“ eine Talfahrt von „Hach wie schön“ zu „Naja, geht schon so“ gemacht hat.
Schade.

Veröffentlicht am 08.09.2019

Wiedersehen mit der Familie Hayes

Für immer Rabbit Hayes
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Erst vor wenigen Monaten habe ich Anna McPartlins Bestseller „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ gelesen und dachte mir, dass ein Davie und Juliet Spin-off eine tolle Idee wäre. Deswegen war ich begeistert, ...

Erst vor wenigen Monaten habe ich Anna McPartlins Bestseller „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ gelesen und dachte mir, dass ein Davie und Juliet Spin-off eine tolle Idee wäre. Deswegen war ich begeistert, als ich gesehen habe, dass es tatsächlich eine Fortsetzung geben wird.
„Für immer Rabbit Hayes“ schließt nahtlos an den Vorgängerroman an. Zu Beginn werden Rabbits letzte Minuten noch einmal wiederholt, diesmal aus der Sicht ihrer Mutter Molly. Anschließend begleiten wir die Familienmitglieder nach Hause und erleben sie in den ersten Stunden und Tagen ihrer Trauer.
Da ich das erste Buch wie bereits erwähnt erst kürzlich gelesen hatte, waren mir die Charaktere noch vertraut und es fiel mir sehr leicht, in die Geschichte hineinzukommen. Die ersten 150 Seiten sind so traurig und haben mich teilweise so berührt, dass ich den Tränen nahe war.
Nach der Trauerfeier macht die Handlung einen Sprung von einem Jahr und ab hier fing es an, dass ich den Roman leider etwas langatmig und wenig fesselnd fand. Erzählt werden die selben Situationen aus unterschiedlichen Perspektiven, wodurch es zu Überschneidungen und Wiederholungen kommt. Am interessantesten war noch, wenn Erinnerungen an Rabbit und ihre große Liebe Johnny auf den Tisch kamen, aber im Grunde war dies nur ein Aufguss aus dem ersten Buch.
Ganz zum Schluss, auf den letzten 50 Seiten konnte mich die Handlung noch einmal packen und am Ende schloss ich den Roman tatsächlich mit den Tränen in den Augen.

So schön, wie es war, der Familie Hayes ein zweites Mal zu begegnen, muss ich trotzdem sagen, wenn der erste Teil einfach 200 Seiten länger gewesen wäre, wäre es perfekt gewesen. So wurde sehr viel Drama aufgebaut um die Seiten zu füllen und trotzdem war mir die Handlung zwischendurch zu langweilig, so dass ich nur 3 Sterne geben kann.

Veröffentlicht am 07.09.2019

Am Rande einer Panikattacke

ATME!
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Nile ist glücklich. Ihr Freund lässt sich scheiden und ist mit ihr zusammengezogen. Gemeinsam sind sie unterwegs, um ein Kleid für die Hochzeit zu finden. Doch während sie in der Umkleidekabine noch darüber ...

Nile ist glücklich. Ihr Freund lässt sich scheiden und ist mit ihr zusammengezogen. Gemeinsam sind sie unterwegs, um ein Kleid für die Hochzeit zu finden. Doch während sie in der Umkleidekabine noch darüber lacht, dass eine andere Kundin das gleiche Kleid anprobiert, verschwindet Ben spurlos Er geht nicht mehr ans Telefon, ist wie vom Erdboden verschluckt. Nile malt sich die schlimmsten Szenarien aus und befürchtet, Ben hatte einen Unfall oder wurde sogar entführt.

Die Geschichte ist in der Ich-Form aus Niles Sicht geschrieben. Sie spricht in kurzen Sätzen. Überdurchschnittlich viele davon beginnen mit „Und“. Nile springt zwischen Gegenwart, ihren Ängsten sowie Beschreibungen ihrer Beziehung mit Ben hin und her. Insbesondere am Anfang des Buches kam dadurch ein „Blabla“ Stil auf. Es wirkte wie ein langer Monolog, bei dem man ab einem bestimmten Punkt den Faden verliert, weil es so viele Informationen und so viel Durcheinander ist.

In ihrer Verzweiflung sucht Nile Bens Noch-Ehefrau Flo auf und ab hier wird die Handlung richtig spannend. Die beiden Frauen sind überraschend schnell bereit, sich zusammenzutun um Ben zu finden.
Flo ist in dieser Geschichte die Einzige, die den Eindruck vermittelt, einen kühlen Kopf zu bewahren und rational zu denken.
Nile steigert sich immer mehr in die Situation hinein und hat in ihrem Leben definitiv zu viele Krimis gesehen. An manchen Stellen musste ich lachen, da ich mir nicht vorstellen kann, dass jemand auf so verrückte Gedanken kommt.
Je weiter man liest, desto mehr kristallisiert sich heraus, dass Niles Beziehung zu Ben alles andere als gesund ist.

Obwohl Ben das Zentrum der Handlung ist, tritt er nicht persönlich in Erscheinung, so dass ich zwischendurch Zweifel an seiner Existenz hatte.
Seine Abwesenheit ist definitiv das, was die Spannung aufrecht hält und mich angetrieben hat, immer weiter zu lesen. Ich musste teilweise sogar dem Drang wieder stehen, einen kurzen Blick aufs Ende zu werfen, um hinter das Geheimnis zu kommen.

Zum Finale verwirrt die Autorin den Leser noch einige Male. Die Ereignisse überschlagen sich, weitere Personen betreten das Spielfeld und gleichzeitig spielt Niles Fantasie immer mehr verrückt.

Das Ende kommt einerseits als Schock, ist aber gleichzeitig so unlogisch und unwahrscheinlich, dass es mich etwas enttäuscht zurücklässt.
Mir gefällt, dass die Autorin dem Leser überlässt, das Gelesene zu interpretieren. Nur kommt mir die offensichtliche Lösung äußerst unrealistisch vor.

An „Atme!“ mochte ich insbesondere das hohe Erzähltempo und dass ich mitfiebern konnte, obwohl mir die Hauptfigur nicht sympathisch ist. Dafür, dass hier im Grunde nur zwei Personen vorkommen (Nile und Flo) überzeugte der Krimi auf jeden Fall durch Spannung und Kurzweiligkeit.
Nur hätte das Ende gerne etwas glaubhafter sein dürfen.

Veröffentlicht am 11.08.2019

Gruselige Geschichte - Zwischen Einbildung und Wirklichkeit

Kalte Wasser
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„Kalte Wasser“ von Melanie Golding beginnt mit der Geburt von Zwillingen. Für die Mutter Lauren ist dies kein leichtes Unterfangen, welches nach stundenlangen Wehen in einer Zangengeburt endet. Diese wird ...

„Kalte Wasser“ von Melanie Golding beginnt mit der Geburt von Zwillingen. Für die Mutter Lauren ist dies kein leichtes Unterfangen, welches nach stundenlangen Wehen in einer Zangengeburt endet. Diese wird ebenso wie die nachfolgenden Komplikationen so anschaulich und blutig beschrieben, dass einem schon die ersten Seiten wie ein Horrorfilm erscheinen.
Allgemein vermittelt die komplette Handlung des Buches eine extrem düstere und unheimliche Atmosphäre.
Jedes Kapitel beginnt mit einem Auszug aus einem Märchen oder einer Sage zum Thema Wechselbälger. Diese Geschichten sind so schonungslos brutal, dass ich mich frage, wer seinem Kind diese Art von Märchen vorliest.
Für „Kalte Wasser“ sind sie der perfekte Übergang zur Handlung, denn nur wenige Stunden nach der Geburt bekommt Lauren Besuch von einer Landstreicherin, die ihre Babys mit ihren tauschen möchte. Allerdings hat niemand außer Lauren die Frau gesehen und die Sicherheitsvorkehrungen auf der Wöchnerinnenstation sind so hoch, dass ein Eindringen nahezu unmöglich ist. Niemand glaubt ihr und die Ärzte begründen das Erlebnis mit den Nachwirkungen von Medikamenten. Einzig die Polizistin Jo Harper hat Zweifel, ob hinter diese Geschichte nicht doch mehr stecken könnte.
Aus dem Krankenhaus entlassen wird Lauren von Wochenbettdepressionen und Angststörungen geplagt, so dass sie sich nicht mehr traut, das Haus zu verlassen, sondern sich nur noch in ihrem dreifach verriegelten Schlafzimmer verkriecht. Die Ehe zu ihrem eher lieblosen Mann Patrick leidet zunehmend unter dieser Situation.
Als Lauren sich endlich überwindet, einen Spaziergang zu unternehmen, wird ihre größte Angst Realität – die Zwillinge werden entführt.
Die Handlung von „Kalte Wasser“ ist im Grunde genau das, was eigentlich bereits im Klappentext steht. Die Geschichte lebt nicht von Komplexität sonder von Düsterheit und der ständigen Frage, womit wir es hier zu tun haben. Sind all diese Vorgänge nur die Ausgeburt einer psychisch labilen Frau oder ist hier tatsächlich eine übersinnliche Macht am Werk?
Melanie Golding füttert beide Theorien gleichmäßig und überlässt es dem Leser, was er glauben möchte.
Ich mochte das Konzept dieses Thrillers sehr gerne, da es mal etwas Anderes war. Ich bin nicht der größte Fan von Mystery Krimis aber hier hat mir gut gefallen, dass es genauso viele Gründe gibt, die für eine logische Erklärung sprechen als dagegen.
Für mich war „Kalte Wasser“ durchweg sehr spannend und fesselnd zu lesen und die detaillierte Beschreibung der Umgebung, sei es die psychiatrische Einrichtung, in die Lauren eingeliefert wird oder der einsame Wald und das geflutete Dorf, verstärkten den Grusel, so dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.
Ein sehr gelungenes Debüt!

Veröffentlicht am 21.07.2019

Bizarr

Harz
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„Im weißen Zimmer war es dunkel, als mein Vater meine Großmutter umgebracht hat“. Schon der erste Satz von Ane Riels Thriller „Harz“ ließ mich erschrocken blinzeln. Ebenso verstörend geht die Geschichte ...

„Im weißen Zimmer war es dunkel, als mein Vater meine Großmutter umgebracht hat“. Schon der erste Satz von Ane Riels Thriller „Harz“ ließ mich erschrocken blinzeln. Ebenso verstörend geht die Geschichte weiter. Die 6-jährige Liv lebt mit ihren Eltern abseits vom Dorf in einem Haus mitten im Wald. Damit sie nicht in die Schule muss, wurde sie von ihren Eltern tot gemeldet.
Für Liv scheint dies nicht weiter sonderbar zu sein. Sie erzählt mit einer Selbstverständlichkeit von nächtlichen Raubzügen mit ihren Vater und ihrer Wohnsituation, dass man Gänsehaut davon bekommt.

In Rückblicken wechselt die Erzählperspektive zu Livs Vater Jens. Dieser Teil las sich nicht ganz so spannend und hatte einige Längen. Trotzdem ist es für die Handlung wichtig zu sehen, dass auch Jens einst eine ganz normale Kindheit und Jugend hatte, bis alles aus dem Ruder lief.

Die Leserstimme auf dem Einband beschreibt es eigentlich ganz gut. Man sympathisiert mit jedem Charakter. Niemand in diesem Buch agiert aus Bösartigkeit. „Harz“ ist vor allem eine Charakterstudie. Was passiert mit Menschen, die in völliger Isolation leben? Abgeschnitten von jeglichen Informationsquellen, Freunden, Input von anderen Personen...
Im Falle der Familie Harder führt diese selbstgewählte Lebenssituation zu einem immer größeren Realitätsverlust und einer zunehmenden Ausprägung von Ängsten und irrationalem Verhalten.
Ane Riel gelingt es, das Leben der Familie sehr real zu beschreiben, so dass einem bei der Vorstellung von all dem Gerümpel, Dreck und Gestank das Grausen kommt.

Der Dreh- und Angelpunkt dieses Buches sind die Kapitel aus Livs Sicht. Sie ist größtenteils ahnungslos, wie bizarr ihre Lebenssituation ist, da es für sie Normalität geworden ist. Für ihr Alter ist sie überraschend erwachsen und pragmatisch. In gewisser Weise sogar mehr als ihre Eltern.

Etwas befremdlich fand ich die Darstellung der Dorfbewohner, da die Kapitel aus Sicht des Gastwirts kindlicher geschrieben waren als die aus Livs Perspektive.

Analog zum ersten Satz des Buches gelang es Ane Riel auch den letzten Satz als absoluten Schocker zu formulieren, der mich direkt einen Moment lang sprachlos zurück ließ.

„Harz“ war für nicht wirklich ein Thriller, da sich die Spannung in Grenzen hielt, aber ich empfand eine bizarre Faszination, mehr über diese Familie herauszufinden.
Die Geschichte war anders als ich es erwartet hatte, jedoch in jedem Fall originell und hebt sich somit von den Büchern ab, die ich in letzter Zeit gelesen habe.